Читать книгу Vermittlung sozialer und persönlicher Kompetenzen durch Fußball - Patric Vaihinger - Страница 9
ОглавлениеTrainingsmethode
Aus der Philosophie von Home of Goals wird ersichtlich, dass das Fußballtraining anders als üblich strukturiert ist. Durch unsere Trainerworkshops möchten wir das Bewusstsein dafür schaffen, dass ein Training - vor allem im Kindes- und Jugendalter - viel mehr beinhalten sollte als nur technische, taktische und physische Schwerpunkte. Der Fußball hat so viel mehr zu bieten! Darüber haben wir uns mit Fußballtrainer*innen, Spieler*innen, Eltern, im Sportumfeld tätige Personen oder einfach nur Fußballinteressierten unterhalten und ihnen verschiedene Fragen gestellt. Dabei wurde relativ schnell klar, dass der*die Trainer*in eine große Verantwortung hat. Knapp 97 Prozent der Befragten sehen den*die Trainer*in in der Verantwortung persönliche und soziale Kompetenzen der Spieler*innen weiterzuentwickeln. Dabei ist vielen nicht bewusst, dass dies nicht nur durch Reden, sondern vielmehr durch das Erleben und Reflektieren des Geschehenen passiert. 97,8 Prozent der Befragten geben an, dass das Trainieren der Persönlichkeitsentwicklung große Komplexitäten mit sich bringt, weshalb sich sogar knapp die Hälfte der Trainer*innen davor scheuen, dies in das eigene Training zu integrieren. Grund dafür ist, dass ein Großteil das Mental- und Persönlichkeitstraining für eine Extra-Einheit abseits des Platzes halten. Wie ist es möglich, dass dieser Thematik offensichtlich eine große Bedeutsamkeit zugeschrieben wird, es gleichzeitig jedoch kein Verständnis für die Umsetzung gibt?
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Die Trainer*innen haben eine Verantwortung für die Weiterentwicklung der persönlichen und sozialen Kompetenzen der Spieler*innen.
Ein Problem, auf das wir in unseren späteren Experteninterviews detaillierter eingehen. Generell geben 99,6 Prozent der Befragten an, dass Werte wie Respekt und Toleranz definitiv in das Training integriert werden müssen, sie aber nicht genau wissen, wie sie dies aktiv steuern sollen. Aus diesem Grund sind 97,4 Prozent mit der aktuellen Trainingsgestaltung nicht zufrieden und sehen sehr viel Luft nach oben. Daher halten es 82,4 Prozent der Befragten für immens wichtig, ein Hilfsmittel und Werkzeug zur Umsetzung an die Hand zu bekommen. Deshalb sehen wir uns verpflichtet, unser gesammeltes Wissen und unsere Erfahrungen gebündelt in diesem Trainingshandbuch zur Unterstützung des Persönlichkeitstrainings bereitzustellen. Im Home of Goals werden die sozialen und persönlichen Kompetenzen durch das Training weiterentwickelt und im Anschluss ausführlich besprochen. Zu Beginn des Trainings zählt bei uns jede*r Spieler*in eine Sache auf, für die er*sie an diesem Tag dankbar ist.
Es ist wissenschaftlich belegt, dass dein Gehirn 30 Prozent leistungsfähiger wird, wenn Du dich fünf Minuten am Tag mit Dankbarkeit beschäftigst (siehe Seite 30/31). Nach dem Training werden zunächst die Übungen reflektiert. Was haben wir gemacht und warum haben wir das gemacht? Von den Spielern*Spielerinnen werden dabei anfangs hauptsächlich technische, taktische und physischen Kompetenzen genannt. Nach und nach, durch gemeinsames Reflektieren, entwickeln die Kinder ein Gespür dafür, welche Kompetenzen, neben den technischen, taktischen und physischen, zusätzlich trainiert werden. Wichtig ist hier, die besprochenen Kompetenzen auf Situationen außerhalb des Fußballs zu übertragen. Dadurch wird den Spielern*Spielerinnen signalisiert, dass die sozialen und persönlichen Kompetenzen, die durch das Fußballspielen gefördert werden, auch abseits des Feldes gelten. Im Anschluss an die Reflektion des Trainings notiert sich jeder*jede Spieler*in in sein*ihr Trainingstagebuch, was er*sie an diesem Tag gut gemacht hat. Wir arbeiten viel mit dem Begriff “Kreisligaaussage”.
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Mentaltraining und Persönlichkeitstraining bringen eine große Verantwortung und eine gewisse Komplexität mit sich.
Wenn wir den Spielern*Spielerinnen eine Frage stellen und die Antwort sehr vage formuliert ist, lassen wir diese nicht stehen, sondern betiteln sie als Kreisligaaussage. Wir helfen ihnen dadurch spielerisch, die eigene Reflektionsfähigkeit auf die “Weltmeister-Ebene” zu heben, also sie zu Weltmeisteraussagen zu bringen. Sagt ein*e Spieler*in beispielsweise: “Ich habe gut geschossen”, steht der*die Trainer*in in der Verantwortung diese Aussage so nicht stehen zu lassen. Dem*Der Spieler*in muss klar sein: “Was explizit sind meine Stärken?” Somit muss der*die Spieler*in sich in diesem Beispiel selbst hinterfragen, in welcher Situation er*sie mit welchem Fuß wie genau geschossen hat? War es ein Fernschuss? Rechter oder linker Fuß? Vollspann, Innenseite oder Außenseite? War es ein 1: 1 gegen den*die Torspieler*in oder haben noch weitere Spieler*innen gestört? Nur wenn der*die Spieler*in genau weiß, was er*sie gut gemacht hat, lernt er*sie sich selbst und seine Stärken kennen. Das Ziel der Selbstreflexion ist einerseits, notwendige Verhaltensänderungen vorzunehmen. Andererseits schließt es auch die Fähigkeit ein, vorauszuahnen, wie sich eine bestimmte Handlung auswirkt. Es geht darum, nicht nur fremdbestimmt zu reagieren, sondern selbst agieren zu können. Die Reflexion dient hier als Basis. Erst wenn Kreisligaaussagen in Weltmeisteraussagen verwandelt werden, kann ein stabiles Selbstbewusstsein entwickelt und letztendlich das Verhalten dementsprechend angepasst werden. Es ist erstaunlich, wie schwer es Kindern fällt, sich selbst zu reflektieren. Gleichzeitig ist es verblüffend, wie schnell sich die ersten Verbesserungen bemerkbar machen, wenn das Reflektieren aktiv in das Training integriert wird.
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Ist in der persönlichen und sozialen Weiterentwicklung, in der Trainingsgestaltung der Trainer*innen noch Luft nach oben?