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Kapitel 1

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Um in Strapsen und in diesen winzigen Fetzen von BH und Slip durch die Wohnung zu laufen, war es eigentlich viel zu kalt. Julie rieb sich die nackten Unterarme. Hoffentlich kam Stefan bald. Sie lächelte bei dem Gedanken an ihn. Wahrscheinlich würde er sich direkt auf sie stürzen. Und sie würde ihm ungeduldig das Hemd aus der Hose zerren, begierig ihn zu spüren. Der Gedanke löste einen Vorgeschmack wohliger Hitze aus.

Endlich! Sie hörte das Einparken eines Autos, und kurz darauf das Klappern der Haustür. Wie sie es geplant hatte, platzierte Julie sich bäuchlings auf dem Bett, das Kinn auf die angewinkelten Arme gestützt. Wie gut, dass sie Stefan vor zwei Wochen einen Schlüssel gegeben hatte.

Die Wohnungstür wurde geöffnet, mit einem dumpfen Geräusch ein Mantel an den Kleiderhaken im Flur gehängt.

»Julie? Bist du da?«

Sie überlegte, ob sie schweigen und warten sollte, bis er sie von sich aus fand. Aber die Vorstellung, dass er ohne zu suchen erst in die Küche oder gar zur Toilette ging, war unromantisch. Daher beschloss sie, dieser Möglichkeit lieber entgegen zu wirken.

»Ich bin hier.«

»Oh«, sagte Stefan, als er das Schlafzimmer betrat.

Lasziv veränderte Julie ihre Position, so dass er einen guten Blick auf ihren flachen Bauch und die schlanken Beine hatte. »Willst du dich nicht zu mir legen?«

Ein Grinsen schlich sich auf sein Gesicht und er kam näher. »Netter Empfang.«

»Ich bin heute etwas eher gegangen.« Tatsächlich war sie schon seit Mittag zu Hause. Da sie nur noch eine Woche bei Chemielogics beschäftigt sein würde, hatte man sie gebeten, die noch vorhandenen Überstunden zu nehmen.

Stefan kam zu ihr aufs Bett und blieb aufrecht sitzen, während Julie die Knöpfe von seinem Hemd öffnete und die Krawatte lockerte. Als Bankangestellter war er stets perfekt gekleidet.

Und irgendwie steif. Im Ganzen. Steif an einem Körperteil fand Julie ja prima, aber Stefan bewegte sich mitunter, als habe er einen Stock im Ar… Dabei war alles, was mit diesem Körperteil zu tun hatte, eine Praktik, die er rund weg ablehnte.

»Hattest du viel Stress heute, Schatz?«, fragte Julie und schob ihre Hand unter das geöffnete Hemd. Ihre Finger glitten über nachwachsende, pieksende Haare. Sie musste ihn unbedingt daran erinnern, sich bald die Brust zu rasieren. Aber das hatte Zeit bis nach dem Sex.

»Wie üblich«, erwiderte er. An seiner Stimme ließ sich nicht erkennen, ob seine Worte der Wahrheit entsprachen. Vermutlich aber schon. Jedenfalls in Stefans Augen, denn seiner Ansicht nach war er der einzige in Deutschland, der wirklich arbeitete, je gearbeitet hatte und zukünftig arbeiten würde. Was Julie machte, tat er als Spielerei ab, sie schaute halt ein wenig durch ein Mikroskop … Was sollte da schon wichtig dran sein? Sie hatte längst aufgegeben, ihn vom Gegenteil zu überzeugen.

»Du bist ein bisschen verspannt«, raunte sie, drückte sich so an ihn, dass er ihre Brüste an seiner Schulter spüren konnte und begann seinen Nacken zu massieren.

Einen Moment lang ließ er sie gewähren, dann schob er sie von sich. »Was ist nun mit deinen Stellenangeboten, hast du dich schon entschieden?«

Überrascht von seiner Frage sah Julia ihn an. Sie hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass er ausgerechnet in dieser Situation über die vorliegenden Angebote sprechen wollte.

Sherwood Enterprises hatte ihr die Leitung der Chemie-Abteilung in seiner schottischen Filiale angeboten. Sie waren nicht die einzigen Werber. Auf Julies Schreibtisch lagen noch drei andere Briefe mit äußerst verlockenden Stellenangeboten.

Wildbach-Chemie bot ihr eine Stelle im Schwarzwald, inklusive Wohnung und eigenem Reitpferd. Auch das in Aussicht gestellte Gehalt konnte sich sehen lassen. Doch der Wildbach-Konzern war bekannt für seine streng konservative Linie. Dort würde Julie ihre eigenen Ideen nicht umsetzen können.

»Also … was ist nun?«, hakte Stefan nach.

Julie zog die Beine unter sich. Sein drängender Ton vertrieb auch die letzten Reste von sexueller Lust. Um noch einen Augenblick zu haben, bevor er sicher lospolterte, befeuchtete sie sich die Lippen. Es würde Stefan nicht gefallen, wenn sie ihm ihre Entscheidung mitteilte. Allerdings konnte sie auf seine Gefühle keine Rücksicht nehmen. Tat er umgekehrt bei ihren ja auch nicht.

»Ich habe mich für Sherwood Enterprises entschieden. Dort werde ich die meiste Verantwortung und den größten Spielraum bekommen.« Hoffte sie zumindest. Nach Abwägen aller Pro und Contras und dem Befragen ihres Bauchgefühls war sie zu dem Entschluss gekommen, dass diese Firma genau richtig für sie war.

»Das ist dieses Schottland-Dings, nicht?«

Julie fühlte, wie Zorn in ihr aufflammte. »Es ist eine Filiale einer sehr renommierten Firma. Und ja, diese Filiale hat ihren Sitz in Dornie.«

Sie verriet ihm nicht, dass auch sie Dornie erst einmal hatte googeln müssen, als das Jobangebot kam. Es war ein kleines Dorf in den westlichen schottischen Highlands. Was sie an Bildern gefunden hatte und was der Firmenbeschreibung an Fotos beigefügt war, ließ darauf schließen, dass dort nicht gerade Überbevölkerung herrschte. Vermutlich gab es außer den anderen Wissenschaftlern – ihr Kopfkino zeigte ihr blasse, bebrillte Männer jenseits der Fünfzig – nur einige ältere Einheimische, die ihren Lebensabend in der idyllischen Ruhe verbrachten. Und Schafherden! Senioren und Schafe – aber zumindest entspannend.

»Was?«, polterte Stefan ganz unentspannt los.

Die schönen Bilder von blökenden Schafherden und grün bewachsenen Hügeln lösten sich in Luft auf. »Es ist doch nur für sechs Monate. Und für mich eine riesige Chance.«

»Du weißt genau, dass ich mir kein halbes Jahr frei nehmen kann! Und selbst wenn, denkst du ernsthaft, ich würde in solch einem Kaff versauern wollen, nur weil du Chemikerin spielen willst.«

Der Zorn in ihr erreichte das Level von glühender Lava. »Ich habe kein Wort davon gesagt, dass du mich begleiten sollst.«

»Und wie stellst du dir das sonst vor? Meinst du ich habe Lust ein halbes Jahr allein zu sein? Ohne Sex?«

»Ich reise nach Schottland, ja. Nicht nach Afrika oder Australien. Mit dem Flugzeug ist man in wenigen Stunden dort. Du könntest mich besuchen, immer mal wieder für ein Wochenende. Und ich werde sicherlich auch nicht die ganzen sechs Monate am Stück nur dort bleiben.«

»Ich soll wegen dir auch noch laufend fliegen? Was denkst du denn, was das kostet?!«

»Kannst du dir doch locker leisten«, konterte sie. Er gab doch sonst so an mit seinen Reisen, seinem Maybach, und an seinem linken Handgelenk funkelte eine echte Rolex. Zumindest glaubte er, dass sie echt wahr, Julie hatte da ihre Zweifel. Da war so ein Funkeln in den Augen des jungen Verkäufers gewesen, der ihm den Zeitmesser als Schnäppchen angedreht hatte. Nur läppische 3500 Euro hatte er dafür haben wollen.

»Darum geht es doch nicht. Sind dir denn meine Gefühle ganz egal?«

Seine Gefühle? Fragte er denn mal nach dem, was sie wollte, was sie sich wünschte? Wie oft schon hatte sie seinem Willen nachgegeben, wenn es um die Wahl von Restaurants, Kinobesuchen oder sogar Urlaubsplätzen ging.

»Ich sage dir, ich lasse mir das nicht gefallen!« Wie eine Waffe richtete Stefan den ausgestreckten Zeigefinger auf sie.

Langsam lief die Lava aus ihrem Körper, durch ihre Adern und übernahm die Kontrolle. Eine Drohung ging gar nicht!

»Mein Entschluss steht fest!«

»Wenn du nach Schottland gehst, ist es aus zwischen uns!« Stefans Gesicht lief rot an. Er sprang vom Bett und begann im Zimmer herumzutigern.

»Dann weiß ich ja Bescheid«, sagte Julie. Sie wunderte sich selbst über ihre Ruhe und ihren Tonfall. Sie hatte ganz normal gesprochen.

Abrupt blieb Stefan stehen und starrte sie an. »Wie meinst du das?«

»Ich meine, dass ich nun weiß, dass du nicht der richtige Mann für mich bist«, erklärte sie. Ohne auf ihn zu achten ging sie an die Kommode, holte einen knöchellangen Rock und einen Pullover heraus. Beides streifte sie sich über. Schließlich bestand kein Anlass mehr dazu, in Dessous herumzulaufen.

»Weil ich deine spinnerten Ideen nicht bejubel?« Stefan keuchte. Inzwischen war sein Hals rot, und Julie dachte daran, dass er vor Kurzem etwas von Bluthochdruck erzählt hatte und Aufregung Gift für ihn sei.

»Ich erwarte lediglich Toleranz von dir und Respekt vor meiner Arbeit.«

»Arbeit!« Abfällig stieß er den Atem durch die Nase aus. »Das ist doch nur Beschäftigung gegen die Langeweile.«

Julie blieb sachlich. Sie würde mit ihm nicht über ihre Arbeit diskutieren. »Gib mir meine Schlüssel und dann verschwinde. Ich will dich nie wieder sehen.«

Seine blassblauen Augen weiteten sich. »Du setzt mich vor die Tür?«

»Wenn du nicht verstanden hast, was ich gerade gesagt habe, lass mal deine Ohren untersuchen. Den Termin wirst du dann allerdings selbst machen müssen. Ich mache ihn jedenfalls nicht mehr.« Diese Zeiten waren endgültig vorbei. Und auf gar keinen Fall würde sie für ihn ihre Karriere opfern.

»Wirst ja sehen, was du davon hast.« Stefan wühlte in seinen Hosentaschen, schleuderte den Schlüssel auf den Boden, griff im Hinausstürmen nach seinem Mantel und knallte die Wohnungstür, als sei er weiblich und vierzehn.

Desire No. 1

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