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Lebenstraum 1: Gesundheit und langes Leben
ОглавлениеGesunde haben viele Wünsche, Kranke nur einen. Sie wollen wieder gesund werden! Es liegt in der Natur der Sache, alles dafür zu tun, wieder mehr als diesen einen Lebenstraum haben zu können. Nach Expertenmeinung haben wir rund 80 Prozent unserer Gesundheit selbst in der Hand. Das klingt erfreulich, vor allem, wenn wir, wie die meisten Menschen, mindestens zur Mittelschicht gehören. Sollte etwa ein gewisser Lebensstil eine Rolle spielen? Vielleicht verwundert es, wenn ich an den Anfang dieses Kapitels die Erkenntnis aus neueren Studien stelle, dass armutsgefährdete Menschen etwa zehn Jahre kürzer leben als Leute aus der Oberschicht. Mit geringem Unterschied gilt dies sowohl für Frauen wie für Männer. Daraus könnte man schließen, dass viel Geld lebensverlängernd wirkt, aber das ist nicht der Fall. Man hat nämlich die Lebenserwartung von Gewinnern großer Beträge untersucht und keine signifikanten Veränderungen festgestellt. Folglich sind es andere Faktoren, die für ein langes Leben verantwortlich sind: Erstens Bildung und zweitens Freunde! In dem Wort „Freunde“ steckt nicht ohne Grund das Wort „Freude“! Wer sich freuen kann, lebt länger. Frauen leben rund sieben Jahre länger als Männer – im Durchschnitt und weltweit. Mehr Wissen prägt entscheidend den Lebensstil und der hat großen Einfluss auf privaten und beruflichen Erfolg sowie auf die Gesundheit. Hinzu kommt aktuell eine Revolution auf dem Gesundheitsmarkt mit noch gar nicht abzusehenden Folgen für den Einzelnen: die Gesundheits-Apps! Sie werden ermöglichen, dass jeder der will, seinen Gesundheitszustand jederzeit messen kann. Es gibt schon heute Unternehmen, die von ihren Mitarbeitern erwarten, diese Daten zur Verfügung zu stellen und Versicherungen, die mit einem Bonus winken. Eine moderne Watch am Handgelenk ist eben nicht nur eine Uhr, sondern auch ein Beobachter und Sender, beispielsweise von Gesundheitsdaten des Trägers. Ich verhehle nicht, manche technischen Entwicklungen kritisch zu sehen. Doch aufhalten lassen werden sie sich nicht. Wem es wirklich gelingt, auch nur einen einzigen seiner größten Lebensträume zu realisieren, kann sich bereits ziemlich glücklich schätzen! Warum? Weil Sie dann einfach niemals in die Gefahr kommen, den überflüssigsten aller Sätze auch nur ansatzweise zu denken: „Ach, hätte ich doch ein ganz anderes Leben geführt!“ Bei dem Gefühl, alles falsch gemacht zu haben, wäre ein Therapeut der richtige Ansprechpartner. Dazu muss es nicht kommen! Denn wo Lebensträume auch nur halbwegs wahr werden, ist definitiv ein guter Anfang gemacht und sehr wahrscheinlich der richtige Weg programmiert! Oft wird es allein durch das Erreichen dieses besonders wichtigen Ziels sogar fast unmöglich, ein vollkommen falsches Leben zu führen. Einfach weil die Verwirklichung eines Lebenstraums die Persönlichkeit meistens positiv verändert. Was nicht nur unglaublich tröstlich in den letzten Stunden des Lebens ist, sondern sehr viel mehr Selbstbewusstsein während der hoffentlich langen, gesunden und glücklichen „Lebensreise“ verleiht. Lebensträume sind äußerst wirksame Resonanzmedien für die Kommunikation im Gehirn, selbst dann, wenn sie letztlich doch nicht voll, sondern nur teilweise oder sogar überhaupt nicht zum Tragen kommen. Mehr unabhängiges, nicht kommerziell gefärbtes Hintergrundwissen über die 100 größten Lebensträume der Menschheit zu erfahren, kann zur Verwirklichung mancher eigenen Wünsche durchaus entscheidend beitragen. Alleine die Beschäftigung damit ist Balsam für die Seele und vervielfacht das Wissen. Wir können nur wollen, was wir wissen! Vermutlich einigen wir uns schnell darauf, dass sich unser komplettes Leben zwischen Geburt und Tod abspielt? Oder etwa doch nicht? So ganz unberechtigt ist diese Frage beileibe nicht, denn immerhin glaubt über die Hälfte der Menschheit etwas anderes. Unglaublich, aber die Mehrheit ist vom ewigen Leben überzeugt. Von der mehrfachen Wiedergeburt bis zum Aufstieg der Seele in unterschiedlichen Aggregatzuständen scheint alles möglich. Der Stand der Forschung über Nahtoderfahrungen ist eine Gratwanderung zwischen Wissen und Glauben, d. h. bisher gibt es keine Beweise für ein Weiterleben der Seele. Auch deshalb nicht, weil wir auf Berichte von Lebenden angewiesen sind, die oft von einem hellen Licht erzählen, über dessen Ursachen selbst die Neurobiologen sich nicht einig sind. Was immer Sie selbst heute glauben, dass unsere Lebensträume für das Glücksgefühl relevant sind, bleibt eine Tatsache. Folglich sollten wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt, einfach um jede Weltanschauung und Glaubensrichtung mit einzubeziehen, hier allein von unserem irdischen Leben ausgehen. Denn dieses Leben ist nun ganz bestimmt real, denn wir erleben es ja täglich und können es erfreulicherweise bis zu einem gewissen Grad sogar selbst gestalten. Wie auch immer wir selbst dieses Leben auf unserem wunderschönen blauen Planeten sehen, das Thema „Lebensträume“ hat auf jeden Fall für unsere Psyche und Motivation zeitlebens eine absolut überragende, oft ganz enorm unterschätzte Bedeutung. Warum ist das so? Nun, eines steht fest: Wem es gelingt, sich möglichst viele seiner Lebensträume zu erfüllen, spürt ganz besonders wie wertvoll das Leben ist und braucht auf dem Sterbebett weniger zu bereuen. Sterbebegleiter behaupten, man könnte einfach besser loslassen, wenn man Dinge, die einem wirklich etwas bedeuten und die man sich vorgenommen hat, tatsächlich erledigt hat! Doch es geht bei dieser Beschreibung der 100 wichtigsten Lebensträume keineswegs nur um das mitunter von vielen Menschen so gefürchtete Ende, sondern vor allem um positive Einsichten und Erkenntnisse bereits heute: Mehr Gelassenheit, in dem Wort steckt auch das Wort Loslassen, ist beispielsweise ein Leben lang der eigenen Gesundheit besonders förderlich. Kann es also auch nur den geringsten Zweifel geben, welcher der 100 Lebensträume an erster Stelle steht? Ich glaube nicht! Und sämtliche Studien zeigen es auch. Der Mensch will bei guter Gesundheit möglichst lange leben. Wenn es ginge, in der Jugend und im jungen Erwachsenenalter, sogar gerne ewig. Im fortgeschrittenen Alter relativiert sich dieser Wunsch häufig. Gegenwärtig sind nicht mehr als maximal 122 Jahre drin, weil die Zellteilung und der Energieverbrauch dann offenbar am Limit sind. So alt ist eine Französin geworden, der nachweisbar älteste Mensch der Welt. Unsere individuelle Lebensuhr wird durch das Erbgut, also die Gene, mitbestimmt. Die Enden der Chromosomen in den Zellkernen, die Telomere, verkürzen sich im Alterungsprozess. Eines scheint sicher, das ewige Leben ist in der Natur nicht vorgesehen. Gut, Grönlandwale, die auch Säuger sind, werden über 200 Jahre alt und bekommen keinen Krebs. Was machen sie richtig, oder vielmehr, woran liegt es? Wir wissen es nicht, aber es wird erforscht. Jedenfalls tun heute viele Menschen für die Verlängerung ihrer Lebensstrecke fast alles, wenn auch manchmal mehr als sinnvoll ist. Die Sache ist eben komplizierter als gedacht. Selbst gutes Aussehen muss nicht immer gesund sein, so wie auch natürliche Substanzen nicht automatisch sichere Wirkung bedeuten. Ich halte mich da an Platon, den Begründer der abendländischen Philosophie, der schon ein paar hundert Jahre vor Christi Geburt wusste, dass die ständige Sorge um Gesundheit auch eine Krankheit ist. Übrigens sind intelligente Ärzte der Meinung, dass nicht sie heilen können, sondern allenfalls Beschwerden lindern und weniger Eingriffe und Medikamente oft mehr Sinn machen als eine Überversorgung. Ein kurz vor seiner Pensionierung stehender Arzt vertraute mir vor einigen Jahren augenzwinkernd an: Die beste Art gesund zu bleiben, ist nicht krank zu werden! Denn Befinden ist nicht gleich Befund. Er wollte damit ausdrücken, dass vorbeugen besser als heilen ist und in der Medizin zahlreiche Mythen existieren. Es kann einen allerdings schon einigermaßen skeptisch machen, wenn man von den extremen regionalen Unterschiede bei der Häufigkeit von medizinischen Eingriffen hört. Dafür gibt es auch seitens von Experten keine plausiblen Erklärungen, außer die, es könnte sich um lukrative Geschäftsmodelle handeln. Ja, geht es noch? Korruption in der Gesundheitsbranche? Wie krank ist das denn? Es ist ein Skandal, dass vielen Medikamenten und Nahrungsergänzungsprodukten oft seit Jahrzehnten von den Vertreibern Wirkungen zugeschrieben werden, die sie in gar keiner Weise erfüllen und für die es auch keinerlei Beweise gibt. Gerade bei unseren Lebensträumen gehen wir oft von mehr oder weniger ganz falschen Voraussetzungen aus. Alle Probleme basieren auf unzureichender Kommunikation mit anderen und mit uns selbst. Das ist deshalb besonders tragisch, weil sich die Vergangenheit nicht verändern lässt. Denn die Verwirklichung unserer Vorstellungen ist eine lebenslange Aufgabe und je früher wir damit beginnen, desto wahrscheinlicher ist deren Erfüllung. Immer dann, wenn sich zwei Leute treffen, neigen sie dazu, sich gegenseitig zu fragen, wie es ihnen geht. Natürlich ist das oft nur rhetorisch gemeint und im Grunde erwarten sie meistens keine detaillierte Antwort, schon gar nicht dort, wo Englisch gesprochen wird. Bemerkenswert, wenn auch nicht unbedingt verwunderlich ist schon, dass der Lebenstraum Nr. 1, die Gesundheit, sehr stark im Mittelpunkt des Interesses steht und demzufolge ein Milliardengeschäft ist. Man kann bei näherer Betrachtung des Gesundheitsthemas tatsächlich leicht auf den Gedanken kommen, sich auch schon mal zu fragen, für wen? Und wenn wir dabei sind, etwas kritischer als sonst zu sein, kann man überhaupt gleich auf die Idee kommen, dass die Bewertung der Gesundheit nicht alleine den Ärzten, Apotheken und der Pharma-Industrie überlassen werden sollte. Also ausschließlich denjenigen, die daran verdienen! Gerne formulieren die Leute den Glaubenssatz „Ohne Gesundheit ist alles nichts!“ Er geht übrigens auf den deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer zurück, wobei zu seiner Ehrenrettung erwähnt werden sollte, dass er voran gestellt hat, Gesundheit wäre nicht alles! Mit dem halben Zitat kann man also ganz schön daneben liegen. Aber was ist überhaupt Gesundheit? Und stimmt es denn wirklich, dass ohne Gesundheit gleich alles überhaupt nichts sein soll? Gewiss, da kann einer noch so viele Reichtümer in seinem Leben angehäuft haben, wenn er krank ist, sind sie nicht mehr ganz so wichtig. Ja, so mancher würde viel, wenn nicht sogar fast all sein Geld dafür hergeben, wieder völlig gesund zu werden. Denn Krankheit ist fühlbar, Gesundheit nicht! Doch es gibt mehr Menschen als wir gemeinhin glauben, die immer wieder und sogar oft permanent Schmerzen oder zumindest Missempfindungen verspüren und es verstehen, damit im Alltag umzugehen. Wahrscheinlich wird mir sofort erwidert werden, dass man sich andererseits ausgesprochen gesund fühlen kann. Wohl wahr! Auch darin habe ich einige persönliche Erfahrung. Doch als etwas älterer Herr, der seinen Körper als nach wie vor aktiver Sportler recht gut kennt, habe ich zuweilen das Gefühl, es wird ganz allgemein zu wenig gewusst, was wir unter Gesundheit zu verstehen haben. Deshalb möchte ich hierzu einige Hinweise geben, auch weil wissenschaftlich erwiesen ist: „Wer viel weiß, lebt länger!“ Wahr ist aber auch: „Man weiß eben nicht, was man hat, wenn man nichts hat!“ Was ist Gesundheit? Gar nicht so einfach zu beantworten, diese Frage, deshalb versuchen wir es erst einmal anders herum! Was Krankheit ist, wissen wir: Jede negative Abweichung von einem als normal empfundenen körperlichen und seelischen Zustand. Doch mit dieser Definition beginnt schon ein ziemlich großes Problem. Denn was als normal empfunden wird, ist individuell verschieden und verändert sich mit dem Alter. Außerdem ist festgestellt worden, dass die Landmenschen beispielsweise weniger wehleidig sind als die Stadtmenschen. Und Frauen eher zu Depressionen neigen als Männer. Es gibt zahlreiche Parameter die den Zustand „Gesundheit“ beschreiben, der vom Einzelnen unterschiedlich wahrgenommen wird. Mit anderen Worten: Gesundheit, oder auch Wohlbefinden, wird nicht unbedingt eindeutig erlebt. Nun lässt sich natürlich gegen diese Feststellung einwenden, dies sei unerheblich, weil man ja nur die eigene Befindlichkeit spüre. Aber auch das ist nicht ganz so richtig, wie der Begriff „Empathie“ beschreibt. Wir können uns eben auch ganz gut in den Zustand anderer hineinversetzen und mitfühlend sein. Jedenfalls die große Mehrheit der Menschen, ganz im Gegensatz zu Gewalttätern. Trotz dieser Unsicherheit, was wir unter Gesundheit zu verstehen haben, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) selbstverständlich eine Definition parat: „Gesundheit ist ein Zustand vollkommen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheiten und Gebrechen.“ Nun ja, genau diese Definition entspricht exakt dem Lebenstraum „Gesundheit“. Doch ist sie wahr und realistisch? Um gleich einmal erneut kritisch zu sein: Mich stört das Wort „vollkommen“! Es ist so eines dieser ärgerlichen Worte wie „alternativlos“ oder „perfekt“. Ich glaube nicht, dass nach dieser Festlegung der WHO viele Leute auf der Welt wirklich absolut gesund wären. Vermutlich sind die vermeintlich Gesunden nur zu wenig untersucht. Jeder Mediziner weiß, dass sich bei jedem Menschen Abweichungen von der Norm finden lassen, wenn man die Norm sehr eng fasst. Zahlreiche Lobbyisten der Pharmaindustrie bemühen sich seit Jahren in Brüssel und anderswo darum, genau diese Eingrenzungen bei der Politik zu erreichen. Das würde bei Erfolg dann automatisch bedeuten, mehr Menschen wären krank und müssten sich in Behandlung begeben. Das kann doch nicht sein, dass es mehr Kranke als Gesunde gibt! Und warum eigentlich sind prozentual sehr viel mehr Menschen krank als Tiere? Etwa wegen der besseren Gesundheitsversorgung? Wenn wir uns ernsthaft mit der Frage beschäftigen wollen, was Gesundheit ist und noch viel wichtiger, ob wir selbst gesund sind oder nicht, empfiehlt es sich, das Modell der Homöostase näher zu betrachten. Darunter versteht man die sogenannte Regulation des inneren Milieus, also die physiologischen Kreisprozesse, die unser inneres Gleichgewicht regeln. Wenn wir dieses automatische Geschehen in unserem Körper beachten, kommen wir logischerweise zu einer völlig anderen Definition von Gesundheit: Gesund ist ein Mensch, wenn sich sein Körper und seine Psyche auf bestmögliche Weise an veränderte Bedingungen anpassen können! Diese notwendige Anpassung, damit wir uns wohlfühlen, geschieht normalerweise im Körper völlig selbsttätig durch eine Vielzahl von Regelkreisen. Diese Kreisprozesse werden durch unser Gehirn gesteuert, ohne dass wir davon etwas mitbekommen. Es handelt sich weitestgehend um Kommunikation, denn es werden Botenstoffe produziert und versandt. Gesundheit ist Selbstvergessenheit – wie Liebe und Glück! Damit will ich ausdrücken: Wer ständig glaubt, er sei vielleicht krank, obwohl er keinerlei Beschwerden hat, belastet seine Psyche unnötig. Es mag tatsächlich sein, dass sich in unserem Körper ein krankhaftes Geschehen unmerklich entwickelt, doch was haben wir davon, wenn wir vor dem Unbekannten in ständiger Angst leben? Angst lässt sich nicht völlig ausblenden, doch sie kann bei andauerndem Stress psychosomatische Symptome verursachen, die keinerlei medizinische Befunde haben. Wir wissen nicht, wie und wann unser Leben einmal enden wird. Niemand kann hierüber eine gesicherte Prognose abgeben. Solange wir uns gesund fühlen, ist die Chance gegeben, es auch tatsächlich zu sein. Wie sicher sind Diagnosen? Klar, die Erwartungshaltung vieler Menschen ist groß, dass sie als Patienten von ihrem Arzt die richtige Diagnose und Therapie erhalten. Wie sicher kann man sich da sein? Als Kommunikationswissenschaftler habe ich mich naturgemäß gerade mit dieser Frage mehr als mit anderen medizinischen und psychologischen Problemen beschäftigt. Aus Studien wissen wir, dass die Mediziner im Durchschnitt den Patienten nach neun Sekunden unterbrechen, wenn er anhebt seine Symptome zu schildern und Vermutungen äußerst. Dies geschieht deshalb, weil Ärzte keine Psychologen sind, fürs Reden nicht bezahlt werden, ihren laienhaften Patienten, die sich im Internet vermeintlich schlau gemacht haben nicht besonders gerne zuhören mögen und außerdem sowieso schon von deren diffusen Krankheitsbildern genervt sind, mit denen sie sich ständig auseinandersetzen müssen. Denn die sind oft, wenn überhaupt vorhanden, meistens psychosomatisch und kaum sofort lebensbedrohend, aber nur sehr schwer zu diagnostizieren und noch viel schwerer zu therapieren. Nach der internationalen Klassifikation von Krankheiten und damit verbundenen Gesundheitsproblemen gibt es inzwischen 13.400! Tendenz steigend! Das ist erkennbar eine ganze Menge, wenn man bedenkt, dass es nur eine Gesundheit gibt! Und dann gibt es noch über 60.000 Medikamente, die meisten davon lange auf dem Markt und ungeprüft in ihrer wirklichen Wirkung. Gut, sie sollen auch nicht schaden, aber ihr Nutzen ist jedenfalls nicht erwiesen. Die Werbeversprechen der frei verkäuflichen Medikamente sind ebenfalls in ihrem Wahrheitsgehalt mit Vorsicht zu genießen! Und die Nahrungsergänzungsmittel, die kein Mensch, der sich normal ernährt, braucht, haben sicherlich kaum mehr als Placebo-Effekte. In dieser Gemengelage und bei der unübersehbaren Zahl von Krankheiten immer die richtige Diagnose zu stellen, erscheint irgendwie problematisch. Folglich ist davon auszugehen, dass es sich um Verdachtsdiagnosen handelt, die sowohl richtig wie falsch sein können! Deshalb setzen Ärzte häufig weitere Untersuchungen ein, wie die Laborwerte aus den Körperflüssigkeiten und Ausscheidungen sowie die bildgebenden Verfahren. Daraus können sich weitere Erkenntnisse ergeben, müssen aber nicht! Bei den psychischen Erkrankungen, die an Häufigkeit zunehmen, stehen diese Methoden nicht zur Verfügung, was die Diagnosen logischerweise erschwert. Was kann ich tun, um meine Gesundheit zu erhalten? Grundsätzlich kann jeder Mensch an jeder Krankheit erkranken, ohne daran schuld zu sein. Aber wenn man den Lebenstraum hat, einigermaßen gesund alt zu werden, dann ist das eigene Verhalten nicht ganz unwesentlich. Mit einem Wingsuit von einem Berg zu springen und sogar noch mit 160 Stundenkilometern durch eine enge Felslücke, gehört nicht unbedingt zu den lebensverlängernden Maßnahmen. Menschen, die sich für Vögel halten, haben einen Vogel. Das klingt drastisch, aber wer alt werden will, sollte besser beachten, dass der menschliche Körper einen Aufprall auf ein festes Hindernis nur bei relativ geringer Geschwindigkeit überlebt. Extremsportler, die jedes Mal wegen des Kicks ihr Leben riskieren, werden meistens nicht alt! Im freien Fall wird extrem viel Adrenalin in den Körper gepumpt, weil unser Gehirn diese Situation als höchst gefährlich erkennt. Und es könnte bei dieser Einschätzung irgendwann verdammt recht behalten! Die Wingsuit-Leute überleben gerade einmal im Schnitt sechs Jahre, wenn sie mit diesem selbstmörderischen Tun beginnen. Vorbeugen ist einfach besser, weil sehr viel leichter, als heilen! Nicht rauchen, keine Drogen und wenig Alkohol, sind dabei ein Muss! Geringe Mengen Alkohol zum Essen, ein Glas oder zwei, nicht jeden Tag, sondern gelegentlich, sind damit gemeint. Sonst braucht man erst gar nicht damit anzufangen, etwas für seine Gesundheit tun zu wollen. Wer nicht die Disziplin aufbringen kann oder will, diese drei Gebote strikt einzuhalten, wird vermutlich auch bei den anderen Bedingungen scheitern. Ich bin der Ansicht, es ist nicht egal, was und wie viel man isst und trinkt. Ich habe das Glück gehabt, selbst in der schlechten Zeit nach dem Krieg immer gute Lebensmittel zu bekommen, denn meine Eltern hatten einen großen Obst- und Gemüsegarten. Heute ist es ja kein Problem mehr, biologisch angebaute Ware überall zu bekommen. Natürlich ist es ein Privileg, seine Zeit einteilen zu können und jeden Tag regelmäßig drei Mahlzeiten, Frühstück, Mittagessen und Abendessen einnehmen zu können, ohne gehetzt zu sein. Manche Leute mögen meine Lebensweise spießig finden, bei all dem hektischen „to go“ heutzutage, aber ich genieße qualitativ hochwertige und frisch zubereitete Nahrung und bin überzeugt davon, dass sie einen Beitrag zur Gesundheit liefert. Fertigprodukte mit ihren ellenlangen Zusatzstofflisten lehne ich ebenso strikt ab wie Fleisch aus Massentierhaltung. Als älterer Sportler kann ich mir allerdings nicht leisten, gänzlich auf tierische Produkte zu verzichten und streng vegan zu leben. Die drei grundlegenden Brennstoffe sind nun einmal Kohlehydrate, Fett und Proteine. In der Ausgewogenheit liegt nach meiner Ansicht die Kraft. Die allermeisten Marken-Produkte aus dem Supermarkt kommen von gerade einmal 10 Lebensmittel- und Getränkekonzernen. In meinem Speiseplan spielen diese Erzeugnisse bewusst eine ganz geringe Rolle. Ein weiterer, sehr wichtiger Punkt, wenn es um gesunde Lebensweise geht, ist Bewegung. Denn Bewegung wirkt sich nicht nur positiv auf die Muskeln und den Kreislauf aus, sondern auch auf die Gehirnleistung. Wir haben 656 Muskeln, die alle eine spezifische Aufgabe haben und die trainiert werden können. Ein Training muss sicherlich nicht in der extremen Form geschehen, wie ich Sport betreibe. Wenn man Leistungssport nicht seit Jahrzehnten gewohnt ist, rate ich von solchen übertriebenen Anstrengungen ab. Aber ohne regelmäßige, tägliche Bewegung ist Gesundheit nicht bis ins hohe Alter zu konservieren. Eine halbe Stunde Radfahren oder Joggen täglich an der frischen Luft reicht dafür aus. Natürlich sind mit Feinstaub belastete Straßen tunlichst zu vermeiden. Überhaupt halte ich es für sinnvoll, darüber nachzudenken, wo man wohnen will. Mir ist schon klar, dass es auch eine Preisfrage ist, aber in eine Wohnung, die an einer belebten Durchgangsstraße liegt, würde ich grundsätzlich nicht ziehen. Schallschutzfenster hin oder her. Man sollte sich folgendes klar machen: Der Bauplan des Menschen für die Grundfunktionen seines Körpers ist vor vielen Milliarden Jahren entstanden und seit vier Millionen Jahren existiert der Homo sapiens mit seinem aufrechten Gang. In dieser langen Entwicklungszeit konnte sich unser Körper besser optimieren, als wir annehmen. Mit vielen Krankheiten kann er selbst recht gut alleine fertig werden, wenn ihm die Zeit dafür gelassen wird. Unser Ziel sollte sein, sich gesund zu fühlen, damit wir realistische Vorstellungen verwirklichen können. Erst dann, wenn wir wirklich den Eindruck haben, professionelle Hilfe zu benötigen, um etwas abzuklären und behandeln zu lassen, sollten wir es wie die Ärzte halten und zum Arzt gehen! Denn jeder Mediziner weiß, viel hilft keineswegs immer viel! Und er weiß auch, wenn er beispielsweise Schlaf- und Beruhigungsmittel verschreibt, dass sie Nebenwirkungen habe sowie zur Gewöhnung, Abhängigkeit und Sucht führen können. Niemals würde sich ein Arzt von dem selben Arzt operieren lassen, der den Eingriff als notwendig empfohlen hat. Warum sollte es richtig sein, genau das von Patienten zu erwarten? Die Mitglieder von Arzt- und Anwaltsfamilien werden signifikant weniger operiert als andere. Und falls Ärzte sagen, sie könnten hier nichts mehr tun, fängt genau genommen die Heilkunst erst an! Zweite und dritte Meinungen einzuholen um alternative Verfahren herauszufinden, könnte dann sinnvoll sein.