Читать книгу Blick in den Tod - Jacky Herrmann - Страница 7

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Sarah stand vom Bett auf und zog sich ihren Morgenmantel über. „Du warst wie immer verdammt gut“, hauchte sie Clemens mit einem Augenzwinkern zu, bevor sie das Schlafzimmer verließ und im Badezimmer verschwand.

Nachdem sie geduscht hatte, ging sie in die Küche und bereitete sich einen Drink zu. Als sie damit wenig später ins Schlafzimmer zurückkehrte, telefonierte Clemens gerade. Sie stellte sich vors Bett und ließ ihren Morgenmantel langsam von ihren Schultern gleiten, bis er schließlich zu Boden fiel und sie nackt war.

Clemens beobachtete sie dabei, versuchte aber, das Telefonat fortzuführen. Doch es machte keinen Sinn, er konnte sich nicht mehr konzentrieren, sah er schließlich ein. „Hör zu, wir telefonieren später! Mir ist gerade etwas Wichtiges dazwischengekommen. Ciao“, beendete er abrupt das Gespräch. „Wie machst du das nur immer?“, wandte er sich an Sarah. „Ich kann dir nicht widerstehen!“ Er legte das Handy beiseite und richtete sich auf.

Sarah hatte ihre Position kaum verändert. Sie stand immer noch vorm Bett und schaute Clemens lasziv an. Sie hob ihr Glas und prostete ihm zu: „Auf einen erfolgreichen Tag!“

Er wusste nicht, was so erfolgreich an ihrem Tag gewesen war, hatte aber auch kein Interesse daran, es zu erfahren. Er wollte nur, dass sie wieder zu ihm ins Bett kam und sie da weitermachten, wo sie vor einer halben Stunde aufgehört hatten. „Komm endlich her, du heißes Ding!“, forderte er sie deshalb auf.

Sie nahm noch einen Schluck, bevor sie das Glas auf dem Nachttisch abstellte und sich rittlings auf ihn setzte. „Und, was machen wir jetzt?“, hauchte sie ihm mit gedämpfter Stimme ins Ohr.

Etwa eine Stunde später beendeten die beiden ihre Spielchen. Während Clemens zum Duschen ins Bad ging, lief Sarah nackt durch ihre Wohnung. Sie hatte wie gewohnt die Vorhänge im Wohnzimmer offen gelassen und das Licht angeschaltet. Es war schon spät und die Wahrscheinlichkeit, dass jemand im Büro gegenüber arbeitete, war äußerst gering, denn es war Sonntag. Dennoch war es nicht komplett ausgeschlossen. Allein der Gedanke daran, vielleicht gesehen und beobachtet zu werden, stimulierte ihre erotischen Gedanken erneut. Am liebsten würde sie gleich noch einmal mit Clemens ins Schlafzimmer verschwinden. Vielleicht würde er sich davon überzeugen lassen. Obwohl er nicht mehr der Jüngste war, hielt er gut mit, hatte Sarah immer wieder im Vergleich zu ihren jüngeren Spielgefährten festgestellt.

Sie ging in die Küche und mischte sich erneut einen Longdrink. Anschließend setzte sie sich im Wohnzimmer auf einen Sessel. Ihr war langweilig und sie wusste, dass sie noch eine Weile hier herumsitzen würde, denn Clemens brauchte für gewöhnlich immer lange im Bad. Ihr Blick schweifte schließlich in den Flur und fiel dabei auf Clemens Aktentasche. Sie wurde neugierig und hatte das plötzliche Bedürfnis, einen Blick dort hineinzuwerfen. Sarah hatte sich noch nie für seine privaten Angelegenheiten interessiert. Sie kannte ihn schon ein paar Jahre und wusste das Nötigste über ihn. Das genügte ihr. Sie pflegten eine sexuelle Beziehung miteinander, große Gefühle waren von beiden Seiten nie im Spiel gewesen. Sie stand auf und schnappte sich die Tasche. Irgendwie musste sie die Zeit ja totschlagen, rechtfertigte sie sich.

Was gibt es denn hier Spannendes? Notebook, Ladegerät, Headset… Sie holte alle Sachen einzeln heraus, doch wie sich schnell herausstellte, war alles unspektakulär. Hinter dem Laptop lag noch eine Mappe, in der völlig unsortiert verschiedene Papiere waren. Von handgeschriebenen Zetteln über irgendwelche ausgearbeiteten Konzepte eines IT-Projekts bis hin zu diversen Buchungsbestätigungen war alles Mögliche dabei.

Total langweilig! Das hätte ich mir ja denken können!

Sie nahm die Sachen und packte sie zurück in die Tasche. Da sie die Mappe nicht wieder richtig mit dem Gummizug verschlossen hatte, fielen einige Zettel daraus zu Boden.

Mist!, fluchte sie vor sich hin. Sie beugte sich nach unten, um die Papiere einzusammeln und stieß dabei auf ein Protokoll, das während einer Geschäftsführersitzung angefertigt worden war. Sie erhaschte einen Namen darauf, der sie schlagartig zum Schaudern brachte.

Oh mein Gott! Es fröstelte sie plötzlich. Das kann nicht sein! Das glaube ich nicht! Sie las immer wieder den Namen; der Inhalt des Dokuments interessierte sie nicht. Es ging nur um den Namen. Einen Namen, den sie niemals vergessen würde.

Sie blieb einige Minuten lang auf dem kalten Boden im Flur sitzen und starrte wie versteinert auf das Papier, das sie unverändert in ihren Händen hielt. Es musste ein dummer Zufall sein, dass jemand genau so hieß. Sicherlich gab es noch mehr Menschen, die diesen Namen trugen. Das konnte nicht ER sein.

Ein längeres Geräusch ließ sie irgendwann aus der Starre, in die sie gefallen war, erwachen. Ihr Gehirn schaltete sich langsam wieder ein. Sie hatte keine Ahnung, wie lange sie bereits in dieser Position verharrt hatte, aber es war ihr wie eine Ewigkeit vorgekommen. Das Geräusch, das sie vernommen hatte, war die Toilettenspülung gewesen. Clemens musste also längst aus der Dusche gestiegen und gleich fertig sein. Sie würde ihm nicht erklären können, warum sie die Papiere aus seiner Tasche im Flur ausgekippt hatte und sammelte daher alles blitzschnell zusammen. Sie schaffte es auf die letzte Sekunde und stellte die Tasche rechtzeitig an ihren ursprünglichen Platz zurück.

Einen Moment später öffnete sich die Badtür und Clemens fand sie schließlich im Flur vor, immer noch auf dem Boden kauernd.

Irritiert fragte er sie: „Was machst du denn da?“

Blick in den Tod

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