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„Wer bekommt die 52?“

Man muss sich auch mal etwas gönnen – einen schönen Abend in einem Restaurant zum Beispiel. Und genau das haben meine Freundin Nini und ich kürzlich gemacht, zusammen mit Gabi und Lothar, einem Pärchen, das wir schon seit Ewigkeiten kennen. Das Problem: In der Speisekarte hatten, wie heutzutage üblich, die Gerichte eine Nummer, die man bei der Bestellung nennt. Und die sollte man sich tunlichst merken, sonst können sich ungeahnte Folgen einstellen.

Einen schönen Tisch hatten wir ergattert, die Bestellungen waren aufgegeben und schon nach kurzer Zeit eilte ein Kellner zu unserem Tisch, um uns unsere Gerichte zu kredenzen. „Wer bekommt die 13?“, fragte er in die Runde… und erntete erst mal ein kollektives Schweigen. „Hattest Du nicht die 13, Schatz?“, richtete Lothar das Wort an seine Frau. „Nein, ich hatte irgendwas mit 20.“ „Wer kriegt die 35?“, ließ sich nun ein zweiter Kellner, der an unserem Tisch aufgetaucht war, vernehmen. „Ich glaube, ich hatte die 37, aber ohne Paprika“, informierte Nini, die hübscheste Frau diesseits des Universums, die beiden Kellner. „Aber genau weiß ich es auch nicht mehr“, fügte sie noch hinzu. „Wo ist eigentlich mein Bier?“, schaltete ich mich jetzt ein. „Die Getränke kommen gleich, jetzt haben wir erst mal eine 13 und eine 35“, erklärte Kellner Nummer eins. „Was ist denn eigentlich die 13?“, so Lothar. „Wenn es ein Schnitzel ist, könnte es meins sein.“

„Ich weiß nicht, was es ist.“

„Sie müssen doch wissen, was da auf dem Teller ist.“

„Weiß ich ja, die 13.“

„Geben Sie her, ich ess‘ das jetzt, ich hab‘ Hunger“, sprach Lothar und bekam die 13 auf den Tisch gestellt hierbei handelte es sich übrigens um eine Kinderportion Pommes Frites.

„Und wer bekommt jetzt die 35?“, war von Kellner Nummer zwei leicht genervt zu hören. „Also ich hatte die 17 oder die 39, vielleicht aber auch die 63. Auf jeden Fall war es etwas ohne Paprika“, stellte Nini im Brustton der Überzeugung fest. „Und ich hatte wahrscheinlich die 19, die 17,5 oder die 168“, sagte ich in Richtung Kellner, lehnte mich zurück und beobachtete Lothar, der fröhlich ein Pommes nach dem anderen in sich reinmümmelte und sich um die Nummerndiskussion nicht weiter kümmern musste. „Hatten Sie nicht vielleicht doch die 64 ohne Vanillepudding oder aber die Wurzel aus 19 mit Peperoni?“, fragte mich der Kellner und rief damit bei mir eine gewisse Unsicherheit hervor. „Es könnte sein“, hob ich an, „dass ich einen Vanillepudding bestellt hatte, aber ohne Peperoni.“

„Wer bekommt die 17?“, war nun von einem weiteren Kellner zu hören.

„Die 17 ist doch für Dich“, merkte ich mit einem Blick in Richtung Nini an.

„Das kann ich mir nicht vorstellen.“

„Aber das hast Du doch gerade eben gesagt.“ „Was?“

„Na, dass Du die 17 hast. Du kannst Dir eben einfach keine Zahlen merken, es ist furchtbar“, schimpfte ich.

„Ach ja? Wer hat denn vor zwei Wochen bei Amazon 34 Jeans in der Größe zwei bestellt statt zwei Jeans in der Größe 34? Das warst doch Du!“, fauchte Nini.

„Wer bekommt die 34?“, konnte ich gerade noch aus dem Hintergrund vernehmen, doch zunächst nahm die Diskussion mit Nini meine vollste Aufmerksamkeit in Anspruch. „So? Und wer hat neulich bei Karstadt 124 Duschmatten mit einem Polyesteranteil von vier Prozent gekauft statt vier Staubsaugerbeutel mit der Bezeichnung Saugfit 124, sodass wir nun Duschmatten in unseren Staubsauger einbauen und die Staubsaugerbeutel in die Dusche legen müssen? Das warst ja wohl Du!“, triumphierte ich.

„Aha, aha, aha, und wer hat letzte Woche drei 1er-BMW bestellt statt einen Dreier- BMW? Na, wer, wer, wer?“

„Lothar kann sich auch keine Zahlen merken“, bereicherte Gabi nun das Gespräch. „Letztens hat er sieben Kreuzfahrten über ein Weltmeer gebucht statt eine Kreuzfahrt über die sieben Weltmeere. Und dann hatte er ja beim Einwohnermeldeamt damals als Geburtsdatum unserer Tochter Hanna das Jahr 1947 angegeben, sodass Hanna jetzt schon Rente bezieht, obwohl sie doch erst 20 ist.“

„Und Du hast doch als Lena geboren wurde bei der Bank einen Sparplan eingerichtet, und wir wollten 30 Euro pro Monat einzahlen. Du hast aber 3000 Euro pro Monat in das Formular eingetragen“, konterte Lothar. „Gut, dass Hanna jetzt schon Rente kriegt, sonst könnten wir uns das gar nicht leisten.“ „Wer bekommt die 62?“, war aus dem Mund eines Kellners plötzlich zu vernehmen.

„Nun geben Sie schon her, ich bin am Verhungern“, brüllte ich. „Was ist denn die 62?“

„Staubsaugerbeutel ohne Paprika mit einem Duschmattenauflauf.“

Die Seehunde haben heute Ruhetag

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