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Leben im Park

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In der großen Pause lief Svala in den Margaretapark.

Hier herrschte ein totales Durcheinander aus Zeltplanen, Leuten, die an Seilen rissen und zogen, und langen Pfählen, die donnernd in die Erde gerammt wurden.

Im Zentrum des Geschehens enteckte Svala eine vertraute Gestalt, eine Frau Mitte dreißig. Sie hatte wildes, ungekämmtes Haar und trug einen alten Overall, wie den, den Svalas Vater immer trug, wenn er an seinem Segelboot herumbastelte. Sie schrie und fluchte, weil etwas nicht geklappt hatte.

Svala ging auf sie zu, war aber plötzlich unsicher. Nach ihrer Begegnung im letzten Jahr hatte sie geglaubt, dass sie weiter mit Katja Kontakt haben würde. Aber Katja war anscheinend auf Tournee gewesen, Svala hatte sie ein paarmal vergeblich anzurufen versucht. Und jetzt war Katja hier. Würde sie Svala wiedererkennen? Svala war kurz davor, auf der Stelle kehrtzumachen, da hörte sie, wie Katja ihren Namen rief.

»Svala! Das ist ja schön!«

Katja kam auf sie zu. Unter ihrer Oberlippe steckte wie üblich eine Portion Kautabak.

»Was machst du denn hier?«, fragte sie fröhlich.

»Ich wohn doch hier«, sagte Svala verwirrt, doch dann fiel ihr ein, dass Katja davon ja gar keine Ahnung hatte. Bei ihrer ersten Begegnung hatte sie mit Pétur in der Wohnung ihres Vaters Jan im Stadtteil Södermalm gewohnt. Aisa lebte damals auf Island und Jan war mit seinem ersten Hilfstransport nach Bosnien unterwegs.

Katja zog Svala mit sich zu einem schäbigen alten Gartenstuhl, der vor einem Zirkuswagen stand. Svala setzte sich auf die Wagentreppe und sah sich um.

»Ich würd gern mitmachen«, sagte sie, als ihr Blick auf einen süßen Jungen fiel. Er war dunkelhäutig, nicht größer als sie selbst, und hatte dicke, glänzende schwarze Haare. Er sah aus wie ein Indianer.

»Super Einfall von eurer Rektorin, in der Schule Theater zu spielen. Sie sieht total trutschig aus, aber sie hat’s echt drauf. Leider scheinen nicht alle Lehrer vom Theaterprojekt angetan zu sein. Sie haben was dagegen, dass sich jemand in ihren Unterricht einmischt.«

»In der Turnhalle, wo ihr arbeiten sollt, hat es ein Feuer gegeben.«

»Ich hab’s gehört, aber es ist wohl nicht so schlimm gewesen. Jetzt müssen wir alle mit einbeziehen, damit niemand auf die Idee kommt, uns zu sabotieren«, erklärte Katja.

»Weiß man, wer es war? Ich hab gehört, dass ein paar Lehrer den Kids aus Dalen die Sache in die Schuhe schieben.«

»Das ist mal wieder typisch! Aber gerade die müssen wir mit ins Boot holen, damit es keine Kämpfe zwischen rivalisierenden Gangs gibt wie im Stück. Im Moment sind hier, wie es aussieht, eher Jugendliche aus Alt-Enskede.«

Katja zeigte auf die Interessierten, die über das Gelände spazierten und zuschauten, wie das Zelt aufgebaut wurde. Der vertraute Margaretapark verwandelte sich mit dem blau-weiß-rotgestreiften Zelt, den bunten Wimpeln und den fünf Zirkuswagen in einen Zirkusplatz. In einem der Wagen wohnte Katja. Drei andere waren als Garderoben für die Schauspieler vorgesehen und im fünften wurde gekocht.

»Französisch!«, schrie Svala plötzlich auf. Die Zeit war wie im Flug vergangen. »Ich komm nach der Schule wieder«, rief sie und rannte zum Unterricht, den sie mit fünf Minuten Verspätung erreichte.

Magnus Smedjegård musterte sie von oben bis unten.

»Wenn ihr glaubt, ihr könnt wegen des Theaters fehlen, dann habt ihr euch gewaltig geirrt«, sagte er und startete die Stunde mit einem unangekündigten Test. Fatimah war als Erste fertig. Sie sprach fließend Französisch, weil sie aus Algerien stammte, aber Smedjegård meckerte ständig an ihrem arabischen Akzent herum. Ihre schriftlichen Arbeiten dagegen waren tadellos.

Partir, partant, parti ... Svala schrieb die Verben hin, aber mit den Gedanken war sie wieder im Park. Sie fühlte sich zwar noch zu schüchtern, um selbst im Rampenlicht zu stehen, aber sie wollte unbedingt beim Theater mitmachen und Katja helfen.

Und wie von selbst wanderten ihre Gedanken weiter zu dem Jungen mit den schwarzen Haaren. Wie er wohl heißen mag, überlegte sie und nagte dabei an ihrem Stift.

Nach Unterrichtsschluss ging sie auf ihrem Heimweg an der Turnhalle vorbei. Es roch immer noch nach Rauch und die Absperrungen waren noch da, auch wenn die Feuerwehr abgezogen war. Was waren das für Idioten, die in der Turnhalle Feuer gelegt hatten?

Vor dem großen Knall

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