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ÜBER DIESEN TEXT
ENTSTEHUNG & DANK
Der vorliegende Text ist das Ergebnis des zweijährigen Studienreformprojektes „Anders lernen, anders lehren – eine alternative selbstorganisierte Lehr- und Lernform auf dem Prüfstand“ an der Technischen Universität Berlin und zugleich vorerst der Abschluss der schon viele Jahre länger währenden Bemühungen des Energieseminars, das eigene Lehrkonzept aufzuschreiben und es so anderen Akteur*innen der universitären und außeruniversitären Erwachsenenbildung zugänglich zu machen. Diese Bemühungen resultieren aus der Überzeugung, dass von Studierenden selbst organisierte Lehre einen Unterschied machen kann – auf der Ebene der Universität, auf der Ebene individueller Biographien genauso wie auf gesamtgesellschaftlicher Ebene – und dem Willen, an der Verwirklichung dieses Unterschiedes mitzuwirken.
Die zusammengeführte Endfassung des vorliegenden Textes ist im Wesentlichen das Werk einer einzelnen Autorin; Teile des Textes und seines strukturellen Aufbaus wurden jedoch bereits lange vor Beginn des Studienreformprojektes in kollaborativen Schreibprozessen von anderen Tutor*innen des Energieseminars erdacht und formuliert. Diese Vorarbeit ging in Struktur und Formulierung dieses Textes mit ein.
Dieser Text wechselt in seiner Perspektivität somit zwischen der Außenperspektive der Beobachterin, die jedoch auch schon seit vielen Jahren für das Energieseminar arbeitet, und einer Innenperspektive aus dem Energieseminar heraus. Dabei verliert die Autorin auch in ihrer Beobachterinnen-Perspektive nie ihr Insider-Wissen und ihre Verortung im Projekt. Diese vielfältigen Stimmen im Text werden zugunsten der besseren Lesbarkeit sprachlich geglättet, sollten beim Lesen jedoch nie vergessen werden.
Die Vermischung der Rollen der Autorin im Rahmen der Evaluation und die hierarchische Position einer beschreibenden Beobachterin wurde im Plenum des Energieseminars an verschiedenen Stellen kritisch diskutiert. Für diesen Text bietet das doppelte Involvement jedoch vor allem ganz außergewöhnliche Einsichten.
Dieses Konzept möchte sowohl eine Vorstellung des Energieseminars sein als auch eine Evaluation des selbigen Projektes. Zudem und zu allererst möchte er aber auch ein Praxisleitfaden sein, der den Lehransatz des Energieseminars anderen Akteur*innen der universitären und außeruniversitären Erwachsenenbildung zugänglich macht. Das Energieseminar-Plenum wünscht sich, dass die im Energieseminar erprobten Lehr- und Lösungsansätze von anderen aufgegriffen, diskutiert, für eigene Projekte adaptiert oder auch verworfen werden. Damit will das Energieseminar an sich und das eigene Tun die gleichen Maßstäbe anlegen wie an die Arbeit in den vom Energieseminar organisierten Projekten: Das Wissen, die Ideen und Erfahrungen sollen nicht ausschließlich in den eigenen Kreisen bleiben, sondern eine Außenwirkung erzielen. Sie sollen praktisch und damit gesellschaftlich relevant in einem weiteren Sinne werden.
Wie oben bereits angemerkt fließt in diese Ausformulierung des Lehrkonzeptes die Arbeit vieler verschiedener Personen zusammen, die im Energieseminar arbeiten oder gearbeitet haben. Ihnen allen sei an dieser Stelle ein herzlicher Dank für ihre Arbeit, ihre Ideen und ihre Energie ausgesprochen. Zudem sei dem betreuenden Professor an der Technischen Universität Berlin, Prof. Dr.-Ing. Felix Ziegler, ohne dessen fortwährende ideelle, organisatorische und materielle Unterstützung das Energieseminar in seiner heutigen Form gar nicht denkbar wäre, an dieser Stelle aufs Herzlichste gedankt.
1.1 ORIENTIERUNG FÜR LESER*INNEN
Der folgende Abschnitt soll den Leser*innen die Orientierung im Text erleichtern, indem er die einzelnen Kapitel kurz umreißt und Empfehlungen ausspricht, für welche Zielgruppen welche Kapitel von besonderem Interesse sein könnten.
In Kapitel 2 soll zunächst das Energieseminar an sich vorgestellt werden. Neben dem historischen Entstehungskontext finden sich hier vor allem die ideellen Grundlagen hinter dem Lehrkonzept. Dieses Kapitel ist für alle diejenigen interessant, die das Energieseminar als organisatorische Einheit und ein einzigartiges Beispiel selbstorganisierten Lernens und Lehrens im universitären Kontext besser kennen lernen wollen. Zudem kann es als Einführung in die Hintergründe der in den späteren Kapiteln ausgeführten Lehrpraxis verstanden werden.
Kapitel 3 zeigt auf, welche Organisationsstruktur das Energieseminar unter Berücksichtigung dieser Gedanken für sich gefunden hat. Es führt ein in die Art und Weise der Arbeitsorganisation im Energieseminar und erläutert Fragen der Arbeitsteilung, der Generierung und Verteilung von Wissen und des Umgangs mit Wissenshierarchien. Dieses Kapitel kann für all diejenigen interessant sein, die selbstorganisiertes Lernen anbieten oder entsprechende Projekte im eigenen Lern-Lehr-Kontext fördern wollen, gibt es doch Einblick in eine Möglichkeit der praktischen Umsetzung auf Ebene der Organisator*innen. Kapitel 4 stellt dar, wie projektbasierte Lehre im Energieseminar funktioniert, wie ein exemplarisches Semester abläuft und welche zentralen Bestandteile das spezifische Lehrkonzept des Energieseminars ausmachen. Dies kann für andere Bildungsanbieter*innen, seien es nun Lehrer*innen, Dozentinnen oder andere Akteur*innen der institutionalisierten oder nicht-institutionalisierten (Erwachsenen-)
Bildung von Interesse sein. Aber auch Studierende, die eine eigene Lehrveranstaltung konzipieren, an der Technischen Universität Berlin beispielsweise unter dem Dach der Projektwerkstätten, können hier sicher wertvolle Anregungen finden.
Das Studienreformprojekt „Anders lernen, anders lehren – eine alternative selbstorganisierte Lehr- und Lernform auf dem Prüfstand“ schuf eine Möglichkeit, sich intensiver mit der eigenen Lehre zu beschäftigen und mehr Ressourcen für die Evaluation und Verbesserung der Lehre zur Verfügung zu stellen. Das Studienreformprojekt und die zentralen Ergebnisse der Evaluation werden in Kapitel 5 dieses Textes vorgestellt. Die Evaluationsergebnisse dürften vor allem für diejenigen von besonderem Interesse sein, die sich auf einer Metaebene, zum Beispiel in einem wissenschaftlichen Kontext, mit der Organisation von Lernen und Lehren beschäftigen.
Alle, die sich ganz praktische Unterstützung für ihre eigene Lehre wünschen, werden hoffentlich in Kapitel 6 fündig werden. Dieses beinhaltet eine Sammlung von in den Energieseminar-Projekten bewährten Vorgehensweisen für wiederkehrende Problemstellung in selbstorganisierten Projektseminaren und -gruppen in der Hoffnung, damit auch eine ganz praktische Hilfestellung für andere Bildungszusammenhänge zur Verfügung zu stellen. Damit möchte das Energieseminar die eigenen Ideen von studentisch organisierter Lehre in die Hände anderer Bildungsanbieter*innen legen und sie zur kritischen Diskussion, zur Verwendung und Adaption bereitstellen, anstatt sie nur in Bücherregalen verstauben zu lassen.
An verschiedener Stelle im Text werden vom Energieseminar erstellte und benutzte Materialien angesprochen, die zum Teil in einem umfangreichen Anhang zusammengestellt werden. Die einzelnen Materialien sind dabei keinesfalls als finale Fassungen zu verstehen, sondern unterliegen ständigen Diskussions-, Veränderungs- und Anpassungsprozessen. Genauso wünscht sich das Energieseminar auch ihre weitere Verwendung: sie sind eine Einladung zur Anpassung und Weiterentwicklung in Hinblick auf den eigenen Arbeitskontext. Das Energieseminar ist immer daran interessiert, sich mit Anmerkungen zum Lehrkonzept auseinanderzusetzen und mit anderen Bildungsanbieter*innen in Kontakt zu treten. Sollte der folgende Text also Fragen aufwerfen oder Anmerkungen oder Widerspruch provozieren, freut sich das Energieseminar über eine Kontaktaufnahme und dementsprechende Hinweise.