Читать книгу Love still - Katie Weber - Страница 8
Cage
ОглавлениеDumm. Ich kam mir unglaublich dumm vor, auch nur eine Sekunde lang ernsthaft geglaubt zu haben, Alexis hätte es endlich verstanden.
Ich wollte sie nicht sehen. Und genauso wenig wollte ich mit ihr reden. Nicht, wenn es nichts mit Josie zu tun hatte.
Die Chance hatte sie endgültig verspielt und ich hatte es satt, mich in ihrer Gegenwart wie ein verdammter Idiot zu fühlen – denn nichts anderes war ich für sie scheinbar.
Mag sein, dass es nur der Schmerz war, der aus mir sprach und gegen den ich nichts machen konnte. Doch sie hatte mich nicht nur verletzt, sie hatte mich genau dort getroffen, wo es scheiße nochmal am allermeisten wehtat.
Und jetzt versuchte sie ernsthaft, sich mir wieder anzunähern?
Anders konnte ich nicht erklären, wieso sie heute Abend gekommen war. Sie musste gewusst haben, dass ich hier sein würde. Für wen sonst hätte sie wohl dieses Kleid angezogen?
Das Kleid.
Es hatte mich völlig aus der Fassung gebracht.
Wieso zur Hölle hatte sie es an? Weswegen besaß sie es überhaupt noch? Scheiße, es war so viele Jahre her, seit ich sie das letzte Mal darin gesehen hatte und jetzt ...
In mir drin brodelte es gewaltig.
Ich war verwirrt, fühlte mich vor den Kopf gestoßen, wütend – gleichzeitig überrascht und unsicher. Unsicher, weil der Anblick von ihr in diesem Kleid so viel in mir auslöste, dass ich gar nicht mehr wusste, was auf einmal mit mir los war und weswegen mich das alles so dermaßen aufwühlte.
Am liebsten wäre ich auf der Stelle gegangen, hätte mir Olive geschnappt und wäre mit ihr abgehauen, um mich wieder daran zu erinnern, wer ich war und was ich seit einigen Monaten mühevoll versuchte loszuwerden und hinter mir zu lassen.
Seufzend starrte ich auf die glühenden Kohlen in Shawns riesigem Barbecue-Grill, als ich bemerkte, wie es langsam zu schneien begann.
Perfektes Timing!
Warum? Weil es mich erneut an Alexis erinnerte. Sie liebte frisch gefallenen Schnee.
»Wer war die Kleine von eben?«, riss Olives Frage mich aus den Gedanken und ich zuckte beinahe zusammen, weil mir bewusst wurde, dass sie mich die ganze Zeit über angesehen haben musste.
Ahnte sie etwas?
Ich versuchte zu lächeln und log. »Nicht wichtig.«
Olive glaubte mir natürlich nicht und musterte mich durchschauend. »Ich meine, wer ist oder war sie für dich, Cage. Früher einmal. Ich habe doch gesehen, wie du auf sie reagiert hast.«
Hatte ich das – auf Alexis reagiert?!
»Ist sie eine Verflossene?«, bohrte Olive weiter, als ich noch immer nichts sagte, und traf damit voll ins Schwarze.
Ich seufzte erneut und ergab mich ihren Fragen. Sie würde es ohnehin irgendwann erfahren.
»Sie ist ... die Verflossene, wenn du die Wahrheit willst«, stieß ich leise aus und hoffte, ich musste nicht mehr dazu erklären. Denn darauf hatte ich gerade nun wirklich keine Lust.
Noch immer war ich verwirrt und wusste nicht, wohin mit meinen vielen, unterschiedlichen Gefühlen. Ich konnte nur hoffen, Olive sprach mich nicht auch noch darauf an.
»Sie ist also die Mutter deiner kleinen Tochter«, flüsterte sie auf einmal leise, als sie begriff, was ich ihr zu sagen versuchte. »Sie ist Alexis, Josies Mom. Oder?« Olives Augen waren geweitet und sie wirkte sichtlich überrascht. Sogar mehr als das.
»Wieso bist du so schockiert?«, fragte ich irritiert. »Du wusstest, dass die Möglichkeit besteht, dass sie heute herkommen könnte.«
Olive stieß sanft die Luft aus ihren Lungen aus und sah mich mit einem nervösen Lächeln an. »Ich hatte wirklich gehofft, sie wäre ... nicht ganz so hübsch.«
Ich schluckte und biss mir stumm auf die Zunge.
Darauf würde ich ganz sicher nichts erwidern. Denn auf solche Aussagen gab es in dem Fall keine richtigen Antworten.
Scheiße nochmal, ja, Alexis war hübsch. Jeder Blinde konnte das sehen. Sie hatte diese gewisse, natürliche Schönheit, die so verflucht selten war. Und eine Ausstrahlung, die absolut jeden in den Bann zog. Selbst Olive war das nicht entgangen.
Natürlich nicht.
Dennoch – oder gerade deswegen – musste ich mit meinen Aussagen jetzt vorsichtig sein und ihr irgendwie klarmachen, dass Alexis für mich nichts weiter war, als Josies Mom. Eine andere Bedeutung hatte sie nicht mehr in meinem Leben. Das hatte sie sich selbst kaputtgemacht.
»Mach dir über Alexis bitte keine Gedanken«, beruhigte ich sie und hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn. »Sie bedeutet mir schon lange nichts mehr. Ganz im Gegensatz zu dir.«
Olive lächelte unsicher. »Und weshalb bist du dann so wütend auf sie?«
Ich schnaubte. »Das bin ich nicht.«
»Enttäuscht?« Olive sah mich durchdringend an und mir wurde klar, dass sie mir meine innere Zerrissenheit schon seit dem Moment ansah, als sie Alexis und mich zusammen in der Küche entdeckt hatte.
Und wer weiß, vielleicht hatte sie sogar unser Gespräch mitgehört und wollte mich jetzt nur testen?
Angespannt sog ich die Luft ein und stieß sie wütend wieder hinaus. »Was willst du jetzt von mir hören, Olive? Du kennst die Geschichte zwischen Alexis und mir schließlich. Oder? Du weißt, was sie mir angetan hat und wie lange sie meine Tochter vor mir verschwiegen hatte. Was glaubst du, wieso ich also nicht gerade gut auf sie zu sprechen bin, hm?«
Olive nickte verstehend und strich mir liebevoll über die Wange. »Ist das auch wirklich der einzige Grund, Cage? Geht es dabei nur um Josie oder ist da mehr? Ich frage das auch nur einmal, versprochen.«
Ich wusste, sie spürte es, genauso wie ich es spürte – die erniedrigenden Zweifel. Und doch wollte ich nicht daran glauben und endlich nach vorne sehen.
Ich wollte Alexis aus meinem Herzen verbannen – ein für alle Mal. Deswegen fiel es mir zu meiner Überraschung auch nicht sonderlich schwer, die folgenden Worte laut auszusprechen: »Alexis bedeutet mir nichts. Sie ist nur Josies Mutter. Und meine Tochter ... sie ist alles, was zählt.«
Nach diesem Gespräch mit Olive war es mehr als unangenehm mit Alexis den ganzen Abend an einem Tisch oder auf demselben Sofa sitzen zu müssen.
Nur zwei Dinge machten die Situation jedoch noch schlimmer, als sie für mich ohnehin schon war: Zum einem war ich nicht allein hier – Olive saß die ganze Zeit neben mir und ließ mich keine Sekunde aus den Augen. Genauso wie Tray, der natürlich auch heute hier war, neben Alexis saß und den wiederum ich kaum eine Sekunde aus den Augen lassen konnte, auch wenn ich wusste, dass es nicht nur völlig bescheuert war, sondern noch dazu aussah, als wäre ich eifersüchtig.
War ich aber nicht. Wieso auch?
Er und Alexis waren zwar vor einiger Zeit mal ein Paar, doch das war schon lange her und scheinbar war es auch nicht sonderlich ernst, sonst hätte ihre Beziehung sicher länger gedauert als nur ein paar Monate.
Trotzdem ließ der Gedanke daran mich jedes Mal erneut die Hände zu Fäusten ballen und meine Brust zog sich schmerzhaft zusammen.
Tray und Alexis hatten etwas miteinander geteilt, von dem ich lieber niemals erfahren hätte, dass sie es sich geteilt hatten.
Ich wollte all diese Bilder nicht in meinem Kopf, wollte nicht daran denken, wie sie ...
Scheiße, ich musste dringend damit aufhören, mir die beiden zusammen vorzustellen! Doch jetzt, in diesem Augenblick, war das nur ziemlich schwer zu kontrollieren und Tray machte es mir zudem auch wirklich nicht leicht, mich zu beherrschen.
Wieso starrte er sie den ganzen Abend schon so komisch an? Lief da vielleicht doch noch etwas zwischen ihnen? Hatten sie mich belogen?
Wäre ja nicht das erste Mal.
»Babe, möchtest du noch einen Drink?«, riss mich die süß säuselnde Stimme meiner Freundin aus den Gedanken, als ich gerade dabei war, mich in etwas hineinzusteigern, das mich mit Sicherheit in Schwierigkeiten gebracht hätte.
Mit zusammengepressten Lippen und hartem Blick sah ich sie an und schüttelte den Kopf.
Ich hätte sie nicht hierher mitnehmen dürfen. Schließlich hatte ich bereits die Ahnung, dass Alexis ebenfalls hier sein würde. Und Tray sowieso. Er war, genau wie ich, einer von Shawns besten Freunden. Und ebenso auch meiner – ganz egal, was zwischen ihm und Alexis war.
Ich konnte es ihm nicht verübeln, dass er sich in sie verknallt hatte. Wie könnte ich auch? Immerhin ging es mir einmal ganz ähnlich mit ihr ...
Hätte sie mich niemals angelogen und mir vier Jahre lang meine Tochter verheimlicht, wer weiß, was dann aus uns beiden geworden wäre?
Doch hätte, wenn und aber ... das alles zählte nicht, denn die Wahrheit tat verdammt nochmal weh. Der Schmerz saß zu tief und das Vertrauen war gebrochen – so sehr ich mir wünschte, es wäre nicht so.
Ganz egal, welche alten Gefühle Alexis in mir weckte, die ich mit aller Kraft zu unterdrücken versuchte, die Wut und die Enttäuschungen der letzten Jahre überwogen und machten es mir unmöglich, ihr näher zu kommen.
Bei Olive war das anders. Bei ihr musste ich nicht ständig Angst haben, die nächste Lüge aufgedeckt zu bekommen oder erneut enttäuscht zu werden. Olive war anders. Sie verstand mich und kam aus derselben Branche wie ich. Sie wusste genau, was ich brauchte und wann man mich besser in Ruhe ließ. Sie kannte mich mittlerweile gut genug, um ihr mein Vertrauen zu schenken. Und ich vertraute ihr sogar so sehr, dass ich ihr vor ein paar Wochen von Josie erzählt hatte.
Olive war nach meinem Trainer und natürlich den Anwälten die Einzige aus meinem beruflichen Umfeld, die wusste, dass ich Vater einer kleinen Tochter war. Sie kannte die ganze Geschichte zwischen mir und Alexis und sie verstand, wie es sich für mich angefühlt haben musste. Und wie es sich seitdem noch immer jeden Tag für mich anfühlte.
Dennoch hatte ich ihr Josie bisher nicht persönlich vorgestellt. Ich wollte nicht, dass meine Kleine eine andere Frau an meiner Seite sah – noch nicht zumindest.
Ich wusste, früher oder später war es unumgänglich und sie würde irgendwie damit zurechtkommen müssen. Genauso wie sie damit klarkommen musste, wenn ihre Mom eines Tages einen neuen Mann nach Hause bringen würde. Doch solange das nicht der Fall war, wollte ich nicht der erste sein, der ihre kleine, bis jetzt so heile Welt ins Wanken brachte. Ich wollte nicht das Monster sein, das ihren Traum, Mommy und Daddy eines Tages wieder glücklich zusammen zu sehen, zerstörte.
Sie war noch so klein. Und so verdammt unschuldig. Josie konnte nichts dafür, dass ich Alexis nicht mehr näherkommen wollte. Es war nicht ihre Schuld und sie sollte es nicht ausbaden müssen, was allein ihre Mutter verbockt hatte.
»Du bist schon den ganzen Abend so sehr in Gedanken versunken. Stimmt etwas nicht?«
Ich fühlte mich ertappt und senkte den Blick, als ich Olives intensives Mustern auf mir spürte. Auch wenn es nur eine Frage war, so war ich mir sicher, sie wusste genau, dass etwas nicht stimmte. Und ich war mir sogar sicher, dass sie ganz genau wusste, was es war und woran – oder an wem – es lag.
Weshalb sonst hätte sie mir all diese Fragen vorhin gestellt, nachdem sie Alexis zum ersten Mal begegnet war?
»Alles in Ordnung. Ich habe nur an morgen gedacht. Alexis wollte Josie zu mir bringen und ...«
»Und du möchtest nicht, dass ich dann bei dir bin«, vervollständigte sie den Satz und lächelte verständnisvoll, während ich mich plötzlich ziemlich mies fühlte.
»Du weißt, ich will sie nicht überfordern«, versuchte ich mich hart schluckend zu erklären. »Sie hat erst seit ein paar Monaten endlich ihren Vater bei sich, den sie ihr Leben lang vermisst hat und jetzt ...«
»Ist schon gut, Cage. Ich verstehe das«, unterbrach Olive mich erneut und legte ihre Hand an meine Wange, bevor meine Lippen von ihren verschlossen wurden und sie mich liebevoll und sanft küsste.
Ich schloss die Augen und blendete für einen Moment lang alles um uns herum aus, um endlich wieder durchatmen und die kreisenden Gedanken abstellen zu können.
Doch als Olive sich wieder von mir löste, ich die Augen öffnete und den Blick hob, traf ich für den Bruchteil einer Sekunde auf den von Alexis und mein Herz geriet ins Stolpern.
Ihre Augen schimmerten und ich war mir nicht sicher, ob sie feucht waren – verräterisch feucht.
War sie etwa ... verletzt?
Schwachsinn! Dazu hatte sie keinen Grund. Und schon gar kein Recht.
Kalt funkelte ich sie an und erhielt Resignation zurück.
Enttäuscht lehnte Alexis sich auf ihrem Platz zurück und seufzte hörbar schwer, bevor sie hart schluckte und sich wieder den anderen zuwandte, die gerade dabei waren meine derzeit nicht ganz so erfolgreiche Karriere zu analysieren.
Sie wollten mir nur helfen und mir bei meiner demnächst ausstehenden Entscheidung den Rücken stärken, mir Mut einreden, die Mannschaft zu wechseln und sozusagen einen Neustart zu wagen, doch ... Das kam für mich schon lange nicht mehr in Frage.
Ich hatte es satt, für den Sport, für meinen Beruf, aus meiner Heimat wegzuziehen und die Menschen im Stich und allein zu lassen, die mir die Welt bedeuteten und mein Leben lebenswert machten. Ich wollte nicht wieder wegziehen, mich an eine neue Stadt, neue Menschen, ein neues Team gewöhnen müssen, wollte keine neuen Verträge, die mich fesselten und knebelten und mich in einen Käfig steckten, der am Ende sowieso nur dazu führte, dass ich das, was ich wirklich liebte, nicht ausleben konnte.
Hockey war meine Leidenschaft, das war es schon immer. Doch unter diesen Bedingungen wollte ich all das nicht mehr.
Ich hatte einen anderen Plan, doch ich hatte keine Ahnung, ob er für mich umsetzbar war. Außerdem war ich mir nicht sicher, was die anderen dazu sagen würden und ob ich das alles überhaupt konnte. Ich wusste nicht, wie ich das schaffen sollte oder ob es richtig war, doch ich hatte große Lust darauf, es herauszufinden.
Olive allerdings würde es nicht gefallen, so viel war mir immerhin bewusst. Sie würde es hassen und mich von meinem Plan abbringen wollen.
Ironischerweise wusste ich im selben Moment jedoch auch, dass Alexis die Idee lieben würde ...
Und wäre dieser Gedanke nicht so traurig, würde ich jetzt wohl darüber lachen.