Читать книгу Ausflüge zum Sternenhimmel - Sabine Hoffelner - Страница 6
ОглавлениеAstronomie mit bloßem Auge, Fernglas oder Teleskop?
Für den Einstieg in die Astronomie benötigen Sie kein Teleskop. Es ist sogar sinnvoll, den Himmel erst einmal ganz ohne technische Hilfsmittel zu erkunden. So lernen Sie die Sternbilder kennen und Möglichkeiten, sich am Himmel zu orientieren. Diese Fähigkeiten sind die Grundlage dafür, sich gegebenenfalls später auch mit einem Teleskop dort zurechtzufinden. Außerdem ist es sinnvoll, sich diesem schönen Hobby erst einmal langsam und ohne große Investitionen in Apparate anzunähern. Es gibt genug Objekte am Nachthimmel, die Sie sich freiäugig oder mit einem Fernglas anschauen können. Wenn die Faszination für die Sterne Sie dann so gepackt hat, dass Sie mehr erfahren möchten und Sie es gern in Kauf nehmen, sich spätabends oder frühmorgens irgendwo im Dunkeln herumzutreiben, frierend und ohne Garantie, wirklich etwas Interessantes zu entdecken, dann können Sie immer noch „aufrüsten“.
Welches Fernglas eignet sich für die Sternenbeobachtung?
Besitzen Sie schon ein Fernglas, dann probieren Sie es einfach mit diesem aus.
Der Vorteil von Ferngläsern gegenüber dem menschlichen Auge ist, dass sie mehr Licht sammeln können als die Pupille. Bei besten Sichtverhältnissen in dunkler Umgebung und mit optimal an die Dunkelheit angepassten Augen erkennen wir Himmelsobjekte von einer Helligkeit 6 – 7 mag. Weit verbreitet sind Ferngläser vom Typ 10 x 50. Damit werden schon Sterne der Klassen 9 – 10 mag sichtbar.
Die Bezeichnung 10 x 50 bedeutet, dass das Gerät eine 10-fache Vergrößerung schafft und der Objektivdurchmesser 50 mm beträgt. Der Durchmesser des Objektivs ist dabei die wichtigere Zahl als der Vergrößerungsfaktor. Denn er ist dafür verantwortlich, wie viel Licht das Fernglas überhaupt einfangen kann.
Wie benutzt man ein Fernglas?
Brillenträger nehmen die Brille zum Hindurchsehen normalerweise ab. Denn das Gerät kann an die eigene Sehstärke angepasst werden. Wer eine Hornhautverkrümmung hat, lässt allerdings seine Brille besser auf, da die Linse des Feldstechers dies nicht ausgleicht. Es gibt Ferngläser, deren Okulare an die Benutzung mit Brille angepasst sind.
Mit dem kleinen Rad in der Mitte stellen Sie die Schärfe für das linke Auge ein. Schließen Sie dazu das rechte Auge und drehen Sie das Rad so lange, bis Sie links ein klares Bild haben. Schließen Sie danach Ihr linkes Auge und stellen Sie mit dem Ring am rechten Okular das Bild für Ihr rechtes Auge ein.
Vergessen Sie nicht, die Weite des Fernglases Ihrem Augenabstand anzupassen.
Mit der Zeit werden sich Staubpartikel und ein dünner Fettfilm, der durch die Berührung mit den Wimpern entsteht, auf dem Okular ablagern. Diese Verschmutzungen sollten Sie immer wieder mit einem fusselfreien Tuch vorsichtig entfernen.
Da beim Blick durch einen Feldstecher das Sichtfeld eingegrenzt ist, werden Sie bald bemerken, dass Sie einen Stern schnell wieder aus dem Blick verlieren, weil Sie vielleicht etwas gezittert haben oder Ihnen die Arme schwer werden. Deshalb wird es Ihnen die Beobachtung vereinfachen, wenn Sie das Fernglas auf einem Stativ befestigen können. Dadurch wird es auch einfacher, eine ausgewählte Stelle am Himmel genauer anzupeilen.
Doch ein Teleskop kaufen?
Wie gesagt, es ist für erste astronomische Beobachtungen nicht notwendig, ein Teleskop zu besitzen. Wenn Sie trotzdem darüber nachdenken, sich eines zuzulegen, sollten Sie sich Zeit lassen und sich vorher ausgiebig informieren. Vielleicht gibt es in Ihrer Umgebung einen Amateur-Astronomieverein, bei dem Sie um Rat fragen oder mal das ein oder andere Gerät kennenlernen können.
Gründe, erst mal vom Teleskopkauf abzusehen
Es gibt auch mit bloßem Auge oder Fernglas viel am Himmel zu entdecken.
Mit bloßem Auge können Sie den Sternenhimmel am besten kennenlernen, da Sie ein großes Gesichtsfeld haben und die Sternbilder im Ganzen sehen können. Sie brauchen eine gewisse Grundorientierung am Himmel, um mit einem Fernglas oder Teleskop die Objekte zu finden, die Sie beobachten möchten.
Um ein Teleskop zufriedenstellend benutzen zu können, bedarf es einiger Grundkenntnisse darüber. Sie sollten sich vor der Anschaffung ein wenig Fachwissen aneignen, um nicht aufgrund einer fehlerhaften Handhabung von dem Gerät enttäuscht zu werden.
Durch ein Teleskop blickt man in der Regel nur mit einem Auge. Das ist beim Umstieg von einem Fernglas, durch das man mit beiden Augen schaut, erst einmal ungewohnt. Je nach verwendetem Okular hat man im Vergleich zum Fernglas teils ein deutlich kleineres Gesichtsfeld.
Um einen Fehlkauf zu vermeiden, sollten Sie sich mit der Anschaffung eines Teleskops genügend Zeit lassen, um vorher herauszufinden, was Sie beobachten und wie tief Sie in die Astronomie einsteigen möchten. Erst wenn Sie darüber ein ungefähres Bild haben, können Sie ein Teleskop auswählen, das Ihren Bedürfnissen entspricht.
Je nachdem, in welcher Preisklasse Sie einsteigen möchten: Die Anschaffung eines Teleskops ist nicht billig, auch wenn es durchaus preisgünstige Geräte gibt. Und natürlich gibt es reichlich Zubehör, das auch noch lockt.
Im Vergleich zu einem Fernglas ist ein Teleskop groß, schwer und unhandlich. Bedenken Sie, dass Sie es zu einem geeigneten Beobachtungsplatz transportieren werden - samt Stativ und all dem Kleinkram, den Sie außerdem mitnehmen. Und Sie werden es zu Hause irgendwo lagern müssen.
Gründe, die für ein Teleskop sprechen
Die meisten Teleskope besitzen einen abgewinkelten Objektiv-Einblick. Dadurch wird der Blick zum Himmel komfortabler als mit einem Feldstecher. Man muss den Kopf nicht so sehr nach oben überstrecken.
Ein Teleskop macht nur zusammen mit einem Stativ Sinn. Das hat den Vorteil, dass das Bild nicht so verwackelt wie bei einem Fernglas, das man mit den Händen festhalten muss. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, ein Fernglas auf einem Stativ zu befestigen.
Besitzt das Teleskop ein Sucherfernrohr oder eine elektronische Hilfe, um Himmelsobjekte genau anzupeilen, vereinfacht das die Orientierung am Himmel erheblich.
Es gibt Teleskope mit automatischer Nachführung. Das bedeutet, das Gerät korrigiert mit einem kleinen Motor die Drehung der Erdkugel, und somit ist es nicht nötig, einem beobachteten Himmelskörper ständig „hinterher zu fahren“, weil er sich durch die Erdrotation immer weiterbewegt.
Beim Mond und den Planeten sind mit einem Teleskop mehr Details zu erkennen, als mit einem Fernglas.
In der Regel sind durch ein Teleskop lichtschwächere Objekte wie Nebel oder Galaxien deutlicher zu sehen, als mit einem Feldstecher. Viele dieser „Deep-Sky-Objekte“ sind überhaupt erst mit einem Teleskop aufzuspüren. Dabei ist das Lichtsammelvermögen des Geräts entscheidend.
Durch den Einsatz von verschiedenen Filtern und Okularen sind gezieltere Beobachtungen möglich. Es gibt jedoch auch Ferngläser, die das Wechseln von Okularen und den Einsatz von Filtern erlauben.
Amateurteleskop oder gleich was Professionelleres?
Ob Sie sich ein Teleskop zulegen und wenn ja, welches, entscheiden Sie je nachdem, wie tief Sie in die Himmelsbeobachtung einsteigen möchten und was Ihr Budget hergibt. Sie sollten mit Ihrem neuen Teleskop möglichst lange Freude haben und nicht schon bald nach der Anschaffung das Gefühl bekommen, zu „schwach“ eingestiegen zu sein. Andererseits ist die Freude am Beobachten der Sterne schnell dahin, wenn Ihr neues Gerät so kompliziert, schwer und unhandlich ist, dass Sie es gar nicht benutzen wollen.
Meine persönlichen Erfahrungen
Da ich selbst Anfängerin bin, kann ich Ihnen hier nur meine - sehr überschaubaren - eigenen Erfahrungen berichten. Ich kann Ihnen keine tiefergehenden Informationen zu Teleskopen geben und auch keine Kaufberatung. Trotzdem möchte ich Ihnen erzählen, wie es mir mit meinem ersten Teleskop bis jetzt ergangen ist. Vielleicht unterstützt es Sie ja, wenn Sie sich mit dem Gedanken tragen, sich eines zu kaufen.
Ich besitze ein 60-mm-Refraktor-Teleskop. Es ist ein preisgünstiges Einsteiger-Amateurgerät mit einer relativ kleinen Öffnung. Im Lieferumfang waren ein 10- und ein 20-mm-Okular dabei. Ein stabiles Stativ gehört dazu, auf dem es stufenlos in horizontaler und vertikaler Richtung bewegt und in jeder Position mithilfe zweier Schrauben festgestellt werden kann. Sehr hilfreich ist auch das am Teleskopkörper befestigte Sucherfernrohr zum gezielten Anpeilen einzelner Sterne. Um den Mond besser beobachten zu können, ohne von ihm zu sehr geblendet zu werden, bestellte ich mir noch einen Mondfilter dazu.
Ich kaufte es mir, weil ich endlich mehr im Sternenhimmel sehen wollte als bisher mit bloßen Augen. Ich wollte die Mondoberfläche erkunden und mich davon überzeugen, dass der helle Stern, den ich seit einer Weile am Himmel beobachtete, wirklich Jupiter war. Und ich wollte mit eigenen Augen sehen, dass Saturn einen Ring hat.
Diese Erwartungen hat mir mein kleiner Refraktor zur vollsten Zufriedenheit erfüllt. Mir war von Anfang an klar, dass ich damit nicht die Spiralarme der Andromeda-Galaxie erkennen kann und die meisten Nebel und Kugelsternhaufen nur helle Flecke in der Dunkelheit sein werden. Trotzdem habe ich mit meinem Teleskop sehr viel am Nachthimmel entdeckt und einen neuen Blick dafür bekommen.
Und nun schalte ich gerade beobachtungstechnisch einen Gang zurück. Durch die Recherche für dieses Buch erkannte ich, wie viele Himmelsobjekte allein mit einem Feldstecher erkundet werden können. Das löste bei mir eine „Renaissance des Fernglases“ aus. Inzwischen nehme ich zum Sterneschauen mein Teleskop oft gar nicht mehr mit. Oder ich benutze es höchstens, um eine Beobachtung mit dem Feldstecher zu überprüfen.