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3. Auf das Ehrenamt setzen
ОглавлениеDass die Zahlen dieser »alten« Ehrenamtlichen insgesamt schrumpfen, wird soziologisch und (pastoral-)theologisch vielfach beschrieben und bedacht. Man studiert und diskutiert die heutigen Voraussetzungen, Motivationen und Rahmenbedingungen für das Ehrenamt in der katholischen Kirche. Vor allem aber wird sein zahlenmäßiger Rückgang beklagt. Denn eines tritt überall deutlich zutage: In den großen pastoralen Räumen kann die Seelsorge in den drei kirchlichen Grunddiensten der Verkündigung, Liturgie und Diakonie in der Gemeinschaft Christgläubiger aus finanziellen und personellen Gründen mit den Hauptberuflichen, dem »pastoralen Personal«, nicht mehr in dem Maß »bedient« werden, wie es Pfarrgemeinden in den vergangenen Jahrzehnten gewohnt waren. Und dies, obwohl es seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil neben der Berufsgruppe der Priester verstärkt auch Diakone und mittlerweile zwei pastorale »Laien«-Berufe gibt: die Berufsgruppe der Pastoralreferentinnen und -referenten und die – aus den Seelsorgehelferinnen hervorgegangene – Berufsgruppe der Gemeindereferentinnen und -referenten.
Wer aber – so hört man in kirchlichen Kreisen immer wieder – versorgt die Gemeinden der Zukunft mit den pastoralen Dienstleistungen, wenn man nicht weiter und sogar noch verstärkt »auf das Ehrenamt« setzt? Diese Formulierung verrät das tradierte Denkmodell, das den beschriebenen Umgang mit dem Ehrenamt nach sich zieht. Immer wieder wird so gefragt. Denn diese Frage genau so zu stellen erhält tagtäglich Nahrung.
Gespeist wird sie im pastoralen Alltag zum Beispiel durch das Erleben von jungen Müttern wie der eben erwähnten, die ganz selbstverständlich und oft vehement ihre Erwartungen an eine »schöne« Vorbereitungszeit ihrer Kinder auf die Erstkommunion äußern, ohne dass sie ihr Inhalt wirklich bewegt. Vor allem soll es ein schönes Fest werden. Diese Mütter empfinden sich als »Kunden«, die ein Recht haben auf eine bestimmte pastorale Dienstleistung. Eine Überforderung für das geringer werdende pastorale Personal, das es in immer mehr Gemeinden mit immer mehr solcher Konsumenten zu tun bekommt, bei denen die Erwartungshaltung vorherrscht: »Die Hauptberuflichen sollen das machen. Sie haben schließlich studiert und werden dafür bezahlt!«
Viele Seelsorgerinnen und Seelsorger erhöhen deshalb ihre Anstrengungen in der Entwicklung von Konzepten und im Management ihrer Umsetzung, für die sie auf das Ehrenamt setzen, also auf die Suche nach Ehrenamtlichen gehen. Mehr denn je sehen sie sich herausgefordert, Ehrenamtliche zum Mitmachen zu gewinnen. Je nach Situation vor Ort, ob in eher dörflich oder eher städtisch geprägten Strukturen, mit mehr oder weniger Erfolg.
Für vorgegebene Aufgaben auf das Ehrenamt setzen zu müssen bei gleichzeitiger Abnahme der Rekrutierungsmöglichkeiten für solche Aufgaben, das ist ein Dilemma. Langfristig wird man nirgends aus ihm herausfinden, zumindest so lange nicht, wie man am Modell der »Versorgungs-« und »Mitmach-Kirche« festhält.
Im Dunstkreis dieses Dilemmas bewegen sich auch die Überlegungen dieses Buches.
Es kann sich auch seinem Anliegen gegenüber das Unbehagen einschleichen, dass hier jemand unter der Überschrift »Getauft und engagiert« die Neuauflage tradierter Rekrutierungsversuche probt, weil die beruflichen Seelsorger allein nicht mehr alles leisten können, was pastoral (noch) wünschenswert ist. Allzu eingefahren ist im gewohnten mentalen Horizont der »Mitmach-Kirche« die Beziehung: getauft und engagiert – natürlich: im kirchlichen Ehrenamt!
Zwischen Engagement und (kirchlichem) Ehrenamt gibt es aber keine einfache Gleichung mehr. Ein Umstand, den innovative Seelsorgerinnen und Seelsorger bejahen und im Übergang in einen anderen mentalen Horizont kreativ gestalten. Das gilt es zu erklären.