Читать книгу Abhandlungen über die Psalmen, Band 1 - Hilarius von Poitiers - Страница 110

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Denn wie Jemand bei seinem Eintritte in eine verpestete Stadt sieht, daß durchaus alle Einwohner von der Krankheit erschlafft sind, daß sie mit Fiebern kämpfen, und daß sie durch allerlei Krankheiten aufgerieben werden; wie er, wenn er dort keinen Arzt findet, in Seufzer ausbricht und es schmerzlich findet, daß keine Hülfe, kein Gegenmittel bei so großen Uebeln vorhanden sey; wie er wahrnimmt, daß die Pest in den Gliedern täglich mehr wüthe, und weiß, daß ein Arzt in der Ferne helfen könnte, wenn er da wäre; und wie er, was noch allein übrig ist, im Schmerze der Verzweiflung ausruft: Wer wohl kann ihn herbeischaffen, und seine Heilung gewähren? indem er mit seinem ganzen Kummer zu Wünschen sich wendet: eben so sieht der heilige Geist den Irrthum des Menschengeschlechtes; eben so sieht er die Uebel dieser Welt hereinbrechen, und die Krankheit mit unvermeidlichem Tode wüthen, wo Gott von dem Thoren verläugnet, wo alle von den abscheulichen Täuschungen der sinnlichen Lust verderbt sind; wo Keiner das Gute will, wo ihre Rachen die Gräber der Unschuldigen sind, wo sie sich der Zunge zum Betruge bedienen, wo Schlangengift unter ihre Lippen und Worte gegossen ist, wo der Mund von Bitterkeit und Fluch voll ist, wo schnell ist der Lauf ihrer Füsse zum Blutvergießen, und wo, weil sie darum den Weg des Friedens nicht kennen, auf allen Wegen ihres Lebens Unglück hereinbricht; wo keine Ehrfurcht gegen Gott ist, wo die Verheerung des Volkes Gottes für die Verfolger gleichsam ein Bissen Brod ist, und wo der Mord die Beschädigung und die Qual der Unschuldigen die Gottlosen sättigt; wo man Gott nicht anruft, und bei Nichts zittert, weil in Götzenbildern das Geschöpf mit Uebergehung des Schöpfers verehrt wird; wo man nicht glaubt, daß Gott bei dem Geschlechte der Gerechten wohne; wo der Rath des Armen verworfen, und die Hoffnung seiner Geduld verspottet wird: da also diese Uebel auf diese Art wüthen und auf dem ganzen Erdkreise herrschen, ruft der heilige Geist, indem er denjenigen kennt, welcher allein Hülfe schaffen kann, aus: „Wer wird Israel das Heil aus Sion geben?“ Denn nicht Moses hatte es gegeben, nicht Elias, nicht Isaias, nicht die Propheten; alle Werke des Gesetzes waren gegen so verderbliche Krankheiten zu schwach. Es war ein Arzt nöthig, welcher durch eine und dieselbe Anwendung seiner Hülfe Alles gesund machte, und so viele und verschiedene Krankheiten auf dem ganzen Erdkreise nicht durch Kunst und Werk, (denn wann hätte Werk und Kunst bei Allen angewendet geholfen?) sondern durch die Macht des Wortes heilte. Denjenigen sucht der Geist, denjenigen erwartet er, bei dessen Ankunft das Fieber aufhören, die Blindheit ein Ende nehmen, die Gichtbrüchigkeit verschwinden, der Tod nicht mehr die Oberhand haben würde; diesen erwartet er, diesen ruft er an, diesen bittet er: „Wer wird Israel das Heil aus Sion geben?“ Allein es müssen die einzelnen Bedeutungen in den einzelnen Worten erklärt werden.

Abhandlungen über die Psalmen, Band 1

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