Читать книгу Simon Knox und die Prophezeiung Asragurs - Jens Hoffmann - Страница 3

Kapitel 1

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„Simon, raus aus den Federn, du Schlafmütze. Wir sind spät dran. In fünfzehn Minuten gibt’s Frühstück“.

Patricia Knox riss die Tür zum Zimmer ihres Sohnes auf; schnell waren die Vorhänge zur Seite gezogen und das Fenster geöffnet. Ein wunderschöner Sommertag kündigte sich an und ein laues Lüftchen wehte vom Hafen her zum Fenster herein, was Simon, von dem nur ein Büschel roter Haare unter der Bettdecke hervor lugte, nicht sonderlich beeindruckte, geschweige denn ihn zu irgendeiner Regung ermutigte.

Etwas entnervt fuhr Patricia sich durch die noch zerzausten, blonden Haare, zupfte ihren pinkfarbenen Morgenmantel zu recht und riss entschlossen an der Bettdecke ihres Sohnes, die daraufhin in hohem Bogen neben dem Bett landete.

„Vergiss nicht, dir die Zähne zu putzen und mach schnell. Gepackt hast du ja auch noch nicht“, bemerkte sie zähneknirschend, als sie die am Vorabend sorgsam gebügelten T-Shirts noch immer auf der Kommode liegen sah. Sie rauschte aus dem Zimmer und Simon hörte, wie die Treppe unter ihren eiligen Schritten, auf dem Weg nach unten, in die Küche, knarrte.

„Noch fünf Minuten“, dachte er sich und drehte sich noch einmal auf die andere Seite. Das Klappern von Geschirr, der Duft von frischem Toast, Eiern und Speck, ließ ihn schließlich munter werden. Er räkelte und streckte sich, bevor er langsam die Augen öffnete. Meeresluft stieg ihm durch die geöffneten Fenster in die Nase. Er lauschte dem geschäftigen Treiben vom Hafen sowie den vereinzelten Schreien der scheinbar nimmersatten Möwen, die sich jeden Tag aufs Neue, um die Fischabfälle stritten, die von den Fischern ins Hafenbecken geworfen wurden.


„Endlich Ferien“, freute er sich.


Simon hatte ohne nennenswerte Schwierigkeiten die fünfte Klasse hinter sich gebracht. Er war elf Jahre alt, hatte feuerrote, struppige Haare, Sommersprossen und freche braune Augen. Für sein Alter war er vielleicht etwas zu klein geraten. Und leider auch etwas zu pummelig, was ihm in der Schule die eine oder andere Hänselei einbrachte. Die Tatsache, dass er gerne vor sich hin träumte und nicht immer ganz bei der Sache war, trug nicht gerade dazu bei, dass er besonders viele Freunde um sich versammelte. Eigentlich hatte er nur einen guten Freund: Richard Dawson, kurz Richie genannt, der ebenso wie er ein wenig anders war als die anderen. Richard war auch elf Jahre alt, ging in dieselbe Klasse wie Simon und trug eine dicke Hornbrille. Darüber hinaus war Richie so ziemlich der Größte in der Klasse mit dunklem, ordentlich gescheiteltem Haar. Er war schlaksig und wirkte manchmal etwas unbeholfen, geradezu schusselig. Aber er war Simons bester Freund.

Während sich die meisten Mitschüler seiner Klasse nach der Schule zum Fußball, Kricket oder ähnlichem verabredeten, stromerten die beiden Freunde liebend gern durch den Hafen. Beide interessierten sich brennend für die Schiffe, die den Hafen von Portsmouth täglich anliefen. Sie fotografierten jeden Neuankömmling, klebten die Bilder in ein Album und spannen ihre eigenen Geschichten um die Herkunft und die abenteuerlichen Reisen der Jachten, Kutter und Containerschiffe.

Aber jetzt waren Ferien und Simon und Richie würden keine neuen Bilder in ihr Album kleben können, da Simon den Sommer über bei seiner Großtante Abygale verbringen sollte. Diese lebte, gute fünf Stunden von Portsmouth entfernt, in einem kleinen Dorf am Meer, in der Grafschaft Devon. Noch ahnte Simon nicht, dass er seinen Freund Richie schon sehr bald wieder sehen sollte und auf beide das Abenteuer ihres Lebens wartete.

„Simon, die Eier werden kalt“, ertönte, die jetzt schon leicht gereizt klingende Stimme seiner Mutter, aus der Küche. Scheinbar hatte sie sich an der Pfanne verbrannt, denn sie fing auf einmal laut an zu fluchen.

„Bist du wach?“, rief sie aus der Diele die Treppe hinauf.

„Wie kann man nur solange brauchen, um aus dem Bett zu kommen“, seufzte Patricia, ging zurück in die Küche und goss sich eine Tasse frischen Kaffee ein.


Ihr war nicht wirklich wohl bei dem Gedanken, Simon die ersten Wochen seiner Ferien zu Tante Abygale zu schicken. Aber seit sie sich von Eduard Knox, Simons Vater, vor zwei Jahren getrennt hatte, war eben nichts mehr wie es vorher einmal war. Sie waren nach Portsmouth gezogen und Patricia hatte im letzten Jahr wieder angefangen, als Lektorin, in einem Londoner Verlag, zu arbeiten.

Grundsätzlich hatte sie recht viel Zeit für sich und ihren Sohn, da sie einen Großteil ihrer Arbeit von zu Hause aus erledigen konnte. Aber diesen Sommer standen wichtige Seminare und Buchbesprechungen in ihrem Terminkalender, die sie nicht so ohne weiteres aufschieben konnte. Tante Abygale hatte ihr ohne zu zögern angeboten, dass Simon einen Teil seiner Ferien ja auch bei ihr verbringen könne. Sie mochte den Jungen sehr, zumal sie nie eigene Kinder hatte.

Patricia sah aus dem Küchenfenster in den Vorgarten ihres kleinen aber gemütlichen Hauses. Simon würde einen schönen Sommer am Meer verbringen können. Er liebte das Wasser, den Strand und natürlich auch den Hafen mit seinen kleinen, bunten Häusern und den Fischerbooten. Sie atmete einmal tief ein, verscheuchte ihr schlechtes Gewissen und machte sich daran, Sandwiches für Simons Zugfahrt zu richten.

Simon reckte und streckte sich, setzte sich auf, wuschelte sich durch die roten Haare und rieb sich verschlafen die Augen. Er gähnte und schaute sich in seinem Zimmer um. Er hatte überhaupt gar keine Lust sich Gedanken darüber zu machen, was er nun einpacken sollte und was nicht. Ein paar T-Shirts, Shorts, seine Lieblingsjeans und eine Jacke. Das sollte wohl reichen, dachte er. Hätte er noch aufräumen sollen, fragte er sich, krabbelte aus seinem Bett und sah sich unschlüssig in seinem Zimmer um. Nun ja, wirklich ordentlich war es hier tatsächlich nicht. Eigentlich lagen überall Sachen herum: verschiedene Einzelteile zu noch nicht ganz vollendeten Schiffsmodellen, Comics unter und neben dem Bett, zahlreiche Fotografien von Schiffen, die er und Richie noch nicht in ihr Album geklebt hatten, und so weiter. Auch sein Schreibtisch, der unter dem großen Dachfenster stand, hätte durchaus eine ordnende Hand gebraucht. Aber darum konnte er sich auch nach seinen Ferien noch kümmern, entschied er, krabbelte auf den Schreibtisch und sah aus dem Fenster in Richtung Hafen.

Irgendetwas an diesem Montagmorgen war anders als gewöhnlich. Sicher, es war der erste Tag der Sommerferien. Aber das war es nicht. Hatte er heute Nacht nicht ein Gesicht an seinem Fenster gesehen? Oder hatte er einfach nur geträumt? Er konnte sich nicht erinnern. Er ließ den Blick vom Hafen zurück über das Dach schweifen. Etwas blitzte in der Morgensonne und zog Simons Aufmerksamkeit auf sich. Unterhalb seines Fensters war ein kleines, rundes Ding zwischen den Dachschindeln eingeklemmt.

Vielleicht eine Münze? Nein, eine Münze konnte das wahrlich nicht sein. Er ließ ja gerne mal seine Murmeln das Dach hinunter in die Dachrinne kullern, um sie später unten im Garten, aus der Regentonne zu fischen. Aber eine Münze? Ausgeschlossen! So viel Taschengeld hatte er nun auch wieder nicht, um es in verschwenderischer Weise aus dem Fenster schleudern zu können.

Er wurde neugierig, reckte sich gefährlich weit über den Fenstersims und griff nach dem funkelnden Ding. Aber vergeblich. Er rutschte noch ein Stückchen vor. Sein Arm wurde immer länger und nach einigen Anstrengungen hielt er ein sonderbar funkelndes Plättchen in seinen Händen. Es war ein wenig elastisch, aber dennoch fest. Ähnlich wie Perlmutt, das sich im Inneren einer Muschel bildet, schimmerte es in seiner Hand.

Die Schuppe eines großen Fisches vielleicht? Aber wie sollte diese auf das Dach kommen? Er konnte sich keinen Reim darauf machen und kroch, noch immer in Gedanken vertieft, zurück in sein Zimmer.

„Simon, ich hoffe du bist endlich aufgestanden. Dein Kakao war einmal warm“, vernahm er die jetzt nicht mehr ganz so verständnisvolle Stimme seiner Mutter, die ihn aus seinen Gedanken riss.

„Ja, Mum, ich bin in fünf Minuten unten!“, rief Simon hinunter und trottete den Flur entlang ins Bad. Kurz etwas kaltes Wasser ins Gesicht, Zähne geputzt und die Haare einmal schnell durchgekämmt. „Das muss für heute reichen“, dachte sich Simon, schlüpfte schnell in Jeans und T-Shirt, stopfte wahllos die nötigsten Sachen in seine Reisetasche und rannte die Treppe hinunter, in die Küche, wo seine Mutter hinter ihrer Zeitung saß und so tat, als sei sie die Ruhe selbst.

Über eine Ecke ihrer Zeitung hinweg, sah sie Simon mit hochgezogener Augenbraue an.

„Guten Morgen, mein Schatz. Ich hoffe, du hast gut geschlafen?“ Irgendwie hatte sie es tatsächlich noch geschafft, sich ihre Haare auf diese großen hellblauen Lockenwickler, zu drehen.

„Hmm“, murmelte Simon. „Ist noch Orangensaft da?“

„Setz dich und iss deine Eier, Liebes. Ich bring dir ein Glas“, erwiderte Patricia, legte ihre Zeitung beiseite, ging zum Kühlschrank und kam mit einem Glas Saft wieder an den Tisch zurück.


Lustlos stocherte Simon in seinem Omelett herum.

Sie sah in prüfend an. „Sag mal, Sohnemann, bist du heute Nacht vielleicht wieder auf dem Dach herumspaziert? Ich hab dir, glaube ich, schon mehrmals gesagt, dass ich nicht möchte, dass du deine Murmeln in der Dachrinne versenkst. Irgendwann purzelst du noch selbst hinterher und ich kann dann die Feuerwehr, einen Krankenwagen und weiß Gott wen anrufen. Das muss doch wirklich nicht sein, oder?“

Sie stellte ihm das Glas Orangensaft auf den Tisch, ohne jedoch ihren prüfenden Blick von ihm zu wenden. Sie schien, am frühen Morgen, doch tatsächlich so etwas wie eine Antwort von ihm zu erwarten.

„Nein, das war ich nicht“, murrte Simon. „Meine Murmeln hab ich bereits alle in der Regentonne versenkt. Ich will sie noch herausfischen, bevor wir fahren“, entgegnete er abwesend. Mit seinen Gedanken war Simon immer noch bei diesem seltsamen Plättchen, das er zuvor zwischen den Dachschindeln gefunden hatte.

War vergangene Nacht wirklich jemand an seinem Fenster gewesen? Und was war das für ein seltsames Kratzen an der Scheibe? Seine Mutter schien doch auch etwas bemerkt zu haben. Besser, er behielt seine Gedanken vorerst für sich, bevor er sich blamierte. Vielleicht sollte er Richie von seiner Entdeckung berichten, schließlich hatten sie vereinbart, einander zu schreiben.

Patricia zögerte und schien noch auf eine ausführlichere Antwort ihres Sohn zu warten; gab es dann aber auf. „Na, dann werden es wohl ein paar Katzen gewesen sein“, seufzte sie, setzte sich wieder, überprüfte den Sitz ihrer Lockenwickler und widmete sich abermals ihrer Zeitung.

Nachdem sie gefrühstückt hatten, der Abwasch erledigt und Simons Lunchpaket für die Reise gerichtet war, schlenderte dieser zur Regentonne. Kopfüber hing er nun, mit strampelnden Beinen, über der verbeulten Tonne, die verdeckt von einem verwilderten Ligusterbusch hinter dem Haus stand.

Mühsam fischte er die bunten Glaskugeln aus dem trüben Wasser und ließ sie in einem kleinen braunen Lederbeutel verschwinden. Viel Regenwasser hatte sich glücklicherweise nicht in der Tonne gesammelt, so dass er einigermaßen trocken wieder aus ihr hervorkroch.

Er sah an sich herunter: „Gott sei Dank, alles noch sauber“, seufzte Simon erleichtert. Seine Mutter hätte nämlich keineswegs gezögert, ihn sich noch einmal umziehen zu lassen. Und dazu hatte er nun überhaupt keine Lust.


„Ich muss Richie anrufen!“ schoss es ihm durch den Kopf. „Ich muss ihm von meiner Entdeckung berichten!“


Simon sprang die Treppe zum Haus hoch, zwei Stufen auf einmal nehmend. Als er in der Diele stand, lauschte er kurz. Seine Mutter schien sich oben im Bad ihren Lockenwicklern zu widmen. Er ging zu dem kleinen, runden Holztischchen neben der Treppe, auf dem das Telefon stand und wählte die Nummer der Familie Dawson. Nach dem dritten Klingeln wurde abgenommen und er hörte die etwas schrille aber freundliche Stimme von Emma Dawson, Richies Mutter.

„Ja, bitte“, meldete sie sich.

„Guten Morgen, Mrs. Dawson. Hier ist Simon. Darf ich bitte mit Richie sprechen?“

„Simon, Junge, das ist aber schön, dass du dich noch einmal meldest“, begrüßte sie ihn fröhlich. „Ich dachte du wärst schon auf dem Weg zu deiner Tante. Oder fährst du erst morgen? Hast du schon gepackt, wie geht es Patricia?“ Die Fragen schossen nur so aus ihr heraus.


Etwas überrumpelt antwortete Simon: „Ähm, ja, heute. Ich fahre heute. Ich wollte vorher unbedingt noch mit Richie sprechen!“

„Richard, Richard!“, rief Emma Dawson nun durch das ganze Haus. „Einen kleinen Moment bitte noch, Simon. Er ist gleich da. Riiichaard! Simon ist am Telefon. Beeil dich, er hat nicht viel Zeit!“, rief sie jetzt so laut, dass wohl auch die Nachbarn mitbekommen haben dürften, das er am Telefon war.


Simon hörte wie Richie die Treppe hinunter gestürmt kam und Emma Dawson, die flüsternd sagte: „… dann kannst du ihm die gute Nachricht ja gleich selbst übermitteln.“

„Ja, Mum, danke“, schnaufte Richie völlig außer Atem und riss seiner Mutter auch schon den Hörer aus der Hand, noch bevor diese Simon sagen konnte, er möchte seiner Mutter bitte die allerbesten Grüße ausrichten.

„Hallo Simon“, keuchte Richie in den Hörer.

„Ich muss dir etwas erzählen“, beeilten sich beide gleichzeitig ihre Neuigkeiten loszuwerden.

„Ok, du zuerst“, sagte Simon.

„Was hat deine Mutter mit guten Nachrichten gemeint?“, hakte er neugierig nach.

„Du wirst es kaum glauben“, fing Richie bedeutungsvoll an.

„Mein Vater wird in den Ferien auf eine Forschungsreise gehen und ich darf ihn begleiten“, teilte Richie seinem Freund aufgeregt mit. Simon stöhnte innerlich laut auf und fragte sich, was an dieser Neuigkeit denn gut sein sollte.

Richies Vater, Professor Gerald Dawson, war Biologe und als Leiter der Forschungsabteilung für einen Pharmakonzern tätig. Es überraschte Simon nicht wirklich, dass Professor Dawson sich wieder einmal auf die Reise machte, um in den entlegensten Winkeln dieser Welt nach noch unbekannten Pflanzen zu suchen. Was Simon allerdings wunderte war, dass Richie seinen Vater dieses Mal auf eine solche, nicht ganz ungefährliche Expedition begleiten durfte.

„Wir fahren ins Exmoor, wo er die Vorkommen bestimmter Flechten und Moose mit denen im Dartmoor vergleichen will“, riss Richie Simon aus seinen Gedanken.

„Jedenfalls versucht er nachzuweisen, dass die „Opegrapha fumosa“, eine überaus seltene Flechtenart, nicht ausschließlich endemisch im Exmoor beheimatet ist“, schloss Richie stolz seinen kurzen Exkurs in die heimische Flora.


„Ihr fahrt ins Exmoor?“, fragte Simon ungläubig nach, bei dem der Groschen langsam zu fallen begann.

„Ja, ist das nicht super?“, jubelte Richie, sprang in die Luft und wäre vor Freude fast über Daphne, die dicke Katze der Dawsons, gefallen, die schnurrend um seine Beine strich.

„Wir werden in einer kleinen Pension in Ilfracombe wohnen“, fuhr er fort. „Verstehst du? Das heißt, wir könnten die Ferien miteinander verbringen und eine Menge Spaß haben, Simon. Wir fahren Mittwoch in aller Frühe los“, erzählte Richie, ganz aus dem Häuschen.

„Oh Mann, Richie, das ist ja Klasse!“, rief Simon begeistert.

„Du wolltest mir doch auch noch etwas erzählen“, erinnerte Richie ihn.

„Simon, bist du fertig? Wir fahren in fünf Minuten los, sonst verpasst du noch deinen Zug“, kam die zur Eile mahnende Stimme seiner Mutter aus dem Bad.

„Ja ok, Mum, ich beeile mich!“, rief Simon nach oben.

„Richie, ich muss noch ein paar Sachen zusammensuchen. Ich erkläre dir alles am Mittwoch. Wir treffen uns um 15:00 Uhr, vor Mr. Twiggles Eissalon, in Ilfracombe.

„Super, ist gebongt“, erwiderte Richie. „Ich kann sogar mein Fahrrad mitnehmen, hat Dad gesagt. Wir nehmen den Lieferwagen aus seinem Labor“, erklärte Richard, froh darüber, sich in Ilfracombe nicht irgendeinen rostigen Drahtesel ausleihen zu müssen.

Sie beendeten das Gespräch und Simon rannte hastig die Treppe hinauf. Es konnte nicht schaden, das Album und die Schiffsbilder mitzunehmen, entschied er und freute sich riesig darauf, mit seinem besten Freund die Ferien verbringen zu können. Nachdenklich glitt sein Blick über den Schreibtisch. Das runde, helle Etwas lag noch immer dort und schimmerte in der Morgensonne. Er betrachtete es abermals eingehend und strich mit den Fingern über die glatte Oberfläche. Obwohl er fieberhaft über die Herkunft dieses merkwürdigen Plättchens nachdachte, wollte ihm eine einleuchtende Erklärung für dessen plötzliches Erscheinen auf dem Dach nicht einfallen.

„Was bist du?“, fragte er nachdenklich. Aber noch gab das kleine schuppenähnliche Ding sein Geheimnis nicht preis.

Simon seufzte. Zusammen mit Richie würde er bestimmt noch dahinter kommen. Also verstaute er das magisch schimmernde Plättchen nebst Fotoalbum und Fotos in einem Seitenfach seiner Reisetasche, schnappte diese und rutschte das Treppengeländer hinunter, in die Diele.

Die Ferien versprachen jetzt schon ein Riesenabenteuer zu werden und er freute sich zusehends auf die Zeit, die er mit Richie in Devon verbringen durfte; von Tante Abygales köstlichen Blaubeerkuchen und Ingwerplätzchen, die sie immer frisch zu backen pflegte, einmal ganz abgesehen. Er war nun abreisebereit und konnte es kaum erwarten, in Portsmouth Harbour in den Zug zu steigen.

Simon Knox und die Prophezeiung Asragurs

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