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II. Zum Stand der Forschung

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Problematik der Heine-Forschung

Mit dem Fall der Mauer im Jahr 1989 und dem Ende der Teilung Deutschlands in zwei Staaten in Folge des Zweiten Weltkrieges hat sich auch die Heine-Forschung, die traditionell von außerliterarischen und politischen Prämissen beeinflusst worden ist, grundlegend verändert. (Gutleben 1997) Auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Werk des Dichters ist nicht länger ein Bereich, in dem die weltanschaulichen Differenzen der ost- und westdeutschen Germanistik stellvertretend ausgetragen werden, stattdessen hat sich auch hier die Kanonisierung des Schriftstellers als eines Vertreters der deutschen Literatur von Rang vollziehen können. Des Weiteren ist in der Folge nicht nur die in der Deutschen Demokratischen Republik propagierte Sicht auf den Schriftsteller als eines frühen Vertreters einer „bürgerlich-revolutionären“ Literatur in Frage gestellt worden, sondern auch die von Germanisten in der Bundesrepublik Deutschland tradierte bildungsbürgerliche Perspektive auf sein Werk, die über lange Jahre die im späten 19. Jahrhundert entwickelten Deutungstraditionen und Urteilsmuster fortgeschrieben hat.

Historisch-kritische Ausgaben

Die heutige wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Werk Heinrich Heines ist jedoch noch von einem anderen Aspekt geprägt worden. Das breite positive Wissen über das Leben des Schriftstellers, über die Entstehungs- und zeitgenössische Wirkungsgeschichte seiner Werke, das die beiden großen, in Düsseldorf und in Weimar sowie Paris entstandenen bzw. entstehenden historisch-kritischen Ausgaben der Werke und Briefe zusammengetragen haben, hat der Forschung neue Perspektiven eröffnet. Diese Werkeditionen haben nicht nur erstmals das Gesamtkorpus an literarischen Werken und Schriften in deutscher und französischer Sprache sowie Briefen erschlossen, sondern auch die oftmals komplizierten, zuvor nur lückenhaft bekannten Entstehungs-, Zensur- und Druckgeschichten seiner Werke aufgearbeitet. Ebenso verdienstvoll sind die Einzel- und Stellenkommentare, die im Rahmen dieser Ausgaben entstanden sind und die für das Verständnis der Texte wesentliche biografische, historische und literarische Kenntnisse bereitstellen. Die beiden historisch-kritischen Gesamtausgaben stehen nicht in einem Konkurrenzverhältnis zueinander, sondern ergänzen sich, da sie sich aufgrund ihrer jeweiligen editorischen Grundannahmen voneinander unterscheiden.

Wissenschaftliche Hilfsmittel

Darüber hinaus sind in den vergangenen Jahrzehnten weitere grundlegende wissenschaftliche Hilfsmittel der Forschung zur Verfügung gestellt worden. Hierzu gehören zum einen die Heine-Chronik von Fritz Mende, die Sammlung von Gesprächen und Berichten der Zeitgenossen über Begegnungen mit Heine, die Michael Werner zusammengetragen hat, die zwölfbändige Quellensammlung Heinrich Heines Werk im Urteil seiner Zeitgenossen, die Dokumente zur Rezeption seiner Werke im deutschen Sprachraum ediert, und die dreibändige Quellensammlung Die französische Heine-Kritik, in der Hans Hörling Dokumente zur Wirkungsgeschichte Heines in Frankreich versammelt hat. Zum anderen zählen hierzu das zwischenzeitlich in der dritten Auflage überarbeitete, erweiterte und ergänzte Heine-Handbuch von Gerhard Höhn und nicht zuletzt die Sammlung von Lebenszeugnissen, also sämtlichen überlieferten zeitgenössischen Dokumenten, die Auskunft über das Leben des Dichters geben, und die im Rahmen der Heine-Säkularausgabe momentan in Weimar erarbeitet wird.

Darüber hinaus hat das Heinrich-Heine-Portal den Text und Apparat der in Düsseldorf entstandenen historisch-kritischen Ausgabe sowie die Briefwechsel des Dichters, die in der Säkularausgabe ediert worden sind, zusammen mit anderen Materialien – wie Faksimiles zahlreicher handschriftlicher Entwurfsmanuskripte, Reinschriften, Druckvorlagen und Korrekturfahnen – im WorldWideWeb online verfügbar gemacht. Eine solche digitale Edition vermag die genannten historisch-kritischen Gesamtausgaben zwar nicht zu ersetzen, stellt aber gleichwohl eine Bereicherung für den Bereich der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Dichter und seinem Werk dar.

Diese beiden Aspekte haben die neuere Heine-Forschung nicht nur grundlegend bestimmt, sie haben auch zu einem Aufschwung der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Dichter und seinem Werk im In- und Ausland geführt, wobei die Heine-Philologie seit der Mitte des 20. Jahrhunderts traditionell auch Schwerpunkte in Frankreich und den Vereinigten Staaten von Amerika aufweisen kann.

Bibliografien

Auskunft über die Vielzahl der jährlich erscheinenden wissenschaftlichen Studien gibt das Heine-Jahrbuch, das die Neuerscheinungen fortlaufend bibliografisch erfasst. Darüber hinaus sei an dieser Stelle auf die Bibliographie der deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft verwiesen, die online verfügbar ist und die deutschen und internationalen wissenschaftlichen Publikationen zu Heine ebenfalls verzeichnet.

Wenngleich das Feld der Themen und Fragestellungen im Bereich der Heine-Philologie bereits seit langem so ausdifferenziert ist, dass es in seiner Qualität wie Quantität geradezu unüberschaubar geworden ist, wie bereits George F. Peters (Peters 1998) und Jeffrey L. Sammons (Sammons 1999) in ihren Forschungsberichten herausgestellt haben, haben sich seitdem einzelne Tendenzen herausgebildet, die aufzuzeigen vermögen, welche Bereiche und Themenfelder in den vergangenen Jahrzehnten primär Beachtung gefunden haben.

Biografische Darstellungen

An der Biografie und den Lebensumständen des Schriftstellers orientierte Deutungen seines literarischen Werkes, welche die ältere Heine-Forschung dominierten, sind von neueren Ansätzen vor dem Hintergrund einer kritischen Methodenreflexion und Diversifizierung der methodischen Möglichkeiten zwar nicht gänzlich verworfen, aber deutlich relativiert worden. Sammlungen, wie die im Rahmen der Heine-Säkularausgabe entstehende Dokumentation der Lebenszeugnisse oder Studien zum familiären Hintergrund des Dichters, zu einzelnen Lebensstationen, zu Beziehungen zu Zeitgenossen, Freunden und Weggefährten sowie traditionelle biografische Gesamtdarstellungen tragen zwar dazu bei, zu einem differenzierteren Bild der lebens- und zeitgeschichtlichen Umstände zu gelangen, ihre Ergebnisse werden jedoch nur mehr bedingt zur Textinterpretation herangezogen. In diesem Kontext sind als grundlegende Arbeiten die von Jeffrey L. Sammons (Sammons 1979) sowie Michael Werner und Jan-Christoph Hauschild (Hauschild/Werner 1997) verfassten Biografien des Schriftstellers zu nennen sowie zahlreiche, jeweils Detailfragen gewidmete Aufsätze, wie diejenigen biografischen Einzelstudien zu Heines Familie sowie seinen Lebensstationen, die Joseph A. Kruse in dem Band Heine-Zeit zusammengefasst hat. (Kruse 1997)

Literarische Selbstinszenierung

Grundlegend für die Abwendung von einer auf die Biografie ausgerichteten Textinterpretation waren, neben methodischen Neuorientierungen, die Studien von Michael Werner. (Werner 1977; Werner 1979) Diesen Ansatz fortschreibend und ausdifferenzierend hat die Forschung gezeigt, dass die Selbstporträts und -charakteristiken, die Verlassenheiten des Liebenden, des Kämpfenden, des Exilierten und schließlich des Sterbenden – und gerade die Verschränkung dieser Aspekte macht die Eigenart der Werke Heines aus – kalkuliertes literarisches Arrangement sind, aber auch dichterischer Ausdruck der eigenen Lebenswirklichkeit. (Bierwirth 1995) Als solche sind sie ein Teil der komplizierten, aber für die Analyse und Deutung des Werkes wesentlichen Verbindung von faktischen und fiktionalen Elementen, von dichterischem Werk und literarischer Inszenierung des eigenen Lebens. Sie sind Manifestationen der existentiellen Erfahrung des Verlassenseins des modernen Menschen und zugleich eine wesentliche Voraussetzung der eigenen künstlerischen Produktion. (Sammons 1999)

Judentum und jüdische Identität

Ausgehend von dem Gedanken, dass Heines Selbstdarstellungen ein künstlerisches Konstrukt sind, sind zahlreiche Aspekte und Probleme des Werkes in der Folge neu untersucht und interpretiert worden. Sicherlich zentral ist in diesem Zusammenhang die Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Einfluss und der Bedeutung der jüdischen Herkunft des Dichters auf sein Denken und sein literarisches Schreiben. Wesentliche Impulse in diesem Bereich der Forschung gab eine Studie von Klaus Briegleb, der jüdische Themen und Motive in Heines Dichtungen und Schriften untersucht und in ihrer Gebrochenheit als Signum der beginnenden Moderne gedeutet hat. (Briegleb 1997) Als weitere, die Forschung vorantreibende Studien sind die Arbeiten von Robert C. Holub, der die Frage betrachtet, inwiefern Heines kritische Perspektive auf die deutsche Romantik im Kontext der Diskurse der jüdischen Geistesgeschichte zu verstehen ist (Holub 1997), die Analyse von Walter Grab, die Momente jüdischen Denkens in Heines Dichtungen untersucht (Grab 1998), sowie die Arbeit von Regina Grundmann (Grundmann 2008), zu nennen, die neben Jeffrey Grossman (Grossman 2002) zugleich einen Überblick über die in diesem Themenspektrum diskutierten Fragen auf einem aktuellen Stand der Forschung bietet.

Die Beschäftigung mit den jüdischen Einflüssen auf das Denken Heines hat auch im Bereich der Deutungen einzelner Werke neue Ansätze hervorgebracht. In diesem Zusammenhang sind insbesondere die Studien von Bernd Witte zu dem Erzähltext Der Rabbi von Bacherach (Witte 1997) und von Hartmut Steinecke zu dem späten Gedicht Jehuda ben Halevy (Steinecke 2000) als richtungsweisend zu nennen.

Heine als politischer Schriftsteller

Die Konstruktionen der literarischen Persona haben auch die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem politischen Schriftsteller Heine beeinflusst. Dieser Bereich der Forschung hat zwar von den späten sechziger bis in die achtziger Jahre die meiste Beachtung gefunden, was die sozial- und geistesgeschichtlich orientierten Studien von Walter Hinck (Hinck 1990) und Walter Grab (Grab 1992) in großen Zügen zusammenfassend darstellen, ist aber in den vergangenen Jahren in Bezug auf den den politischen europäischen Einigungsprozess begleitenden philologisch-historischen Europa-Diskurs neu konturiert worden. So hat Stefan Bodo Würffel in diesem Kontext die Identitätsproblematik bei Heine untersucht (Würffel 1999) und Renate Stauf die Europaentwürfe von den frühen, in Deutschland entstandenen Schriften bis zu dem Spätwerk, in dem ihr Scheitern explizit wird, nachgezeichnet. (Stauf 1997) Das Spannungsfeld von nationalen und europäischen Gedanken, das Heine in seinen Werken thematisiert, ist des Weiteren von Albrecht Betz (Betz 1997) und von Annemarie Mejcher-Neef (Mejcher-Neef 2003) grundlegend behandelt worden.

Literaturgeschichtliche Einordnung

Vor diesem Hintergrund hat die Forschung auch das Verhältnis Heines zu der Literatur der Aufklärung und Romantik neuerlich fokussiert. Dies wird nicht nur in den Ergebnissen einer Tagung in den Vereinigten Staaten von Amerika aus dem Jahr 1995 (Winkler 1997), der Arbeit von Maria-Christina Boener, welche die Anverwandlungen der romantischen Theoriebildung in den Prosaschriften Heines untersucht (Boener 1998) oder der Studie von Sandra Kerschbaumer, die dem Einfluss der frühromantischen Ästhetik auf den Schriftsteller nachgeht (Kerschbaumer 2000), deutlich, sondern auch in der Arbeit von Peter Bürger, der Heines Denken vor dem Hintergrund der Philosophie der Aufklärung interpretiert (Bürger 1999), sowie in dem Sammelband Heinrich Heines 18. Jahrhundert, der die vielfältigen Rekurse Heines auf das Jahrhundert der Aufklärung beleuchtet. (Singh 2006)

Die genannten Untersuchungen dokumentieren den Versuch, zu einem tieferen Verständnis der Position und Bedeutung Heines im Diskurs der Literatur- und Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts zu gelangen. Dieser Ansatz wird auch von jenen Arbeiten verfolgt, welche einerseits die Geschichtsauffassung des Dichters fokussieren und andererseits nach der Position seines Werkes in den prozesshaften Übergängen zur literarischen Moderne fragen. In diesem Zusammenhang sind die Studien von Jürgen Ferner (Ferner 2000) und Dorothee Kimmich (Kimmich 2002) als grundlegend anzuführen, die Heines geschichtsphilosophische Reflexionen im Spannungsfeld der Literatur seiner Zeit betrachten. Bedeutende Impulse in diesem Feld der Forschung haben aber auch die französischsprachigen Arbeiten von Michel Espagne (Espagne 1998) und Michael Werner (Werner 1998) gegeben.

Heine und die Moderne

Demgegenüber gehören – wie die älteren, aber gleichwohl noch aktuellen Studien von Jürgen Habermas (Habermas 1987) und Gerhard Höhn zeigen (Höhn 1994) – Fragen nach der Genealogie des Intellektuellen in der Moderne schon seit längerem zu den vielbeachteten Problemen der Heine-Forschung. Fortgeschrieben wurde dieser Diskurs durch die Arbeiten von Bernd Witte (Witte 1998) und Peter-Uwe Hohendahl. (Hohendahl 1996) Ebenfalls mit der Bedeutung des Schriftstellers für die ästhetische Moderne hat sich Gerhard Höhn in seinen Betrachtungen über Heine und Friedrich Nietzsche auseinandergesetzt. (Höhn 1997) Wegweisend sind ferner die Studien, in denen Peter Uwe Hohendahl aus unterschiedlichen Blickwinkeln die Stellung Heines innerhalb der europäischen Moderne analysiert und einordnet. (Hohendahl 2008)

Das Spätwerk

Vor diesem Hintergrund sind zwei weitere Bereiche anzuführen, die in den vergangenen Jahren ebenfalls Beachtung gefunden haben. Zum einen ist dies die Auseinandersetzung mit dem Spätwerk des Dichters, dem über lange Zeit im wissenschaftlichen Diskurs eine nur geringe Bedeutung beigemessen wurde. Grundlegende Impulse verdankt dieser Bereich der Heine-Forschung immer noch der Studie von Dolf Oehler. (Oehler 2000) Die Fokussierung der nach 1848 entstandenen Dichtungen und Schriften Heines hat darüber hinaus zahlreiche Einzelinterpretationen hervorgebracht. So hat eine Potsdamer Tagung die unter dem Titel Lutezia. Berichte über Politik, Kunst und Volksleben zusammengefassten und zu einem geschlossenen Ganzen verbundenen Korrespondenzberichte neu bewertet (Pistiak/Rintz 2007), während andere Studien das lyrische Spätwerk eingehenden Untersuchungen unterzogen haben. (Cook 1998; Pistiak 1999)

Heines Poetik

In den Kontext dieser Arbeiten gehört auch die Beschäftigung mit der dem Werk zugrunde liegenden Poetik, die Jacob Hessing vor allem vor dem Hintergrund jüdischer Diskurse beleuchtet hat (Hessing 2005), und die Studie von Madleen Podewski, welche die Implikationen der romantischen Theorie für das Werk Heines und die Genese seiner poetologischen Positionen im Spannungsfeld der idealistischen Ästhetik betrachtet hat. (Podewski 2002) Mit der Frage nach Heines Poetik hat sich auch Bodo Morawe in einer Studie auseinandergesetzt. Aus der hermeneutischen Reflexion über die in Frankreich entstandenen Werke des Dichters entwickelt er für das Verständnis und die literaturhistorische Einordnung des Gesamtwerkes impulsgebende Vorstellungen. (Morawe 2010–2011)

Heine als Mythologe

Zum anderen sind die mythologischen Diskurse im Werk Heines in den Blickpunkt gerückt. Entscheidende Anregungen zu der Auseinandersetzung Heines mit der griechisch-römischen und der germanischen Mythologie hat die neuere Forschung der Arbeit von Robert C. Holub zu verdanken. (Holub 1997) Nicht zuletzt haben Ernst Behler (Behler 1999) sowie Renate Schlesier (Schlesier 2001) diesen, in der älteren Forschung vernachlässigten Bereich des Werkes beleuchtet und in den Zusammenhang der Reflexionen über die Mythologie, die den literarischen Diskurs in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts prägten, eingeordnet.

Intertextualität und Intermedialität

Als letzter großer Aspekt der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Werk Heines soll an dieser Stelle das von den theoretischen Diskursen der Kulturwissenschaft wesentlich beeinflusste Interesse an intertextuellen und intermedialen Relationen in seinen Dichtungen und Schriften genannt werden. Dieser Bereich ist einerseits im Sinne der traditionellen Einflussforschung untersucht worden. Unter den zahlreichen Arbeiten hierzu bieten die Beiträge einer Londoner Konferenz im Jahr 1997 einen umfassenden Überblick. (Reed/Stillmark 2000) Andererseits haben neuere Studien die Frage nach der Funktion der Literarisierung von Musik und bildender Kunst, also der transmedialen Verwandlungsprozesse, für die Schreibart und die Poetik des Dichters aufgeworfen. Insbesondere die Vorträge einer Tagung in Düsseldorf im Jahr 2006 vermögen eine Übersicht über den aktuellen Stand der Debatten in diesem Bereich zu geben. (Herwig 2007)

Bereits in diesem knappen Überblick über die wesentlichen Entwicklungstendenzen der Heine-Forschung der vergangenen Jahre zeigt sich, dass die wissenschaftliche Diskussion zwar zahlreiche neue Horizonte in der Auseinandersetzung mit dem Schriftsteller eröffnet hat, aber gleichwohl als ein „work in progress“ verstanden werden muss. Zugleich dokumentiert sie die Relativität jener, in dem Bereich der naturwissenschaftlichen Forschung geprägten, Vorstellung eines wissenschaftlichen Fortschrittes für die philologisch-philosophischen Disziplinen. Lediglich in dem Bereich positiver Erkenntnisse über das Leben des Dichters, die Zeitumstände sowie die Entstehungs- und Druckgeschichten seines Werkes hat es quantifizierbare Weiterentwicklungen des Wissensstandes gegeben. Im Bereich der hermeneutischen Beschäftigung mit seinen Dichtungen und Schriften spiegeln sich in den Diskussionen und Debatten, die in den vergangenen Jahren geführt worden sind, zu einem Teil auch die Fragen und Probleme unserer Gegenwart. Das Werk des Dichters ist ein Reflexionsraum, dem das Potential eingeschrieben ist, auch den Diskursen nachfolgender Generationen Anregungen und Impulse zu geben. In diesem Sinne liegt in ihm die Aufforderung an kommende Leser, auf ihre eigenen Fragen eigene Antworten zu finden.

Einführung in das Werk Heinrich Heines

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