Читать книгу Friede, Freude, Hundekuchen - Inge Knechtel - Страница 6
ОглавлениеMein Einstand
„Lieber mit Betty im Wald als mit Waldi im Bett!“ Dieses geflügelte Wort war einer der tragenden Pfeiler in der Hundeerziehung, so wie Uwe sie handhabte. Da war leider rein gar nichts zu machen – ins Bett durfte ich nie! Auch nicht in der allerersten Nacht, die ich im Haus von Inge und Uwe verbrachte, und in der ich jämmerlich gejault habe, das muss ich leider zugeben. War ja auch eine Zumutung. In einem Haus mit zwei Etagen war ich gelandet, und ich selbst sollte unten auf einem riesigen Flur bleiben, während meine Herrschaften eine Etage höher schliefen. Selbst dieser blöde Cocker Spaniel aus der Zoohandlung wäre mir in dieser langen Nacht in meinem Karton willkommen gewesen. Ja, es war merkwürdigerweise ein Karton, der mir da zugewiesen wurde, und noch merkwürdiger war, dass dieser mit Stroh ausgelegt war. Hatte man mich jetzt womöglich mit einer Gans verwechselt, oder was?! Bei diesem Gedanken jaulte ich ganz besonders laut auf, sodass Uwe herunter gelaufen kam und mich zu trösten versuchte. Er zeigte durchaus Verständnis für meine Situation, das war zu spüren. Aber letztendlich hatte er kein Erbarmen, obwohl Inge oben auch an die Treppe kam und dafür plädierte, den armen Hund doch besser rauf zu bringen. Wie gesagt, da war nichts zu machen. Also fügte ich mich in mein Schicksal, und in der nächsten Nacht lief es dann schon vollkommen reibungslos mit dem Alleinsein. Das mag auch daran gelegen haben, dass ich da bereits ein nagelneues Hundekörbchen bezogen hatte. Im Karton hatte ich nämlich, ohne es zu wissen, Mitbewohner gehabt, die wohl ganz schnell vom Stroh in mein Fell umgezogen waren: Flöhe! Ich kam aus dem Kratzen gar nicht mehr raus, und Uwe – der alte Witzbold - machte sich auch noch einen Spaß daraus und nannte mich „Flohteppich“. Na, auf den Spitznamen hätte ich verzichten können! Er erkannte dann aber auch ganz schnell den Ernst der Lage und besorgte mir in Nullkommanix eine komplett neue Hundeausstattung. Nicht nur das wunderbar geräumige und gepolsterte Körbchen gehörte dazu, sondern auch eine niedliche kleine Püppi. Mann, mit der konnte man vielleicht schön spielen - und das habe ich sofort nach dem scheußlichen Flohpulverbad auch gemacht. Die konnte man mit der Schnauze in die Luft schleudern, und die quietschte dabei, machte einen Salto und fiel mir geradewegs wieder auf die Schnauze. Super! Ich rollte die „Quietschepüppi“, wie man sie nun plötzlich nannte, über den Boden und sie weinte und ich tröstete sie, indem ich sie über den Boden rollte und gar nicht mehr aufhören konnte mit diesem wunderbaren Spiel. Und das Allerbeste daran war, dass Uwe davon so begeistert war, dass er sich ständig auf die Schenkel klopfte und gar nicht mehr aufhören konnte, sich zu amüsieren. Damit hatte ich zweifellos gepunktet bei Uwe, ein richtig guter Einstand war das! Und die peinliche Angelegenheit mit dem Bargeld in der Tierhandlung hatte ich dann auch ganz schnell vergessen. Nachtragend war ich sowieso nie, das war nicht meine Art.