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Gedanken und Vorschriften.

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Von Emil Coué

Der Mensch gleicht einem Behälter, der oben eine Öffnung mit Hahn hat, die bestimmt ist, ihn zu füllen, und der unten eine andere Öffnung mit Hahn hat (von einem etwas größeren Durchmesser), die bestimmt ist, ihn voll zu erhalten oder auszuleeren, je nachdem der Hahn geschlossen oder offen ist.

Was geschieht nun, wenn die beiden Hähne gleichzeitig offen sind? Augenscheinlich ist der Behälter dann immer leer. Und was geschieht, wenn der untere Hahn geschlossen bleibt? Der Behälter füllt sich dann allmählich an, dann läuft er über, und zwar mit einer Flüssigkeitsmenge, die genau der entspricht, die einströmt.

Möge jeder doch diesen unteren Hahn geschlossen halten, und zwar damit er seine Kraft nicht verschleudere. Er möge nur eine Bewegung machen und nicht zwanzig oder vierzig, wo nur eine Bewegung nötig ist. Er möge niemals überstürzt handeln; er möge bedenken, wie leicht eine Sache zu tun ist, sobald sie möglich ist. Wenn wir so vorgehen, wird unser Kraftbehälter immer voll sein, und was überfließt, ist mehr als genug für unser Wirken, wenn wir verstehen, damit zu wirtschaften.

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Nicht die Jahre führen das Alter herbei, die Vorstellung vom Altsein macht uns alt. Es gibt Menschen, die jung sind mit achtzig, und andere, die alt sind mit vierzig.

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Der Altruist findet ohne zu suchen das, was der Egoist sucht, ohne es zu finden.

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Je mehr Gutes ihr den anderen tut, umso mehr Gutes tut ihr euch selbst.

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Reich ist, wer sich für reich hält; arm, wer sich für arm hält. Wer große Reichtümer besitzt, sollte einen großen Teil davon verwenden, um Gutes zu tun.

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Wenn zwei Personen zusammen leben, so sollten beide in Konflikten nachgeben. Es ist aber immer dieselbe Person, die nachgibt.

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Willst du dich niemals langweilen? Habe mehrere Steckenpferde. Bist du des einen überdrüssig, so schwinge dich aufs andere.

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Erbliche Belastung wirkt vor allem dadurch, dass man sich vorstellt, sie sei eine schicksalhafte Wirklichkeit.

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Wer reich geboren wurde, weiß nicht, was Reichtum ist. Wer immer gute Gesundheit hatte, kennt nicht den Schatz, den er besitzt.

Um sich am Reichtum zu freuen, muss man Brotrinde gekaut haben; um sich an der Gesundheit zu freuen, muss man krank gewesen sein.

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Es ist besser: du kennst die Ursache eines Leidens nicht, kannst es aber vertreiben, als: du kennst wohl die Ursache, musst das Leiden aber bestehen lassen.

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Vereinfache alles, kompliziere nichts.

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Die Stoiker stützten sich auf die Einbildungskraft, indem sie nicht sagten: „Ich will nicht leiden,“ sondern: „Ich leide nicht.“

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Man kann im Geiste immer nur eine Vorstellung zu gleicher Zeit haben: sie folgen nacheinander, legen sich nicht übereinander.

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Ich stelle keine Forderungen an die Menschen, ich helfe den Leuten nur, das zu tun, was sie zu tun wünschen, aber wofür sie sich unfähig halten. Es besteht kein Kampf zwischen ihnen und mir, sondern eine Verbindung. Ich bin es nicht, der handelt, eine Kraft handelt, die in ihnen lebt, und die zu benutzen ich sie lehre.

Beunruhige dich nicht über die Ursache des Leidens; stelle einfach die Wirkung fest und beseitige sie. Allmählich wird unser Unterbewusstsein auch die Ursache beseitigen, wenn es möglich ist.

Die Worte „ich möchte wohl“ führen immer zu einem „aber ich kann nicht“.

Wenn du leidest, sage niemals: „Ich will versuchen, dies zu beseitigen,“ sondern sage: „Ich werde dies beseitigen“. Denn wo Zweifel ist, gibt es keinen Erfolg.

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Der Schlüssel meiner Methode liegt in der Erkenntnis von der Überlegenheit der Einbildungskraft über den Willen.

Wenn die beiden Zusammenwirken, wenn man sagt: „Ich will und ich kann“, so ist das vortrefflich. Andernfalls siegt immer die Einbildungskraft über den Willen.

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Lernen wir Charakterpflege, lernen wir, die Dinge genau, klar, einfach sagen, mit ruhiger Bestimmtheit. Sprechen wir wenig, aber klar; sagen wir nur gerade das, was nötig ist.

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Pflegen wir die Selbstbeherrschung. Vermeiden wir den Zorn, denn der Zorn verbraucht unsere Energiereserven, er schwächt uns. Er schafft niemals etwas Gutes, er zerstört nur und ist immer ein Hindernis des Erfolges.

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Seien wir ruhig, mild, wohlwollend, selbstsicher und vor allem: verstehen wir es, uns selbst zu genügen.

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Das Unterbewusste lenkt alles in uns, das Körperliche wie das Seelische. Das Unterbewusste beaufsichtigt das Funktionieren aller Organe unseres Ich bis hin zur kleinsten Zelle durch Vermittlung der Nerven.

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Eine Krankheit fürchten, das heißt, sie herbeiführen.

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Es ist eine Illusion, zu meinen, man habe keine Illusionen.

Selbstheilung und Seelenerziehung durch Autosuggestion

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