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Regeln für einen Hausbesuch bei einem älteren Menschen:
Оглавление1. Vermeiden Sie Unruhe und Eile:
• Unterhalten Sie sich in Ruhe, der ältere Mensch wird mehr Informationen und tiefer Einsicht in seine persönliche Situation geben.
2. Fragen Sie um Erlaubnis:
• Dies vermittelt dem älteren Menschen das wichtige Gefühl, die Kontrolle zu behalten.
3. Schauen Sie mit den Augen des älteren Menschen:
• Lösen Sie sich von ihrer eigenen Sichtweise und versetzen Sie sich in die Situation des Patienten.
4. Verifizieren Sie die Aussagen des älteren Menschen:
• Wird Hilfe nicht gewünscht, aber die Wohnung ist in einem schlechten Zustand, dann sollte dies unbedingt thematisiert werden.
Eine gut aufgeräumte und saubere Wohnung lässt auf ein gutes soziales Umfeld, ausreichende Aktivität, Funktionalität und Alltagsorganisation sowie eine ausreichende Hirnleistung schließen. Weiterhin können Sicherheitsaspekte, die für einen Verbleib in der Häuslichkeit relevant sind, so besser erkannt und angepasst werden. Auch später erforderliche technische oder bauliche Veränderungen können schon frühzeitig thematisiert werden.
Ein Hausbesuch mit Inaugenscheinnahme der Wohnsituation älterer Menschen sollte bei Vorliegen von Triggerfaktoren erfolgen. Solche Triggerfaktoren sind unten stehend aufgeführt:
• Kürzlich zurückliegender Krankenhausaufenthalt
• Vermutete unzureichende soziale Unterstützung
• Hirnleistungsstörung
• Positive Sturzanamnese oder Liegetrauma
• Mobilitätsprobleme
• Komplexe medikamentöse Versorgung
• Depression oder Angststörung
• Problematische Adhärenz
• Geringes Bildungsniveau und anspruchsvolle Therapiekonzepte
• Kein Zugang zu Transportmöglichkeiten
• Finanzielle Einschränkungen, Unmöglichkeit von Zuzahlung
• Bedenken bezüglich des Verbleibs in der eigenen Wohnung
Bei zu Hause lebenden älteren Menschen müssen nur die für sie relevanten Domänen Bestandteil des geriatrischen Assessments sein.
Die Zeit für ein Assessment zu Hause ist wertvoll. Daher sollte die Zusammensetzung des Assessments vorher klar sein. Zu den wichtigen Domänen eines häuslichen Assessments gehören:
1. Medikamentencheck
Dieser umfasst die aktuell verordnete Medikation, die Einnahme nicht verordneter (Over-the-counter, OTC) Medikamente, die korrekte Entnahme der Medikamente aus einer Verpackung (Achtung: Kindersicherung) sowie die richtige Anwendung von Applikationshilfen.
Dieser umfasst die aktuell verordnete Medikation, die Einnahme nicht verordneter (OTC) Medikamente, die korrekte Entnahme der Medikamente aus einer Verpackung (cave Kindersicherung) sowie die richtige Anwendung von Applikationshilfen.
Dabei sollte auch erfragt werden, wozu die einzelnen Medikamente verordnet wurden, wie die Verteilung der Medikamente über den Tag aussieht, wie viele Medikamente auf einmal eingenommen werden, wie lange diese Medikation schon eingenommen wird, ob Medikamente täglich oder intermittierend eingenommen werden, ob diese Medikamente auch wirken, ob unerwünschte Effekte auftreten, ob Medikamente, die verordnet wurden, nicht genommen werden und ob eine Medikation ohne Rücksprache mit dem Hausarzt eigenmächtig beendet wurde.
2. Mobilität und Sturzrisiko
Dieses Assessment besteht aus externen und persönlichen Komponenten. Zu den externen Komponenten gehören die baulichen Gegebenheiten im und außer Haus. Als Stolperfallen gelten Teppichkanten, nicht markierte Treppenstufen, glatte Böden, fehlende Beleuchtung und fehlende Haltegriffe. Die Beseitigung von Stolperfallen ist ein essenzieller Bestandteil der Wohnraumberatung. Zudem sollte geprüft werden, ob alle wichtigen Geräte funktionieren, alle Glühbirnen intakt sind, die Türklingel funktioniert, Fenster und Türen richtig schließen, Rauchmelder vorhanden sind.
Zur strukturierten Erfassung von solchen Hindernissen sind Checklisten hilfreich, wie sie kostenlos im Internet verfügbar sind, zum Beispiel unter www.aok.de/pk/fileadmin/user_upload/Universell/05-Content-PDF/checkliste-stolperfallen-aok.pdf (Zugriff am 03.05.2021).
Die persönliche Komponente kann mit Screeningfragen eingeleitet werden, an die sich bei positiver Beantwortung weitere Tests anschließen können. Die Screeningfragen lauten:
• Sind Sie im letzten Jahr einmal gestürzt?
• Fühlen Sie sich unsicher, wenn Sie stehen oder gehen?
• Haben Sie Angst zu stürzen?
Zum weiteren persönlichen Check gehören unter anderem das Assessment von (Hand)kraft, Gleichgewicht, Gelenkfunktion, Koordination, Hirnleistung, Medikation und Sehvermögen.
3. Assessment des sozialen Umfeldes
Das soziale Netzwerk ist ein ganz entscheidender Faktor bei zu Hause lebenden älteren Menschen. Wer leistet in welchem Umfang die regelmäßig erforderliche Unterstützung und wie sieht ein Notfallmanagement aus?
Hier können zum Beispiel in der Wohnung aufgestellte Fotographien ein Gesprächseinstieg sein. Im Einzelfall muss auch entschieden werden, ob Familienmitglieder zusätzlich und gesondert befragt werden sollten.
4. Assessment der Hirnleistung und der Emotion
Ergeben sich beim häuslichen Anamnesegespräch Hinweise auf eine Hirnleistungsstörung oder eine emotionale Problematik, können die in den entsprechenden Abschnitten dieses Buches aufgeführten Tests angewendet werden.
Für das hausärztlich-geriatrische Basisassessment wurde das etwas umfassendere Manageable Geriatric Assessment (MAGIC)-Instrument konzipiert (Junius-Walker et al. 2016). MAGIC ist eine Testbatterie mit den Bereiche Leistungsfähigkeit, Sehen, Hören, Stürze, Harninkontinenz, Depressivität, soziales Umfeld, Impfstatus, Kognition und fakultativ Schmerz, Schwindel, Mobilität, Beweglichkeit, ungewollter Gewichtsverlust sowie Medikamentencheck. Für die jeweiligen Bereiche werden validierte Testverfahren vorgeschlagen.