Читать книгу Investieren in Edelsteine - Thomas Schröck - Страница 23
ОглавлениеFÜR WEN EIGNEN SICH EDELSTEINE ALS INVESTMENT
Für Menschen, die bereits andere Anlageformen besitzen.
Für Menschen, die an langfristigem Kapitalaufbau interessiert sind.
Für Menschen, die etwas besitzen wollen, das seit Jahrtausenden ohne Unterbrechung weltweit geschätzt wird.
Für Menschen, die etwas besitzen wollen, das leicht transportabel ist und ganz einfach weitergegeben werden kann, gerade auch von Generation zu Generation.
Für Menschen, die ein (komplementäres) Investmentprodukt suchen, das keine Aufmerksamkeit benötigt: keine speziellen klimatischen Bedingungen wie Gemälde, keine Instandhaltungskosten wie Oldtimer und keine speziellen Lagerbedingungen wie Wein.
Für Menschen, die ihr Investment möglicherweise auch gerne als Schmuck tragen möchten.
Etwas Wichtiges noch vorweg: Auch wenn es immer wieder schnelle Gewinnmöglichkeiten bei einzelnen Edelsteinen gibt, um die ein Hype entsteht, sind diese Naturprodukte als langfristiges Investment mit einem Anlagehorizont von zumindest fünf bis zehn Jahren zu sehen. Als Spekulationsobjekt eignen sie sich nicht.
EDELSTEINE ALS ALTERNATIVE INVESTMENTS
Würde jemand all sein Geld beispielsweise in nur einen Aktientitel investieren, so hätte er sowohl ein hohes Gewinn- als auch Verlustrisiko. Steigt der Aktienkurs, verdient der Anleger gutes Geld, fällt der Kurs der Aktie, geht damit auch viel von seinem Geld verloren.
Um ein »Einzelrisiko« zu vermeiden, diversifizieren Anleger, das heißt, sie verteilen ihre Mittel auf verschiedene Anlagemöglichkeiten oder -klassen. Was bedeutet das? Die erste Möglichkeit wäre, sein Geld nicht nur in die Aktie eines Unternehmens zu investieren, sondern in Aktien verschiedener Firmen. Hier steht nun die Frage an, wie stark sich die Aktien verschiedener Unternehmen bei einem Börsenanstieg oder -fall in die gleiche oder in die gegensätzliche Richtung bewegen. Üblicherweise wird man davon ausgehen können, dass zum Beispiel Aktien der Nahrungsmittelindustrie sich gemeinsam in eine Richtung bewegen. Man spricht dann davon, dass die Aktien »korreliert« seien.
Etwas weniger Korrelation wird vorliegen, wenn jemand zum Beispiel in Aktien der Nahrungsmittelindustrie und jene der Pharma- oder Automobilindustrie investiert. Eines ist in diesem Zusammenhang festzustellen. Wird in mehrere Anlageprodukte oder -klassen investiert, wird Risiko reduziert. Gleichzeitig wird auch die Gewinnmöglichkeit innerhalb einer bestimmten Bandbreite festgemacht. Der Grund dafür ist, dass wenn Anlageprodukte wenig korreliert sind, sich also in verschiedene Richtungen bei einer bestimmten Wirtschaftssituation bewegen, eines oder mehrere der Anlageprodukte im Wert fallen werden, während andere aufgrund der geringen Korrelation steigen. Es kommt also nicht nur zu einer »Risikoausgleichssituation«, sondern auch zu einer »Gewinnausgleichssituation«.
Verschiedene Anlagemöglichkeiten werden in unterschiedliche Anlageklassen zusammengefasst. Die bekanntesten sind:
Bargeld
Spareinlagen und Sparbücher aller Art
Wertpapiere (Aktien) und Verzinsliche Wertpapiere (Anleihen)
Immobilien
Alternative Investments
Rohstoffe mit den Unterklassen:
Gold und andere Edelmetalle
Seltene Erden
Öl
Technologie- und sonstige Metalle
Edelsteine (in diesem Buch behandelt)
Hedge-Fonds und Wertpapierderivate
Private Equity (Veranlagung in Form von Eigenkapital in KMUs)
Kunst
Oldtimer
Wein
Uhren
ALTERNATIVE INVESTMENTS IM WIRTSCHAFTLICHEN UMFELD
Die Finanzkrise und das wirtschaftliche Umfeld der letzten Jahre haben allerdings dazu geführt, dass vor allem Immobilien und alternative Investments, wie eben Edelsteine, immer stärker in das Interesse der Anleger gerückt sind.
Die mit dem Fall der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers einsetzende Finanz- und Wirtschaftskrise (Oktober 2008) stellte Sparer vor Herausforderungen. Die entscheidenden Fragestellungen einer erfolgreichen Veranlagung – Ertrag und Sicherheit – ließen sich immer weniger miteinander vereinbaren, zumindest im Bereich bewährter Sparformen. Am deutlichsten wird dies anhand einer Übersicht über die Veränderung der Leitzinssätze der vergangenen zwanzig Jahre sichtbar:
Quelle: Österreichische Nationalbank, Stand: 27.11.2020
(https://www.oenb.at/isaweb/report.do?lang=DE&report=10.4)
Die Grafik zeigt sehr anschaulich, dass herkömmliches Sparen infolge der Finanzkrise keine Erträge abwirft.
Die Niedrigzinsen führten etwa in Deutschland oder der Schweiz zur grotesken Situation, dass Sparer teilweise dafür zahlen müssen, dass sie Geld bei Banken einlegen (Negativzinsen). Eine ähnliche Entwicklung konnte auch bei Anleihen beobachtet werden. Bei Anleihen »sicherer« Emittenten akzeptieren Anleger ebenfalls Negativzinsen oder einen Nullzins.
Nur risikoreiche Anleihen von schlechter beurteilten Staaten oder Unternehmen liefern noch eine attraktive Verzinsung.
Dazu kommen Themen wie hohe Staatsverschuldung, in manchen Staaten seit Ausbruch der Finanz- und der COVID-Krise stark gestiegene Arbeitslosigkeit, lange Zeit schwaches Wirtschaftswachstum und eine rasche Erhöhung der Geldmenge.
Um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, griffen die Federal Reserve Bank (FED) in den USA und die Europäische Zentralbank (EZB) neben dem Herabsetzen der Zinssätze auf ein weiteres geldpolitisches Maßnahmenpaket zurück: die Ausweitung der Geldmenge. Dahinter steht der wirtschaftliche Glaube, dass die Konsumenten und die Sparer auf die Ausweitung der Geldmenge mit Konsum und Geldausgabe, also allgemein positiv, reagieren und das so das Wirtschaftswachstum angekurbelt wird.
Als der Autor dieses Buches noch an der Wirtschaftsuniversität Wien studierte, wurde von den Lehrenden darauf hingewiesen, dass ein solches Vorgehen allerdings zu zwei negativen Auswirkungen führen kann: zu einer Destabilisierung der Wirtschaft und mittel- bis langfristig zur Inflation. Die Gefahr solcher Auswirkungen scheint heute vergessen zu sein.
Gemessen wird das Geldmengenwachstum an der sogenannten »Geldmenge M3«: Diese beinhaltet vereinfacht ausgedrückt alles Geld in der europäischen Volkswirtschaft; also Bargeld, Einlagen von Privaten, Einlagen von Banken und so weiter.
Nachstehend eine Übersicht des Wachstums der Geldmenge M3 im Euro Raum seit dem Jahr 2000:
ÜBERSICHT DES WACHSTUMS DER GELDMENGE M 3 IM EURO-RAUM VON 2000 BIS 2021
Quelle: Geldmenge M3 und Gegenposten im Euroraum;
(https://www.oenb.at/isaweb/report.do?report=1.3.1; Abfrage 25.03.2021, eigene Berechnung)
Treffen mehrere der beschriebenen Faktoren wie hohe Staatsverschuldung oder starkes Geldmengenwachstum zusammen, zeigt sich eine Erhöhung der Nachfrage nach Investments abseits der »klassischen Pfade«, nach »alternativen« oder »komplementären« Investments.
FLUCHTWÄHRUNG
Einen Vorteil haben Edelsteine im Lauf der Geschichte eindeutig bewiesen: Wenn Märkte zusammenbrechen und/oder wenn Menschen fliehen müssen gibt es außer Bargeld wohl keine andere Währung, die so einfach mitzunehmen ist, wie Edelsteine. Außerdem bekommt der Edelstein überall auf der Welt Anerkennung als wertvolles Objekt, sei es in Wien, Mumbai, New York oder Peking.
Ein Kilogramm Feingold hat zur Zeit der Entstehung dieses Buches8 einen Wert von rund 50.000 Euro. Ein Rubin von der Größe des kleinen Fingernagels kann leicht den doppelten Wert speichern. Gold ist zudem einfach zu finden (schwer an Gewicht, im Röntgen oder durch Metalldetektoren sofort aufspürbar).
Die Besonderheit bei Edelsteinen: Solange nicht in Schmuck gefasst, sind sie nahezu unsichtbar und innerhalb der Europäischen Union unterliegen sie keiner Anonymitätsgrenze (bei Gold in Österreich EUR 10.000, in Deutschland EUR 2.000) und keiner Deklarationspflicht. Deutschland hat, bisher als einziges Land der Europäischen Union, Edelsteine als »alternatives Zahlungsmittel« eingestuft.
DEMONETARISIERUNG INDIENS
Am 8. November 2016 tritt um 20.00 Uhr Ortszeit der Premierminister Indiens, Narendra Modi, vor die Kameras und verkündet, dass ab dieser Nacht alle 500- und 1.000-Rupien-Banknoten der indischen Währung ihre Gültigkeit verlieren. Außerdem werden Abhebungen vom Bankomaten auf ein Minimum herabgesetzt und die Banken werden für zwei Tage geschlossen.
Die Begründung des Premierministers: Er will Schwarzgeld aus dem Markt nehmen und höhere Steuereinnahmen erzielen. Die Aktion ist hinsichtlich der Geheimhaltung gut geplant und gut durchgeführt: Rund 1,3 Mrd. Menschen werden davon völlig überrascht.
Von der Durchführungsseite muss dann fast der Notstand ausgerufen werden: Zu jener Zeit sind die 500- und die 1.000-Rupien-Banknoten die Banknoten mit höchstem Wert und gleichzeitig sind zu wenige 50- und 1009-Rupien-Noten verfügbar. Da die Banken geschlossen wurden und die Geldautomaten nur Kleinmengen Geld herausgeben, muss die Regierung innerhalb kürzester Zeit sogar Lebensmittelkarten verteilen, um die Bevölkerung versorgen zu können. Das Ergebnis ist Chaos und Lähmung der indischen Wirtschaft für fast zwei Wochen.
Die Folge: Sofort schießen die Preise für Gold und Edelsteine bis Mitternacht des gleichen Tages um dreißig Prozent nach oben, da die Menschen versuchen, auf »Notwährungen« umzusteigen.
Ring mit Turmalin
ca. 20 ct., Madagaskar verarbeitet mit Diamanten in zwei Brauntönen und Rhodolith Ring in 750-Gelbgold
Foto: © The Natural Gem
Ältere Kunden erzählen immer wieder, dass die Nationalsozialisten, als die Ausreise aus Deutschland für Menschen jüdischen Glaubens noch möglich war, einen »Halb-Caräter« Diamanten pro Kopf für einen Reisepass als »nicht offizielle Bezahlung« verlangten.
Danach wurde das neue Leben, zum Beispiel in den USA, sehr oft mit Haib- und Ein-Carätern begonnen, die vor der Flucht einzeln in den Mantelsaum am unteren Ende des Mantels eingenäht wurden. Auch das Einschmelzen von Diamanten in das Wachs von Opferkerzen war aufgrund der Ähnlichkeit des Materials (Kohlenstoff im Wachs, Kohlenstoff in Diamanten) eine Methode der Wahl.
Der gesamte Diamantendistrikt in New York verdankt seine Existenz der Wanderbewegung dieser Diamanten.