Читать книгу Über die Wahrheit, die Liebe - Philipp Frotzbacher - Страница 5

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Heute

Wir Menschen haben eine sehr lange Entwicklungsgeschichte hinter uns, die mehrere Millionen Jahre gedauert hat. Im ersten Buch "Die Schritte der Kinder" (ISBN: 978-3-7375-8613-9) hat der Autor versucht, diese zu beschreiben. Da wird von alten untergegangenen Kulturen erzählt. Unser Bewusstsein und die Abbildung im Gehirn als Verstand finden dort die Wurzeln. Unsere wahre Menschheitsgeschichte ist in Vergessenheit geraten, darum können wir nichts aus ihr lernen. Die gemeinsame traumatische Vergangenheit ist der Grund für unseren Zugang zu Fehlern, die eigenen Fehler werden verheimlicht und verleugnet, weil wir gelernt haben, dass sie sonst sofort ausgenützt werden. Auf die Fehler von anderen wird hingewiesen, die eigenen Fehler werden so gut es geht vertuscht und am besten vergessen. Natur, Evolution und Leben werden von vielen immer noch als Überlebenskampf gesehen. Betont wird der Moment des Gefressenwerdens - im Vergleich zum ganzen Leben ein verschwindend gering kurzes Zeitfenster - zu wenig bekannt ist das wunderbare, harmonische Leben, das Gefüge der einzelnen Organismen und Lebewesen miteinander, das geheimnisvolle Zusammenspiel der kleinsten Komponenten. Es ist nicht gewöhnlich und logisch auf einander loszugehen. Der Wettkampf ist in der Natur die Ausnahme. In jedem lebendigen System dominiert das Miteinander. Wir sind Zeuge eines immer noch gestörten Lernprozesses unseres Weltbewusstseins.

Der gesunde Zugang zu Fehlern wäre, sie im Geist zu wiederholen, den Entstehungsvorgang besser verstehen zu lernen, daraus eine Erkenntnis zu gewinnen - was meist mit Freude verbunden ist - und diese Erkenntnis mit anderen zu teilen. Wer nach einem Autounfall im Krankenhaus aufwacht, dessen erste normale Reaktion wird sein, dass er sich fragt: Wieso liege ich hier. Was um Himmels Willen ist passiert? Eine Rekapitulation der letzten Geschehnisse lässt die ersten Bilder auftauchen. Ah ... da habe ich mich verletzt ... es ist so schnell gegangen ... da habe ich nicht aufgepasst ... wie konnte das passieren ... das war so und das war so ... und dann war das ... Das ist die Reaktion eines gesunden Bewusstseins, es hat das Bedürfnis aus seinen Fehlern zu lernen.

Es kommt von dort: Es hat den anderen erwischt, also nicht mich. Was für ein Glück. Wo der Wahnsinn regiert, ist kein Platz für Logik. Schadenfreude, Egozentrik, Selbstsucht, Ich-Verhaftung, Besitzdenken, Neid, Gier, Streitsucht, Angriffslustigkeit und Angst entspringen allesamt der Angst und nicht der Vernunft. Die Bilder aus einer dritten Welt, wo einseitige Ernährung, Mangelerscheinungen aller Art und hygienisch katastrophale Zustände Krankheiten hervorrufen, wo die Menschen darum nicht viel älter als 50 Jahre alt werden, erzeugen im Rest der Welt nicht Dankbarkeit und Wertschätzung für die eigene Lebensmittelversorgung und den eigenen Lebensstandard. Angst lässt nicht Mitgefühl wachsen, sondern Scheuklappen.

Im Ruhezustand heilt das Bewusstsein sich selbst. Dann kann der Geist dem Körper in aller Ruhe die Aufmerksamkeit schenken, die er braucht, um Zelle für Zelle wieder in Ordnung zu bringen. Die Natur erholt sich sehr schnell, sie regeneriert sich von selbst, wenn sie die Ruhe dazu hat.

In der Natur braucht alles seine Zeit. Um unsere eigene Heilung zu erfahren, brauchen wir uns nur darum zu kümmern. Die Muster beleuchten und erkennen, in gesunde Bahnen lenken und achtsam, zuversichtlich und friedlich die ersten Schritte in ein neues Land des gemeinsamen Glücks machen. Wieso ist das noch nicht passiert?

Wir leben in einer Zeit, in der noch nie so schnelle grundlegende Veränderungen im menschlichen Zusammenleben, bei der globalen Wirtschaft und im Geiste von statten gegangen sind. Wir sagen, das Leben im dritten Jahrtausend ist halt eine schnelllebige Zeit. Das Gefühl für das Eingebettet sein im Universum fehlt uns nahezu völlig. Es bleibt kaum Zeit, um eine Blume zu betrachten und sich ihrer Einzigartigkeit gewahr zu werden. Die Fragen nach dem Glück und den höheren Dingen im Leben beantworten sich aber nur aus der Ruhe heraus, dann kann die schöpferische Kraft wirken. Einsicht lässt uns erkennen, der Blick für die Gesamtheit ermöglicht Weitblick. Kaum einer fragt sich heute, wie denn die Welt in 5000 Jahren aussehen sollte, wie der Weg zu einer friedlichen Weltkultur aussehen könnte, wie wir zur im Vorwort erwähnten Einstellung kommen: "Uns geht's gut. Geht es den anderen auch gut?" Das fehlende Bewusstsein für das Ganze und für das Geheimnis des Lebens findet im sozialen Miteinander im Kleinen wie im Großen seine Ausprägung. Die heutigen raschen Veränderungen haben drei Hauptursachen:

1.) Seit 1800 hat der Mensch wieder gelernt, durch die systematische Verbrennung von Kohle und Erdöl enorme Mengen an Energie umzusetzen. 200 Jahre sind eine sehr kurze Zeit im Vergleich seit den Anfängen der menschlichen Kultur. Strom, künstliches Licht und Transportwesen verändern die Lebensgewohnheiten. In Fabriken werden mehr Produkte erzeugt, als gebraucht werden. Wirtschaft und Geld geben den Takt vor. Stoffkreisläufe und Energiekreisläufe werden nicht hinterfragt, Nachhaltigkeit war anfangs überhaupt kein Thema. Sehr schnell hat die Wirtschaft eine Dynamik und Komplexität bekommen, die nicht mehr auf Vernunft begründet war. Sie hat ihre Rechtfertigung auf Zahlen am Papier gefunden. Auf die Menschen wurde dabei wenig Rücksicht genommen. Das Industriezeitalter hat begonnen.

2.) Seit 1950 hat sich die Weltbevölkerung verdreifacht. Der Grund dafür ist die vermehrt zur Verfügung stehende Energie und der nicht gelernte Umgang damit. Vor allem in den so genannten dritten Welt-Ländern erhöhen sich die Bevölkerungszahlen rasant. Weil sie wirtschaftlich mit der ersten Welt verbunden sind, aber hauptsächlich mit der eigenen Lebenserhaltung beschäftigt sind, ist ihr Handlungsspielraum begrenzt. Der Bildungsstandard kommt nicht nach, Familienplanung und Empfängnisverhütung fehlen, die Altersversorgung wird mit reichlichem Nachwuchs realisiert. Von diesen Bevölkerungsgruppen ist Weitblick nicht zu erwarten.

3.) Seit 2000 gibt es Internet, Google, Youtube, Facebook & Co. Das Informationszeitalter lässt den Menschen wieder mit elektrischen Geräten kommunizieren, Daten werden mit 100.000 Meter pro Sekunde um den Weltball geschickt. Blitzschnell entstehen neue Technologien, die der einzelne nicht mehr versteht und die selbst Fachleute nicht ganz durchschauen. Die Interaktion von Mensch und Maschine zeichnet sehr schnell deutliche Spuren. Vor allem in den Industrieländern wachsen die meisten Kinder mit Computerspielen auf, mobile und ständige Erreichbarkeit sind zur Selbstverständlichkeit geworden. Die Eltern arbeiten die meiste Zeit, die Werbung sagt ihnen, was sie noch nicht haben und noch unbedingt brauchen. Die Verbindung mit der Natur kommt oftmals zu kurz. Wer in der Stadt aufwächst, sieht in der Nacht nur ein paar Lichter vom Himmelszelt, anstatt 3000 bis 4000 Sterne. Die meisten Stadtkinder wissen nichts von Planeten, die man mit dem freien Auge erkennen kann.

Eine bunte Medienlandschaft beschreibt die Realität als kurzlebigen, ständigen Wettkampf, bei der Politik fehlt das Geld, es wird erobert, gedroht und verurteilt, beim Sport wird gestürmt, besiegt und bezwungen. Da brennt es, dort fehlt etwas, hier wird ein Skandal erwähnt, aber in der Tiefenstruktur nicht nachvollziehbar beschrieben. Der Rezipient verliert sein Interesse an den Zusammenhängen, weil er sie nicht durchschauen kann. Wer erzählt den Kindern heute vom Geheimnis des Lebens?

Über die Wahrheit, die Liebe

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