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Ein verrückter Plan

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Hanna guckt noch vor dem Frühstück am nächsten Morgen nach, ob Mama geantwortet hat.

Hanna hat eine eigene Mail-Adresse. Die hat Mama ihr eingerichtet, weil sie so viel auf Reisen ist. Am Wochenende telefonieren sie meistens miteinander. Aber während der Woche kann Mama keine Anrufe entgegennehmen, da können sie nur kurze Nachrichten hin- und herschicken.

Hanna schaltet den Computer ein. Juhu, da liegt ein Brief von Mama!

Liebste Lieblingshanna!

Es scheint ja viel zu passieren, während ich weg bin.

Meine Kleine wird langsam groß. Aber ich weiß nicht, ob ich es gut finde, dass du allein in die Stadt fährst. Das muss ich erst noch mal in Ruhe mit Papa besprechen.

Wenn, dann auf alle Fälle nur tagsüber und nicht zu lange. Und sprich auf keinen Fall mit fremden Leuten! Das musst du mir versprechen, ja? Sonst mach ich mir riesige Sorgen.

Eine Bärenumarmung von deiner Mama

Hanna hat das Gefühl, dass sich ein Glassplitter in ihrem Hals festgesetzt hat, der kratzt und wehtut, wenn sie schluckt. Das ist das Weinen, das rauswill.

Wenn Mama sich wirklich Sorgen um Hanna machen würde, könnte sie ruhig ein bisschen öfter zu Hause sein. Sie ist fast ständig wegen ihrer Arbeit auf Reisen. Warum sucht sie sich keine Arbeit in Stockholm, statt so elend weit weg in Deutschland?

In Hannas Kopf blitzt ein trotziger Gedanke auf.

Sie wird es auf alle Fälle machen: in die Stadt fahren. Leonardo kommt bestimmt mit. Dann kann gar nichts passieren. Er fährt oft allein in die Stadt, außerdem ist er älter als Hanna. Und Mama und Papa mögen ihn.

Was für eine geniale Idee!

Hanna wird ganz warm, von den Ohrläppchen bis in die kleinen Zehen. Es ist wie eine Mischung aus Wut und Trotz und etwas anderem, noch Stärkerem, das Hanna nicht genau benennen kann. Hass vielleicht?

Ja, sie hasst Mama. Das ist es. Mama, die einfach abhaut und sie im Stich lässt. Hannas Haut brennt wie Feuer, als sie dem Hass freien Lauf lässt.

Sie ist kein kleines Mädchen mehr und niemand hat das Recht, sich in ihre Angelegenheiten einzumischen. Das sollen sie sich bloß nicht einbilden. Weder Mama noch Papa noch irgendein anderer Neandertaler.

Papa steht unter der Dusche. Auf dem Küchentisch ist ein Teller mit Käsebroten für Hanna.

Als sie mit dem Frühstück fertig ist, steckt sie kurz den Kopf zur Badezimmertür rein und verabschiedet sich von Papa.

»Ich geh jetzt.«

»Es könnte sein, dass ich heute Nachmittag nicht zu Hause bin«, sagt Papa.

»Macht nichts, ich komm schon klar«, antwortet Hanna.

Das trifft sich gut, denkt sie und nimmt die Treppe mit routinierten Sprüngen. Wenn Papa nicht zu Hause ist, kann er auch nicht Nein sagen.

In der Mittagspause sucht Hanna den ganzen Schulhof nach Leonardo ab. Aber der scheint sich in Luft aufgelöst zu haben. Big auch. Komisch. Haben die beiden jetzt auch Magenkneifen? Unwahrscheinlich. Leonardo hat gestern am Telefon nichts davon gesagt, dass es ihm schlecht geht.

Also weiht Hanna stattdessen Fanny in ihren Plan ein. Und Fanny ist Feuer und Flamme. Aber sie muss erst noch ihre Mutter fragen.

Nach der Schule gehen die Freundinnen gemeinsam zu Hanna. Fanny will von dort ihre Mutter anrufen.

Auf der Truhe im Flur liegen fünfzig Kronen und ein Zettel von Papa.

Kauf dir was zum Schnabulieren,

ich bin in der KB, forschen.

Komme pünktlich zum Abendessen zurück!

Papa

KB. Hanna weiß, dass Papa damit die Königliche Bibliothek meint. Wenn er nicht gerade zu Hause an seinem Roman schreibt, ist er garantiert dort mit der Nase in einem alten Schmöker zu finden.

Hanna steckt den Schein in die Tasche und drückt die Daumen, als Fanny in Papas Arbeitszimmer geht, um bei ihrer Mutter anzurufen.

Was ist, wenn Fanny nicht darf? Soll Hanna dann allein fahren? Das entscheidet sie, wenn Fanny mit der Antwort zurück ist.

Aber Fanny darf.

Sie gehen ins Badezimmer und schminken sich ein bisschen mit Hannas helllila Lippenstift und dem lila Lidschatten, bevor sie losgehen. Hanna hat helle Haut und blondes Haar, da passen helle Farben gut. Zu Fanny passen eigentlich besser kräftigere Farben, weil sie braunes Haar und dunkle Augenbrauen hat. Aber sie sieht trotzdem gut aus.

Hanna zieht ihr schwarzes Polo-Shirt an.

»Ich will auch einen BH«, platzt Fanny heraus.

»Aber du bist doch noch ganz platt«, sagt Hanna.

Fanny nickt genervt und streicht sich mit den Händen über die Strickjacke.

»Es ist übrigens ganz schön anstrengend, so große Brüste zu haben.« Das sagt Hanna weniger, um Fanny zu trösten, sondern um ein bisschen zu prahlen. Sie kann es einfach nicht lassen. Sonst ist Fanny immer diejenige, die im Mittelpunkt steht, weil sie das süßeste Mädchen in der ganzen Klasse ist. Jetzt sind die Rollen vertauscht. Die Jungs kichern und flüstern über Hanna. Einerseits nervt sie das kolossal, andererseits findet sie es aber auch irgendwie schön.

Kiss me!

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