Читать книгу Der Reeder - Brigitte Tholen - Страница 5
ОглавлениеKapitel 2
Im Zimmer roch es nach Schweiß, der sich mit dem Duft von Parfüm und Rasierwasser vermischt hatte. Nackt und sichtlich ermattet nach dem Liebesspiel lag er auf dem Messingbett. Die Hände und Füße noch mit weißen Seilen an die goldfarbenen Sprossen gefesselt.
"Küss mich", flüsterte er, "das war toll. Ich dachte, ich sterbe."
Noch immer hielt er die Augen geschlossen. Die Frau stand, nur mit schwarzen Stiefeln und Handschuhen bekleidet, vor dem Bett. Sie lächelte. Aber sie küsste ihn nicht.
"Ich zeige dir noch mehr, jetzt kommt dein Geschenk. Es ist etwas ganz Besonderes". Die Frau sprach mit leiser und ein wenig rauchiger Stimme.
Der Mann öffnete die Augen und musterte sie. "Du bist das Schärfste, das ich kenne. Ich hätte mir all die Nutten sparen können. Wenn ich dich so ansehe ... ich könnte schon wieder."
Die Frau lachte, während sie langsam etwas aus dem Stiefelschacht zog.
Der Mann versuchte, sich aufzurichten. "Sei so lieb und löse mir die Fesseln."
"Aber das Beste kommt doch erst. Bleib liegen."
Die schlanken Finger hielten plötzlich ein Rasiermesser mit einem goldenen Griff und näherten sich langsam seiner Kehle.
Irritiert versuchte der Mann, sich trotz der Fesseln aufzurichten. "Was machst du? Das soll mein Geschenk sein? Ich versteh nicht. Das ist ein sicherlich schönes Stück, aber ..."
"Es ist genau das Richtige", konterte die Frau und ihre Stimme klang diesmal hart und bestimmt. "Jeder bekommt von mir das, was er verdient."
Sie kniete jetzt breitbeinig über ihm.
Verblüfft verfolgte der Mann ihre Aktivitäten. "Gehört das mit zum Spiel?"
"Aber ja!" Lachend warf sie den Kopf in den Nacken und schüttelte ihre blonde Mähne.
Der Mann schluckte. Plötzlich schien er zu ahnen, dass sich etwas geändert hatte. Das Spiel war zu Ende. Ihr Gesicht glich einer Statue und die Augen sahen ihn verächtlich an. Er bewegte die Lippen. Kein Ton kam aus seiner Kehle. Mit den Fingern ihrer linken Hand hob sie sein Kinn ein wenig an. Die rechte Hand umfasste das Rasiermesser und war wie zum Schlag erhoben. Voller Panik starrte er darauf. Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn, und das Gesicht verlor alle Farbe. Entsetzt sah er, wie die rechte Hand sich seinem Hals näherte. Er riss und zerrte wie wild an den Fesseln. Die weißen Taue gaben nur wenig nach und schnitten ins Fleisch. Mit aller Kraft bäumte der Körper sich auf. Das Messingbett klapperte und quietschte. Den Kopf hin- und herwerfend, versuchte er, ihre Hand abzuschütteln. Vergeblich. Fassungslos drückte er sich tiefer in das Kissen. Sein Mund öffnete sich, aber kein Ton kam heraus.
Sie lachte. Befriedigt beobachtete sie in aller Ruhe seine panischen Versuche. Wie ein Habicht, der sich seiner Beute sicher ist. Die Hand sauste herab. Blitzschnell und mit aller Kraft schnitt sie ihm die Kehle durch. Holte aus und schnitt ein zweites Mal tief die Kehle entlang. Ein gespenstisches Röcheln war zu hören. Die weit aufgerissenen Augen blickten sie glasig an. Er wurde ohnmächtig. Das Blut schoss mit einem heftigen Strahl aus der Halsschlagader direkt in ihr Gesicht und auf ihren Körper. Es kam stoßweise im Bogen, immer kleiner werdend, bis zum pulsierenden Strudel, dann versickernd, rinnend. Fasziniert beobachtete sie, wie er nach und nach verblutete.
Sie sah ihrem Opfer in das angstverzerrte Gesicht, das die Farbe hellen Marmors angenommen hatte.
"Fahr zur Hölle", fauchte sie.
Das Messer noch immer in der Hand, entfernte sie mit einem glatten Schnitt seinen Penis und warf ihn in die Mitte des Zimmers. Dabei lachte die Frau. "Das war deine letzte tolle Liebesnacht."