Читать книгу Widerstand gegen den Nationalsozialismus - Lenelotte Möller - Страница 20

Carlo Mierendorff

Оглавление

Carlo Mierendorff wurde am 24. März 1897 in Großenhain (Sachsen) geboren. Am 10. August 1914 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger in Darmstadt. Nach mehreren Erkrankungen nahm er 1916 in Heidelberg das Studium der Volkswirtschaft auf, wurde aber 1917 noch einmal an der Westfront eingesetzt. Von 1919 bis 1922 setzte er sein Studium fort, ergänzt um Staatswissenschaft und Soziologie, und wechselte dabei von Heidelberg nach Freiburg, dann nach Frankfurt. 1920 trat er in die SPD ein. 1922 promovierte Mierendorff über »Die Wirtschaftspolitik der Kommunistischen Partei Deutschlands«. Danach arbeitete er bis 1924 für den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund. 1928 wurde er Pressereferent im hessischen Innenministerium unter Wilhelm Leuschner, 1930 Reichstagsabgeordneter. Im selben Jahr veröffentlichte er das Werk »Gesicht und Charakter der nationalsozialistischen Bewegung«.

Vom aggressiven Auftreten der Nationalsozialisten ließ sich Carlo Mierendorff nicht einschüchtern. Am 6. Februar 1931 kam es bei der Aussprache über den Haushalt im Reichstag zu einer heftigen Attacke gegen Joseph Goebbels:

[Zu Beginn von Mierendorffs Reichstagsrede schickte sich Goebbels an, den Saal zu verlassen.] Haben Sie den Mut und bleiben Sie einmal hier, Herr Dr. Goebbels, und stehen Sie Rede und Antwort, wenn ein Kriegsteilnehmer zu Ihnen spricht, damit wir sehen, ob Sie es wagen können, einem Kriegsteilnehmer ins Auge zu schauen.

(Zurufe des Abgeordneten Dr. Goebbels)

Um Ausreden sind Sie niemals verlegen gewesen; das wissen wir. Aber damit ist auch das Urteil gesprochen, daß Sie wieder einmal das Weite suchen. […]

Als Herr Dr. Goebbels noch gemeinsam mit mir am Fuße des Heidelberger Schlosses im selben Kolleg saß, […] studierte Herr Dr. Goebbels die Romantik. Er hat seine Doktordissertation über die Romantik geschrieben. […] Ich glaube, es wäre besser gewesen, wenn Herr Dr. Goebbels damals nicht die Romantik, sondern Nationalökonomie studiert hätte. Dann wüsste er heute, dass es Unsinn ist, wenn er uns weismachen will, man könne eine wirtschaftliche Katastrophe, wie sie der Weltkrieg angerichtet hat, mit dem Hokuspokus beheben, wie ihn die Nationalsozialisten betreiben.

(Zustimmung bei den Sozialdemokraten]

Sie machen Ihr Hakenkreuz auf jeden Bierfilz und auf jeden Türpfosten. Sie heben beschwörend die Hände. Glauben Sie (zu den Nationalsozialisten), dass Sie damit die bösen Geister der Wirtschaftskrise in Deutschland bannen können? […]

Mit solchen Kunststückchen werden Sie in Deutschland nichts ändern, mit derartigen Naturheilverfahren, wie sie Herr Hitler in Deutschland eingeführt hat, ist nichts zu machen, und mit solchen Beschwörungsformeln, ob sie nun heißen »Heil Hitler!« oder »Juda verrecke!« ist in Deutschland keinem Arbeitslosen Lohn und Arbeit zu bringen. […]

Protokolle des Reichstags:

http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_w5_bsb00000128_00748.html bis

http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_w5_bsb00000128_00751.html, (13.06.2013)

Schon 1933 wurde Mierendorff im Konzentrationslager Osthofen und später in anderen Lagern sowie im Gefängnis der Geheimen Staatspolizei in Berlin inhaftiert. Nach seiner Entlassung war er bei der Braunkohle- und Benzin-AG Berlin tätig und nahm Kontakt zu Adolf Reichwein, Helmut James Graf von Moltke und Wilhelm Canaris auf und spielte eine Rolle im Kreisauer Kreis. Im Juni 1943 rief Mierendorff in der in einer Grundsatzerklärung, die später in der Literatur über den Widerstand oft als »Sozialistische Aktion« bezeichnet wird, zum Zusammenschluss aller gegen den Nationalsozialismus eingestellten Gruppierungen auf. Im Dezember desselben Jahres starb er bei einem Luftangriff.

Quellen und Literatur: Carlo Mierendorff: Gesicht und Charakter der Nationalsozialistischen Bewegung. In: Die Gesellschaft 7 (1930), S. 489–504; Ger van Roon: Neuordnung im Widerstand: Der Kreisauer Kreis innerhalb der deutschen Widerstandsbewegung, München 1967; Richard Albrecht: Der militante Sozialdemokrat. Carlo Mierendorff 1897 bis 1943. Berlin 1987

Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Подняться наверх