Читать книгу Krallenspur - Lara Seelhof - Страница 11

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Kapitel 7

»Du bist ja heute so gut gelaunt«, stellte Grandma fest und betrachtete amüsiert, wie ich mir Kaffee einschenkte.

»Hmmh.«

»Wahrscheinlich liegt es daran, dass du mal ausgeschlafen bist. So früh, wie du gestern im Bett warst«, vermutete sie und ich ließ sie in dem Glauben. Den wahren Grund musste sie nicht erfahren. Noch nicht.

»War müde«, nuschelte ich nur, weil mein Mund voller Obstsalat war. Ich hatte einen Bärenhunger, aber das war nicht weiter erstaunlich. Schließlich hatte ich gestern nur gefrühstückt. Offensichtlich war ich jemand, der nicht nur von Luft und Liebe leben konnte.

»Na ja, kein Wunder nach der sportlichen Anstrengung und deinem Sturz.« Sie sah auf meine verbundenen Handflächen.

Natürlich hatte sie nur einen kleinen Teil meines gestrigen Joggingabenteuers zu hören bekommen.

»Hast du heute irgendwas vor?«

Oh ja, das hatte ich. Ich musste noch jede Menge Hausaufgaben erledigen. Nur, heute erschien mir die Aussicht darauf gar nicht so übel, wenn ich an das Telefonat von gestern Abend dachte. Ich hatte schon im Bett gelegen und darüber nachgedacht, wie es wohl sein würde, Cassian am Montag in der Schule wiederzusehen, als der Anruf der unbekannten Handynummer gekommen war.

»Hallo?«

»Hallo Celia.«

Mein Puls schnellte augenblicklich in die Höhe.

»Hi«, stieß ich atemlos hervor.

»Hab ich dich etwa geweckt?«

»Nein. Ich habe noch nicht geschlafen. Woher kennst du meine Nummer?«

Ich hörte sein leises Gänsehautlachen.

»Hast du schon vergessen, dass du mir keine Fragen stellen sollst?«, erinnerte er mich.

»Gar keine?«

»Nein.«

»Auch nicht, warum du mich anrufst?«

Er lachte wieder. »Okay, die Frage ist erlaubt. Ich hatte Sehnsucht nach dir.«

Mein gehauchtes »Oh« war wenig geistreich, aber ich hatte mich noch nicht daran gewöhnt, dass der coolste Typ unserer Schule ausgerechnet auf mich stand.

»Und darum wollte ich dich auch fragen, ob du nicht vielleicht Lust hast, morgen zu mir zu kommen. Wir könnten erst mal Hausaufgaben machen und dann … mal sehen.«

Und ob ich dazu Lust hatte. Und das »mal sehen« gefiel mir dabei besonders.

»Super«, erwiderte er zufrieden, nachdem wir eine Uhrzeit ausgemacht hatten. »Dann bis morgen. Und … träum schön!«

»Du auch.«

Wieder erklang sein Gänsehautlachen. »Oh ja, das werde ich. Bestimmt!«

Ich unterbrach meine Tagträumereien und antwortete: »Ich glaub, ich werde heute endlich mal meine Hausarbeit anfangen und dazu zu Cassian rübergehen.«

»Cassian?«

»Ja, du weißt doch … sein Onkel und er sind in das Warnerhaus eingezogen.«

»Ach ja, richtig. Macht ihr die Arbeit zusammen?«

Ich schüttelte den Kopf und behauptete, dass Cassians Onkel Bücher zu meinem Thema besaß.

Natürlich hatte sie nichts dagegen. Sie fand es sogar gut, dass ich mich mit dem neuen Nachbarn anfreundete. Die Bewohner dieser Gegend nahmen Fremde nicht gerade mit offenen Armen auf und meist dauerte es Jahre, bis man in Eagle Lake überhaupt einigermaßen akzeptiert wurde. Aber Grandma war anders und deshalb überraschte es mich nicht, als sie vorschlug, dass ich Cassian auch einmal zu uns einladen sollte.

Er musste meinen Wagen gehört haben, denn er erwartete mich schon an der Haustür und mein Herz machte einen kleinen Sprung, als ich ihn dort entdeckte, lässig am Türrahmen lehnend. Er lächelte, nahm mir meinen Rucksack ab und zog mich mit der anderen Hand zu sich.

»Ich hab dich vermisst«, murmelte er rau und küsste mich. Sofort bekam ich weiche Knie.

Im Wohnzimmer brannte das Kaminfeuer und es war angenehm warm nach der kühlen Herbstluft draußen. Eigentlich hatte ich erwartet, dass wir in sein Zimmer gehen würden, aber er entschuldigte sich, dass es nicht aufgeräumt war. Also machte ich es mir auf dem alten Ledersofa bequem, während er mir eine Coke aus der Küche holte.

»Wann lerne ich eigentlich mal deinen Onkel kennen?«, erkundigte ich mich, als er zurückkam und das Glas und die Flasche neben mein Mathematikbuch stellte.

»Meinen Onkel?«

»Ja.«

»Ich wohne allein hier.«

Ich runzelte die Stirn. »Aber dein Onkel hat doch das Haus gemietet. Die Frau des Sheriffs hat’s meiner Grandma erzählt.«

Er setzte sich neben mich auf das Sofa und lächelte. »Ich musste ein bisschen tricksen, weißt du? Die Maklerin hätte mir das Haus bestimmt nicht gegeben, wenn sie gewusst hätte, dass ich allein hier wohnen werde.«

»Aber wie …« Sein Blick ließ mich verstummen und ich seufzte. »Also hast du überhaupt keinen Onkel.«

»Das habe ich nicht gesagt.«

Obwohl ihm das Thema eindeutig unangenehm war, konnte ich nicht anders und fing an zu kichern.

Er sah mich fragend an.

»Ich habe mir nur gerade vorgestellt, dass du ihn im Keller versteckst, weil er in Wahrheit ein uralter, furchtbar lichtempfindlicher Vampir ist«, erklärte ich noch immer lachend. »Eigentlich hätte ich mir das ja denken können, so perfekt, wie du bist, dass du aus so einer Familie stammst. Und wenn ich richtigliege, kannst du es mir ja jetzt auch sagen, oder?« Ich grinste.

»Vampire. Was für ein Quatsch«, brummte er und runzelte die Stirn. »Und perfekt? Pah, ich bin alles andere als das. Und wenn du mich besser kennen würdest, dann wüsstest du das auch.« Die Falte auf seiner Stirn vertiefte sich.

»Doch, bist du. Du kannst im Dunkeln sehen und du hast Doug ganz locker besiegt.«

»So locker war das mit ihm gar nicht. Wie ich schon sagte, ich hatte einfach nur Glück, dass er auf meine Tricks reingefallen ist. Und das mit der Dunkelheit habe ich dir auch schon erklärt.«

»Und wie bist du gestern Abend aus unserem Haus rausgekommen?«

Jetzt grinste er. »Ich dachte, du hast vielleicht keine Lust, deiner Grandma zu erklären, was ein Typ um diese Uhrzeit bei euch zu Hause treibt, und da habe ich mich im Bad versteckt und gewartet, bis ihr in die Küche gegangen seid. Und dann bin ich ganz leise durch die Haustür raus.« Offenbar fürchtete er, ich würde ihm nicht glauben, denn er erzählte mir, worüber Gran und ich gesprochen hatten.

Nein, er war nicht als Fledermaus aus dem Fenster geflogen.

»Und was meinen Onkel betrifft«, seine Miene verdüsterte sich wieder, »ja, es gibt ihn, aber wir verstehen uns einfach nicht besonders. Doch ich schwöre dir, er ist kein Vampir und ich bin auch keiner. Hoffentlich bist du jetzt nicht enttäuscht?«

»Nicht im Geringsten.«

»Gut, und falls du noch Zweifel hast … ich bin absolut feuerfest.« Die Sonne schien durch die Fenster und ließ seine hellen Strähnen just in diesem Moment aufleuchten. »Kreuze machen mir übrigens genauso wenig aus.«

»Und Knoblauch oder Blut?«, ging ich auf sein Spiel ein.

Er schmunzelte. »Hmmh, Knoblauch esse ich gelegentlich, bei Blut bin ich eher abstinent.«

Nachdem wir noch eine Weile so herumgealbert hatten, begannen wir mit unseren Hausaufgaben, auch wenn ich nicht wirklich Lust darauf hatte. Nachdenklich kaute ich an meinem Kugelschreiber und starrte auf die Zahlen vor mir. Es fiel mir schwer, mich auf Mathe zu konzentrieren, wenn er mir so nahe war.

Etwas traf mich am Kopf und ich schreckte auf.

»Hey, hör auf zu träumen.« Er hatte einen zusammengeknüllten Zettel nach mir geworfen. »Je eher wir mit dem Zeug hier fertig sind, desto früher können wir was anderes machen.«

Ich spürte, wie meine Wangen warm wurden. Am liebsten hätte ich das andere sofort gemacht.

Er erriet meine Gedanken offenbar, denn er seufzte. »Danach wäre mir auch mehr, aber leider …« Er vertiefte sich wieder in sein Buch und so riss auch ich mich zusammen und begann, die erste Aufgabe zu lösen.

Zwei Stunden später streckte sich Cassian. »Wie sieht’s bei dir aus?«

Stöhnend klappte ich mein Biologiebuch zu. »Fertig. Und zwar fix und fertig!«

»Das ist aber schade, dann bist du bestimmt auch für meine Überraschung zu müde, oder?«

Augenblicklich kehrten meine Lebensgeister zurück. »Was für eine Überraschung?«

»Wenn ich dir das jetzt verrate, ist es ja keine mehr.«

»Ach, komm schon. Was ist es?«

»Wart’s ab!«, murmelte er geheimnisvoll und erhob sich.

Zunächst sah es aus, als würden wir einen ganz normalen Spaziergang machen. Wir liefen an einem kleinen See vorbei, der etwas entfernt vom Haus mitten im Wald lag und den ich noch nie zuvor wahrgenommen hatte. Doch heute blieb ich stehen und betrachtete die schimmernden Lichtreflexe, die die Herbstsonne auf die Wasseroberfläche malte. Alles wirkte wie verzaubert und ich rechnete fast damit, dass ein farbenprächtiges Seeungeheuer aus der smaragdgrünen Tiefe auftauchen würde.

Cassian lächelte. »Wenn dich der See schon so fesselt, wird dir meine Überraschung hoffentlich genauso gefallen.«

Während wir weiter händchenhaltend durch den Wald spazierten, sog ich die würzige, klare Luft ein. Die Sonne hatte nicht nur den See verwandelt, sie ließ auch das bunte Laub um uns herum in den schönsten Farben leuchten und ich fühlte mich beinahe wie in einem meiner Träume.

Irgendwann bogen wir auf einen kleinen Pfad ein und ich entdeckte ein verwittertes Schild. Jetzt war mir klar, wohin wir unterwegs waren, und etwa zwanzig Minuten später tauchte vor uns tatsächlich die zerklüftete Felsenlandschaft auf, die ich erwartet hatte. Ich kannte das Gebirge, weil wir früher mit der Schule in dieser Gegend gewandert waren, und rechnete damit, dass wir daran vorbeigehen würden, doch er hielt genau auf den Berg zu.

»Du willst aber nicht da rauf, oder?«, erkundigte ich mich und warf einen skeptischen Blick auf die scharfkantigen Steine. Ich hatte zwar nicht direkt Höhenangst, aber Klettern war nicht so mein Ding.

»Hast du etwa Angst?« Herausfordernd grinste er mich an.

»Na ja …«

»Keine Sorge, wir müssen nur ein kleines Stück da hoch.« Er deutete auf einen kaum sichtbaren Felsvorsprung und während ich noch überlegte, wie hoch das »kleine Stück« wohl war, hatte er bereits die Plattform erklommen, die darunter lag. Er hockte sich hin und streckte mir seine Hand entgegen.

Ich zögerte und sah auf meine eigenen, verbundenen Hände.

»Keine Sorge. Ich pass auf deine Hände auf«, versprach er. »Komm. Du schaffst das locker.«

Daran zweifelte ich, aber schließlich wollte ich nicht als Feigling dastehen, also streckte ich zaghaft meine Hand aus.

Als sich seine Finger um mein Handgelenk schlossen, wollte ich meine Füße in eine der Felsspalten setzen, die ich unter dem Vorsprung entdeckt hatte. Doch ehe ich dazu kam, hatte er mich schon zu sich heraufgezogen.

»Gut gemacht«, lobte er mich und als seine Lippen meine Stirn berührten, verschwand das mulmige Gefühl in meinem Magen schlagartig. Ich hoffte, er würde mich richtig küssen, doch zu meinem Bedauern ließ er mich wieder los.

Diesmal war ich zuerst dran. Er hielt mir seine ineinander verschränkten Hände hin. Ich trat mit meinem rechten Fuß hinein und hielt mich an ihm fest, während er mich ohne Mühe so hoch hob, dass ich den Felsüberhang darüber erreichte.

»Es ist gleich geschafft«, hörte ich im nächsten Moment seine ruhige Stimme an meinem Ohr.

»Wie hast du das gemacht?«

Für mich hatte die Wand vollkommen glatt ausgesehen, sodass es ohne Hilfe eigentlich unmöglich schien, auf den Überhang hochzukommen.

»Geklettert«, erwiderte er fröhlich. »Ich heb dich jetzt hoch und dann stützt du dich mit den Händen auf die Kante, aber das meiste mache ich, okay? Keine Sorge, ich halte dich die ganze Zeit fest.«

Ich fühlte seine Hände auf meiner Hüfte und schon hatte er mich hochgehoben. So gut ich konnte, stemmte ich mich nach oben und landete ziemlich unsanft auf meinem Hintern. Schnell zog ich meine Beine an und rutschte so weit wie möglich von dem Abgrund unter mir weg. Mit Grauen dachte ich jetzt schon an unseren Abstieg und aus meiner kauernden Stellung beobachtete ich Cassian, der neben mir auf dem Vorsprung auftauchte. Er war kein bisschen außer Atem und das Ganze schien ihm einen Mordsspaß zu bereiten.

»Du warst wirklich klasse.«

»Und halbtot vor Angst«, murrte ich.

Er ignorierte meine sarkastische Bemerkung und half mir auf die Füße. Es war ziemlich eng hier oben. Mit dem Rücken berührte ich die Felswand und von vorn spürte ich seinen Körper. Sein Gesicht war meinem ganz nahe und einen Augenblick lang glaubte ich, jetzt endlich würde er mich küssen. Doch er schob mich nur ein Stück an der Felswand entlang zur Seite, sodass ich nicht mehr direkt vor ihm stand, und forderte mich auf, mich umzudrehen.

Als ich es tat, bemerkte ich, dass sich direkt vor mir ein kleiner, schmaler Eingang befand. Dankbar, endlich von dem Abgrund wegzukommen, kletterte ich durch den Spalt ins Innere der Höhle. Ein Licht flammte auf und ich sah, dass vor mir ein enger Gang war. Ich wandte mich um und wurde von einem hellen Licht kurz geblendet, bevor Cassian mir die Taschenlampe in die Hand drückte.

»Ich dachte, du würdest zur Abwechslung gerne mal sehen, wohin du läufst.«

»Danke«, antwortete ich und obwohl ich den Boden unter mir jetzt erkennen konnte, war es schön, dass er dennoch meine Hand nahm.

Anfangs versuchte ich mir noch zu merken, ob wir nach links oder rechts abbogen, aber irgendwann gab ich es auf. Außerdem hatte er es eilig und ich musste mich beeilen, um überhaupt mit ihm Schritt zu halten.

Als es vor uns heller wurde, nahm ich an, wir hätten einen anderen Ausgang gefunden. Doch als wir am Ende des Gangs ankamen, erkannte ich, dass sich dahinter eine Höhle befand.

Unwillkürlich hielt ich den Atem an. Wir standen in einer gigantischen Felsenhalle und obwohl sie ganz natürlich gewachsen sein musste, funkelte es überall, als hätte jemand Millionen kleiner Diamanten in die Wände gesteckt - einer leuchtender und schöner als der andere. Aber am meisten beeindruckte mich der kleine See in der Mitte der Höhle. Seine klaren, intensiven Farben waren noch tausendmal schöner als das satte Grün des kleinen Waldsees. Es fiel mir zunächst schwer, seine Farbe überhaupt zu benennen. Hellgrün, hellblau oder doch eher ein leuchtendes Türkis? Bis mir auffiel, dass er seine Farbe ständig wechselte.

Cassian beobachtete mich lächelnd. »Das kommt von der untergehenden Sonne.«

Ich folgte seinem Blick. Direkt über dem See war die Felswand wie eine Kuppel geformt, die in der Mitte offen zu sein schien. Als ich jedoch genauer hinsah, bemerkte ich, dass über der Rundung eine Art milchige Schicht lag. Sie ließ das Licht von draußen wie durch einen Filter herein.

»Was ist das?«, fragte ich hingerissen von dem geheimnisvollen Zauber der Höhle.

»Ich weiß es nicht. Vielleicht ein Bergkristall?«

»Es ist unglaublich schön. Auch die Wände«, flüsterte ich, während ich zusah, wie das Glitzern um mich herum immer mehr verblasste. Schließlich war es nur noch ein dämmeriges Graubraun und der Zauberbann schien gebrochen.

Begeistert wandte ich mich zu Cassian um. »Danke, dass du mich hergebracht hast.« Meine Stimme klang seltsam belegt. »Woher wusstest du, was hier unten ist?«

»Ich bin zufällig drauf gestoßen. Erst habe ich den Eingang entdeckt und die Gänge und dann das hier. Ich bin ziemlich sicher, dass kaum einer in der Stadt diese Höhle kennt.«

»Hoffentlich.« Bei dem Gedanken, dass Touristen durch die Höhle trampelten und die hübschen Steinchen aus den Wänden herausbrachen, schauderte ich. Ich würde bestimmt niemandem etwas von Cassians Kristallhöhle erzählen.

»Ich hatte gehofft, dass es dir gefällt. Aber jetzt gehen wir besser. Es wird schon dunkel.«

Bei dem Gedanken, ohne Tageslicht die Felsen hinunterklettern zu müssen, wurde mir mulmig.

Wieder führte er mich durch die Gänge, doch diesmal kam mir der Weg endlos vor. Die ganze Zeit über hatte ich das Gefühl, dass wir mehr nach unten liefen, und ich fürchtete schon, wir hätten uns verirrt. Aber dann streifte plötzlich ein kalter Windhauch mein Gesicht. Ich leuchtete mit meiner Taschenlampe an Cassian vorbei und entschied, dass dies keinesfalls der Eingang sein konnte, durch den wir hereingekommen waren. Dieser Spalt war eindeutig schmaler.

Cassian schlüpfte elegant durch die Öffnung. Ich folgte ihm etwas mühsamer und landete prompt in einem Busch, der direkt davor wuchs.

»Wieso sind wir diesen tollen einfachen Weg nicht vorhin schon gegangen?«, maulte ich, während ich mir kleine Zweige aus dem Haar pflückte.

Er grinste und angelte nach einem Blatt, das ich übersehen hatte. »Och, das hatte zwei Gründe.«

»Aha, und welche sind das bitte?«

»Ich finde den anderen Weg spannender.«

»Oh ja, allerdings. Spannend ist genau der richtige Ausdruck«, entgegnete ich ironisch. »Und was war der andere?«

»Nun … ich wollte sehen, ob du mir vertraust.« Seine Stimme klang sanft und als ich ihn ansah, stellte ich fest, dass seine grauen Augen im Mondlicht silbern schimmerten.

»Und? Habe ich die Prüfung bestanden?« Meine Stimme klang ein wenig atemlos.

»Beim Klettern auf jeden Fall«, murmelte er rätselhaft und küsste mich.

Krallenspur

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