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Die geheimnisvolle Mutation vom Hoffnungs- zum Virenträger

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Ein außergewöhnliches Schuljahr ging zu Ende und ich blicke mit etwas Sorge dem neuen Schuljahr entgegen. Mich stimmt seit dem Lockdown im März eines besonders nachdenklich.

Kinder und Jugendliche galten in grauer Vorzeit einmal als Hoffnungsträger der Gesellschaft. Nun hielten sie am Ende des Jahres Zeugnisse in Händen, auf denen eigentlich der Stempel „Virenträger“ zu finden sein sollte.

Nicht anders ist zu erklären, warum exakt die Generation, die sich zwar mit dem neuartigen Coronavirus infiziert, aber kaum daran erkrankt, in eine Art Geiselhaft genommen wird.

Spätestens ab dem Kindergarten ist das Immunsystem der kleinen Hoffnungsträger verschiedensten Infektionen ausgesetzt. Würden wir bei jedem grippalen Infekt, jedem Schnupfencluster den Betrieb der Bildungseinrichtungen herunterfahren, dann wären Bildung und das soziale Netz massiv in Mitleidenschaft gezogen.

Nun haben wir es aber mit einem Virus zu tun, dessen Risikogruppe exakt am anderen Ende der Altersskala zu finden ist. Nur einer von 90 Clustern entstand österreichweit in einer Schule und lediglich ein einziges Mal wurde ein Kind zum „Quellfall“.

Warum also werden den Kindern und Jugendlichen Bildungschancen, Möglichkeiten des gemeinsamen Feierns und Gestaltens entzogen?

Österreichweit fielen bei den meisten, die ein Abschlussjahr absolvierten, nicht nur Feierlichkeiten aus, sie hatten seit Mitte März keinerlei Kontakt zur anderen Hälfte der Klasse. Schüler stolperten in die Ferien, ohne sich nach vier oder fünf Jahren von Klassenkollegen verabschieden zu können.

Ausflüge jeglicher Art wurden im Vorfeld sowieso verboten. Hier hätte es zumindest differenzierter Lösungen bedurft. Praktika, Schullandwochen, Aufenthalte als Aupair, Auslandsstudien und vieles mehr waren für die junge Generation nicht mehr möglich.

Was lernen wir daraus? Kinder und Jugendliche haben in Wahrheit keine Lobby. Ohne die Generationen gegeneinander ausspielen zu wollen, muss uns eines klar sein: Die Kinder erben die Schulden- und Umweltlast von uns. Nun werden sie als „Nicht-Risikogruppe“ auch dazu verdonnert, die „Gesundheitslast“ für andere zu tragen.

Ich bin sehr offen für zukünftige Homeoffice-Modelle mit Schülern (z. B. 4 Tage Präsenzunterricht, 1 Tag zuhause), die das leisten können.

Nur das zu befürchtende zukünftige Rauf- und Runterfahren von Spiel- und Lernorten, um diejenigen zu schützen, die sich leider oftmals auch selbst nicht schützen, finde ich schlichtweg empörend.

Wohin gehen wir als Gesellschaft, die als Erstes auch bei Kindern Berührung, Bewegung, Tanzen, Singen und Feiern verbietet – elementare Ausdrucksformen, die uns zu Menschen machen?

Warum gibt man internationalen Organisation wie der OECD (Pisa-Test) und der WHO einen dermaßen großen Einflussraum auf das Leben von Kindern und Jugendlichen weltweit?

Und eines sollen wir vielleicht auch bedenken: Das bis vor kurzem viel gescholtene und seit kurzem auch gelobte Schweden, das Kindergärten und Pflichtschulen geöffnet ließ und keine Maskenpflicht einforderte, hat von Anfang März bis August mit seinem Sonderweg eine „Covid-19-Todesrate“ von 0,056 % (an und mit Corona-Verstorbenen) zur Gesamtbevölkerung (Belgien 0,086 %, GB 0,07 %).

Der wirtschaftliche und soziale Einbruch konnte hier abgefedert werden. Und Schweden zeigt glasklar, dass wir es nicht mit einer Pandemie im Ausmaß einer spanischen Grippe oder Pest (geschätzte Mortalitätsrate im Mittelalter von 30-40 %) zu tun haben.

Würden wir aber der Logik der momentanen Denke folgen, dann müssten wir – zugespitzt formuliert - wegen des Todes das ganze Leben herunterfahren. Nur, wollen wir das wirklich?

Geben wir den Kindern und Jugendlichen doch wieder ihre Freiheit zurück und sehen in ihnen die Hoffnungsträger für eine bessere Welt, während wir jene der Risikogruppen schützen, die auch geschützt werden wollen!

Gedanken in einer (w)irren Zeit

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