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2. Nacht (steigender Lärm, wachsende Angst)

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Die Musik beginnt ihre Reise, leise, am Anfang des Tages, mitten in der Nacht, in der Dunkelheit, die wie stürzende Steine im Meer fremde Klänge heimatlos ins Unbewusste integriert.

Ricarda.

Was ist das für n Lärm.

Die Nacht wird unterbrochen von der Notbeleuchtung einer Ferienanlage, dreihundert Meter vom Strand entfernt. Die Anlage zählt dreiundzwanzig identische Bungalows. In diesem hier, mit der Nummer elf, befinden sich ein Tisch, zwei Stühle, ein Spiegel, ein Bett, ein Mann und eine Frau.

Ricarda

Ralf.

Der Mann und die Frau schlafen nackt. Aus hängengebliebener Gewohnheit. Ihre Blicke gehen in die gleiche Richtung. Er liegt hinter ihr, sein schwerer Arm auf ihrer Hüfte, sein Atem in ihrem Nacken.

Ricarda

Dreh dich um.

Er schläft. Sie nicht. Auf dem Steinboden stehen zwei Whiskygläser. Sie hat ihren ausgetrunken. Er seinen nicht. Der Lärm der Umgebung bewegt die Flüssigkeit.

Ricarda

Bitte.

Zwei Hütten weiter wird sich geliebt, direkt nebenan läuft ein Film in fremder Sprache, und der Ozean, unterbrochen von den Bässen der letzten Strandbars, dröhnt ins Rattern der Gedanken.

Ricarda

Dreh dich um.

Über ihnen schwirrt ein Ventilator. Unter ihnen rasen die Wanzen durch den Schaumstoff der letzten zwanzig Jahre.

Ricarda

Bitte Ralf.

Sie greift nach seinem Whiskyglas. Will das Glas umkippen. Seins in ihrs. Lässt es sein. Es wär immer noch zu viel. Von ihm in ihrem Glas.

Ricarda

Bitte. Dreh. Dich. Um.

Sein Atem schlägt in ihren Nacken. Laut. weich. Feucht. Mit der linken Hand knallt sie einen Moskito an die hellhörige Wand.

Ralf

Wie lieb von dir.

Ricarda

Du musst dich umdrehen.

Ralf

Warum.

Ricarda

Dein Atem kriegt hier so was Säuerliches.

Ralf

Rassist.

Er dreht sich um. Die Luft des Ventilators schlägt schnell und hart auf den Kreis seines Haarausfalls.

Ricarda

Warum schläfst du so viel.

Ralf

Ich hab was Verrücktes geträumt Ric.

Ricarda

Das hab ich nicht gefragt.

Ihr Blick rast in einen Mückenstich in seinem Nacken. Mit den Augen öffnet sie den Stich, rutscht durch das Gift in die Leere seiner Gänge.

Ralf

Ich hab geträumt.

Jemand reißt mir den Magen auf.

Von unten mit einem Taschenmesser.

Für einen Moment ist nichts zu hören außer dem Klang ihrer unausweichlichen Gegenwart, zwei sich widersprechende Rhythmen, magnetisch und abstoßend zugleich. Zwei eigenständige Melodien, die sich, ohne einander, verlieren würden im Raum.

Ralf

Wo gehst du hin.

Ricarda

Joggen.

Ralf

Wir sind hier um uns zu erholen.

Ricarda

Von was denn.

Sinfonie des sonnigen Tages

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