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Die Liebe im „Lied der Lieder“
ОглавлениеAls ich das „Hohelied der Liebe“ das erste Mal las, schüttelte ich den Kopf über die eigenartige Poesie und die Ungereimtheiten in den Versen. Es ist nicht leicht, es Satz für Satz bis zum Ende zu lesen. Es ist voll von malerischen Beschreibungen - die nichts ergeben. Anders erging es mir, als ich die inneren Themen bemerkte. Ordentlich sind die Weisheitslehren gegliedert. Sie sprechen jeden persönlich mit seinem Gefühl an, darüber hinaus sehr unterschiedlich. Die gebrauchte Lösung wird schon beim Nachdenken eingeübt.
Die vielen Bücher, Vertonungen, Kommentare, die es schon zum „Hohelied“ gab, dienten dazu, es „berühmt“ zu machen. Auswendig kennt kaum einer diese Verse, und falls doch, grad mal die wenigen Sätze, die besonders „malerisch“ wirken. Ich habe noch niemand vernommen, der so etwas äußerte:
„Jetzt kenne ich die Mechanismen der Liebe! Sonst nichts will ich mehr, als sie im Sinn haben und die Liebe verbreiten. Womöglich ginge es, überall diese Einstellung hinzubringen. Nun entstehenden anderen Ansichten und reiferer Taten!“
Es gibt viele Abschnitte der Bibel, die kaum bekannt sind. Bis zum II. Vatikanischen Konzil im vergangenen Jahrhundert war „offiziell“ die Bibellese verboten. Über die Gründe wurde nie geredet. Es wurde so gedacht: „Die haben das wegen ihren Dünkeln getan, denn sie wollen die Oberhand haben.“ Somit konnten sie predigen wie sie wollten, denn lesen konnte kaum einer. Nach Jahrhunderten wurde das Verbot aufgehoben. Längst gab es Evangelische, die eine Bibel im Haus hatten. Die Ursachen für dieses Verbot sind in allen Konfessionen verschwiegen worden.
Seit fünf Jahrhunderten liegt die Bibel in Deutsch vor. Je mehr sie bekamen, desto kritischer wurden die Meinungen. Die alttestamentlichen Erzählungen entsprächen nicht der Historik, beklagten sich die Bibelleser. Warum haben die ersten Christen das nicht bemerkt? Schon lange davor war die erste Übersetzung. Eine Klage steht im ersten Gesetzbuch der Germanen um 600 n.Ch., etwa in dem Sinn: „Wegen der mangelhaften Ausbildung kennen wir die verlorenen Details des Alten Testamentes nicht mehr“. Wenn es das Buch gab, was fehlte?
Die Regeln der Liebe müsste jeder in seinem Herzen haben. Er fühlt, er reagiert …
Der Zugang zum Buch, in dem auch das Hohelied steht, war in vielen Ländern von unterschiedlicher Art. In einer Reportage über den Jemen wurde vor vielen Jahren ein Tanz gezeigt. Er hieß „Freude an der Bibel“. So etwas fand sich nicht in den Kirchen. Ich meine hier nicht die Tänze und Theateraufführungen, die Kirchen durch Unterhaltung attraktiver gestalten wollten, sondern die Einstellung. „Simchat Torah“. Dargestellt wurde die Freude an Lehre. An den Kopf schlagen, mit „endlich kapiert!“ Beifall spenden, in die Luft springen, nachdenkend drehen. Dies kam nie beim Bibellesen der Deutschen vor. Den Tanz brauchen wir nicht, aber eine solche Reaktion beim Verstehen wäre schon gut. Wer die Propheten in dieser „Freude“ kennt, dem schmerzen beinah die Hände vor lauter Beifall.
Die Funde von Texten, wie in Qumran, bestätigten nach fast zwei Jahrtausenden die Richtigkeit der biblischen Texte. Richtig waren die gedruckten trotzdem nicht. Entscheidende Hinweise (kleine Kritzel, eigene Abstände, die zum Mehrfachlesen orientierten) wurden bei der Aufarbeitung der Handschriften übersehen. Die Form wurde verkannt.
Das Hohelied (Lied der Lieder von Salomo) ist alt und galt Jahrhunderte als einer der heiligsten Texte der jüdisch-christlichen Tradition. Als von der Überlieferung nichts mehr gewusst wurde, galt: „Der sehr irdische Liederzyklus beschreibt ein Liebespaar“.
Um zu erklären, das „Gelesene“ sei stimmig, wurde (nachträglich) gemeint: Es sei für die Rettung vom Liebeszyklus für den Kanon der heiligen Schriften. Geliebter und Geliebte sind Gott und seine Braut Israel oder Christus und die Kirche. In diesem Sinn wurde die Literatur Jahrhunderte nach Christus zitiert.
War nicht ein fester Zusammenhang für jemand oder gar jeden ersichtlich? Der Frage gehen wir nach, schon allein wegen des Eindrucks der ersten Befürworter.
Rabbi Akiba, der Vater der mündlichen Thora, setzte sich dafür ein, dass das „Lied“ in den Kanon der Bibel gelangte. Zwischen der mündlichen und der schriftlichen Überlieferung hat dieser Rabbi wohl einen ganz leichten Unterschied gesehen. Unter der mündlichen Überlieferung wurde lange Zeit entweder ein Geheimnis vermutet oder eine mangelhafte Tradition vielleicht, weil sie nicht schriftlich fixiert ist. Dabei ist nur der eine Bibeltext da. Wenn man ihn vorliest oder auswendig vorträgt, wäre er mündlich. Die Frage ist nur, WIE hat das geklungen?
Es war nicht das Gleiche, je nach Betonung. Vielen Äußerungen über diesen Mann entnehme ich, dass er die Bibel aufschließen konnte, wie Jesus sie gepredigt hat, mit dem inneren Sinn. Was dies bedeutet, möchte ich mit diesem Buch darstellen. … und natürlich, musste im Urchristentum diese Kenntnisse des „Liedes“ bekannt gewesen sein. Sonst wären diese Angaben nicht zustande gekommen und auch nicht das christliche Leben aus den ganz tiefen Wurzeln, zusammen mit den gleichen Lehren von Mose und den Propheten erneuert worden.