Читать книгу A votre santé - Karl L. Holtz - Страница 9

Supervision und Coaching sind Beratungsformen im beruflichen Kontext

Оглавление

Präzisere Unterschiede, bezogen auf die Klientel, macht demgegenüber die Gesellschaft für Supervision und Coaching e. V. Berlin:

Supervision ist ein professionelles Beratungsangebot, mit dem Ziel, die Qualität beruflicher Arbeit zu sichern und weiterzuentwickeln.

In einem vertrauensvollen Dialog zwischen Supervisor/in und Supervisand/in werden aktuelle Themen und Fragen, schwierige Situationen und Konflikte aus dem beruflichen Handlungsfeld reflektiert und Lösungsoptionen entwickelt.

Coaching ist ein der Supervision entsprechendes Beratungsangebot, das sich speziell an Führungs- und Leitungskräfte richtet. Im Mittelpunkt der Beratung stehen vor allem Themen des Managements und der Personalführung.

Wenn wir zusammenfassend versuchen, zentrale Bestimmungsstücke des Coachings herauszustellen, dann finden wir bei nahezu allen Definitionen Übereinstimmung darüber, dass

 ▸ Coaching eine besondere Form von Beratung ist

 ▸ diese sowohl Prozess- als auch Expertenberatung sein kann

 ▸ diese personenzentriert ist, d. h. zwischen Individuen stattfindet und Aufträge bzw. Ziele von Individuen zum Gegenstand hat

 ▸ es sich hierbei vorwiegend um berufliche Themen handelt.

Wenn Individuen Hilfe bei ihren konkreten Handlungsvollzügen benötigen, lässt sich eine Spezifizierung im Beratungsprozess wie folgt darstellen:

Wenn anzunehmen ist, dass die Hilfesuchenden über die Kompetenzen verfügen, die Herausforderungen ihres (beruflichen wie privaten) Lebens eigenständig zu meistern, dies aber durch innere wie äußere Bedingungen gegenwärtig nicht eigenständig schaffen, dann ist Beratung die geeignete Unterstützungsform (ansonsten ist an Anleitung, Begleitung, Therapie, Training etc. zu denken; zur Systematik möglicher Hilfesysteme siehe u. a. Ludewig 1992, S. 123).

Bezieht sich das Anliegen vornehmlich auf einen beruflichen Kontext, dann bieten sich als mögliche Beratungsformate Supervision oder Coaching an.

Wie die beiden Formate Supervision oder Coaching voneinander abzugrenzen sind, wird gegenwärtig noch eingehend diskutiert und hängt auch mit dem historischen Selbstverständnis beider Angebote zusammen: Supervision ursprünglich als Unterstützungssystem im beruflichen Kontext sozialer Berufe, Coaching als Weiterentwicklung von spezifischen Trainingsansätzen im Sport, welche auch Persönlichkeitsentwicklung einbezogen. (Der Coach war ursprünglich der Kutscher, der dafür zu sorgen hatte, dass die Pferde sicher und wohlbehalten das Ziel erreichten.) Aufgrund der spezifischen Förderung von Spitzensportlern setzte sich zunächst der Anspruch durch, Coaching vor allem zur »Unterstützung von Personen mit Führungs-/Steuerungsfunktionen« (s. Definition der DBVC) zum Zwecke der Leistungsoptimierung einzusetzen. Supervision demgegenüber schien eher die Methode der Wahl, wenn es sich um Probleme, Konflikte oder Beeinträchtigungen in den Arbeitsabläufen von ausführenden Individuen oder Teams handelte.

Auch wenn sich inzwischen die Einsicht durchgesetzt hat, dass beide Formate im beruflichen Kontext unabhängig von der Besoldungsstufe ihre Berechtigung haben, hält sich doch mehr oder weniger ausgesprochen die Auffassung, dass beide berufliche Beratungen sind – das Coaching nur eben die elitärere, teurere Variante. Dies schlägt sich unter anderem in Vergleichen nieder wie: »Coaching verhält sich zu Supervision wie eine wendige Yacht zu einem Luxusliner« (Pohl 2019, S. 3).

Coaching ist der Champagner, Supervision der wärmende, besinnlichere Portwein. Beide führen nach hinreichendem Zuspruch dazu, die Welt anders zu sehen, alte Gewissheiten infrage zu stellen sowie sich wieder zuversichtlicher und handlungsfähiger zu fühlen. Viele Konsumenten werden den Weg zu den neuen Erkenntnissen irgendwie als unterschiedlich erleben, Champagner mag herausfordernder wirken, Port wärmt, tröstet und stärkt die Zuversicht, dass man durch eigenes Zutun auch missliche Lagen verändern kann. Diese Unterscheidung mag an den Erwartungen an das Getränk, am Kontext und – vielleicht zu einem geringeren Teil – an der Art des Weines liegen.

Da ich ungern mit meinen Weinerfahrungen in Beratungssituationen gehe, habe ich mir (und wir vom ILBS3) folgende Unterscheidungsmerkmale überlegt, wie ich die beiden Beratungsformate je nach Kontext und Fragestellung vorschlage:

» Coaching ist eine entwicklungsorientierte Form der Beratung und Begleitung, die berufliche und private Inhalte umfassen kann und auf Freiwilligkeit, Vertraulichkeit und der gegenseitigen Akzeptanz von Coach und Coachee basiert.

Entwicklungsorientiert meint vorrangig die zielbezogene Stärkung und Erweiterung personaler, emotionaler und sozialer Kompetenzen. Dies soll den Coachee dabei unterstützen, kontextbezogene Ziele zu entwickeln und sein individuelles Handlungspotenzial zu größerer Entfaltung zu bringen. Somit wird er befähigt, bestehende und zukünftige Problem- und Konfliktsituationen eigenständig lösen zu können sowie gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen zieldienlicher und auf eine dem individuellen Potenzial angemessenere Weise zu bewältigen.

Das Coaching wird in Form einer begrenzten Reihe von Sitzungen durchgeführt und nimmt dabei Bezug auf kontextbezogene Problem-, Konflikt- und Herausforderungssituationen des Coachee. Im Vordergrund steht jedoch weniger die Veränderung dieser Situationen in spezifischen Kontexten. Diese werden vielmehr als Orientierungspunkte bei der Entfaltung und Veränderung individueller Handlungsmöglichkeiten gesehen und bewusst nicht auf Einzelsituationen oder -kontexte reduziert« (Holtz 2017).

Supervision schlage ich vor allem dann vor, wenn weniger die Entwicklungsorientierung von Individuen oder Teams im Vordergrund steht, sondern die konkrete Veränderung von Problemlagen oder Konflikten im beruflichen Kontext. Es versteht sich von selbst, dass es zwischen beiden Beratungsformaten fließende Übergänge gibt. Es ist jedoch hilfreich, diese Übergänge im Prozess wahrzunehmen – zu wissen, welchen Hut man gerade aufhat –, da sich hieraus veränderte Angebote an den Klienten (z.B. Aspekte der Anleitung, Begleitung etc.) ergeben.

Wenn ich zu Hause mit Freunden eine Weinprobe vorbereite, richte ich mich in der Auswahl zum einen nach den Vorlieben und Erwartungen meiner Gäste. Zu einem zufriedenstellenden Verlauf des gemeinsamen Abends gehört jedoch auch, dass ich darlege, was mich vor diesem Hintergrund dazu bewogen hat, die vorgestellten Weine auszusuchen. Gegebenenfalls biete ich auch Speisen an, die den Wein noch einmal in einem anderen Licht erscheinen lassen. Und jeder Gast hat natürlich die Möglichkeit, meine Auswahl für sich zu akzeptieren oder sich an dem einen oder anderen Vorschlag nicht zu beteiligen. Und wenn ich nun noch hinreichend zurückhaltend mit meinem Angebot bin (ein Kurzzeitberater würde sagen: Wenn ich nicht mehr tue, als nötig ist), dann kann ein solcher Abend gelingen. Diese Zurückhaltung bezieht sich natürlich auch auf meine Wertungen und die Darstellung meiner Vorlieben, d. h. auch darauf, wie groß meine Redeanteile an dem Abend sind.

A votre santé

Подняться наверх