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Aber es verlohnt sich wohl zu untersuchen, weßhalb der Apostel nicht sagt: „Den Reichen in dieser Welt gebiete, daß sie nicht reich seien, gebiete, daß sie arm seien, daß sie sich der Habe entäussern,” sondern: „Gebiete, daß sie nicht stolz seien.” Er weiß, daß Wurzel und Unterlage des Reichthums der Hochmuth ist, und daß, wer Maaß zu halten versteht, auf solche Dinge nicht vielen Fleiß verwenden wird. Denn sage mir, weßwegen führst du (Reicher) die vielen Bedienten, die Schmarotzer, die Schmeichler und alles andere Schaugepränge herum? Nicht, weil du ihrer bedarfst, sondern allein aus Hochmuth, um dadurch das Ansehen zu gewinnen, als seiest du ehrenwerther denn andere Leute. Übrigens weiß aber Paulus, daß der Reichthum nicht verwehrt ist, wenn man ihn zum nöthigen Bedarfe verwendet. Denn gleichwie ich gesagt habe, 62 daß nicht der Wein, sondern die Trunkenheit etwas Sündhaftes sei, so ist auch der Reichthum nichts Böses, sondern die Habsucht ist sündhaft, der Geldgeiz ist böse. Etwas Anderes ist ein Geiziger, etwas Anderes ein Reicher. Der Geizige ist nicht reich; der Geizige leidet vielfältigen Mangel; wer aber vielfältigen Mangel leidet, hat ja nie Überfluß. Der Geizhals ist Wächter, nicht Herr; ist Knecht, nicht Gebieter seiner Schätze. Denn lieber theilte er Jemandem wohl von seinem eigenen Fleisch mit als von dem vergrabenen Golde; und als ob Jemand ihm aufgetragen und befohlen hätte, Nichts von dem, was er auf die Seite gelegt, zu berühren: so hegt und hütet er es mit aller Sorgfalt und enthält sich seines Eigenthums, als wäre es fremdes Gut. Und es ist auch in der That fremdes Gut. Was er nemlich an Andere herauszugeben oder an Bedürftige zu vertheilen sich nimmer entschlösse, und ob er auch tausend Martern ausstehen müßte: wie könnte er glauben, daß das sein Eigenthum sei? Wie hat er das im Besitz, dessen unbefangene Nutzung und dessen Genuß er nicht hat? Dazu kommt, daß Paulus gewohnt ist, nicht Allen Alles aufzulegen, sondern sich herabläßt zu der Schwachheit der Zuhörer, gleichwie auch Christus gethan hat. Denn jenem Reichen, der herbeikam und sich mit ihm über das ewige Leben besprach, sagte er nicht: „Gehe hin, verkaufe.was du hast,” sondern ließ das bei Seite und sprach zu ihm über andere Gebote. Als Jener sodann selbst ihn herausforderte und fragte: „Was fehlet mir noch?” auch da sagte er nicht geradezu: „Verkaufe. was du hast,” sondern: „Willst du vollkommen sein, so gehe hin, verkaufe was du hast.” 63Ich stelle es deinem Willen anheim, ich mache dich zum Herrn deiner Wahl, ich lege dir keinen Zwang auf. Darum redet auch Paulus mit den Reichen nicht von der Armuth, sondern von der Demuth, um der Schwachheit der Zuhörer willen und weil er wohl wußte, daß Bescheidenheit und Freiwerden von Eitelkeit sie gar bald auch frei machen würde von der Sucht nach Bereicherung. — Ferner, indem er sie ermahnt, nicht stolz zu sein, zeigt er auch die Art, auf welche sie dahin gelangen könnten, nicht hochmüthig zu sein. Und welche ist das? Wenn sie das Wesen des Reichthums ins Auge faßten, wie unsicher und unzuverlässig er sei. Darum setzt er hinzu: „Auch nicht hoffen auf den ungewissen Reichthum.” Reich ist nicht, wer viel besitzt, sondern wer viel gibt. Reich war Abraham, aber nicht geizig. Denn er schaute nicht um nach dem Hause des Einen und forschte nicht nach dem Vermögen des Andern, sondern ging hinaus 64 und schaute sich um, ob irgend ein Fremdling, ob irgendwo ein Armer sei, daß er der Nothdurft zurechthälfe, daß er den Wanderer aufnähme. Nicht schmückte er sein Hausdach mit Gold, sondern bei jener Eiche schlug er sein Zelt auf, und mit dem Schatten ihrer Blätter begnügte er sich. Und doch war seine Wohnung so glänzend, daß es selbst Engel nicht verschmähten, bei ihm Herberge zu nehmen. Denn nicht Pracht des Hauses begehrten sie, sondern Tugend der Seele. Ihm also laßt uns nachahmen, Geliebte, und das Unsere den Armen zuwenden! Nur flüchtig hingebaut war seine Wohnung, aber sie war prächtiger als der Könige Hallen. Kein König hat jemals Engel bewirthet, aber der, welcher unter jener Eiche sich niederließ und sein Gezelt aufschlug, ward dieser Ehre gewürdigt, — nicht ob der Ärmlichkeit seiner Behausung ward er geehrt, sondern wegen der Wohlhabenheit seiner Seele und um des in ihr niedergelegten Reichthums willen gelangte er zum Genuß dieser Gnade. So laßt auch uns nicht die Häuser ausschmücken, sondern statt des Hauses unsere Seele! Denn wie wäre es nicht schimpflich, die Wände zwar mit Marmor zu kleiden, ohne Nutz und Frommen aber Christum zu übersehen, der in Blöße umherwandelt! 65Was nützt dir das Haus. o Mensch? Wirst du es auch mitnehmen, wenn du abscheidest? Du wirst es beim Scheiden nicht mitnehmen, aber die Seele wirst du bei deinem Hingang unfehlbar mitnehmen. Siehe, eine so große Gefahr hat uns eben getroffen: — die Häuser sollen uns beistehen, sie sollen die über uns schwebende Gefahr vereiteln! Aber sie werden nicht können. Und deß seid ihr Zeugen, die ihr sie verödet zurücklasset und in die Wildniß entspringet, weil ihr sie fürchtet gleich Schlingen und Netzen. Die Schätze mögen uns jetzt helfen! Aber es hat gute Zeit! Wenn aber die Macht des Reichthums hier schon vor dem Zorn eines Menschen zu Schanden wird, um wie viel mehr wird Dieß vor dem unbestechlichen Richterstuhl Gottes geschehen! Wenn es ein Mensch ist, dessen Grimm und Unwillen wir auf uns geladen, und das Gold uns jetzt Nichts nützen kann: wie viel mehr wird des Goldes Gewalt an dem Zorne Gottes, der keiner Schätze bedarf, ganz und gar zu Schanden werden! Wir bauen Häuser, sie zu bewohnen, nicht um darin unsere Ehre zu suchen. Was größer ist, als der Nutzen erheischt, ist überflüssig und unnütz. Zieh’ einen Schuh an, der größer ist als der Fuß: du kannst ihn nicht leiden, denn er hindert dich beim Gehen; so hindert auch ein Haus, das größer ist, als du bedarfst, deine Wanderung zum Himmel. Willst du prächtige und große Häuser bauen? Ich hindere dich nicht. Aber nicht auf Erden; baue dir Hütten im Himmel, daß du auch Andere aufnehmen könnest,66 Hütten, die nimmer zerfallen. Was rasest du nach dem, was flieht, und was hier zurückbleibt? Nichts ist schlüpfriger als Reichthum: heute mit dir und morgen wider dich. Auf allen Seiten waffnet er die Augen der Neider. Ein Widersacher ist er in deinem Zelte, ein Feind in deinem Hause. Zeugen seid ihr, die ihr ihn besitzet und auf alle Weise vergrabt und verbergt. Denn auch jetzt macht uns der Reichthum die Gefahr unerträglicher. Du siehst, wie die Armen leicht gegürtet und ungebunden und auf Alles gefaßt sind; wie dagegen die Reichen großes Ungemach haben, wie sie herumgehen und suchen, wo sie ihr Gold vergraben, und suchen, bei wem sie es niederlegen sollen. Was suchst du, o Mensch, die Mitknechte auf? Christus steht bereit, es zu empfangen und deine Geldsumme zu verwahren und nicht allein zu verwahren, sondern auch zu vermehren und mit reichem Zuwachs wieder zu geben; seiner Hand entreißt sie Niemand. Nicht nur hebt er die Summen auf, sondern beseitigt dir eben darum auch die Gefahren; denn die Menschen, welche unsere Güter verwahren, meinen, uns ihrerseits eine Gunst zu erweisen, wenn sie treu bewahren, was sie empfangen. Bei Christus findet das Gegentheil stait; denn nicht Gunst zu erweisen, sondern Gunst zu empfangen erklärt er, wenn er deine Güter aufnimmt, und er verlangt von dir keinen Lohn für die Aufsicht, die er über deine Schätze übt, sondern er selber belohnt dich dafür.

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