Читать книгу Die Seehunde haben heute Ruhetag - Markus Tönnishoff - Страница 11
ОглавлениеEin Hoch auf den Smalltalk
Der Smalltalk bereitet vielen Menschen Schwierigkeiten. Oft wisse man nicht, worüber man sprechen soll, wenn das Thema „Wetter“ abgehakt ist. Zudem sei er in der Regel oberflächlich und inhaltslos, heißt es. Diese Vorbehalte teile ich selbstverständlich nicht, im Gegenteil. Während des Smalltalks können die Teilnehmer zu tiefschürfenden Erkenntnissen gelangen und ein geradezu unfassbares rhetorisches Niveau erklimmen. Als Beispiel hierfür mag ein Gespräch dienen, dessen Zeuge ich in einem Restaurant wurde. Natürlich weise ich den Vorwurf des Lauschens empört zurück, ich habe eben einfach nur hingehört als zwei Ehepaare mittleren Alters die ganze Welt des erfolgreichen Smalltalks mit atemberaubender Präzision präsentierten.
Meine Schwiegermutter hatte mal einen Hund, der hieße Lumpi, der konnte so lustige Sachen machen“, teilte die eine Dame stolz mit. „Wir hatten mal einen Hamster“, steuerte die andere einen wichtigen Beitrag bei. „Hamster sind ja eher kleine Tiere“, ließ sich der Ehemann der ersten Dame vernehmen. „Kinder sind auch sehr klein, zumindest am Anfang“, war von dem Mann der zweiten zu vernehmen. Dann nahm das Gespräch seinen Lauf.
„Aber Kinder machen auch sehr viel Krach.“
„Motorsägen können auch sehr laut sein.“
„Wir hatten früher auch viele Werkzeuge.“
„Ein Schraubenzieher kann ja auch sehr nützlich sein.“
„Nützlich sind auch batteriebetriebene Nasenhaarschneider.“
„Meine Nase gefällt mir heute sehr gut, früher mochte ich sie eigentlich gar nicht.“
„Nasen sind im Großen und Ganzen schon sehr wichtig.“
„Ein funktionierender Stuhlgang ist auch nicht zu verachten.“
„Ich bin früher gerne auf die Toilette gegangen, heutzutage macht es mir aber nicht mehr so viel Freude.“
„Toilettenreiniger sind ja oft im Sonderangebot zu bekommen.“
„Genauso wie Nudeln.“
„Aber mit Nudeln kann man keine Toiletten reinigen.“
„Toiletten werden auch oft überbewertet.“
„Der Euro ist auch viel zu hoch bewertet.“
„Das liegt an der Europäischen Zentralbank.“
„Ich habe bis vor Kurzem in einer Bank gearbeitet, die lag auch sehr zentral, in der Nähe einer Kirche, ich glaube, es war sogar ein Dom.“
„Wir hatten ja früher mal einen Dompfaff.“
„Der Dom in Hildesheim soll sehr schön sein.“
„Meine erste Frau hieß auch Hilde.“
„Ich bin zwar auch verheiratet, aber ein Hund wäre mir lieber.“
„Meine Schwiegermutter hatte mal einen Hund, der hieß Lumpi, der konnte so lustige Sachen machen.“
Das ist Kommunikation in höchster Vollendung!