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Phasen der psychologischen Untersuchung
ОглавлениеIn der klinischen Psychologie folgt das ausführliche psychologische Untersuchungsverfahren diesen Phasen:
1. Anamneseerhebung und Aufgabenformulierung
Die Untersuchung beginnt mit dem Studium der medizinischen Dokumentation und einem Gespräch mit dem behandelnden Arzt, um die diagnostischen Aufgaben zu präzisieren. Liegt keine ärztliche Überweisung vor, erhebt der klinische Psychologe eigenständig die Anamnese und erkundet den psychischen Zustand des Patienten im Rahmen eines klinischen Interviews. Wird der Patient mit einer konkreten diagnostischen Hypothese überwiesen, erfolgt die Anamneseerhebung bereits mit dieser fokussierenden Ausrichtung. Selbst wenn bereits eine psychologische Stellungnahme vorliegt, führt der Psychologe ein eigenes Interview durch, da die Ergebnisse variieren können.
2. Durchführung der Untersuchung
Die Zuverlässigkeit der Untersuchung hängt von der Einstellung des Patienten und der Fähigkeit des Psychologen ab, einen produktiven Kontakt herzustellen. Mit dem experimentellen Teil wird erst begonnen, nachdem der Psychologe den notwendigen Rapport – eine besondere Vertrauensbeziehung – sichergestellt hat.
Rapport bezeichnet eine feinfühlige Abstimmung des Psychologen auf den Patienten, die mit Beginn der Konsultation einsetzt. Zur Herstellung dieses Rapports nutzen klinische Psychologen Techniken des nonverbalen Spiegelns (Körperhaltung, Atmung) sowie der verbalen Anpassung (Angleichung an Sprechtempo und Tonfall des Patienten, Verwendung seiner Wortwahl). Dies erzeugt beim Patienten ein unbewusstes Gefühl von Komfort und Sicherheit, fördert die Entspannung und baut Vertrauen auf.
Nach Etablierung des Rapports beginnt der Psychologe mit dem pathopsychologischen Experiment. Die Instruktion muss klar und motivierend sein. Während der gesamten Untersuchung beobachtet der Psychologe kontinuierlich das Verhalten des Patienten und analysiert es durch die Linse einer professionellen Verhaltensanalyse – der Verifikation von Emotionen und Intentionen. Maximale Konzentration ist erforderlich, da bereits die Art der Aufgabenannahme Aufschluss über das Ausmaß seiner Adäquatheit, Aktivität und emotional-volitionalen Ressourcen geben kann. Besonderes Augenmerk gilt der Motivation des Patienten und der subjektiven Bedeutung der Untersuchung für ihn.
Der Interaktionsprozess mit dem Patienten während der Diagnostik gliedert sich strukturell in zwei miteinander verbundene Teile: