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[16]1.4 Einflüsse von außen

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Die Welt ist immer in Bewegung. Neue Bauwerke werden gebaut, Technologien verändern sich, sportliche, kulturelle und gesellschaftliche Großereignisse finden direkt in Städten statt. Die Gesellschaft und die Sicherheitslage verändern sich dabei stetig.

Beispiele dafür können sein:

 [17]Einmalige oder wiederkehrende Veranstaltungen wie eine Fußballweltmeisterschaft, Treffen der G20, Tag der deutschen Einheit, Hamburger Hafengeburtstag, Fridays for Future Demonstrationen usw.,

 Neubau eines Straßen- oder Eisenbahntunnels,

 Bau eines Störfallbetriebs,

 Bedrohung durch geänderte Sicherheitslage, z.B. durch internationalen Terrorismus.

Feuerwehren und Rettungsdienste müssen sich hier kurz- aber auch langfristig an diese Veränderungen anpassen. Zur Vorbereitung auf solche Ereignisse sind Einsatzübungen zwingend erforderlich.

»Die Feuerwehr hat bei ihren Einsätzen die Aufgabe, auf der Basis meist lückenhafter Informationen, eine oder gleichzeitig mehrere Gefahren zu bekämpfen.« FwDV 100

Die Begründung für Übungen liegt dabei klar auf der Hand:

 Warum benötigen wir Einsatzübungen?Damit der Einsatz besser läuft.

 Warum sollte der Einsatz besser laufen?Damit Bürger*innen gut geschützt sind.

 Warum sollten Bürger*innen besser geschützt sein?Weil der Staat es im Rahmen der Daseinsvorsorge versprochen hat.

Feuerwehren und Rettungsdienste übernehmen mit ihren Aufgaben eine besondere Verantwortung. Sie haben mit anderen Organisationen und Teams bspw. aus den Bereichen Luftfahrt und medizinische Versorgung eines gemein: Sie alle sind »High Responsibility Teams« – Hochverantwortungsteams. Doch was zeichnet Hochverantwortungsteams aus? An erster Stelle ist vor allem die hohe Verantwortung für das höchste Gut, das Menschenleben, zu nennen. Daraus resultieren einige Anforderungen an die Einsatzkräfte. Faktoren wie Zeitdruck, Handlungsdruck und die Erreichung eines gewissen Zuverlässigkeitslevels verlangen einen hohen Anspruch an eine zielgerichtete und bedarfsorientierte Aus-, Fort- und Weiterbildung (Basisausbildung).

[18]Tabelle 2: Gegenüberstellung von klassischen Teams und High Responsibility Teams in Bezug auf die Konsequenzen der Teamprozesse und ihre Ergebnisse (Quelle: Prof. Dr. Vera Hagemann)

Konsequenzen von Teamprozessen Klassische Teams High Responsibility Teams
Reversibilität der Ergebnisse? in der Regel ja in der Regel nein
Körperliche und psychische Schäden? nein ja
Wem wird geschadet? dem Team und der Organisation dem Team, der Organisation und Dritten
Verantwortung für das Leben anderer nein ja
Abbruch der Situation möglich? ja nein
Arbeitsunterbrechung möglich? Pause etc. sind möglich Pausen etc. sind in der Regel nicht möglich
Medien Büro/Öffentlichkeit? in der Regel nicht ja

Eine gute Basisausbildung ist die Grundlage für die Durchführung von Einsatzübungen, bei denen sich das Zusammenspiel und die Handlungsabläufe für den Einsatz trainieren lassen.

Beispiel:

Die Feuerwehr Clervaux wurde an einem Mittwoch um 02:12 Uhr zu »Feuer, Rauchentwicklung in einem Mehrfamilienhaus, mehrere Personen eingeschlossen/vermisst« alarmiert. Zu diesem Zeitpunkt herrschte Frost und es lag Schnee.

Der Bericht des Wehrführers der Feuerwehr Clervaux und Einsatzleiters vor Ort Sven Arend:

»Durch die Ausbildung von DREHLEITER.info konnte die Drehleiterbesatzung die fünf Leben retten. Wir hatten Feuer in einer Wohnung eines Mehrfamilienhauses im ersten Obergeschoss. Das Treppenhaus sowie das zweite Obergeschoss waren bereits komplett verraucht. Bei meiner Ankunft als Einsatzleiter und zeitgleich meinem ersten HLF schlugen die Flammen bereits aus dem Fenster der Brandwohnung und der Rauch drang aus allen anderen offenen Fenstern im zweiten Obergeschoss.

Das erste OG konnte durch die Bewohner selbst verlassen werden. Mehrere Personen waren im zweiten OG durch die Intensität des Feuers und des Brandrauchs eingeschlossen. Drei Personen standen an zwei verschiedenen Fenstern und schrien um Hilfe.

Unsere Drehleiter war nur kurz nach dem ersten HLF vor Ort und mit drei Maschinisten besetzt, die durch DREHLEITER.info in Clervaux geschult wurden.

[19]Insgesamt konnten fünf Menschen über die Drehleiter gerettet und mit dem Verdacht auf Rauchgasinhalation in ein Krankenhaus befördert werden. Dies konnten alle Patienten bereits nach fünf Tagen wieder verlassen.

Nur durch die Ausbildung von DREHLEITER.info konnte ich »sehr ruhig« meine Prioritäten der Menschenrettung festlegen und die Drehleiterbesatzung konnte diese sauber und professionell umsetzen und die fünf Leben retten.

Nach dem Einsatz sagten mir alle drei Kameraden der Drehleiterbesatzung: »Das war genauso wie im Training mit Jan Ole Unger und Nils Beneke. Nur halt echt.««

Einsatzübungen planen und durchführen

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