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1 Die Gelenke – Wunderwerke der Beweglichkeit
ОглавлениеBewegung ist Lebendigkeit! Bei Kindern kann man das besonders gut beobachten: Sie sind ständig in Aktion, hüpfen, rennen, krabbeln, springen … Wenn sie dagegen apathisch und still auf dem Bett sitzen oder liegen, dann sind die Eltern schnell besorgt – und das mit Recht, denn Bewegung ist Ausdruck eines gesunden Lebens und des Wohlfühlens. Es ist schlicht ein ganz normaler und wichtiger Bestandteil des menschlichen Daseins, auch wenn das heute manchmal gern vergessen wird.
Wenn man sich einmal die Entwicklungsgeschichte des Menschen ansieht, des heutigen Homo sapiens, so hat er in seiner „tierischen“ Vergangenheit in der Natur immer in Bewegung sein müssen: auf der Pirsch und Jagd oder auf der Flucht, auf der Suche nach pflanzlicher Nahrung oder nach dem nächsten geeigneten Schlafplatz. Fast nichts erreichte der frühe Mensch, wenn er nicht in Bewegung war.
Heute ist das anders. Da liegt man nachts ruhig und geschützt im Bett und kann seine bis zu acht Stunden durchgängigen Schlaf genießen. Man steht auf, um sich bald wieder gemütlich an den Frühstückstisch zu setzen und danach ins Auto, um bequem zur Arbeit zu kommen. Dort angekommen setzt man sich womöglich wiederum gleich hin: an den Schreibtisch, in die Besprechung oder auch an die Geräte, die man vielleicht zu bedienen hat. Sitzen ist eigentlich die wichtigste „Tätigkeit“ des Homo sapiens geworden. Statt vielfältige Bewegungen mit Beinen, Armen und Händen, Kopf und Rumpf auszuführen, statt sich selbst und sein Körpergewicht aktiv vorwärts zu bewegen, lässt man sich heute einfach nur noch fallen, fahren oder fliegen.
Doch der menschliche Körper ist immer noch auf seine alte, urzeitliche Lebensweise abgestimmt. Er ist auf viel Bewegung eingerichtet, ja er muss bewegt werden, damit er gesund bleibt. Und dabei sind nicht nur das Herz- Kreislauf-System oder die Verdauung gemeint, die beide durch Bewegung in Schwung gehalten werden müssen, um gesund zu bleiben und gut arbeiten zu können. Es geht auch um den Bewegungsapparat selbst. Nur wenn dieser immer wieder gefordert wird, bleibt er gesund!
Zum Bewegungsapparat gehören Muskeln, Knochen und Gelenke. Muskeln sind gesund, wenn sie genutzt werden. Öfter aktiviert, nehmen sie an Umfang zu, sind gut durchblutet und kräftig. Inzwischen wird gesunden Muskeln sogar ein Heilpotenzial bei Krankheiten zugesprochen! Werden Muskeln dagegen kaum benutzt, werden sie dünn und schlapp, und sie sind bei der kleinsten Anstrengung schnell an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit oder sogar schon überfordert.
Knochen sind nur etwas weniger abhängig von Bewegung. Sie haben eine durch spezielle Gefäße sichergestellte Blutversorgung und sind gleichzeitig auch mit ihrem innenliegenden Knochmark an der Blutbildung beteiligt. Auch Knochen profitieren deutlich, wenn sie regelmäßig durch Bewegung beansprucht werden. Daher ist Bewegung in Kindheit und Jugend ganz besonders wichtig, während sich die Knochen noch neu aufbauen. Und auch im Erwachsenenalter und ebenso während der fortgeschrittenen Lebensjahre gewinnen die Knochen durch Bewegung, denn die damit einhergehenden Belastungen regen die Knochen an, sich zu verstärken und damit eine höhere Stabilität aufzubauen. Auch Knochen wollen also gefordert werden!
Und die Gelenke? Wenn man es genau betrachtet, dann sind Gelenke schlicht die Voraussetzung für praktisch jede Bewegung des Körpers. Ohne Gelenke wäre der Mensch steif und zur fast vollständigen Starre verdammt. Es lohnt sich, darüber einmal genauer nachzudenken. Schon wenn nur ein Gelenk nicht richtig benutzt werden kann, weil es zum Beispiel schmerzt oder geschont werden muss, bringt das für den Betroffenen erhebliche Beeinträchtigungen. Wenn es sich dabei womöglich um Gelenke an der Hand oder ein großes Hüftgelenk handelt, dann ist sogar sehr schnell die Lebensqualität eingeschränkt. Da ist man gerne bereit, etwas zu unternehmen, damit die Gelenke wieder gesund werden. Besser wäre es allerdings, schon vorher etwas zu tun, damit Gelenke gesund bleiben können und man diese massiven Einschränkungen möglichst gar nicht erst erleben und bewältigen muss.
Aufbau des Hüftgelenks.
Was braucht so ein Gelenk, um möglichst lange fit und wendig zu bleiben? Um das zu beantworten, muss man sich erst einmal den Aufbau und die Funktionsweise von Gelenken anschauen. Sie können sehr unterschiedlich gebaut sein und sehr verschiedene Bewegungsmöglichkeiten eröffnen (siehe Exkurs). Doch ihr grundsätzlicher Aufbau ist immer gleich: So treffen an jedem Gelenk zwei unbewegliche Knochen aufeinander. An ihren Enden sind die Knochen meist verdickt oder zumindest in ihrer Form verändert – und zwar gerade so, dass sie ineinander passen, ein bisschen wie Topf und Deckel oder Schlüssel und Schloss. An diesen speziell ausgebildeten Enden der unbeweglichen Knochen sitzt auf beiden Seiten glatter, fester Knorpel. Er soll das eher spröde Knochenmaterial bei der Bewegung vor Abrieb schützen und dafür sorgen, dass die Knochen besser gleiten. Gleichzeitig dämpft er für sie auch jede Bewegung ab. Wer mal auf seine Nase drückt, die aus viel Knorpel besteht, der erfährt, wie weich und gleichzeitig fest dieses Material ist: Knorpel ist stabil, aber auch flexibel. Er kann auf Druck ausweichen, geht aber danach unverändert wieder in seine Form zurück. Dieses Material ist den Anforderungen in einem Gelenk bestens gewachsen! Dennoch wird es von weiteren Gelenkbestandteilen zusätzlich unterstützt. So ist jedes Gelenk von außen von einer stabilen Gelenkkapsel umhüllt, die das gesamte Gebilde zusammenhält und abschließt. Innerhalb dieser Kapsel ist die sogenannte Gelenkhöhle, die in den Gelenkspalt zwischen den beiden knorpelüberzogenen Knochenden übergeht. Diese Höhle ist vollständig mit Gelenkschmiere gefüllt, in der Fachsprache nennt man sie Synovia oder auch Synovialflüssigkeit. Diese ganz besondere Flüssigkeit dämpft Stöße für das Gelenk, verhindert Abrieb an den Knorpeloberflächen, hält das Gelenk schön beweglich und hat noch einige Aufgaben mehr.