Читать книгу Scriptor Praxis: Der Dialog als Schlüssel für guten Unterricht - Dr. Monika Wilkening - Страница 5
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Besser lernen durch Dialog? Brauchen wir dazu noch ein Buch, liebe Kolleginnen und Kollegen? Wir geben doch tagtäglich unser Bestes: Wir sind engagiert und offen für Neuerungen, meistern die Hürden des Alltags. Und nebenbei bilden wir uns fort: Mit den Neuerungen und Ergebnissen der PISA-Studie aus dem Jahr 2018 beschäftigen wir uns dabei ebenso wie mit den Anforderungen an globales Lernen. Und natürlich sprechen wir miteinander.
Wir können von Praxisratgebern rund um „guten Unterricht“, etwa zu Gesprächen, profitieren: Wir führen Unterrichtsgespräche, Rückmeldegespräche, Lernentwicklungsgespräche, Lerndialoge etc.
Warum ist es dennoch so schwer, gute Gespräche zwischen uns und unseren Schüler/-innen und den Schüler/-innen untereinander anzuleiten, Gespräche, in denen das Lernen thematisiert wird, um es ggf. effektiver zu gestalten? Schließlich möchten wir bei unseren Lernenden die Grundlagen für lebenslanges Lernen schaffen.
Häufig stehen wir vor dem Problem, dass unsere Lernenden sich kaum für einen tiefer gehenden Dialog öffnen. Liegt es möglicherweise daran, dass sie Fragen, Aufgaben oder Inhalte nicht immer verstehen? Und verstehen sie die Kompetenzen und Erfolgskriterien, über die sie am Ende verfügen sollen? Üben und wiederholen sie in der Interaktion miteinander? Fehlen ihnen womöglich Gesprächskompetenzen? Können sie gewinnbringend zuhören und wahrnehmen, auf Fragen eingehen und Fragen stellen, Lernbedürfnisse formulieren? Ist das Klima in der Klasse lernfördernd? Sind die Lernenden bereit, Feedback aufzunehmen und zu geben? Profitieren sie vom Feedback? Liegen die Schwierigkeiten bei der Umsetzung eines guten Dialogs vielleicht an grundlegenden Voraussetzungen, den Einstellungen zum Lernen und den Lernmotivatoren, an festgefügten Lernhaltungen (fixed mindset), die zu selten in entwicklungsoffenere Einstellungen (growth mindset) umgewandelt werden? Sind die Lernenden überhaupt an ihrem Lernprozess, ihrer Lernerfahrung interessiert, an der ja vieles optimiert werden kann, oder nur an der „Endnote“?
Viele der hier aufgeworfenen Fragen beschäftigen sicherlich auch Sie in Ihrem Schulalltag. Deshalb beleuchte ich den Dialog mit den Schüler/-innen in diesem Buch in seinen verschiedenen Facetten, denn das Lernen, hier Lernen durch guten Dialog, liegt uns als motivierten Lehrkräften allen am Herzen. Ebendieser gute Dialog ist auch das Herzstück der Möglichkeit, mit unseren Schüler/-innen während und nach der Pandemie gemeinsam Lernerfahrungen zu verarbeiten und daran zu wachsen.
Auch ich lerne täglich von meinen Schülerinnen und Schülern. Persönliche Motivation und Berufsethos haben dazu geführt, dass ich mich schon seit langem in der Fachdidaktik meiner beiden Fächer, den modernen Fremdsprachen, engagiere; die Aktionsforschung meines eigenen Unterrichts mit Befragungen zu unterschiedlichen Themen beziehe ich dabei ein. In den letzten Jahren habe ich mich intensiv mit Rückmeldeprozessen beschäftigt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die uns allen bekannten traditionellen Formen von einseitigen Rückmeldungen nicht auf effektive Weise zum Weiterlernen beitragen. Aus diesem Mangel heraus hat mich die neuere Forschung zu dialogischem Feedback fasziniert.
Im englischsprachigen Raum wurde in den letzten Jahrzehnten hierzu schon vieles erfolgreich erprobt. Ich möchte – neben den anderen oben genannten Themen – einige Erkenntnisse und Erfahrungen mit Ihnen teilen, die ich selbst für meine Praxis hilfreich finde und die für alle Schulformen, Fächer und Klassenstufen anpassbar oder auch sofort anwendbar sind: Ideen und Impulse für gute Feedbackgespräche der Lehrkraft mit Lernenden, für gutes Partnerfeedback und gutes Selbstfeedback, die die Verantwortung für das eigene Lernen stärken.
Da mich die Einstellung der Schüler/-innen zum Lernen so manches Mal nachdenklich stimmt und sie gute Gespräche beim und über das Lernen behindern kann, habe ich mich mit der grundlegenden Literatur zu Lerneinstellungen (fixed mindset / open mindset) befasst, in der umfangreiche Vorschläge zur praktischen Umsetzung gemacht werden. Diese – im Allgemeinen interaktiv konzipierten – Vorschläge habe ich für unsere Schulen angepasst und möchte sie mit Ihnen teilen.
Ich lade Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, ein, sich mit mir auf eine spannende Reise zu begeben, auf der wir über effektive Gespräche während des Lernens sowie über das Lernen gemeinsam nachdenken. Natürlich gibt es dabei keine „fertigen Rezepte“. Das Ende ist offen, denn der Weg ist das Ziel. Aber es gibt eine gute Nachricht: Wir können diese Gespräche positiv beeinflussen. Bemühen wir uns also darum, gemeinsam mit allen am Lernprozess Beteiligten gute Voraussetzungen dafür zu schaffen. Wir können mit unseren Lernenden Gespräche planen, diese durchführen und auswerten, sodass alle ihr Handwerkszeug für lebenslanges Lernen einüben. Der neuseeländische Bildungsforscher John Hattie gibt uns dazu folgendes Motto mit auf den Weg: „Know Thy Impact!“ (Kenne deinen Einfluss, siehe Hattie 2014, VII.)