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Prolog
ОглавлениеAuch nach dem Abzug Konstantin III. funktionierte die restliche militärische Verwaltung im römischen Britannien weiter:
Coellius, der Dux Britanniarum, befehligte die Reste der Grenztruppen und ihre Kastelle am Hadianswall.
Radolf, der Comes Litoris Saxonici per Britanniam befehligte noch die Kastelle und Grenztruppen an der Süd- und Südostküste. Da seine Soldaten größtenteils aus Sachsen bestanden, mit denen ihn, nach germanischem Brauch, eine besondere Gefolgschaftstreue verband, hatte Konstantin von ihnen nur wenige rekrutieren können.
Dagegen hatte der Usurpator alle Schiffe der Classis Britannica für die Überfahrt requiriert.
Auch die römische Zivilverwaltung in Britannien war noch intakt. An der Spitze stand Uurtigernius,
der Vicarius, dem die fünf Privinzstatthalter
unterstanden.
Von den Schiffen kamen nur die Quinquereme, eine der Triremen und zwölf der Biremen zurück. Allen anderen Schiffen hatte Konstantin III. die Rückkehr verboten und die Mannschaften zwangsrekrutiert. Diesen vierzehn Schiffen war es nur deshalb gelungen, den Hafen von Bononia wieder zu verlassen, weil sie die Vorhut gewesen waren und der Kommandant, kaum das Konstantins Soldaten von Bord waren, wieder abgelegt und Bononia verlassen hatte, bevor Konstantin selbst mit seiner Hauptstreitmacht in Bononia ankam und an Land ging.
Astolf, der Praefectus Classis der römischen Flotte in Britannien fluchte:
„Er hat uns fast ein Viertel unserer Mannschaften und mehr als die Hälfte unserer Schiffe gestohlen.“
„Ja und ohne ausreichend viele Schiffe können wir auch die Küstenverteidigung nicht mehr aufrechterhalten. Wir haben zwar immer noch genügend aktive Soldaten im Süden, müssen aber jetzt die Verteidigung der Küste stärker an Land organisieren.“
Uurtigernius warf noch einen Vorschlag in die Runde:
„Warum bitten wir nicht den römischen Kaiser Honorius in Ravenna um Hilfe“
Radolf sah ihn überrascht an.
„Nachdem Britannien die Usurpation Konstantin III. unterstützt hat?“
„Und wenn wir uns von Konstantin III. lossagen? Immerhin hat er uns völlig wehrlos zurück gelassen.“
Coellius unterstützte diesen Vorschlag sofort:
„Ohne ausreichende Truppen des Felsheeres kann ich die Grenze im Norden nicht halten. Wenn die Pikten und Scoten aus Caledonia nach Süden vorrücken kann ich mich mit den wenigen Grenztruppen nur zurückziehen oder im Kampf sterben.“
Radolf und Astolf stimmten zu. „Wir sind einverstanden Uurtigernius, schicke ein solches Schreiben nach Ravenna und bitte Honorius um Hilfe. Doch ich bin skeptisch, ob er uns Hilfe schicken wird. Wir sollten deshalb auch, wie vorhin angesprochen, unsere Küstenverteidigung verstärken.“
Radolf machte bereits Pläne, wie sie das bewerkstelligen könnten.
„Wir werden stärker auf Wehrdörfer setzen und die uns verbliebenen Soldaten an der Küste an strategisch günstigen Positionen stationieren müssen, dass sie ein möglichst großes Stück der Küste absichern können.“
Sie verlegten sechs der zwölf Biremen und die Quinquereme an die Südküste nach Portus Lemanis. Die anderen sechs Biremen blieben in Rutupiae, mit der Trireme als Führungsschiff.
„Um schnell auf große Zahlen einsatzfähiger Soldaten zu kommen, müssen wir die Bewohner der Dörfer und Siedlungen an der Küste in einem viermonatigen Wechsel in den Grundzügen des Umgangs mit Waffen und der Verteidigung ausbilden,“ schlug Radolf weiter vor.
„Nach der Ausbildung an den Waffen kehren sie in ihre Dörfer und Siedlungen zurück und befestigen sie. Ferner schlage ich vor, dass sich die Ortschaften nach ihrer Ausbildung in der Verteidigung einen erfahrenen Feldwebel aussuchen, der bei ihnen wohnt, sie weiter ausbildet und im Falle eines Angriffs befehligt.“
So schnell wie möglich setzten sie ihre Pläne in die Tat um. Anfangs konzentrierten sie ihre Aktivität auf die küstennahen Dörfer und Siedlungen und auf die britonischen Stämme dieser Region. Hier sahen die meisten Bewohner die Notwendigkeit einer solchen Ausbildung schnell ein und machten bereitwillig mit, vor allem die Bewohner der kleineren Siedlungen, die direkt an der Küste lagen.
Bei ihnen hatte sich nämlich inzwischen herum gesprochen, wie effektiv die gemischten britonisch-sächsichen Siedlungen in der Abwehr von Piratenangriffen waren.
So wurde diese Aktion ein Erfolg und besonders in den Küstenregionen würden sich künftig angreifende Piratenbanden an den dortigen Ortschaften die Zähne ausbeißen.
Die Zahl der bewaffneten Männer, die im Bedarfsfall einberufen konnten, stieg innerhalb einer kurzen Zeit stark an.
Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Im Spätherbst versuchte eine Gruppe von zehn friesischen Piratenschiffen mit mehr als vierhundert Angreifern, eine Ortschaft an der Südküste Kents anzugreifen. Sie waren mit Leichtigkeit nachts an den wenigen im Kanal patrouillierenden Biremen vorbei gekommen und landeten abends an der Küste, in der Nähe einer größeren Ortschaft. Im Schutz der Dunkelheit schlichen sie sich an den Ort heran und wollten ihn stürmen.
Aber ausgerechnet die Einwohner dieses Ortes hatten sich einen sehr erfahrenen Feldwebel ausgesucht und ihn gebeten, sich in ihrem Ort anzusiedeln. Sie hatten einen guten Grund dafür. Ihre Siedlung lag ganz in der Nähe der Küste und nur knapp eine Stunde Fußmarsch vom Strand entfernt. Bereits zweimal waren sie in der Vergangenheit von Piraten überfallen worden. Jetzt wollten sie die Hilfe eines erfahrenen Soldaten in Anspruch nehmen, um sich gegen weitere Überfälle besser verteidigen zu können.