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Schnecki wünscht sich ein Haus

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Es war einmal eine Nacktschnecke namens Schnecki. Leider waren ihre Eltern bei der Namensgebung nicht besonders einfallsreich. Ihre Geschwister hießen Schnecko, Schnecka, Scheckschneck und Schneck.

Schnecki war immer traurig. Mit herunter gezogenen Mundwinkeln schleimte sie alles voll und lächelte niemals. Alle aus ihrer Familie fragten sich, was Schnecki so unglücklich machte. Doch sie redete mit niemandem darüber.

Schnecki besuchte jeden Tag die Schneckenschule. Dort waren Schneckenmädchen mit Häusern auf dem Rücken. Sie glänzten in der Sonne und schillerten in allen Farben dieser Welt. Immer wenn Schnecki diese Häuser sah, platzte sie fast vor Neid.

Sich selbst fand sie hässlich und unvollkommen mit ihrem braunen, nackten Leib. Jeder schien sich vor ihr zu ekeln. Viele Schnecken mieden sie, als hätte sie eine ansteckende Krankheit. Ihr Wunsch nach einem Haus wuchs ins Unermessliche. In ihrer Phantasie besaß sie das schönste Haus von allen. Deshalb wünschte sich Schnecki nichts sehnlicher, als ein Schneckenhaus zu besitzen.

Zufällig kündigte Lehrer Schneckmeck für den nächsten Unterrichtstag das Thema Schneckenarten an. Das weckte Schneckis Neugier. Vielleicht konnte sie den Lehrer fragen, wie man ein Haus bekommen kann. Wenn das klappt, wäre ihr größter Wunsch erfüllt.

Der nächste Tag brach an und endlich lächelte Schnecki. Sie beeilte sich auf dem Schulweg und überholte alle Schneckenhausschnecken. Voller Erwartung stürmte sie ins Klassenzimmer, pflanzte sich auf ihren Stuhl und spitzte die Ohren.

Lehrer Schneckmeck begrüßte die Kinder und fing sofort mit seinem Vortrag an: »Hier bei uns in der Gegend gibt es drei Schneckenarten: die Nacktschnecken, die Bänderschnecken und die Weinbergschnecken.

Die Nacktschnecken besitzen kein Haus. Das ist vorteilhaft. Sie brauchen keine Energie für das Haus aufwenden und sind viel schneller als andere Schnecken. Dadurch können sie lange Strecken zurücklegen und mehr Futterquellen erreichen als die Schnecken mit Haus.

Die Bänderschnecken verfügen über ein 2 cm großes Haus auf dem Rücken. Diese Häuser gibt es in vielen verschiedenen Farben und Mustern. Sie ernähren sich hauptsächlich von abgestorbenen Pflanzenresten. Dadurch helfen sie die Gärten der Menschen von Pflanzenabfall und Aas zu säubern. Von dieser Schneckenart gibt es die meisten.

Die Weinbergschnecken sind die größten Schnecken. Ihr Haus kann bis zu 5cm groß werden. Sie fressen gern weiche, welke Pflanzenteile und Algenbelag. Für die Weinbergschnecken ist Kalk wichtig. Diesen brauchen sie für ihr großes Schneckenhaus. Zusätzlich bauen sie sich einen Schutzdeckel für den Winter.«

Schnecki unterbrach den Vortrag ihres Lehrers. Sie schnalzte laut mit der Zunge.

»Ja, Schnecki? Hast du eine Frage?«

»Wie kann eine Nacktschnecke ein Haus bekommen?«, platzte Schnecki aufgeregt heraus.

Lehrer Schneckmeck kratzte sich mit einem Augenfühler die Nase: »Das geht nicht. Nacktschnecken sind eben nackt und können kein Haus haben. Warum willst du das wissen?«

»Ach, nur so«, murmelte Schnecki.

Ihre Fühler kippten nach vorn. Für Schnecki brach eine Welt zusammen. Kein Haus. Der Traum war ausgeträumt. Tränen kullerten aus ihren Augen. Enttäuscht rollte sie sich für den Rest des Unterrichts ein und betrauerte ihr Schicksal.

Nach der Schule trottete sie mit hängenden Fühlern und traurigem Gesichtsausdruck nach Hause. Da tippte sie von hinten eine Weinbergschnecke an. Sie hieß Waltraut und war die älteste und weiseste Schnecke in der Umgebung. Waltraut hatte heute den Unterricht verfolgt. Das machte sie des Öfteren, um nicht den Anschluss zur jüngeren Generation zu verlieren. Außerdem war sie früher selbst Lehrerin an der Schule gewesen. Schnecki stoppte und schaute Waltraut erwartungsvoll an.

»Es gibt einen Weg, wie du ein Haus bekommen kannst. Komm mit!«, forderte sie Waltraut auf.

Schnecki kroch ihr mit neuer Hoffnung hinterher. Nach 15 Minuten auf unbekannten Wegen kamen sie ans Meer. Dort lagen wunderschöne Muscheln am Strand. Waltraut glitt darauf zu. Es gab gestreifte, gemusterte, gepunktete, einfarbige und vielfarbige Muscheln. Schneckis Augen leuchteten. Sie konnte sich nicht sattsehen an dieser Pracht.

»Woher kommen diese ganzen Muscheln?«, fragte sie.

»Vom Meeresgrund. Die Wellen spülen sie ans Land«, erwiderte Waltraut.

»Darf ich mir eine aussuchen?«

»Na klar. Dafür sind wir doch hier. Du musst rückwärts hineinkriechen« Sie zwinkerte Schnecki zu.

Diese suchte sich eine leuchtende lila Muschel aus. Um in das Haus hineinzukriechen, strengte sie sich arg an. Nach ein paar Drehungen und Quetschungen schaffte sie es endlich. Ihr größter Traum erfüllte sich in diesem Moment. Schnecki strahlte über das ganze Gesicht.

Und was hatte Waltraut davon? Sie machte eine Schnecke glücklich. Und das wiederum machte sie glücklich.

Was gibt es Schöneres auf der Welt?

Brummi Vorlese- und Einschlafgeschichten

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