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Geständnis des Autors

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Ja, ich bin ein Mann. Riskiere es, über Frauen zu schreiben. Mich in sie hineinzuversetzen. Verzeihen Sie, wenn ich ungenau bin, übertreibe, Unterschiede überbewerte, irre. Da und dort Klischees bediene. Ja, ich weiß, jeder Mensch ist anders. Mann und Frau, jeder ein Individuum. Lateinisch unteilbar. Neuerdings behauptet ein namhafter Psychologe: Mensch ist nicht unteilbar, sondern zweigeteilt. Einer der das Gute will. Der andere das Böse. „Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust“ schrieb auch Goethe. Ob er eine männliche und eine weibliche meinte?

Außerdem sind nicht wenige Mischwesen. Mann mit weiblichen Eigenschaften. Frau mit männlichen. Mannweib nannte Mann es abschätzig. Nicht selten kann man Gesichtern und Gehabe die Andersartigkeit ablesen. Mag auch sein, dass Charakter und Aussehen Grund und Verstärker für lesbische und schwule Neigungen sind. Einer ist der Herr im Haus. Mann oder Frau.

Kompliziert genug. Und doch riskiere ich es, mich aufzumachen, dem Rätsel Frau auf die Spur zu kommen. Eigene Schwächen zuzugeben. Zweimal 30 Jahre mit einer Frau leben könnten reichen, das Rätselhafte, das zur Natur jeder Frau gehört, zu definieren. Und die Reaktionen eines normalen Mannes.

Meine These: Frauen besitzen gesunde Intelligenz. Sind sensibler als Männer. Fühlen mehr als kalkulieren. Reagieren spontan, sind sie ihrer Sache sicher. Ist es das, was Männer rätselhaft finden? Beunruhigt? Weil sie selbst anders sind, die Welt anders erleben und begreifen.

Kann sein, denn sie sind anders gestrickt. Vertrauen ihrem Verstand mehr als ihren Gefühlen. Neuerdings soll es Männer geben, die Gefühle zulassen. Die Mehrheit aber verlässt sich auf Gesehenes, Berechnetes, Erfahrenes. Alles, was anders ist überrascht sie. Berechnen es erneut, wenn es um Sachen geht. Bis sie es wieder im Griff haben. Gehen auf Distanz, wenn ihre Frau das Rätsel ist. Von dem sie annehmen, es doch nicht lösen zu können. Kapitulieren und suchen sich eine andere. Treiben es hinter verschlossenen Türen. Oder lassen sich scheiden. Dasselbe Dilemma kommt totsicher mit jeder neuen Frau. Warum ist es anders bei Frauen? Ich sehe es so:

Frauen sind lebendiger. Lebendig im wahrsten Sinne des Wortes. Sie wissen, alles was lebt bleibt nie, was es ist. Verändert sich fortwährend. Ob es uns gefällt oder nicht. Frauen fühlen sich eins mit der Veränderung. Reagieren infolgedessen intuitiv und oft spontan. Passen sich an oder gehen ihren Weg. Sich selbst und die Zukunft im Blick.

Männer brauchen ein Korsett, das ihnen Halt gibt. Es ist das Prinzip, das ihr Verhalten bestimmt. In Gesetzen und Konventionen festgeschrieben. Fühlen sich abgesichert. Halten sich daher für verlässliche Zeitgenossen. Frauen dagegen für unzuverlässig, launenhaft. Nur weil sie nicht mitvollziehen können, was Frauen fühlen. Was sie antreibt und so sicher macht, danach zu handeln. Konsequent und stets offen für Neues.

Männerwelt ist fest gebaut und fest umrissen. Bildet sie sich ein. Obwohl sie sich in ihrem Beruf ständig Neuem anpassen müssen. Privat jedoch fürchten sie, Mann verliert seine Führungsrolle. Wenn Frau mitreden will. Reagiert entsprechend. Mit Ausflüchten oder Gleichgültigkeit. Zornesausbrüchen oder Gewalt in extremen Fällen.

Frauen sind in den Augen von Männern Unruhestifter. Überraschen mit Einfällen, Widersprüchen, aus gefallener Mode oder Weihnachten zuhause statt auf Ibiza. Weil Männer Ursachen solcher Überraschungen und Zusammenhänge nicht erkennen, sich auch nicht in sie hineinfühlen können, sind Frauen in den Augen von Männern das Rätsel an sich. Scheuen die Diskussion. Weichen Auseinandersetzungen aus. Beschäftigen sich mit anderen Themen, Dingen, die sie gut kennen. Die sie beherrschen. Frau hat das Nachsehen.

Mag sein, es gibt auch Männer, die ein feineres Sensorium besitzen. Dem der Frauen ähnlich. Und doch anders. Die meisten verstecken ihre Gefühle. Als schadeten sie ihrer Reputation als Mann. Beschäftigen wir uns jetzt mit dem Thema Mann und Frau. Mit einem Mann hat alles angefangen, wie es in der Bibel steht. Es könnte die Ursache sein für die Verschiedenheit von Mann und Frau. Und könnte noch viele andere Ursachen haben. Mit so vielen Konsequenzen, dass die Übersicht verloren geht.

Philosophen haben darüber nachgedacht, gerätselt, über das Rätsel erneut nachgedacht. Dicke Bücher geschrieben. Der Weisheit letzten Schluss formuliert, jedoch nicht beweisen können. So, dass sie jeder versteht. Große Namen, Sokrates, Seneca, Thomas von Aquin, Immanuel Kant, Schleiermacher, Sartre. Die Liste ließe sich fortsetzen und kein Mensch würde schlauer. Weil normale Menschen sie nicht verstehen. Jedenfalls nicht so, wie sie gemeint sind. Da passt Martin Heideggers Bonmot: „Die Begriffshuberei der Philosophen verstellt den Blick auf das Leben“. Machen Sie sich selbst ihre Gedanken

Das Rätsel Frau

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