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Оглавление»ICH BENEIDE DIE FAMILIEN«
»Ich (38) bin seit vielen Jahren Christin und gehöre zu einer lebendigen Gemeinde, in der ich mich auch sehr wohlfühle. Obwohl ich Single bin, empfinde ich mein Leben im Großen und Ganzen als ausgefüllt. Und doch merke ich, dass ich manchmal neidisch auf die verheirateten Frauen in meinem Umfeld bin. Dabei geht es gar nicht so sehr um die Tatsache, dass sie ›Familie‹ haben, sondern vielmehr darum, dass in ihrem Leben jemand da ist, der ihnen Dinge abnimmt und für sie regelt. Ich bin zwar auch praktisch veranlagt, kann aber leider doch nicht alles selbst machen und muss mir oft mühsam Hilfe suchen. Gibt es ein Mittel gegen diese Neidgefühle?«
In unserem Leben gibt es leider immer wieder Dinge, die wir gerne anders hätten, als sie sind: Der Nachbar fährt genau das Auto, von dem ich zwar träume, das ich mir aber nicht leisten kann. Die Solistin im Chor hat genau die Stimme, die ich gerne hätte und trotz Üben nie bekommen werde. Und die Freundin hat, obwohl sie nicht weniger isst als ich, die Traumfigur, die ich nie erreichen werde. Ständig werden wir von Menschen um uns herum herausgefordert, uns mit ihnen zu vergleichen, und manchmal schneiden wir dabei ziemlich schlecht ab.
Das grüne Gift: Neid
Neidisch werden wir ja immer nur auf etwas, was wir uns im tiefsten Inneren für uns selbst wünschen. Wenn es mich nicht reizt, selbst gut singen zu können, dann werde ich an jedem Konzert große Freude haben. Bin ich aber selbst im Gemeindechor bis dato vielleicht der heimliche »Star« gewesen und plötzlich kommt jemand, der besser ist, kann der andere sehr schnell zum Konkurrenten werden. Hierzu fällt mir das Märchen von Schneewittchen ein. »Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?«, fragt die Königin und erhält als Antwort, dass sie zwar schön ist, aber dass Schneewittchen noch tausendmal schöner ist. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Königin in ihrer Schönheit konkurrenzlos und zufrieden, doch mit der simplen Aussage des Spiegels wird Schneewittchen für sie plötzlich zur Feindin. Sie verliert jeden Blick für ihre eigenen Vorzüge und steigert sich so sehr in ihre Neidgefühle hinein, dass sie schließlich versucht, Schneewittchen zu vernichten, um dieser Herausforderung nicht länger gegenüberstehen zu müssen.
Ein ähnliches Problem hatte auch Kain, als er auf seinen Bruder Abel neidisch war. Er spricht diesen Neid nicht an, sondern lässt es zu, dass er mehr und mehr Raum in ihm gewinnt und ihn letztlich dazu treibt, seinen Bruder zu ermorden. Ich frage mich oft, was passiert wäre, wenn Kain seine Neidgefühle einfach mit Gott besprochen hätte – wie ein Kind, das zu seinem Vater geht und ihm gegenüber ganz ehrlich von seinen Gefühlen spricht. Ganz sicher hätte es eine andere Lösung gegeben!
Das Problem mit Gott angehen
Doch wieder zu Ihrer konkreten Situation: Im »Großen und Ganzen« sind Sie glücklich und zufrieden mit Ihrem Singleleben, bis irgendwann ein Auslöser kommt, der einen Vergleich mit den Verheirateten hervorruft (vielleicht durch eine ganz profane Sache wie eine Reparatur, die Sie nicht selbst ausführen können). Dann kommen die Gedanken: »Ach, hätte ich doch jetzt so einen Mann wie …, der würde das im Handumdrehen hinbekommen«, und schon sind Sie drin im Strudel des Vergleichens und werden immer unzufriedener mit der eigenen Situation.
Als Christin wissen Sie, dass Sie nicht neidisch auf andere sein müssen und sollen. Was aber können Sie konkret tun, um Ihren Seelenfrieden zu behalten (oder wiederzugewinnen)? Zunächst einmal: Gefühle des Neids zu erleben ist leider ziemlich normal, weil wir tagtäglich durch andere Menschen, ihre Begabungen, Vorzüge oder ihren Besitz herausgefordert werden. Entscheidend ist dabei nicht das Gefühl des Neids, sondern wie wir damit umgehen.
Gestehen Sie sich in der entsprechenden Situation ein, dass Sie gerade neidisch sind, und versuchen Sie nicht, Ihre Gefühle »wegzulügen«. Benennen Sie vor Gott (oder zusätzlich auch vor einer Freundin oder einem Seelsorger) möglichst konkret und ehrlich den Grund für Ihren Neid. Er ist Ihr Freund, und deshalb dürfen Sie vor ihm auch absolut ehrlich sein. Beten Sie zum Beispiel: »Herr, der Mann von Frau XY hat ganz toll die gemeinsame Wohnung renoviert. Das würde ich auch gerne mal tun, kann es aber nicht selbst, und so merke ich, dass ich gerade neidisch auf die beiden bin.«
Wenn Sie so beten und Ihre Gefühle ehrlich vor Gott bringen, »entlarven« Sie diese damit und erlauben ihnen gar nicht erst, in Ihrem Leben Wurzeln zu schlagen und sich festzusetzen.
Inge Frantzen