Читать книгу Das Kombiticket - Kathrin Noreikat - Страница 10
Kapitel
ОглавлениеDie Brüder fanden den Raum A14-011 dank der Wandbeschriftung auf dem obersten Deck.
Es war ein Besprechungsraum. In der Mitte stand ein großer ovaler Tisch. Um ihn herum saßen bereits sechs Personen. Der Mann am Kopfende des Tisches donnerte: “Sehr schön, da kommen die Jakoby Brüder. Lieber spät als nie!”
Woher er ihren Nachnamen kannte, konnten sich Theodor und Conrad nicht erklären. Sie murmelten ein “Hallo!” und setzten sich unverzüglich auf die noch zwei freien Plätze. Neugierig blickte Conrad in die aus Männern und Frauen bestehende Runde. Jeder trug die gleiche marineblaue Uniform wie er und sein Bruder. Sein Blick wanderte zur Zimmerdecke. Dort war eine Glaskuppel, allerdings drang kein Sonnenlicht hinein. Trotzdem war der Raum durch unzählige LED-Lampen hell erleuchtet.
“Jetzt, da wir vollzählig sind, können wir endlich anfangen”, ließ der Mann am Kopfende alle unüberhörbar wissen.
Der Mann war Ende 40 und war wie eine Naturgewalt. Er trug einen Schnauzbart und hatte dunkelblondes Haar, das leicht gewellt war. Mit lauter und tiefer Stimme begann er: “Willkommen auf der Invictus! Ich bin Baldur Óscar Albertsson, Captain und Steuermann. Normalerweise steuere ich das Raumschiff, doch momentan übernimmt dies der Autopilot bzw. der Bordcomputer.
Die neu gegründete internationale Weltraumbehörde Universo hat mich zu einem Teil dieser bedeutenden Mission gemacht. Dafür bin ich ihr sehr dankbar und ich bin stolz, Teil dieser Crew zu sein. Ich hoffe auf eine gute Zusammenarbeit!”
Er schaute in die Runde und erntete Zustimmung. Danach fuhr er fort: “Obligatorisch muss ich auf die Hausordnung hinweisen, die ihr auf euren Computern in den Kabinen abrufen könnt. Alkohol, Drogen und der Konsum von Tabak sind strengstens verboten. Jegliche Art von Glücksspiel mit oder ohne Geldeinsatz ist nicht erlaubt, offenes Feuer wie Kerzen anzünden ist in den Kabinen oder in sonstigen Räumen ebenfalls verboten. Liebesbeziehungen auf dem Raumschiff innerhalb der Crew oder mit Kolonisten ist nicht gestattet. Später auf dem Exoplaneten soll jeder sein Glück suchen.”
Der Captain hielt kurz inne. “Jetzt schlage ich vor, dass wir uns kurz gegenseitig vorstellen. Wir haben uns zwar vor der Abreise, die bereits eine ganze Weile her ist, kennengelernt. Trotzdem kann es nicht schaden. Außerdem sollten wir uns duzen, denn das ist bei uns Isländern so üblich.”
Es sollte wohl so ein Art Freundschaftsangebot von ihm sein und obwohl sich Albertssons Mund zu einem Lächeln verzog, blieben seine hellblauen Augen kalt. Einstimmiges Gemurmel der Crew.
“Sehr schön”, fuhr er fort. “Wie gesagt, mein Name ist Baldur Óscar Albertsson. Ursprünglich komme ich aus Akureyri. Das ist eine Stadt im Norden Islands. Wir sind auf der Invictus. Unsere Mission heißt Novum und wird uns uns zu Kepler-186f führen.”
Conrad spitzte die Ohren. Er erinnerte sich an das Buch “Das unendliche Weltall”, welches er kürzlich zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte. Aus diesem Buch wusste er, dass Johannes Kepler ein deutscher Astronom, Physiker, Mathematiker und Naturphilosoph gewesen war. Nach ihm war ein Weltraumteleskop benannt worden. Dieses hatte zahlreiche erdähnliche Planeten entdeckt.
Conrad widersprach dem Captain: “Soweit ich weiß, ist Kepler-186f unbewohnbar. Die Wissenschaft ist sich nicht sicher, ob er überhaupt eine Atmosphäre hat.”
Irritiert unterbrochen worden zu sein, starrte Albertsson ihn unfreundlich an und dröhnte: “Bitte? Was redest du da für einen Blödsinn! Du hast wohl zu lange in der Hyperschlafkammer gelegen. Natürlich hat dieser Exoplanet eine Atmosphäre, sonst würden wir erst gar nicht auf dieser Mission sein.”
Conrad schluckte schwer und beschloss, nach dieser Rüge vorerst seinen Mund zu halten. Captain Albertsson erhob sich von seinem Stuhl. Jetzt konnte man gut erkennen, wie groß er war, fast zwei Meter. Seine Hände waren Pranken und mit seinem fleischigen rechten Zeigefinger berührte er die Tischplatte, die sich als Touchscreen betätigen ließ.
Auf der Tischplatte erschien eine Darstellung des Weltalls mit seinen Planeten und Sternen.
“Wie cool ist das denn”, jubelte Theodor und erntete, wie sein Bruder, einen vernichtenden Blick vom Captain.
Albertsson erklärte: “Wir sind gestern von Adana geweckt worden. Die anderen sind noch im Hyperschlaf und werden zu einem späteren Zeitpunkt unter der Aufsicht unserer Bordärztin geweckt.”
Er zeigte auf einen rot blinkenden Punkt in der Tischmitte. “Wir befinden uns momentan hier und dort ist unser Ziel.”
Der Captain beugte sich etwas über den Tisch und wies auf einen blauen Punkt, der den Exoplaneten Kepler-186f abbildete.
“Gemeinsam werden wir die Landevorbereitungen treffen, damit diese erfolgreich sein wird. Wir müssen dafür eng zusammenarbeiten, daher erwarte ich von jedem Einzelnen Professionalität, Pünktlichkeit und eine korrekte Arbeitsweise. Wir müssen uns aufeinander verlassen können, ansonsten wird diese Mission kläglich scheitern. Was das bedeutet, muss ich euch nicht sagen.”
Die Gesichter der Crew waren ernst, sie nickten.
Der Isländer nahm wieder Platz. “Wenn du dich bitte vorstellen würdest”, bat er den Mann links von ihm. “Anschließend geht die Vorstellungsrunde im Uhrzeigersinn herum.”
“Ich bin Victor Alexej Lasarow und Astrophysiker”, begann der Mann. “Ich komme aus Russland, aus dem schönen St. Petersburg.”
Der Russe mit seinem Dreitagebart sah eher wie ein Model aus einem Werbespot für Zahnpasta oder Shampoo aus als wie ein Wissenschaftler. Sein schwarzes Haar war seitlich kürzer geschnitten als in der Mitte, wo es etwas länger und leicht wuschelig war. Die gerade Nase und die dunklen Augen verliehen ihm etwas Unnahbares.
“Würdest du uns bitte etwas über unseren Zielort berichten”, bat Albertsson.
“Selbstverständlich. Mittlerweile sind wir 500 Lichtjahre von unserer alten Erde entfernt und im Sternbild Schwan angekommen. Unser Ziel kreist in 130 Erdentagen um Kepler-186. Er ist ein sogenannter roter Zwergstern und ist somit unsere neue Sonne. Unsere neue Erde heißt Kepler-186f und ist ungefähr 20 % größer als die alte. Die Achse ist stabil, daher können wir davon ausgehen, dass wir regelmäßige Jahreszeiten haben werden”, referierte der Astrophysiker.
Er unterbrach kurz und sah Conrad lächelnd an: “Selbstverständlich hat der Planet eine Atmosphäre.”
“Danke. Das reicht erst einmal”, urteilte der Captain.
Ein breitschultriger Mann begann zu sprechen. Er hatte einen olivbraunen Teint und dichtes schwarzes Haar, das er nach hinten gekämmt hatte.
“Zunächst einmal: Mir geht es wieder besser, die Nebenwirkungen vom Hyperschlaf waren allerdings übel. Mein Name ist Giovanni Borgarello und ich bin aus bella italia. Ich bin Biologe. Genauer Astrobotaniker”, sagte er. “Außerdem koche ich sehr gerne und mache die zweitbesten Spaghetti der Welt.”
“Wer macht denn die besten Spagetthi der Welt?”, fragte Theodor vorlaut.
“Meine Mama, natürlich!”, behauptete Giovanni und zwinkerte ihm zu. Captain Albertsson räusperte sich: “Dann wäre das geklärt. Kannst du bitte fortfahren?”
Der Italiener nickte: “Si. Ich bin an Bord für die Pflanzen zuständig. Später, wenn wir auf dem Exoplaneten sein werden, werde ich die dortige Fauna bestimmen und erforschen. Welche Tiere es auf Kepler-186f gibt, kann ich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht sagen. Das wird eine Überraschung werden.”
Als nächstes sprach eine Frau mit langen glatten und leicht rötlich schimmernden Haaren. Sie trug eine schwarze Sonnenbrille auf der Nase.
“Würdest du bitte die Brille abnehmen”, forderte der Isländer.
“Pardon”, murmelte die Frau und setzte die Brille ab. Dahinter kam ein Sommersprossen gesprenkeltes Gesicht mit grün leuchtenden Augen hervor. Der Duft ihres Parfüms, das nach Rosenblätter roch, überdeckte den Geruch nach Desinfektionsmittel, der überall im Raumschiff herrschte.
“Salut, ich bin Astrochemikerin”, sagte sie. “Mein Name ist Fabienne Moreau und ich komme aus Frankreich. Ich habe mich mit der Entstehung und der chemischen Entwicklung unseres Sonnensystems und Objekten planetarer Masse beschäftigt. Meine Aufgabe wird sein, die chemische Zusammensetzung von Kepler-186f zu erforschen.”
Damit beendet sie auch schon ihre Vorstellung und setzte sogleich ihre Sonnenbrille wieder auf. Die ganze Zeit hatten die Jakoby Brüder unauffällig die Person, die kerzengerade neben der Französin auf ihrem Stuhl saß, beobachtet.
War es eine Frau, die ein Roboter war oder war es ein Roboter, der eine Frau war?
Ihr Oberkörper und die Oberarme waren mit einem dunkelblauen Stoff bedeckt. Das Gesicht und die Hände waren mit einem hautähnlichen Material überzogen. Hals und Unterarme waren dagegen durchsichtig. So konnte man deutlich die Kabel, die sich im Inneren befanden, erkennen.
Ihre Augen waren hellblau und besaßen zwei schwarze Stäbchen als Pupille, was etwas beängstigend aussah.
“Mein Name ist Adana”, sagte sie. “Ich bin eine Androidin. Bis jetzt habe ich das Raumschiff gesteuert. Ich habe die Crew aus dem Hyperschlaf geweckt.”
Sie machte nach jedem Satz eine minimale Pause. Es fehlte jegliche Mimik, als sie weitersprach: “Ich unterstütze Captain Baldur Óscar Albertsson bei seiner Arbeit. Regelmäßig synchronisiere ich mich mit dem Bordcomputer.”
Der Captain nickte und fügte hinzu, dass Adana auf den neuesten Stand der humanoiden Robotertechnik sei.
“Wir haben also ein hoch entwickeltes Maschinenwesen an Bord und darauf bin ich sehr stolz”, ließ Albertsson die Crew wissen.
Theodors Herz begann heftig zu schlagen, denn nun war er an der Reihe sich vorzustellen. Was sollte er sagen? Sollte er fragen: “Wo ist die Tür zum Planetarium?” Lieber nicht, denn der Captain verstand keinen Spaß, wie er festgestellt hatte.
Er warf seinem älteren Bruder einen hilfesuchenden Blick zu. Doch dieser zuckte nur mit den Achseln.
“Und Sie, äh, du bist der Seelenklempner?”, fragte der Biologe unerwartet.
Zögernd nickte Theodor. Er musste schwer schlucken, um den Kloß in seinem Hals hinunter zu bekommen. “Äh … ja, das bin ich. Mein Name ist Theodor Jakoby und ich bin aus Stuttgart in Deutschland. Ich habe Psychologie studiert. Eigentlich bin ich Psychoanalytiker und habe mein Studium an der Sigmund Freud Privatuniversität in Wien absolviert.”
Diese Erklärung kam Theodor wie selbstverständlich über die Lippen. Er konnte es sich selbst nicht erklären, aber er wusste, dass er das erforderliche psychologische Fachwissen besaß.
“Die internationale Weltraumbehörde Universo war der Meinung, dass ein Psychologe auf so einer Mission sinnvoll wäre. Ich stehe als Ansprechpartner bei emotionalen Fragen und Problemen zur Verfügung”, teilte er abschließend mit.
Conrad staunte nicht schlecht, denn bisher hatte er keine Ahnung gehabt, wie gut sein Bruder lügen konnte. Als nächstes müsste er sich eine glaubhafte Lügengeschichte einfallen lassen, wieso er auf diesem Raumschiff war und zu dieser Crew gehörte. Ob ihm das gelingen würde? Wäre es nicht besser die Wahrheit zu sagen?
Conrad rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her. “Also, ich bin Conrad Jakoby und bin ebenso aus Stuttgart. Wir wohnen in dem Stadtteil Heumaden in einer Mietwohnung und … äh … Mein zwei Jahre jüngerer Bruder Theodor und ich waren heute Vormittag mit unserer … ”.
Ungeduldig unterbrach der Isländer ihn. “Komm bitte zum Punkt. Wir haben eine lange Agenda vor uns und nicht den ganzen Tag Zeit.”
Daraufhin tippte Albertsson ein paar Mal auf die interaktive Tischplatte. Eine Liste mit vielen rot leuchtenden Schlagworten wurde sichtbar.
“Entschuldige bitte”, stammelte Conrad. Was sollte er jetzt machen? Er sah ratlos hinauf zum Dachfenster. Als ob dort draußen im unendlichen Weltall die Lösung stehen würde. Doch so war es. Nachdem Conrad den Blick wieder gesenkt hatte und in die erwartungsvollen Gesichter der Crew schaute, wusste er alles. Mit fester Stimme teilte er mit: “Ich bin Ingenieur der Luft- und Raumfahrttechnik und habe an der Stuttgarter Universität studiert. An Bord bin ich für das Antriebssystem im Maschinenraum zuständig und um sonstige technische Gerätschaften. Wenn etwas kaputt gehen sollte, werde ich es reparieren.”
“Das hoffe ich doch!”, rief der Captain.
Als letztes stellte sich eine asiatisch aussehende Frau vor. Sie war klein und zierlich, wirkte eher wie ein Kind als eine Erwachsene. Ihr Haar war schwarz und war zu einem akkuraten Pagenschnitt geschnitten.
“Mein Name ist Dr. Asuka Kobayashi und ich komme aus Nagoya. Das ist in Japan, und ich bin die Bordärztin. Wenn sich jemand unwohl fühlt, kann er gerne zu mir kommen. Auf Deck 12 gibt es eine Krankenstation. Sie ist mit den neuesten medizinischen Geräten ausgestattet ist. Ich bin, wie unser Captain schon erwähnt hat, für den Aufweckprozess der Kolonisten zuständig. Wenn wir auf der neuen Erde gelandet sind, werde ich mich selbstverständlich um Verletzungen und auftretende Krankheiten kümmern. Natürlich hoffe ich, dass nichts Ernsthaftes geschehen wird.”
“Gut, somit sind wir mit der Vorstellungsrunde fertig”, erklärte Captain Albertsson knapp, er berührte das Touchscreen. Das Wort “Vorstellungsrunde” wurde auf der virtuellen Liste sogleich grün.
“Kommen wir zum nächsten Punkt: Arbeitszeiten”, sagte der Isländer.
Es wurde ein langes Meeting, das durch eine Pause unterbrochen wurde.
Ein kleiner Roboter, der wie R2D2 aussah, aber in Wirklichkeit ein Eddy-Modell war, servierte Getränke und belegte Brote. Die Jakoby Brüder bedienten sich, da sie hungrig und durstig waren. Leider mussten sie feststellen, dass die Brote nicht besonders gut schmeckten. Trotzdem griffen sie reichlich zu. Theodors Frage, ob es Fanta geben würde, verneinte der Eddy-Roboter.
Die Besprechung wurde fortgesetzt.
Endlich wandelte sich das letzte Wort auf der virtuellen Agenda in einen Grünton und der Captain erklärte: “Ich erwarte täglich von jedem einzelnen einen Bericht. Ihr könnt ihn mit der Sprachfunktion in den Bordcomputer sprechen. Außerdem erhaltet ihr jetzt jeder einen Kommunikator. Er funktioniert wie ein Walkie-Talkie. So können wir jederzeit miteinander in Kontakt treten. Einfach darauf tippen und sprechen. Die Eddy-Roboter und Adana sind damit ebenso ausgerüstet.”
Albertsson stand auf und verteilte die Geräte. Der Kommunikator war rund und hatte einen Durchmesser von etwa zwei Zentimeter und in goldenen Buchstaben stand Invictus darauf. Die Crewmitglieder befestigten ihn mit der an der Rückseite befindenden Klammern, an der rechten Brusttasche.
“Auf eine gute Zusammenarbeit und eine erfolgreiche Mission!”, meinte der Captain zum Schluss.
Die Crewmitglieder klopfen auf den Tischrand und signalisierten damit ihre Akzeptanz gegenüber dem Captain. Dieser lächelte breit und verließ mit großen Schritten den Besprechungsraum.
Die Jakoby Brüder hatten durch die ganze Informationsflut vergessen, Captain Albertsson nach der Planetariumstür zu fragen. Das würden sie morgen machen, beschlossen sie. Jetzt waren die Brüder müde und folgten den anderen Crewmitgliedern. So gelangten sie zu den Mannschaftsunterkünften. An zwei nebeneinanderliegenden Türen standen ihre Namen.
“Gute Nacht”, wünschte Conrad seinem Bruder. “Gute Nacht”, sagte Theodor und mit einem leisen Zischen glitt die Kabinentür zur Seite. Theodor betrat das Zimmer und augenblicklich ging das Licht an. Der Raum erinnerte Theodor an die Kabine auf dem Kreuzfahrtschiff, auf dem er letztes Jahr mit seiner Familie durch das Mittelmeer gefahren war. Nur wirkte es nicht so gemütlich, obwohl es mit einem Bett, Nachttisch, Sofa, Schreibtisch, Sessel, Stuhl und Schränken möbliert war. Es gab sogar ein von einem Meter Durchmesser großes Bullauge über dem Schreibtisch. Theodor blickte hinaus. Er sah jedoch kein Meer oder Hafen, sondern nur das unendliche Weltall.
Die Müdigkeit ließ ihn gähnen. Rasch warf er noch einen Blick ins angrenzende Badezimmer. Unter die Dusche wollte er jetzt nicht mehr gehen. Daher zog er die unbequemen Schuhe und die Uniform aus und legte sich ins Bett.
Da er nirgends einen Lichtschalter entdecken konnte, probierte Theodor etwas aus. “Licht aus”, bestimmte er. Sofort wurde es dunkel. Stockdunkel und totenstill. Wie in einem Grab. Theodor hörte keinen Straßenverkehrslärm, keine Sirene eines Krankenwagens oder Polizeiautos und kein Vogelgezwitscher. Die Stille kam ihm sehr laut vor. Schließlich schlief er ein.
Sein jüngerer Bruder schlief schon tief und fest, als Conrad neugierig die Schränke in seiner Kabine öffnete. Darin hingen mehrere marineblaue Uniformen und normale Alltagskleidung wie Jeans, T-Shirts, Pullover und eine Regenjacke.
In der Schreibtischschublade fand er ein Notizbuch und ein paar Kugelschreiber. Unschlüssig hielt er das Buch in der Hand und entschloss spontan, es als Tagebuch zu verwenden.
So schrieb Conrad auf die erste leere Seite `Tag 1
Heute waren Tante Ruth, Theo und ich erst im Dinosauriermuseum und nachmittags im Planetarium. Theo und ich hatten Durst und wollten etwas zu trinken kaufen. Da riss Theo ein Bild von der Wand. Manchmal ist er ein echter Tollpatsch. Zum Glück hat es niemand gesehen, wobei, im Nachhinein wäre es besser gewesen.
Hinter dem Bild war nämlich eine Tür. Durch diese sind wir hindurchgegangen. Wir landeten auf dem Raumschiff Invictus, das auf dem Weg zu Kepler-186f ist. Das ist ein erdähnlicher Planet oder wird auch als Super-Erde bezeichnet! Total cool!
Tante Ruth wird bestimmt wütend sein, wenn wir nicht rechtzeitig zurückkommen. Mama und Papa machen sich sicher auch Sorgen, wenn sie uns nicht bei Tante Ruth abholen können. Doch wir haben ein Problem: Die Tür zum Planetarium ist verschwunden. Sehr blöd!
Morgen müssen wir unbedingt diese Tür finden!
Da fällt mir gerade ein: Morgen werde ich eine Mathearbeit schreiben.
Theodor öffnete seine Augen und sah nichts.
“Mama!”, rief er.
“Das habe ich nicht verstanden. Bitte wiederholen Sie”, hörte er eine Computerstimme. Da fiel es Theodor wieder ein. Er war nicht zuhause in seinem Kinderzimmer, sondern in einer Kabine auf einem Raumschiff. “Licht!”
Sofort ging das Deckenlicht, die Nachtisch- und Schreibtischlampe an. Aus dem Badezimmer strahlte ebenso Licht ins Zimmer. Er stand auf und merkte, wie hungrig er war. Wo gab es Frühstück?