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2. Das Märchen vom neuen Gott
ОглавлениеVor langerlanger Zeit lebte in einem Dorf ein Mädchen namens Efa. Ihre Eltern waren früh verstorben und sie war von ihrer Großmutter aufgezogen worden.
Zu ihrer Zeit war das Leben / Überleben noch schwieriger als zu Zeiten von Efa.
Von ihr bekam Efa dadurch viel Wissen über Essbares mit, was andere Dorfbe- wohner nicht wussten oder was angeblich als „ giftig“ angesehen wurde, wie z.B. die Vogelbeeren. - Das Dorf selbst lag in einer bergigen Gegend. Andere Dörfer lagen etwa eine Tagesreise entfernt und nur durch Trampelpfade verbun-den, wie heute noch z.B. in Nepal. Die Bewohner waren so arm, dass sie keine Steuern oder Abgaben zahlen konnten / brauchten.
Die armselige Hütte von Efa lag am Rande des Dorfes, aber meist lebte sie fernab vom Dorf in einem Weidenzelt. Dort fertigte sie auch ihre Korbwaren,
die sie später im Dorf gegen Nahrungsmittel eintauschte. So war es für sie ein-
facher, zumal das Sammeln von Beeren, Pilzen, Obst, Esskastanien, und vieles
mehr ergiebiger war. - Hier im Tal hatte sich der Gebirgsfluss ein breiteres Flussbett geschaffen mit Sandbänken in der Trockenzeit und es gab Stellen, wo man dann zum anderen Ufer durchwaten konnte. Eines Tages, sie hatte gerade erfolgreich gefischt, traf sie dort einen jungen Mann. Er kam von weit her und war auf den Rückweg zu seinem Fischerdorf, welches zwei Tagesreisen entfernt war und wo dieser Fluss ins Meer mündete. Sie fanden Gefallen aneinander und so blieb Atam bei Ihr. Er konnte viele Geschichten erzählen, unter anderen die von Kai und Apel (oder so ähnlich). - Gerne hätte Atam sie mit in sein Dorf genommen um sie zu heiraten, aber Efa konnte sich nicht von ihrer vertrauten Gegend, ihrer Heimat, loslösen. So musste sich der traurige Atam alleine wieder auf den Weg machen, auch wenn beiden der Abschied sehr schwer fiel.
Als Efa bemerkte, dass sie schwanger war, entschied sie sich, ein größeres Wei-
denzelt unter dem Felsvorhang zu bauen. Sie wusste, dass sie geächtet würde.
Aber dass auch ihr Kind von den anderen geächtet würde, konnte sie einfach
nicht verstehen: Wo war denn dessen Schuld? - (Gedankenstrich !) Falls es ein
Knabe würde, wollte sie ihn in Gedenken an ihren verlorenen Liebsten auch „Atam“ nennen. Doch dann gebar Efa Zwillinge - beides Knaben. So entschied sie sich für „Kai“ und „Apel“ in Erinnerung von Atams Erzählungen.
Die beiden Jungen waren gesund und wurden grösser und grösser. Beide ver-
trugen sich gut, schienen sehr intelligent und einen guten Charakter zu haben.
Eine gute Freundin von Efa holte nun die fertigen Körbe ab, um sie im Dorf zu verkaufen. Efa war eine Künstlerin und ließ es sich nicht nehmen, jedem Korb ein eigenes Muster einzuflechten, was den Kunden im Dorf sehr gefiel. Kam die
Freundin mit den Körben ins Dorf zurück, so wirkte sie immer sehr glücklich.
Das machte die Leute stutzig und sie wurden neugierig. So kam es, dass die
kleine Familie doch entdeckt wurde. Aber die beiden fröhlichen Buben erober-
ten die Herzen aller und so war auch Efa in ihrem Dorf wieder gerne gesehen.
Mit der Zeit kannten sie alle essbaren Pflanzen, Früchte und Pilze und auch wie
man sie zubereiten musste. Brachten sie etwas mit, was Efa noch nicht kannte
aber nutzbar erschien, so probierte Efa immer erst ein kleines Stück, ob es giftig sein könnte aber auch um eine geeignete Zubereitungsart zu finden. So
hatte sie manchen ungenießbaren Pilz durch mehrmaliges Abkochen doch noch
essbar machen können. - Doch eines Tages starb Efa unverhofft, ob es an dem
Stück Pilz lag, war nicht sicher. - Für die beiden Knaben, inzwischen etwa zehn
Jahre alt, brach eine Kindheitswelt zusammen - plötzlich mussten sie erwachsen
sein. Der Dorfrat entschied, dass Kai die Schafe im hügeligen Umland und Apel die Ziegen in den Bergen hüten könnte. Für beide begann nun eine ungewohn-
te Zeit, waren sie doch getrennt und konnten sich nur selten sehen. Alleine in
der Natur lernten sie diese nun noch besser kennen - vor allem das Wetter.
War man sich im Dorf mit der Wetterentwicklung nicht sicher, so besuchte man gerne Kai, der ja in den nahen Hügeln leicht zu finden war. Eigentlich war Erntezeit, aber das Wetter war ungünstig gewesen in diesem Jahr. Zu viel
Regen, zu wenig Sonne und alles zur falschen Zeit - die Ernte würde mager aus-
fallen. Da kam gutes Wetter auf und man hätte noch gerne mit dem Abernten
gewartet. Also besuchte der Dorfrat Kai bei seinen Schafen, um dessen Mei-
nung einzuholen. Auch Kai freute sich über dieses Wetter und er war sich sicher, dass es noch Tage halten würde. Aber diesmal hatte er sich geirrt! -
Eine ungewöhnliche Wetterlage - bereits am nächsten Tag brach ein Unwetter
los und vernichtete die ganze Ernte. Kai verstand die Welt nicht mehr -
brauchte er auch nicht - die aufgebrachten Bauern setzten ihm arg zu und schließlich schlugen sie ihn tot. - Sie hatten fast die ganze Ernte verloren - die Hungersnot im kommenden Winter war vorhersehbar und Kai war schuld daran. Apel hörte von dem Unglück erst viele Tage später.
Nun war Apel allein. Not würde er nicht erleiden, auch wenn er nun dieses Jahr Kein Getreide für das Hüten der Ziegen erwarten konnte. Eva hatte durch
ihr Wissen Apel ein Überleben auch in solchen Zeiten ermöglicht - er hatte gut
vorgesorgt. Aber er ahnte, dass nun die Dörfler ihn wegen Wettervoraussagen aufsuchen würden und wusste von der Gefahr einer Fehleinschätzung. Die Leute
vom Dorf trauten sich nachts nicht aus dem Dorf heraus, hatten Angst vor
wilden Tieren und glaubten auch an Geistern. - Das war die Lösung!
So erfand er den „Wettergott“! - Nicht er würde das Wetter voraussagen, Sondern der Wettergott, aber durch seinen Mund. Bei einem Irrtum wäre er damit schuldlos. - In der Nähe seiner Wohnhöhle stand eine gewaltige Eiche, die nun für unantastbar und heilig erklärt wurde. Davor gab es einen größeren, flachen
Stein - auch dieser wurde für sein Vorhaben eingespannt. Er wollte sich für die
Wettervorhersage „bezahlen“ lassen. Eines Tages beobachtete er, wie sich einige Leute auf dem Zick-Zack-Weg zu ihm hinaufbemühten. Da holte er schnell die schönsten Früchte aus der Höhle und legte sie auf diesen Stein. Als nun die Besucher aus dem Wald hinaustraten, wo sie Apel sehen konnten, fing dieser an, sich vor dem Stein zu verbeugen, hob die Arme in die Luft und murmelte
Unverständliches. Die Leute waren darüber sehr verwundert und baten Apel um
Auskunft für sein seltsames Verhalten. So konnte er ihnen nun vom Wettergott erzählen, dem er gerade die Früchte opfern wollte. Wie vermutet, wollten sie wegen eines Festes Auskunft über das Wetter. Sofort klaubten sie ihre Weg-
zehrung zusammen und legten sie auch auf den Stein. Daraufhin murmelte Apel weiter seine unverständlichen Sprüche und konnte dann die Gesellschaft mit einer guten Voraussage glücklich, aber hungrig ziehen lassen. - Apel hatte die Welt verstanden!
Er war jetzt etwa zwanzig Jahre alt, gesund und gut aussehend. Leider hatte er
sich ausgerechnet in die Tochter des Dorfvorstehers verliebt. Diese war sehr angetan von Apel und in großer Sorge, dass ihr Vater sie mit jemandem aus dem Dorf verheiraten würde, der ihm noch mehr Reichtum und Ansehen ver-
schaffen könnte. In keinen von diesen Kandidaten konnte sie sich verlieben.
Dort, in den Felsen, wo der Fluss durch eine Schlucht in das breite Tal austrat,
hatte Apel eine Höhle entdeckt. Ein ideales Liebesnest auf halber Strecke zwischen Dorf und Apels Wohnhöhle. Immer wenn Isis, so hieß die Tochter, Pilze
oder Beeren sammeln sollte, trafen sie sich dort. Apel hatte dann bereits einen
vollen Korb mitgebracht und so fanden sie genügend Zeit für gemeinsame Stun-
den. Danach dann, wenn Apel wieder alleine in seiner Wohnhöhle lag, zerbrach
er sich den Kopf über ihrer beide Zukunft.
Eines Tages bekam Apel Besuch von einem Fremden. Er war über die Berge ge-
kommen aus dem Fischerort am Meer. Dies war sehr ungewöhnlich, gab es doch keinerlei Wege oder Pfade dorthin. Sie kamen ins Erzählen und unter- hielten sich über das Wetter. Dabei bekam Apel den Eindruck, dass der Fremde ziemlich intelligent und klug war. Er besuchte auch das Dorf und kam dann mit den Einheimischen zurück, die von Apel die Wetterentwicklung erfahren wollten. Nach der Zeremonie ließ der Fremde sich diese von Apel erklären. Dabei bekam Apel das Gefühl nicht los, dass dieser ihm nicht glaubte, ja womöglich gar den Trick mit dem Wettergott durchschaute. - Immerhin hatte der Fremde vorher die Wetterentwicklung ebenso richtig vorhergesagt und das ohne einen Gott !
Nach einigen Tagen verließ der Fremde die Gegend wieder in Richtung Meer.
Die Menschen im Dorf waren froh, dass dieses Jahr die Ernte sehr gut ausfallen
würde. Durch das Unwetter im letzten Jahr litten sie große Not im Winter und einige waren sogar verhungert. Apel hatte den Winter dank dem Wissen seiner
Mutter Efa gut überstanden. Besonders die vielen Vogelbeeren, die nach einem
Frost besonders gut schmeckten, hatten ihm das Überleben erleichtert. Auch Isis
wurde von Apel in ihrem Liebesnest verwöhnt und brauchte Keinen Hunger lei-
den. Nur für ein dauerndes Zusammensein hatten sie noch keine Lösung gefun-
den.
Die gute Ernte war eingebracht. Da erschien der Fremde vom Frühjahr erneut,
allerdings jetzt als Anführer von einer Kriegerhorte. Er stellte sich als Fürst Igor vor. Ein prächtiger roten Mantel und ein goldener Helm hoben ihn von dem Rest der Krieger ab. - Apel teilte er mit, dass er vom Dorf Tribut in Form von Getreide und Tieren fordern will ansonsten er sich diese erkämpfen würde. Ver- schmitzt deutete er an, dass sein „Kriegsgott“ stärker wäre als sein sogenannter Wettergott. Zum Beweis dafür ließ er die „heilige Eiche“ fällen. - Apel fühlte sich ertappt.
Für ihn war es klar, dass die Truppe den Männern im Dorf weit überlegen sein würde. Diese konnten lediglich mit Pfeil und Bogen umgehen, die sie für die Jagd, aber auch zum Zeitvertreib im Wettkampf benutzen. - So schienen ihm alle Träume zerronnen und er fühlte sich so schlecht wie nie. - Igor zog dann mit seiner Streitmacht zum Dorf, um seine Bedingungen kund zu tun und die Frist festzulegen. Angesichts der Menge der Krieger und ihrer Bewaffnung war der Dorfrat für die Erfüllung des Tributes. Sie wollten Zeit gewinnen, um sich im nächsten Jahr kriegerisch vorzubereiten.
Doch das einfache Volk war entschlossen, sich zu wehren - sie wollten auf diese gute Ernte nicht verzichten und ein zweites Jahr Hunger erleiden. Vor allem die
Bogenschützen wollten sich beweisen und lieber sterben als den Forderungen
nachzugeben. Sie errichteten Barrikaden für die Schlacht am nächsten Morgen.
Der Fluss führte zu dieser Jahreszeit nur wenig Wasser und so gab es große
Sandbänke. Ein idealer Platz für das Nachtlager von Igors Kriegern, zumal die
steilen Hänge einen eventuellen Angriff des Gegners verhinderten. Abends stieg
Igor nochmals zu Apel hoch, um ihn noch weiter zu ärgern. Großspurig legte er
den Prachtmantel auf Apels Altarstein - „für den Sieger“ ! Morgen würde er sich den Mantel wieder abholen. Darauf verließ er Apel wieder um zu seinen Leuten zurückzukehren.
Besonders die jungen Frauen versteckten sich einzeln oder in kleinen Gruppen in den umliegenden Wäldern - sie wollten nicht zur Beute werden.
Auch Isis durchwatete den Fluss und versteckte sich in der kleinen Höhle - ihr „Liebesnest“. Von hier aus konnte sie das Lager in der Ferne beobachten und
versuchte, die Anzahl der vielen Krieger zu zählen. Auch sie verstand, dass der
Kampf morgen böse ausgehen würde und war verzweifelt. - Zwar schien der Mond, aber sie traute sich nicht, zu Apel aufzusteigen. Damals war die Nacht
den Menschen unheimlich und man vermied Haus und Dorf zu verlassen. Der
Mond schien so hell, dass er die Sterne überstrahlte. Die Nacht war lau und
keine Wolke verdeckte das Mondlicht.
Plötzlich durchbrach ein lautes Brausen die Stille der Nacht! - Isis beobachtete, wie aus der Schlucht riesige Wassermassen sich in das breite Flussbett er- gossen. Ein Unwetter war fernab, hinter den Bergen, niedergegangen und das ganze Wasser musste sich nun durch die schmale Schlucht zwängen. Im nu wurde die Sandbank überflutet. Die Strömung war so stark, dass niemand gegen sie ankam. Die fremden Krieger, ja das ganze Lager, wurde in die nächste Schlucht, die zum Meer führte, mitgerissen. Diese Schlucht hatte zahlreiche Stromschnellen und Wasserfälle. - Das würde niemand überleben.
Es war die Rettung! - Isis überwand ihre Furcht vor der Nacht und eilte zu
Apel, um ihm von der unerwarteten Wendung zu berichten. Zwar hatte er das Brausen auch vernommen, aber er konnte sich keinen Reim dazu machen. Nun
war aus tiefer Niedergeschlagenheit ein Tag des Triumpfes geworden und er
wollte dies gut ausnutzen. - Weg mit den verschiedenen Göttern - nur noch
e i n e n G o t t sollte es geben, dem man zu Ehren einen Tempel bauen müsse mit einer Priesterin, der schönsten und vornehmsten Jungfrau vom Ort, mit der er natürlich seine liebe Isis meinte.
Ganz früh am Morgen machten sich beide auf den Weg ins Dorf. Da dieses zu weit weg vom Fluss lag, hatten die Bewohner von dem Unglück in Igors Lager nichts mitbekommen. Der Fluss floss wieder ruhig dahin und die Sandbänke waren frei und ohne jede Spur vom Lager. - Am andern Hochufer fanden sie zwei Krieger, die Wache geschoben hatten. Sie standen noch immer unter Schock und übergaben Apel bereitwillig ihre Schwerter. Den einen schickte Apel
In sein Fischerdorf zurück. Er sollte dort von der Katastrophe berichten, die das
Kriegsvolk erlitten hatte und ankündigen, dass Apel in Kürze in Freundschaft zu
ihnen an die Küste kommen würde, mit Getreide zum Tausch gegen Wein. Der andere Überlebende sollte dabei als Wegführer dienen. Igor hatte ja die Esel bei Apel zurückgelassen, um später die Kriegsbeute zu transportieren
Dann stolzierte Apel, angetan mit dem Prachtmantel, Schwert und Helm in das Dorf. Dort verkündete er die frohe Botschaft von der Rettung des Dorfes durch den neuen Gott. - Obwohl er eigentlich nichts getan hatte, wurde er jetzt zum Held erklärt und man war nur zu bereitwillig, alle seine Forderungen zu erfüllen.
Igor hatte ihm damals von steinernen Tempeln erzählt. Apel hatte aber keine Vorstellung von solchen Gebäuden und von Säulen. Das alles wollte er bei der Reise an die Küste ausfindig machen.
Am liebsten wären die Bogenschützen nach „ihrem Sieg“ gleich zum Fischerdorf gezogen, um es denen heimzuzahlen. Man belud die Esel mit der entbehrlichen Menge von Getreide, um damit zu tauschen. Doch die Bogenschützen wollten unbedingt mit der Karawane mitziehen. Sie dachten wohl an die vielen jüngeren Frauen, die nun ohne Männer wären.
Der Tross kam durch die Führung des anderen Kriegers gut voran. In der Nähe des Fischerdorfes trafen sie auf einige verängstigte Frauen. Diese berichteten, dass Piraten den Ort überfallen haben und nun den Weinvorrat zum Schiff bringen würden. - Schnell wurde ein Plan gemacht und die Bogenschützen ver- steckten sich im Schilf am Weg, der vom Dorf zum Schiff führte. Als nun die Piraten ihre Weinfässer an ihnen vorbeirollen wollten, wurden sie aus nächster Nähe beschossen - fast jeder Schuss ein Treffer. Gegenwehr war zwecklos, da sie alle betrunken waren.
Jetzt hatte Apel nicht nur den Wein sondern auch noch das Schiff dazu. - Die Frauen vom Dorf waren überglücklich und zeigten das auch den Bogenschützen. Apel hatte vor, hier ein Fort zu errichten und einige Männer hierzulassen. - Um das Schlimmste abzuwehren, entschied Apel, dass die Männer, die hier zeitweise Dienst tun, nun auch zwei Ehefrauen haben durften - eine hier im Fischerdorf und eine daheim. - Apel übernahm das Schiff und ließ alle Ruder- sklaven frei. Einige von ihnen wollten hier im Dorf bleiben - wohl auch wegen den Frauen, deren Männer umgekommen waren. Andere wollten zurück in ihre Heimat, wieder andere ließen sich auf dem Schiff anwerben. Von ihnen erfuhr er auch, an welchen Orten es Tempel gebe würde. So legte er die Route mehr zu diesen Orten fest.
Vorher gab es ein großes Fest - natürlich ein Weinfest! - Die Weinernte muss im letzten Jahr sehr gut gewesen sein, die Weinkeller waren voll. Außer den vielen Fässern, die die Piraten zum Schiff gerollt hatten, blieb noch Wein
zum Tausch gegen Getreide und natürlich zum Siegesfest. Apel lernte den herr-
lichen Wein kennen. Wie von seiner Mutter, Efa, gelernt, probierte er zunächst
kleine Mengen. Er stellte fest, dass die Frauen viel früher als die Männer einen
Rausch bekamen. Am eigenen Leib lernte er alle Rauschzustände kennen. Wieder nüchtern, sann er auf Abhilfe des zu großen Genusses. So erfand er ein kleines
„Damengefäß“ und ein größeres „Herrengefäß“ und Wein sollte es nur zum Fest in seinem Tempel geben. Damit wollte er später den Tempelbesuchern, nach-dem sie im richtigen Maße getrunken und in der rechten Stimmung waren, höhere Opfergaben entlocken.
Dann segelte er los, zu einer Stadt, dessen Tempel schöne Säulen haben sollten
und der den Menschen sehr gefiel. Dort angekommen musste er lernen, dass man hier „Zoll“ bezahlen musste, wenn man seinen Wein verkaufen wollte.
Das merkte er sich für später. Auch ihm gefiel der Tempel gut, vielleicht etwas
zu groß. Es gab sogar Tempeltänzerinnen - auch eine gute Idee. Er versuchte, viel von den dortigen Riten zu erfahren und was hier die Menschen glaubten.
In seinem Dorf glaubte man, dass man nach dem Tod zu seinen Ahnen ging,
ohne weiter nachzudenken. Hier aber gab es eine Hölle und ein Paradies!
Auch das war eine gute Idee und er wollte darüber nachdenken. Hier gab es
sogar Geldmünzen aus Silber und Gold, was den Handel sehr erleichterte. Er
beschaffte sich einen Bauplan vom Tempel und verpflichtete einen Baumeister.
Auf der Rückfahrt träumten Apel und Isis von den vielen Möglichkeiten, die sich
ihnen nun bieten würden. - Wieder daheim im Dorf angekommen, konnten sie sich bereits würdevoll benehmen und die Achtung der einfachen Leute stieg ins
Unermessliche.
Der Bau des Tempels wurde mit dem Münzgeld aus dem Weinverkauf und auch mit den Opfergeldern bezahlt, teils war es Ehrensache beim Bau mitzuhelfen. So entstand das erste Steingebäude in dieser Gegend, welches die Zeit über-
dauern würde, imposant und auch ein Anziehungspunkt für die anderen Dörfer der Umgebung. Die Menge der Opfergaben wuchs und wuchs! Auch die Hoff- nung , nach dem Tode in ein Paradies zu kommen, ließen sich die Menschen einiges kosten - Münzgeld, Naturalien, Grundstücke, usw. Obwohl der Unterhalt
des Tempels viel Geld verschlang, auch Isis trug nun Prachtkleider und die Musikerinnen und Tempeltänzerinnen kosteten viel, wurde der Tempel und mit ihm Apel immer reicher. Unbewusst hauchte Apel dem selbsterfundenen Gott
„Wirklichkeit“ ein !
So hatten Isis und Apel ein herrliches Leben und lebten glücklich miteinander.
Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute !
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( Und das alles nur, weil Apel nicht wie Kai enden wollte ! )
Zwischendurch ein Witz vom „Nah-Tod“
Eine Frau mittleren Alters hat eine schwere Operation vor sich. Und dann passiert es - Herzstillstand! - Nah-Tod-Erfahrung: Einem Tunnelblick - weißes
Licht geht an und der liebe Gott kommt langsam auf sie zu. Mit Elektro-
schock bringen die Ärzte das Herz wieder zum Schlagen. Langsam geht der
liebe Gott rückwärts zurück. Die Frau - geistesgegenwärtig - fragt schnell:
„Lieber Gott, sage mir, wie lange ich noch leben kann ?“ Gott antwortet:
„40 Jahre, 2 Monate, …..“ - den Rest konnte sie nicht mehr verstehen.
Operation gelungen. Wieder gesund, ließ sie sich in die Schönheitsabteilung
verlegen. Nasenkorrektur, Liften, Fettabsaugen, ideale Brüste, und, und, und.
Alles gut verheilt. Bevor sie die Klinik verließ, ein letzter Blick in den Spiegel:
Ja - so wollte sie schon immer mal aussehen!
Überglücklich verlässt sie die Klinik, will die Straße überqueren, passt nicht auf,
ein Bus - patsch - mausetot! - Wieder geht im Tunnel das weiße Licht an und der liebe Gott kommt langsam auf sie zu. Schon vom Weiten ruft sie ihm zu:
„Aber lieber Gott, Du hattest mir doch versprochen, das ich noch mehr als 40 Jahre leben könne !“ - Der liebe Gott stutzt, bleibt stehen und meint dann:
„Dumm gelaufen - aber ich hab dich wirklich nicht wiedererkannt !“