Читать книгу Braunington und Millstone - Stefan C. Pachlina - Страница 8

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Kapitel 2 - Es beginnt

Zehn Monate waren verstrichen, als es an der Tür zu Corbin Manor vehement klopfte. Der Butler öffnete behutsam die Tür, senkte seinen Blick irritiert auf ein paar Schuhe in rötlicher Farbe und verlautbarte mit verwunderter, etwas heiserer Stimme: »Wen darf ich melden?«

»Detektive Inspector Braunington von Scotland Yard und Sie werden verstehen, dass ich und mein Gefolge gleich eintreten.«

»Gewiss, Sie werden bereits erwartet, Sir. Folgen Sie mir doch bitte, ich führe Sie in das besagte Zimmer. Darf ich Ihren Mantel sowie Ihren Hut …«

»Dafür besteht kein Bedarf. Führen Sie uns einfach direkt zum Tatort. Ihr Name lautet?«

»Wilton, Sir.«

»… und Ihr Vorname lautet? Sie haben doch sicher auch einen Vornamen Mr. Wilton?«, konterte Inspector Braunington etwas ungezügelt.

»In der Tat, ich vermag mich dunkel daran erinnern, ein solcher wurde mir einst gegeben. Es ist aber mit Sicherheit nicht Mister, einfach Wilton, Sir. Wenn Sie mir nun folgen, es ist nicht weit«, ließ Wilton den Inspector dreist abblitzen und eilte voraus.

Im westlichen Flügel des Obergeschoßes angekommen, öffnete Wilton die verschlossene schwere Holztür, die in das Schlafzimmer von Lord Henry Lawrence führte.

»Ich denke, Sie kommen hier alleine zurecht Inspector, ich unterrichte Lady Lawrence bezüglich der Anwesenheit von Scotland Yard auf Corbin Manor, wenn Sie es mir gestatten.«

»Natürlich, ich werde hier einige Zeit verweilen und komme später auf Sie zurück, um mit den Gesprächen zu beginnen. Nun gut Ashford, sehen wir uns um. Was sagt Ihnen der Anblick der Leiche?«

»Das krampfhaft verzerrte Gesicht deutet auf den ersten Blick auf ein vergiftetes oder erdrosseltes Opfer hin. Ich tippe allerdings eher auf erdrosselt, zumindest weisen die Male am Hals darauf hin. Der Mörder musste sich, da das Opfer am Rücken im Bett liegt, davorstehend, seitlich über den Körper gebeugt und mit aller Kraft zugedrückt haben.«

»Hätte da das Opfer, welches wissentlich keineswegs gebrechlich war, nicht genügend Möglichkeiten gehabt, um mit Armen und Beinen dagegen anzukämpfen, Ashford? Wäre dahingehend das Bett, beziehungsweise die Bettwäsche, in deren überaus sorgfältigen Ordnung, so wie wir es aktuell vorfanden? Die Bettdecke ist beinahe faltenfrei über den Leichnam gestrichen.«

»Das ist verwirrend Sir! Wie ist das möglich? War das Opfer betäubt?«

»So, wie ich den Sachverhalt sehe Ashford, gab es weder einen Kampf, noch war das Opfer betäubt. Position des Leichnams, das Bett, sowie das verzerrte Gesicht sprechen eine andere Sprache. Betäubte Erdrosselungsopfer verziehen nicht das Gesicht zum Todeszeitpunkt. Fassen wir zusammen. Die Leiche entdeckte der Butler, dies wurde uns zumindest mitgeteilt, als wir herbeigerufen wurden. Die Tür war nicht verschlossen, als er das Zimmer betrat. Die Fenster waren geschlossen, kein Zeichen eines Eindringlings. Er fand den Toten vor, rührte nichts an und verständigte Lady Lawrence, welche nach wenigen Minuten gemeinsam mit dem Butler das Zimmer betrat. Was dann geschah, ist noch unklar, auf jeden Fall wurde Scotland Yard von Lady Lawrence verständigt. Die Male an der Kehle sind eindeutig. Der Mörder quetschte mit hoher Krafteinwirkung den Hals des Opfers.«

Inspector Braunington ging auf und ab, sah sich murmelnd im hübsch möblierten Zimmer um und gestikulierte nachdenklich die Möglichkeiten des Tatherganges, als sich ruckartig die Tür öffnete.

»Ah! Dr. Cohl, sehr gut. Ihr fachmännischer Rat ist gefragt.«

»Inspector! Lange nicht gesehen, welche freudige Überraschung. Sie haben sich nicht im Geringsten verändert. Verraten Sie mir Ihr Geheimnis?«

»Wenn Sie unter einem langen Zeitraum zwei Wochen meinen, dann sind Sie gesegnet, höchstpersönlich vom Bewahrer der Zeit. Für mich fühlt es sich groteskerweise an, als wäre es gestern gewesen. Nebenbei gesagt, hatten Sie doch erst vor wenigen Tagen einen Gerichtstermin mit Ashford.«

»Ach ja, der Tote im Gebüsch«, kicherte Dr. Cohl.

»Ein schöner Anblick war das nicht, wenn ich das eben einwerfen darf!«, äußerte sich Sergeant Ashford entrüstet.

Die Bemerkung von Ashford hatte eine Vorgeschichte, denn er war in der Nähe von Corbin Manor als Erster an einem Tatort eingetroffen. Es wurde gemeldet, dass in einem Gebüsch ein Leichnam läge. Ob männlich oder weiblich konnte der Entdecker nicht sagen. Aus dieser Aussage, welcher nicht viel Bedeutung geschenkt wurde, kam für Ashford die grausame Wahrheit wie ein kalter Schauer, als er die Leiche erblickte. Das Gesicht war bestialisch entstellt, sodass es jeglicher weiteren Beschreibung trotzte. An Armen und Beinen waren tiefe Wunden förmlich in das Fleisch gerissen, auch im Bereich der Brust. Es hatte sich wohl ein Tier an der Leiche zu schaffen gemacht und diese übel zugerichtet.«

Dr. Cohl, der mit solchen Fällen sehr vertraut war, meinte nur: »Sie kennen meine Meinung darüber Inspector!«

»Ja, Sie sagten damals, dass diese Verletzungen nicht von einem Tier stammten, sondern vom Mörder.«

»Ich sagte damals, dass ich der festen Überzeugung bin, dass die Wunden in voller Absicht vom Mörder in das Opfer, nennen wir es geschnitzt, worden waren.«

Ashford drehte sich langsam weg und murmelte leicht angewidert von den grausamen Bildern, welche sich nun wieder in seinen Gedanken spiegelten: »An Holzschnitzereien findet sicher der ein oder andere Gefallen, aber Kopfschnitzereien sind ekelhaft.«

»Ashford!«, erfreute sich Dr. Cohl und fuhr fort: »Welch erstaunliche Bemerkung, sehr treffend! Kopfschnitzereien, das muss ich mir merken.«

Inspector Braunington hingegen signalisierte mit klaren Bewegungen und zweimaligem Klopfen mit dem Stock sich nun dem aktuellen Fall zu widmen, worauf Dr. Cohl das Bett fokussierte und damit begann seine Gedanken über das Opfer akustisch wiederzugeben: »Ganz offensichtlich erwürgt, mit großem Tatendrang würde ich meinen. Die Spuren am Hals sind beachtlich, beachtlich! War die Spurensicherung bereits hier?«

»Ja, wie so oft waren sie die Ersten am Tatort, ich unterhalte mich später mit Cown. Sie können den Körper untersuchen.«

Dr. Cohl entfernte die schwere Decke, die den Körper des Opfers bedeckte, als wäre nichts geschehen. Der schlaffe Körper lag in einer unpassenden Lage, wenn man bedenkt, dass hier ein Mord stattgefunden hatte. Dies betonte Dr. Cohl während seiner Untersuchung erneut: »Erdrosselt zu werden und eine derartige Haltung auch im Bett während der Stunde des Todes zu wahren, das wäre eines Generals würdig meine Herren! Sonderbar, sonderbar, seine Hände zur Faust geballt, er hielt sich kraftvoll am Bettlaken fest.«

Braunington klopfte dezent mehrmals mit seinem Gehstock auf den Boden und meinte: »Wenn das Opfer erwürgt wurde, anschließend der Täter die Position des Leichnams veränderte, warum sind dann seine Finger fest mit dem Bettlaken verbunden? Da liegt doch auf der Hand, dass das Opfer, so wie es vor uns liegt, ermordet wurde, erwürgt, ohne sich weiter zur Wehr gesetzt zu haben. Könnte das Opfer einer Art Lähmung ausgesetzt gewesen sein?«

»Möglich, ich kann keine weitere Krafteinwirkung erkennen, werde daher die Untersuchung in meinem Labor weiterführen, hier ist Fingerspitzengefühl angesagt meine Herren. Ich denke, Sie können den Abtransport der Leiche organisieren Inspector.«

»Sergeant Ashford wird dies erledigen. Ich für meinen Teil beginne mit der Befragung der Beteiligten. Ashford, rufen Sie mir doch bitte den Butler.«

Ashford verließ das Schlafzimmer von Lord Lawrence, gleich tat es ihm Dr. Cohl, der keine große Hilfe für den Inspector war. Keine neuen Details, nichts, womit er bei der Befragung hätte punkten können.

»Sir, der Butler.«

»Ah, Wilton! Ich benötige einen Raum, um mit der Befragung aller Anwesenden zu beginnen.«

»Natürlich Sir, ich schlage diesbezüglich den Salon vor, wenn Sie mir folgen möchten. Wen darf ich als Erstes bitten, sich zu Ihnen zu gesellen?«

»Ich denke, Lady Lawrence gebührt die Ehre, nicht wahr Wilton?

»In der Tat Sir, in der Tat!«

Der Salon ließ den Inspector staunen. Viele Objekte zierten die Wände, den Boden, die Decke. Wohin man auch blickte, standen wertvolle Büsten, Gemälde, Behältnisse welche genauer betrachtet werden wollten. Sollte ein Dieb der Täter sein, dann wäre hier einiges zu holen gewesen, doch der Inspector hatte den Verdacht, dass alles an seinem ordnungsgemäßen Platz stand. Mit wenigen Handgriffen rückte er zwei geschickt verzierte Stühle um einen kleinen Tisch, sodass sich die Sitzmöglichkeiten gegenüberstanden. Nach wenigen Momenten betrat Lady Lawrence unsicher und sichtlich angeschlagen den Raum. Dem Inspector war binnen weniger Sekunden klar, dass sie über den Vorfall fassungslos und bestürzt war. Es lag ein Ausdruck des Entsetzens in ihrem leicht verschwollenen, zu tiefst getroffenen Gesicht. Sie hatte wohl noch versucht, den Anstand zu wahren und die Spuren der Emotionen mit etwas Rouge zu kaschieren.

Inspector Braunington eilte Lady Lawrence entgegen, begrüßte sie höflichst mit einem angedeuteten Handkuss, schob den für sie zurechtgerückten Stuhl etwas nach hinten und bat sie mit einer eleganten Handbewegung Platz zu nehmen.

»Lady Lawrence, ich möchte Ihnen an dieser Stelle mein tiefstes Beileid aussprechen.«

»Ich danke Ihnen Inspector …«

»Braunington, William J. Braunington. Sie werden verstehen, dass ich Ihnen zum schrecklichen Verlust, der grauenvollen Tat, einige Fragen stellen muss. Wenn Ihnen allerdings der Zeitpunkt nicht …«

»Schon gut Inspector, ich verstehe Sie durchaus. Ich möchte Sie allerdings korrigieren, falls ich den fälschlichen Eindruck vermittelt habe, eine schwache, zerbrechliche Person zu sein.«

»Keineswegs Lady Lawrence, keineswegs! Nun gut, fangen wir an. Sie wurden von dem Vorfall erst heute Morgen von Ihrem Butler Wilton in Kenntnis gesetzt?«

»Korrekt, Wilton suchte mich im Pavillon auf und meinte, ich möge ihn begleiten, mit Lord Lawrence würde etwas nicht stimmen. So eilten wir in das Schlafgemach meines Gatten. Doch wie ich mit Entsetzen feststellen musste, lag er leblos in seinem Bett.«

»Hatten Sie gestern Besuch? War ein Fremder im Haus?«

»Weder noch, niemand außer der Familie und den Bediensteten war hier, wieso interessiert Sie das?«

»Sie wissen mittlerweile, dass Lord Lawrence ermordet wurde?«

»Ermordet? Nein, aber …, wieso? Wer sollte Lord Henry denn ermorden wollen? Dafür gibt es doch keinen Grund.«

»Die Fakten sprechen …«

»Sind Sie sich absolut sicher Inspector?«

»Ja, die Fakten sprechen für sich, eindeutig Mord. Sie haben uns gerufen, um den Tod aufzuklären und es besteht kein Zweifel, Lord Henry Lawrence wurde erwürgt.

»Erwürgt sagen Sie? Sie meinen erdrosselt!«

»Nun ja, ich bevorzuge den Tathergang als erwürgt zu bezeichnen, da vom Polizeiarzt eindeutig festgestellt wurde, dass der Täter dem Opfer mit sehr starker Krafteinwirkung der eigenen Hände den Hals zudrückte … würgte.«

»Das ist grausam, eine unglaublich abscheuliche Tat. Wer bringt so etwas nur fertig?«

»Das werden wir herausfinden, Lady Lawrence. Wir werden den Mörder finden und ihn seiner gerechten Strafe zuführen. Hatte Lord Lawrence Feinde? Ist Ihnen in den vergangenen Wochen jemand aufgefallen?«

»Nein, nicht das ich wüsste. Er verbrachte sehr viel Zeit mit den Pferden, war im Garten unterwegs. Wir empfingen nur selten außenstehende Besucher, es gibt dazu keinen Anlass.«

»Konnten Sie bereits feststellen, ob etwas entwendet wurde?«

»Nein, soweit ich und Wilton es beurteilen konnten in der kurzen Zeit, wurde nichts entwendet.«

»Wer lebt noch hier auf Corbin Manor?«

»Wilton unser Butler, meine Söhne Richard und Robert, meine Tochter Corda. Dann wäre da noch Francis, sie heiratete meinen Sohn Richard und meine Schwester Amelia.«

»Sonst noch Bedienstete?«

»Die Zimmermädchen sowie die Köchin, der Gärtner, die Stallburschen wohnen selbstverständlich nicht auf Corbin Manor. Wenn Sie mich nun entschuldigen Inspector, ich möchte mich zurückziehen, mir wird übel.«

Lady Lawrence verließ erschöpft den Salon, während Sergeant Ashford der Anordnung des Inspectors nachging, das Personal zu versammeln. Es dauerte etwas, da sich die Zimmermädchen im Garten aufhielten und die Gelegenheit nutzten zu tratschen.

»Sind alle versammelt Ashford?«

»Ja Sir, bis auf die Köchin, die konnte ich nicht finden. Auch der Butler ist noch verhindert, er kümmert sich in diesem Moment um Lady Lawrence.«

»Es reicht auch fürs Erste. Nun? Wer von Ihnen kann mir etwas zu dem Vorfall erzählen?«

Kein einziger Laut war zu hören, die Bediensteten starrten auf den Fußboden und taumelten etwas verstört hin und her, als müssten sie die Beichte über einen Lausbubenstreich vor dem Schuldirektor ablegen. Der Gärtner stand angewidert in seiner verschwitzten Kleidung da, schmatzte kurz vor sich her und meinte gelangweilt, während er sich am unrasierten Kinn kratzte: »Gibt nichts zu erzählen, keiner hat was gesehen, keiner hat was gehört. Von uns war ja auch keiner da. Ist viel zu tun am Anwesen.«

»Lassen Sie mich die Frage anders stellen, ist Ihnen in den letzten Tagen etwas Ungewöhnliches aufgefallen?«

Dem Inspector war nach der Reaktion der vor ihm stehenden Personen klar, dass es sehr wohl etwas gab, das jedoch verheimlicht wurde. Irgendetwas an der Haltung der Bediensteten ließ darauf schließen, dass da etwas war. Er stellte erneut Fragen, formulierte diese geschickt um, ging auf jede Person einzeln zu und versuchte anhand einer Geste jemanden zu entlarven, der vielleicht doch etwas erzählen mochte. Trotz aller Anstrengung wurde das große Schweigen nicht gebrochen.

»Nun denn, wenn Ihnen noch etwas einfallen sollte, wissen Sie, wo Sie mich finden, ich werde später einige Einzelgespräche mit Ihnen führen, wenn denn der Bedarf besteht. Ich glaube, nicht erwähnen zu müssen, dass Sie bis zur Klärung des Falles für Scotland Yard erreichbar sein müssen. Sergeant Ashford wird Ihre Personalien aufnehmen.

Inspector Braunington schlenderte, sich nach einem weiteren Befragungsopfer umschauend, durch das Parterre und versuchte gleichzeitig, sich etwas in die Umgebung einzuleben. Das Haus war in einem sehr guten und durchaus gepflegten Zustand. Die Möbel prunkvoll gewählt, die Böden glänzten, es herrschte Ordnung. Die geschickt platzierten Objekte, welche die Räumlichkeiten auflockerten, teilten mit, dass auf noblen Stil geachtet wurde. Kein Kitsch war zu finden, keine überfüllten Plätze. Interessant waren auch die enorm massiven, tragenden Wände, die sich verwinkelt durch das Haus zogen und einem das Gefühl der absoluten Sicherheit gaben, trügerisch wie der Vorfall zeigte.

»Ah, Wilton! Ich möchte Sie sprechen, wenn es Ihre Zeit erlaubt.«

»Es wäre mir eine Ehre Inspector, wobei darf ich Ihnen dienen?«

»Fangen wir mal ganz von vorne an. Die Familie Lawrence lebt hier schon lange?«

»Nun Sir, in der Tat. Graf Corbin verkaufte das Anwesen an Lord Lawrence. Ich denke seither verstrichen rund 25 Jahre. Ja, ich bin mir sicher, es sind 26 Jahre vergangen.«

»Wie sieht der Lebensalltag hier auf Corbin Manor aus?«

»Ihre Lordschaft pflegte ein geregeltes Leben, führte täglich die Pferde aus, achtete aber auch auf das beachtliche Vermögen, wenn ich indiskret sein darf. Doch jedes Anwesen hat auch seine geschichtliche Kehrseite, trägt ein düsteres Ereignis, tief in sich verborgen. Was ich damit sagen will, der Nachwuchs ist, sagen wir, etwas unbändig, zügellos. Nein, ich korrigiere mich, der Nachwuchs, besonders die jungen Herren, behaupten sich täglich um den ersten Platz des Hofnarren, Sir.«

»Oh, da hängt wohl der Haussegen etwas schief?«

»So würde ich es nicht ausführen, gekentert wäre da eher die richtigere Wortwahl, Sir.«

»Von Feinden, Besuchern sowie ungewöhnlichen Vorfällen ist Ihnen nichts bekannt? Der Gärtner ist vertrauenswürdig? Wie sieht es in den Stallungen aus?

»Feinde sind mir keine bekannt, die Missgunst ist unser täglicher Begleiter, doch würde ich es dabei belassen. Der Gärtner? Ah, Sie meinen Finlay, er ist absolut vertrauenswürdig und ehrlich. Selbst einen gefundenen Penny legt er auf den Tisch. Die Stallburschen sind aufgeweckte, tüchtige Kerle. Lord Lawrence hat sich immer selbst um die Einstellung des Personals bemüht. Ich kann nichts Negatives über die Burschen verkünden.«

»Wie lange sind Sie schon im Dienste der Familie Lawrence?«

»Wenn ich es mir recht überlege, müsste ich schon seit gut fünf Jahren über das maximale Pensum hinausgelaufen sein. Ich kam aus dem Hause des Grafen Corbin.«

»Tatsächlich? Wie ist das zu verstehen? Sie wichen von der Seite Ihres Herren?«

»Er nötigte mich dazu, er verließ England, Sie verstehen?«

»Natürlich, wer will dem Königreich schon freiwillig den Rücken kehren.«

»Inspector, bevor ich Sie nun wieder verlasse, wenn Sie es erlauben, hätte ich eine Frage an Sie: Führten Sie bereits ein Gespräch mit Amelia, der Schwester von Lady Lawrence?«

»Nein Wilton, bis jetzt noch nicht. Gibt es dabei aus Ihrer Sicht vorab etwas zu beachten?«

»Belassen wir es dabei, ich denke Sie werden sich Ihr eigenes Bild machen und die Geschichten, mit denen Sie hier auf Corbin Manor konfrontiert werden, mit Ihrem professionellen Instinkt segmentieren.«

Erstaunt blickte Braunington dem Butler hinterher. Was er wohl damit gemeint haben könnte? Die Neugier packte den Ermittler wie Feuer im Nacken, nichts konnte ihn nun aufhalten, um ein Gespräch mit Amelia zu führen. Verblüffend fand der Inspector auch den Namen. Der Butler nannte den Vornamen und nicht wie üblich den Nachnamen, seltsam. Ein Hinweis, skeptisch zu sein? Großen Schrittes eilte er umher auf der Suche nach dieser besagten Amelia, als sich seitlich im Flur eine schmale Tür öffnete und ein leises »pst, Inspector!«, ertönte. Darauf hatte Braunington schon gewartet. Hat es sich eines der Zimmermädchen wohl doch anders überlegt und will mit der Wahrheit herausrücken? Er begab sich unauffällig in das leicht verdunkelte Zimmer, schloss die Tür und suchte umherblickend nach der Person, die ihn auf die geheime Unterhaltung einlud.

»Wer sind Sie? Was haben Sie mir zu berichten?«

»Möchten Sie einen Tee Inspector?«, erklang eine bekannte Stimme.

»Mrs. Millstone? Was in aller Welt suchen Sie hier?«

»Nun, wie Sie ja wissen …«

»Natürlich, die Köchin!«

Zeitgleich setzte sich der Inspector im sanften Fall in ein hinter ihm stehendes Sofa und griff sich an die Stirn.

»Dass ich Sie so schnell wiedersehe, hätte ich nicht gedacht Mrs. Millstone.«

»Ich für meinen Teil bin erstaunt, Sie erst jetzt hier zu sehen. Das bringt mich auf die Frage: Wo waren Sie vor zwei Monaten? Wieso konnte ich Sie bei der Untersuchung nicht antreffen?«

»Vor zwei Monaten? Untersuchung?«

»Der Tote im Gebüsch, Sie wissen, der entstellte Leichnam.«

»Ach diese Geschichte, ja, ich habe die Leiche gesehen, kein schöner Anblick. Wieso interessiert Sie das?«

»Inspector, ich kann Ihnen eines sagen, hier stimmt so einiges nicht. Die Bewohner und einstigen Bewohner, die bizarren Geräusche in der Nacht, das Kichern, ich …«

»Nun sagen Sie schon, was ist hier los?«

»Mord! Der schauderhafte Gestank von Mord liegt in der Luft und wird, ich sage es Ihnen voller Überzeugung, sobald nicht vergehen. Sie werden es sehen, weitere Opfer, es wird noch weitere Opfer geben, darüber bin ich mir seit dem Toten im Gebüsch und dem gewaltsamen Tod von Lord Lawrence sicher. Ich bin davon überzeugt, dass diese beiden furchtbaren Taten zusammenhängen.«

»Wer oder was gibt Ihnen den Grund dafür?«

»Fraueninstinkt Inspector! Fraueninstinkt, ein für Männer unverständliches, aber mächtiges Instrument der unverblümten Wahrheitsfindung.«

Inspector Braunington schob seine Augenbrauen nach oben, runzelte kurz darauf die Stirn und versuchte seine Reaktion, so gut es ging, zu kaschieren. Es war ihm natürlich bewusst, wie schon damals auf Dawson Hall, in Mrs. Millstone einen wichtigen Verbündeten an seiner Seite zu haben. Dennoch war sie eine bereits ältere Dame, welche nicht im Dienste des Yards stand. Seine Pflicht war es, Mrs. Millstone von jeglicher Aktion, Scotland Yard in die Quere zu kommen, abzuhalten, auch wenn sie in der Vergangenheit sehr gute Dienste zur Aufklärung mehrerer Morde im Fall Dawson Hall geleistet hatte. Dies gab der Inspector klar zu verstehen und forderte gut überlegt Mrs. Millstone dazu auf: »Mrs. Millstone, Sie werden verstehen, dass es von großer Wichtigkeit ist, dass …«

»… ich Sie unterstütze, wo ich nur kann. Natürlich Inspector, das ist ja wohl selbstredend und meine Pflicht als stolze Britin. Ich werde Sie in keiner Weise enttäuschen und Sie mit wichtigen Informationen füttern, wenn ich es so formulieren darf. Ich muss nun aber wieder zügig zurück in die Küche, ich möchte nicht, dass unsere Bekanntschaft schon jetzt publik wird. Es wäre ein enormer Vorteil für die Aufklärung des Falles, wenn dies aktuell noch im Geheimen bleibt. Ach ja Inspector, sprechen Sie unbedingt so schnell wie nur erdenklich mit Amelia, der Schwester von Lady Lawrence.«

Damit huschte Mrs. Millstone wie ein Wiesel aus dem Zimmer zurück in Richtung Küche und ließ einen überrumpelten, sprachlosen Inspector zurück. Eine starke Verbündete stand Gewehr bei Fuß, dies sollte für den vor ihm liegenden Fall von großem Nutzen sein und bestärkte ihn auf der Suche nach genannter Amelia auf ein Neues. Er vernahm Stimmen auf der beachtlichen Terrasse, seltsame Laute waren zu hören.

»Kommen Sie näher junger Mann. Es tut nichts zur Sache, wer Sie sind, wer Sie geschickt hat und welcher Natur Ihr Besuch an diesem verruchten Ort ist. Alleine der Umstand, dass Sie in diesem Moment sind, ist entscheidend. Es wäre hingegen höchst interessant, wenn Sie nicht sind und ein Abbild Ihrer selbst, projiziert durch Raum und Zeit, stünde vor mir. Dann müssten Sie mir ausführlich erklären, wer Sie sind und was Sie zu mir führt.«

»Ich kann Ihnen versichern, ich bin! Ich bin Detective Inspector Braunington von Scotland Yard. Mit wem habe ich das Vergnügen?«

»Ah, ich verstehe, das ist natürlich bedauerlich, keineswegs überraschend aber bedauerlich, nun gut. Sie haben das Vergnügen, wie Sie es nennen, mit Amelia Carville. Wohin das alles führen soll? Es obliegt nicht an uns zu richten, es ist der Löwe, der das Wild jagt und erlegt. Dabei spielt es keine Rolle, in welchem Universum oder zu welcher Zeit dies passiert. ›Die gruwel van Tsavo jag in die nag.‹ Ich befürchte, wir sind in Gefahr Inspector. Es geht nicht gut aus, nein, die Zeichen stehen schlecht. Ist der Zorn des Löwen entflammt, ist niemand mehr sicher. Es geschieht nachts, meistens nachts. Er kommt allein oder noch schrecklicher, zu zweit, selten früh morgens. Sie werden sehen, die Opfer, grauenvoll zugerichtet, die Schreie, bis ins Mark dringen die qualvollen Jammerlaute vor und verharren dort, damit sie im Schlaf an der Seele zehren können, sich labend an der Angst, immerwährend, erbarmungslos.«

»Wenn Sie es mir gestatten, ich konnte nur wenig von dem, was Sie eben sagten, besser gesagt beschrieben haben, deuten. Ich habe …«

»Keine Chance Inspector, ich würde nicht weiter darüber nachdenken, wenn Sie mich fragen«, rief eine junge Dame dem Inspector zu, während Amelia die Terrasse gemächlich in Richtung Garten verließ und weiter vor sich herplapperte.

»Lassen Sie Amelia erst zu sich kommen. Sie labert des Öfteren für uns nicht verständlichen Kauderwelsch in die Gegend. Im Übrigen, Corda Lawrence, wenn ich mich vorstellen darf.«

»Ah, Sie sind die Tochter von Lord und Lady Lawrence, korrekt?«

»Da haben Sie ins Schwarze getroffen. Konnten Sie schon alle kennenlernen oder sind Sie an Amelia hängen geblieben? Ich warne Sie, versuchen Sie keinesfalls, aus dem eben von ihr gesagten schlau zu werden, es würde Ihren Verstand in tausend Stücke sprengen.«

»Können Sie mir auch nur ansatzweise erklären, was das eben zu bedeuten hatte? Ist Mrs. Amelia Carville nicht ganz bei Sinnen?«

»Eine schwierige Frage. Sie ist bei Sinnen, jedoch bei zu vielen, wenn Sie verstehen. In ihr stecken zumindest drei Persönlichkeiten. Da wäre die reale, die spirituelle und die, unter enormem Alkohol stehende Variante ihrer selbst. Sie vereint Ängste, Gedanken, Visionen mit dem, was sie eigentlich sagen will. So wird aus: ›Die Sonne scheint.‹, in etwa das hier: ›Glüht sie? Natürlich tut sie das. Jedoch … bringt sie Leben oder den Tod? Gar beides? Wehe dem, der sich ungenügend vorbereitet und es wagt, die Steppe ohne reichliche Vorräte zu betreten. ›Koud en gevaarlik is die nag.‹«

»Sie sprechen ebenso diese Sprache?«

»Ja, zum Teil, Kaami brachte sie mir bei, die Sprache nennt sich Afrikaans. So spricht man unter anderem in Südafrika. ›Koud en gevaarlik is die nag‹ bedeutet: Kalt und gefährlich ist die Nacht.«

»Verstehe. Kaami? Ist das Ihr …, einen Moment, Kaami sagten Sie? Dieser exotische Name ist mir bekannt.«

»Eine dunkle und traurige Geschichte. Kaami tötete sich selbst vor etwa drei Monaten. Er schoss sich eine Kugel in den Kopf und stürzte von der Klippe.«

»Ich erinnere mich, Scotland Yard war zwar nicht eingebunden in den Fall, nur die örtliche Polizei, ich habe jedoch darüber gelesen. Können Sie mir mehr von dem Vorfall erzählen?«

Corda musterte die elegante, sportliche Erscheinung des Inspectors mit wenigen Blicken. Sie strich sich langsam durchs Haar und entgegnete Braunington: »Wenn Sie sich zum Pavillon gesellen, um mit mir eine Tasse Tee zu trinken, gerne.«

Inspector Braunington wusste, wer den Tee zubereitete, wieso sollte er dieser netten Aufforderung also nicht nachgehen? Er begleitete Miss Corda über den makellos gemähten, dicht wachsenden Rasen und grübelte über das eben Gesagte nach. Innerhalb eines Jahres gab es hier auf dem Anwesen, beziehungsweise in dessen Nähe drei Tote zu beklagen. Mrs. Millstone sowie auch Amelia Carville erwähnten, dass es noch ein weiteres Opfer geben könnte. Der Löwe jagt nachts? Was sollte diese Aussage? ›Die gruwel …?‹ Warum sprechen zwei, beziehungsweise einst sogar drei Personen eine afrikanische Sprache? Es lag auf der Hand, dass Amelia Carville lange Zeit in Südafrika verbracht hatte.

Am eindrucksvollen Pavillon angekommen brachte eines der Dienstmädchen den Tee samt Kuchen und Miss Corda begann zu erzählen.

»Meine beiden missratenen Brüder sorgten dafür, dass es Kaami nicht leicht hatte hier auf Corbin Manor und das ist schon sehr milde ausgedrückt. Anfangs reizten sie ihn nur etwas und spielten ihm kleine Streiche. Da fanden wir das alle auch noch lustig, selbst Kaami setzte hin und wieder darüber ein Grinsen auf. Doch aus den Späßen wurde bald eine üble, anhaltende Folter. Total aus dem Ruder gelaufen ist die Situation, als mein Vater das Pferd von Kaami erschießen ließ, es war krank, angeblich unheilbar krank.«

»Wusste Kaami von der Krankheit?«

»Ja, wobei Krankheit kann man so nicht sagen. Das Pferd hatte etwas am Bein, sodass es nicht mehr auf langen Strecken beritten werden konnte. Das Schlimme an dem Vorfall war, dass ihm Vater keine Gelegenheit ermöglichte, sich von seinem geliebten Pferd zu verabschieden. Mein Vater, ach, wie soll ich sagen, er war ein scheinheiliger, widersprüchlicher Egozentriker.«

»Scheinheilig? Inwiefern?«

»Er spielte oft den Verteidiger von Kaami, doch insgeheim empfand er wie meine Brüder. Kaami der Affe nannten sie ihn hinter seinem Rücken. Was baumelt tot am Baum und stinkt? Kaami! Was ist nutzloser als Dreck? Kaami! ›Kaaffi, AffiKaffi, …‹, so ging es Tag für Tag. Er war ein netter Kerl, wenn man zu ihm durchdringen konnte, was keine leichte Aufgabe war. Ich verstand mich recht gut mit ihm, nun gut, ich verstehe mich ja auch recht schlecht mit meinen Geschwistern. Sie sagen ich wäre wunderlich, anders, aber das ist mir egal. Doch es kam noch schlimmer. Meine verblödeten Brüder dachten sich an einem Abend einen neuen Plan aus, um Kaami zu ärgern. Sie gaben ihm unbemerkt ein wenig von Mutters Schlafmittel und schnitten ihm, als er fest schlief, die Haare ab. Er hatte langes, schwarzes Haar, welches eine bedeutungsvolle Rolle für ihn spielte. Es erinnerte ihn an seinen Vater, er verstarb in Afrika, ich denke an einer Krankheit, so erzählte es jedenfalls Amelia, ich kann mich da aber auch irren.«

»Armer Junge, tragisch, keiner half ihm in dieser aussichtslosen Schlacht?«

»Mutter und ich waren die Einzigen neben Amelia. Ich hätte damals doch zur Karaffe greifen sollen.«

»Karaffe? Wie kann ich das verstehen?«

»Ist nicht wichtig. Jedenfalls können Sie sich vorstellen, wie Kaami reagierte, als er am nächsten Tag aufwachte. Den Schrei des Zorns, des bitterlichen Schmerzes hörte ich einige Zimmer weiter durch die Wände schallen. Sie hatten seine Haare bis auf zwei Fingerbreit abgeschnitten und auf eine Zeichnung geklebt, welche einen Affen darstellt und diese an der Wand in seinem Raum befestigt. Kaami lief zielstrebig in das Zimmer von Robert, trat die Tür mit nur einem Fußtritt auf und setze ihm ein Ngulu an den Hals. Das ist eine Art mehrfach geschwungenes Kurzschwert, ähnlich einem Beil. Er hatte es mir einmal in seinem Zimmer gezeigt. Damit wurden in Afrika so manche bestialische Rituale in alten Tagen abgehalten. Eignet sich hervorragend, um jemandem den Kopf abzuschlagen, erzählte er mir. Er erbte es von seinem Vater. Aber Sie müssen verstehen, dass er dazu getrieben wurde. Stellen Sie sich vor, jemand beraubt Sie Ihrer Würde.«

»Robert lebt noch, zumindest vernahm ich das heute bei der Auflistung der am Anwesen wohnenden Personen, das heißt Kaami wurde aufgehalten?«

»Seine Mutter Amelia, sie sprach zu ihm, redete unaufhörlich auf Kaami ein, während er mit gefletschten Zähnen drohte Robert zu enthaupten. Was genau sie sagte, dafür reichten meine Sprachkenntnisse nicht ganz aus. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass Amelia es Ihnen selbst sagen kann. Auch meine Mutter ist in der Lage es zu wiederholen, sie war ebenso anwesend. Er ließ nach einer gefühlten Stunde gemächlich von ihm ab und kehrte Robert den Rücken zu. Robert konnte, obwohl er sich vor Angst in die Hose gemacht hatte, einfach nicht aufhören, richtete sich im Bett auf und meinte in selber Sekunde ›Dreckiger, nichtsnutziger Feigling‹. Daraufhin drehte sich Kaami blitzschnell um und verpasste Robert mit dem Ngulu einen Hieb, welcher sein linkes Ohr beinahe in zwei Teile zerschnitt. Die Narbe ist eine unvergängliche Erinnerung daran, dass sich Robert in die Hose gemacht hat«, belächelte Corda den Vorfall aufgesetzt.

»Doch damit ist die Geschichte leider noch nicht am Ende, nicht wahr?«

»Einige Tage später erhielten wir durch Wilton eine Nachricht. Wir mögen alle zur Klippe kommen, Kaami hätte uns etwas von enormer Wichtigkeit mitzuteilen. Wir folgten der Aufforderung. Er stand einige Meter von uns entfernt direkt am Rand der Klippe. Er sah fürchterlich aus. Er hatte sich selbst Schnittwunden am Oberkörper zugefügt. Sein Gesicht war furchteinflößend bemalt. Er sprach nur wenige Worte in Afrikaans. Das meiste davon war an seine Mutter Amelia, meine Mutter, sowie an mich gerichtet. Ich konnte nur meinen Teil im Ganzen verstehen, es war sehr persönlich, wenn Sie verstehen. Dann nahm er einen Revolver, setzte den Lauf an sein Kinn, brüllte ›Hy sal julle almal kry!‹, nahm den Lauf des Revolvers in den Mund und drückte ab.«

»Daraufhin fiel seine Leiche die Klippe hinunter, er wurde nie gefunden. Das habe ich aus dem Bericht von damals.«

»Exakt Inspector. Nun kennen Sie die Geschichte und dass ein verdammter Fluch auf diesem Anwesen lastet.«

»Was sagte Kaami, bevor er abdrückte? Konnten Sie das verstehen?«

»›Hy sal julle almal kry!‹ Das bedeutet, er wird euch alle holen!«

»Er?«

»Darüber sprechen Sie wohl besser mit Amelia. Wenn Sie mich nun entschuldigen, es ist für mich beschwerlich darüber zu sprechen.«

»Natürlich, danke für die offenen Worte.«

Braunington genoss in Ruhe Schluck für Schluck den delikaten Tee, ein Lichtschimmer an diesem unwirklich zu scheinenden Ort. Der weitläufige, prachtvolle Garten lud ein, still zu verbleiben, in Gedanken zu versinken, zu entspannen, zu philosophieren. Das Vogelgezwitscher, das Summen der Bienen, der süße Duft der Blüten, das unaufdringliche Rauschen des Meeres in der Ferne, der Ausblick geradezu endlos. Entgegen stellt sich die Anwesenheit des Menschen, der Menschen, die ständig den Drang verspüren, über andere Macht ausüben zu müssen und damit die Pracht der Natur in ein grausames Schlachtfeld verwandeln. Was mag der Grund für diesen ewig andauernden Prozess sein? Welche teuflischen Gene stecken in uns, in jedem von uns? Ist es einzig die Gier, die über allem steht? Dicht gefolgt vom Neid? Kann sich der Hass derartig hochschaukeln, um am Ende jemanden zu töten, den man weder kennt, noch sonst in einer Beziehung mit Genanntem steht? Der Krieg war erst seit Kurzem vorbei, dennoch hörte das Morden nicht auf, es wird weitergehen, solange es auch nur einen einzigen Menschen gibt, der Macht über andere ausübt oder ausüben will. Dem Inspector wurde schlagartig klar: Es wird niemals enden.

Braunington und Millstone

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