Читать книгу neukunst oder der Maulwurf - Dr. Wolfgang Mehringer - Страница 4

1 Die Erschütterung

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Philip Reissnagel war ein gutmütiger Typ, wie man so sagt. Er entstammte einer Beamtenfamilie, und eigentlich schien es sich nicht zu lohnen, ihn näher zu beschreiben. Er war Wissenschaftler in einer ziemlich untergeordneten Position gewesen und war seit langem mit Marina verheiratet. Eine Tochter – mit Familie – war engagiert und erfolgreich in ihrem Berufsleben. Mit Marina lebte Philip in einer Mietwohnung am Rande einer kleineren Großstadt.

Er konnte es sich nicht recht erklären, wieso es dazu kam Bei der Lektüre der Morgenzeitung war er an einem Satzfetzen oder vielmehr dem Anfang eines Satzes hängen geblieben Er hatte diesen . Satz dann mehrmals gelesen und dabei vergeblich nach einem Verständnis oder irgend einer klaren Vorstellung gerungen.- „Wie Dalira Kuras-Biele exerzitiv und rigoros das figurativ - transzendierende überwindet und dabei stringent leuchtendes verschwimmen lässt---„ - hatte dies nun stringent auf irgendeine Ecke seines Gehirns zugegriffen, Sollte er in dieser (angekündigten) Kunstausstellung tatsächlich solches oder ähnliches erfahren können?! – bei seiner, wie er meinte, doch sehr nüchternen Natur! Marina lächelte, als er den Satzfetzen zitierte. Nein, sie ginge da nicht hin. Sie hätte mit ihrer Freundin Aschra, jetzt wieder Lieselott, schon zu viel von diesem Zeugs erlebt. Er solle sich das aber ruhig mal ansehen - bei der Vernissage am besten. „Vernissage“? - ajaa, bei der Eröffnung der Ausstellung halt, mit ihrem ganzen drum und dran. Um Ausstellungen moderner Kunst hatte sich Philip seit ihrer gemeinsamen Münchner Zeit, nicht mehr gekümmert, sie, besser gesagt, auch nicht sehen wollen. Im Rückblick standen ihm da immer noch irgendwelche schauerlichen „Schmierereien“ und „Farbklexorgien“ vor Augen. Aber doch! - da hat sich vieles geändert. Marina lachte.

Bei seiner Rückkehr von der Ausstellung war ihm wenig anzumerken. Leere Räume, sagte er fast tonlos. Das kenn ich, bemerkte Marina. Ein Raum aber war voll, vollgestopft mit Menschen. Dieser Raum, mit den bereits geleerten Weinflaschen und einigen wenigen noch verbliebenen Lachsbrötchen. Davon wollte er später noch erzählen. Zunächst mal seine Eindrücke von dem sehr sehr wenigen, das er in den leeren Räumen vorgefunden hätte. Da war dieser „Operationssaal“. Das heißt, aus diesem Saal waren bereits alle medizinischen Geräte entfernt worden, nur der „Operationsmüll“ sei noch verstreut in einer Ecke gelegen. Binden, Spritzen, viel weißes Zeug - zum Glück das meiste ohne Blutflecken. Und - fragte Marina - wie sie diesen Haufen künstlerisch geadelt haben, hast du das dann gelesen? Bei diesem Haufen noch nicht, sagte Philip. Er zog einen bunten Packen gefalteter Papiere aus seiner Jackentasche. Marina nahm sie an sich und begann aus einem der Blätter vorzulesen: „Die weißen Brücken, die uns übersetzen in das fern bewusst Bewegte, treiben überständig neben der Ideenflut. Dem Künstler geht es neben der Vorstellung“ - - - Genug! - Philips Tonfall bedurfte keiner Interpretation. Und danke. Dessen Vorstellung (Philip wurde ein wenig heftig) - geht - mich - aber - überhaupt - nichts an! Was er da denkt, fühlt oder sagt! Hör dir das da an (Er entfaltete eines der bunten Papiere

) – und frag mich dann, was ich gesehen haben könnte: „Alles Persönliche ist aus der Zeit herausgehoben. Wir finden dabei eine Identifizierung mit dem sehr Konkreten des hier und heute Abstrahierten. Einzigartig ist dabei die Übertragung der abstrakten Form in die

materielle Behandlung im Figurativen. Die Vermittlung ist dabei auch besonders transparent, denn die Unschärfe in diesem Spannungsfeld ist nicht auflösbar, als eine Symbiose zwischen dem Figurativen und der zum Raum gewordenen Form“. Stopp, und so weiter. Philip blickte Marina ironisch an. Marina gab sich unbeeindruckt. Alles Mögliche kann das sein, meinte sie trocken. Nichts erraten also! Philip freute sich. Zur Auflösung des Rätsels; Es handelt sich um einige wirklich sehr schlichte Portraitzeichnungen - und auch wenn ich etwas überheblich sein sollte; jede begabte Schülerin aus der zehnten Klasse könnte das so - oder sogar erheblich besser - hinbringen. Der

Clou - hahaha! - ist dann eine schwach farbige Kreisscheibe, die einen Teil des Gesichts überdeckt. Fertig - - - 7,8,9 - aus! Eine Pause, beide lachten. Vielleicht auch mehr zum Gähnen, meinte Philip. Wie Du`s schon beschworen hast, unterbrach ihn Marina, kann es uns denn nicht ganz wurscht sein, was eine Künstlerin mit ihrem Werk im Sinn hat? Philip war am überlegen, Ja, sicher, ja doch - ich meine allermeistens. Wem gefallen nicht die Höhlenmalereien aus der Steinzeit? - und wir wissen dabei absolut, oder eben fast nix darüber, warum das gemalt wurde! Oder glaubst du, dass mich das am Ende doch noch faszinieren könnte, wenn einer malt wie im Kindergarten, aber alle Bilder verkehrt rum aufhängt – und mir dann geheimnisvoll ins Ohr raunt, weshalb er das so macht?!

Marina lachte. Kunst ist eben Ausdruck der Zeit - hab ich mal in der Schule gelernt. Das passt doch - oder? Philip war empört. Und das soll dann noch Kunst sein?! Marina blieb hartnäckig bei ihrer Meinung. Das ist - das ist - - -. Philip war im Moment tatsächlich sprachlos (was nur selten vorkam), Du hast recht, sagte er dann. Es wird nur gelabert, gelästert, oder aber - sophisticated – irgend so was wie ein Lob dahingehudelt, Aber - ja! - wir müssten das - mit klaren Worten, also mit bestimmten, mit vernünftigen Kriterien, sag ich mal, behandeln, bewerten können. Ich werd mich da - mmhh - ein bisschen drum kümmern. Er blickte dabei reichlich verunsichert drein. Marina erlöste ihn. Du wolltest ja noch was von den anderen Kunstwerken - - -. Philip nahm diese Erleichterung dankbar an.

Also, in einem dieser doch ziemlich großen Räume lag - ein großer runder Stein; und darüber, aufgehängt an der Decke, schon irgendwie kunstvoll gemacht, schwebend, ein weißes Tuch. Marina frotzelte ihn; Du warst da dann doch ein bi0chen begeistert? Er suchte zu relativieren. Das war sicher kein - - unerfreuliches Bild, im Gegensatz zum chirurgischen Müll. Und, weil du ja doch ein gewisses Faible für die künstlerischen Intentionen zu haben scheinst - möglicherweise hat dich dabei die Lieselott beeinflusst - da, bei diesem Kunstwerk, so nenn ich`s mal, scheint’s mir klar zu zu sein. Es geht darum, den Gegensatz empfinden zu lassen zwischen gewichtigen Dingen und den anderen, leichten. Wenigstens damit, meinte Marina, konntest du endlich mal was anfangen. Aber, hast du dann dazu auch noch den Beipack - Zettel gelesen? Eben! - sagte Philip. Was soll das? Diese Installation, so könnte man`s vielleicht nennen, hat mich bei all ihrer Schlichtheit klar angesprochen. Alles andere, sicher, als ein großes Kunstwerk - -. Marina lachte. Hast du nicht gerade eben vom „labern“ gesprochen?! Aber, du willst ja noch auf die Jagd nach Kriterien gehen, oder? Philip lächelte - fast verschämt, zugleich aber auch verschmitzt. Wohl zu meinem Glück hab ich in diesem Fall, wie auch sonst meistens, den Beipack - Zettel, wie du ihn nennst, nicht gelesen. Und bin auch keinem Zwang unterlegen, mich bei diesem, sagen wir halt mal Kunstwerk, meditativen Exerzitien zu unterwerfen. Ich bin also relativ schnell in den nächsten Raum gegangen. Bilder einer Ausstellung, komponiert von Philip Reissnagel, lachte Marina. Auch Philip musste lachen. Da waren also zwei junge Damen, beschäftigt mit solchen Exerzitien. Das heißt, sie saßen am Boden und blickten gebannt auf einen Lichtfleck, der auf eine Wand projiziert wurde. Dieser Lichtfleck bewegte sich langsam, langsam ein wenig zur Seite, und dann wieder zurück. Das Tolle dabei war dann, dass er auch irgendwann einmal seine Farbe änderte. Ich habe nicht gewartet, etwa um herauszufinden, in welchem Rhythmus das nun passiert oder welche Farben da noch auftauchen würden. Für die zwei Damen anscheinend tatsächlich ein Mysterium. Tatsächlich? Marinas Tonfall war eindeutig spöttisch. Philip lächelte. Es wurde ihm also klar gemacht, dass man sich bei einer solchen Beurteilung doch sehr irren konnte. Er sagte dann nur; Für mich jedenfalls nicht, mit oder ohne Beipack - Zettel .Im nächsten Raum gab’s dann noch einiges mehr - zu meiner Ernüchterung: zwei - oder waren es drei? - größere Bilder. Ich bin geflüchtet, obwohl nichts Schreckerregendes zu sehen war, allerdings wirklich ungemein langweilige eckige Muster. Marina hatte in den Zetteln herumgeblättert. Da! - sagte sie und begann vorzulesen: Die Muster erscheinen materialisiert, ohne dies jedoch preiszugeben. Es scheint einen Weg durch die Geschichte zu nehmen - undurchsichtig und dem Unbewussten nahe. Und so weiter. Du hättest also doch auch hier wieder meditieren sollen! - - Es klang ziemlich frech, wie Marina das sagte. Irgendwas hat sie im Hinterkopf, dachte er. Denn ihr Lächeln dabei - -. Also gut, im nächsten Raum dann, die nächste Flucht? Kein Grund, mich Provoziert zu fühlen, dachte Philip und erzählte weiter: Ein kurzer Stopp mit einem Blick auf ein paar Ornamente - farbig? - nein, schwarz-weiß, irgendwelche Kreise, mit ein paar Spitzen dran.- - . Bitte nichts aus dem Beipack!! Nächster Raum, eine Wand voll mit Buchstaben, Wörtern, Sätzen, groß und klein, englisch, ein irres Kauderwelsch, völlig unverständlich. Im nächsten Saal ein großer Sandkasten mit Collagen, irgendwelches drauf gepapptes Zeug, ein helles zerrissenes Foto dabei, Strichmännchen artige Figuren, auch mal ein Farbklex dazwischen. Marina fing wieder vorzulesen: Die Künstlerin arbeitet an den Facetten der Vieldeutigkeit des Sandes, seinen strukturellen Metamorphosen, die sie von der Aura des Kosmischen überwölbt sieht. Dabei lässt sie Bezüge zur alltäglichen Wahrnehmung, soweit sie unser Bewusstsein erreichen - . Ja, das reicht. Philip unterbrach sie. Ich hab mich von dieser Öde verabschiedet. - Marina kam in Fahrt; Das geht wieder in die Richtung von Gelaber. Dazu möchte ich - später noch verschiedenes sagen. Aber du verstehst jetzt mein Desinteresse an solchen Ausstellungen! Philip suchte sich zu verteidigen. Öde! - oder wie sollt ich’s denn sonst nennen? - das Gefühl zunächst, die Enttäuschung auch. Man erwartet ja doch irgendetwas - Was?? (Marina war sehr gespannt) - so etwas wie (Philip kämpfte hart mit Gedanken und Formulierungen) - wie einen Zusammenhang mit all dem, was man in der Kunst - in der Kunst von Jahrtausenden! - so gesehen hat. Wobei man irgendwie gestaunt hat, sich gefreut hat, dabei das Können - ja, das Können in den Kunstwerken gespürt hat. - - . Okay, dann bin ich mitten hinein, in die Feier, in die volle Stube, wo diese Ausstellung - ja doch! - wie es mir schien, gefeiert wurde. - - . Wie es dir schien? Marinas Unterton war wieder etwas spöttisch. Philip überlegte einen Moment. - . Erwartet hatte ich - einen Bezug zu dieser Ausstellung, irgendwelche Diskussionsrunden in irgendwelchen Ecken. Eigentlich hätte dazu doch auch noch die eine oder andere Gruppe vor den Exponaten der Ausstellung stehen können – oder sollen?! Nix von alledem! Ein „Event“ eben, den man feierte. Dass dabei irgendwie auch Kunst mit im Spiel war - oder sein sollte, sein sollte! - war an diesem Künstlermaskenfest, so möchte ich`s mal nennen, dann doch nicht zu verkennen. Hüte, Schals, kunstvolle bunte Kleider, Bärte, Pullover, Schminke, verwegen bis riskant. Auch gab es ein paar ausgezehrt - griesgrämige Gesichter - dabei vermutlich echte Künstlerinnen und Künstler. Marina lachte. Die richtige Gesellschaft für dich! Philip lächelte. Kam mir in meinem simplen Aufzug - Jeans und Pullover hattest du mir geraten - zum Glück nicht völlig deplatziert vor - konnte unbemerkt , sozusagen, an den vielen mir völlig unbekannten Gruppierungen, die Leute meine ich, vorbeischlendern und ein bisschen mithören. Nein! - nichts wurde hier diskutiert. Gelächter, freudiges Jauchzen, ernste Empfehlungen: das sollten Sie sich mal ansehen! - wirklich toll! - also wir machen das jedes Jahr – und so weiter und so weiter. Auch ein paar Einsame standen herum, mit ziemlich leerem Blick, teilweise, oder auch erwartungsvoll in irgendeiner Hinsicht. Philip machte eine Pause. - - . Ja - und Wein trinken, in winzigen Schlückchen, war noch die Pflicht, oder zumindest, sich an einem Glas festzuhalten. Ja, weshalb trinken die Leute? Man weiß, ein Zeremoniell beim Zusammensein. Mehr noch! Die Bestätigung fürs Zusammengehörigsein! Das war’s wohl. Und noch ganz schlicht - hier gab’s die Möglichkeit, eine Party zu feiern ohne eingeladen zu sein. Zunächst hatte ich auch gedacht, diese Leute wären alle vor den Werken der Ausstellung geflüchtet, so wie ich. Einige vielleicht schon auch. Andere könnten mit halb geschlossenen Augen durch die Räume getappt sein. Wenn ich mal versuche, diese Show irgendwie zu verstehen - - die künstlerische Uniformierung, die uniformen kunstvollen Gebärden - -. Jede und jeder ist hier eben Künstlerin und Künstler und man ist dabei unter seinesgleichen. Anders als die Masse draußen. Und alle sind jung, besonders die Alten. Mehrere Wunder sozusagen gleichzeitig - Kunst wird zum Erlebnis! Bleibt die Frage: Was. ist der Grund für die Magie des Wortes - des Wortes! - Kunst? Erkennbar als ein Klebstoff, der einige Fetzen unserer Gesellschaft zusammenbringt. In der Ausstellung für einen Moment - wie anderswo neben dem Fußballplatz, Wir sind wieder - eine Steinzeitmenschengruppe!

Hübsch - da ist was dran, meinte Marina. Mir fällt da noch was andres ein. Erinnerst du dich noch an die Geschichte? - die ging etwa so Es war einmal eine Ministerpräsidentin, die liebte es sehr, sich abwechslungsreich in phantasievollen, insbesondere auch bunten Kleidern zu zeigen. Und jeden Tag zog sie verschiedenes neues an. Eines Tages kamen zu ihr einige Fachleute und teilten ihr mit, sie hätten, extra auch für sie, etwas ganz tolles entwickelt. Mittels einer neuen Technologie sei es ihnen gelungen, „Psychotex zu weben. Das sei ein Stoff mit völlig ungeahnten Möglichkeiten, insbesondere auch zur künstlerischen Gestaltung. Das tollste dabei wäre aber dann gerade noch folgendes. Die mit Psychotex hergestellte Bekleidung wäre für alle diejenigen unsichtbar, die in ihrem Amt nichts taugten! Die Präsidentin war begeistert. Denn sie erkannte sofort, dass ihr damit die Möglichkeit eröffnet wurde, unfähige Minister schnellstens aus ihren Ämtern zu entfernen. Denn diese würden ja keine Beschreibung ihrer Kleider geben können! Die Psychotex-Technologen bekamen sofort eine leerstehende Suite in einem Technologiezentrum zugewiesen und erbaten sich nach drei Tagen einen Gutachter. Dieser sollte die Qualität einer fertiggestellten Auswahl von Psychotex-Mustern überprüfen. Der Gutachter kam und sah, wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Psychotex-Webergruppe ächzend eine größere Menge an Stoffballen herbeischleppten und sie anschließend auf Tischen und Bänken und sogar noch auf dem Boden auslegten. Der Gutachter rieb sich die Augen. Er hatte doch gesehen, dass diese Leute verschiedene Stoffe hinlegten – aber – er sah diese Stoffe nicht!! Ogottogott!! Er war also unfähig für sein Amt!! Der Gutachter riss sich zusammen. Er war ja nicht dumm. Es sollte einfach keiner merken, dass er nichts sah! Er fragte also den Leiter der Gruppe eingehend aus und notierte sich, was dieser ihm so im Einzelnen zur Gestaltung der Gewebe erzählte. Die Präsidentin war sehr erfreut über einen entsprechenden Bericht des Gutachters. Sie verabredete auch gleich für den nächsten Tag eine Anprobe mit ihrer Modellschneiderin. Es geschah das gleiche. Beide sahen – nichts! Die Präsidentin traf das besonders hart, natürlich. Aber die beiden Damen spielten ihre Rolle ebenso gut wie der Gutachter und übertrafen sich gegenseitig ständig im Lob über die überaus vorzüglichen und insbesondere auch phantasievoll gestalteten Muster der Gewebe, Die Technoleute lächelten und nahmen dankbar das vereinbarte Honorar in Empfang. Sie reisten allerdings noch am gleichen Tag wieder ab, zu einem weiteren wichtigen Termin, der sich inzwischen ergeben hatte, wie sie sagten.

Bereits für den folgenden Tag war ein Auftritt der Präsidentin in der Öffentlichkeit geplant. Es hatte sich inzwischen herumgesprochen, welche phantastische Eigenschaft das neue Gewebe Psychotex besaß. Und - man höre und staune - die Bekleidung der Präsidentin wurde - beinahe! - von der gesamten Bevölkerung bewundert. Philip lachte. Jaja, ich kenn die Story. Die kleine Emma, die noch kein Amt zu verlieren hatte, sagte ganz laut. Mama, warum hat denn die Frau nix an? Und plötzlich riefen dann alle - -. Und die Präsidentin entriss ihrer Begleiterin den Mantel, lachte Marina. Im Moment, sagte Philip, finden ja auch noch viele so genannte Kunstkenner das ganze Brimborium dieser Neukunst so - so - attraktiv, lachte Marina. Du hast`s ja gerade erlebt! Und wer ist die Emma, die das ganze irgendwie „entzaubert“? Philip holte Luft. Emma bedeutet hier die Bewertung mit rational nachvollziehbaren Kriterien. Und auch eine Auseinandersetzung über solche Kriterien könnte

mit vielen daran Interessierten rational verlaufen. Ich denke, es gibt genügend Menschen, die von der fortgesetzten Öde in der Kunst die Nase voll haben. Marina lächelte. Da gibt es aber auch viele andere, die um ihre Sache fürchten. Sie werden schreien, Kunst muss frei sein, darf nicht gegängelt werden! Philip blieb gelassen. Kann sie doch. Aber vieles wird dann vielleicht nicht mehr als große Kunst verkauft und dazu noch jahrzehntelang imitiert werden, sondern wandert - sozusagen - sehr viel früher in einen Abfalleimer. Da ist aber wirklich vieles noch ganz unklar, gab Marina zu bedenken.

neukunst oder der Maulwurf

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