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5.

Perry Rhodan

»Können Sie uns Genaueres über den Notruf sagen?«, fragte Perry Rhodan. »Zu seinem Ursprung vielleicht?«

»Ja und nein, Sir.« Sarah Maas fuhr mit den Fingern durch das größte Holo vor ihr. »Ich kann Ihnen die Koordinaten nennen, von denen er gesendet wird – was angesichts der zahlreichen überlappenden elektromagnetischen Felder in diesem Sektor beinahe ein Wunder ist.«

»Das ist doch schon was.« Rhodan wandte sich an seine Frau. »Thora ...«

»Natürlich helfen wir, wenn wir können«, sagte die Arkonidin. »Dazu würde ich aber gern mehr wissen.«

»Laut der Messdaten ist die Signalquelle ganz in der Nähe, ziemlich dicht an einem kleinen Schwarzen Loch.« Maas vergrößerte ein Hologramm, das den Standort der CREST II und den Ursprung des Notrufs zeigte. »Die Sendestärke ist so schwach, dass es reines Glück war, dass wir den Funkruf überhaupt registriert haben.«

Thora zögerte. Rhodan ahnte, was sie umtrieb: Die Befürchtung, dass die Shafakk die Menschen aufspürten, wenn das Expeditionsschiff zu lange an einem Ort verweilte. Er trat näher an seine Frau heran. »Es ist wahrscheinlich für uns von Vorteil, wenn wir dem nachgehen.« Er deutete auf den Emotionauten, der sich die Schläfen rieb. »Kosum braucht dringend eine Pause. Wir könnten in der Umgebung Deckung vor den hyperenergetischen Ferntastsystemen der Shafakk suchen und so zumindest ein paar Augenblicke der Erholung für uns herausholen.«

Thora nickte langsam. »Du hast recht«, sagte sie leise. Laut fuhr sie fort: »Nun gut, machen wir uns auf den Weg dorthin, Mister Kosum.« Sie gab dem Piloten ein Zeichen.

»Das halte ich für eine schlechte Idee«, protestierte Bingdu. »Es ist viel zu gefährlich, von dem Kurs abzuweichen, den ich berechnet habe – nur um irgendeinem ominösen Notruf zu folgen.«

»Das mag sein, aber an Bord der CREST II pflegt man auf Notrufe zu reagieren.« Zusätzliche Erklärungen hielt Thora wohl für überflüssig, denn sie verschränkte in einer endgültigen Geste die Arme vor der Brust.

Bingdu war es nicht gewöhnt, dass man ihm widersprach, und war davon offenbar so irritiert, dass er schwieg.

Rhodan wandte sich wieder der Ortung zu. »Weitere Erkenntnisse, Miss Maas?«

Die Ortungsoffizierin schüttelte den Kopf. »Nein, Sir. Wer das Signal gesendet hat, weiß ich nicht – die Signatur ist völlig fremdartig. Der Notrufcode ist laut Merkoshs Daten sehr alt und im Omnitischen Compariat nicht mehr gebräuchlich.«

Bingdu trat an ihre Seite und studierte die eingehenden Funkimpulse, ließ sie sich auch akustisch vorspielen. Für Rhodan war es einfach nur ein unverständliches Quietschen. Der Omnit schien mehr darin zu erkennen. »Sie haben recht. Dieser Code ist nicht einfach nur alt – er ist geradezu antik. Ich kenne diese Notrufart nur aus Archiven. Dieser Typus wird seit Jahrzehntausenden nicht mehr gesendet.« Er drehte sich zu Thora um. »Das bestärkt mich in meiner Überzeugung, dass wir den Ruf ignorieren und unseren Weg zum Omnitischen Herzen fortsetzen sollten.«

»Dann hat diese Information unterschiedliche Wirkungen auf Sie und mich«, erwiderte Rhodan. »Ich persönlich bin neugierig darauf, wer dort um Hilfe bittet. Außerdem können wir alle eine Atempause gebrauchen.«

»Aber verstehen Sie denn nicht?« Bingdu kräuselte den Rüsselmund. »Entweder es ist eine Falle von Feinden, die die aktuellen Frequenzen und Signaturen nicht kennen, oder es ist ein uralter Ruf und dann ist dort ohnehin niemand mehr zu retten. Den Umweg zu machen, ist auf jeden Fall sinnlos, wenn nicht sogar gefährlich.«

»Das werden wir sehen«, beschied Thora.

Hinter ihr öffnete sich das Eingangsschott, und Gucky kam in die Zentrale. Er wirkte müde, sein Fell war struppig und glanzlos, aber er knabberte bereits wieder an einer Karotte. Er ließ sich neben John Marshall und Josue Moncadas in jenem Bereich nieder, für den sich bereits auf den Vorgängerschiffen der CREST II die Bezeichnung »Mutantenlounge« eingebürgert hatte.

Thora lächelte ihm zu und sagte dann, an Bingdu gewandt: »Nicht jede Entscheidung muss mit Vernunft begründet sein.«

Ihr Ziel kam bald darauf in Reichweite. Maas projizierte die Daten der Ortungssysteme umgehend ins Außenbeobachtungsholo. »Das Signal stammt von einem Raumschiff«, informierte Maas. »Es ist wohl zu nah an das Schwarze Loch geraten und droht von dessen Gravitation eingefangen und verschluckt zu werden!«

»Wenn wir den Traktorstrahl einsetzen wollen, müssen wir näher heran«, verkündete Gabrielle Montoya.

»Das ist zu riskant!« Bingdu hob warnend die Hände.

»Keine Sorge«, beschwichtigte Thora. »Natürlich werden wir die CREST II nicht gefährden. Kosum, vorsichtig annähern, bis wir in Traktorreichweite sind. Beim geringsten Anzeichen, dass wir in das Gravitationsfeld des Schwarzen Lochs geraten könnten, geben Sie Gegenschub. Miss Maas, funken Sie das Schiff an, wir wollen die Fremden nicht erschrecken.« Thora sprach ruhig, wirkte aber abgelenkt.

Tauscht sie sich mit ihrem Logiksektor aus?, rätselte Rhodan. Er hatte sich noch nicht vollständig daran gewöhnt, dass Thora nun einen Extrasinn hatte. Früher hatte sich seine Frau stets als Erstes mit ihm besprochen. Nun war er in dieser Hinsicht an zweite Stelle gerückt. Nicht, dass er eifersüchtig war – das wäre albern gewesen –, aber seltsam fand er es trotzdem.

Doch es war nicht der Logiksektor, der Thoras Aufmerksamkeit forderte, das erkannte Rhodan an ihren nächsten Worten.

»Vergrößern Sie das Bild, Miss Maas«, forderte die Arkonidin. »Ich will das Raumschiff sehen.«

Maas gehorchte, und sofort füllte ein riesiges, wenngleich etwas unscharfes Bild das Hauptholo. Die Darstellung wurde ein paar Sekunden später deutlicher, was Rhodan daran erinnerte, mit welcher Geschwindigkeit die CREST II unterwegs war, selbst wenn sie »Schneckentempo« flog.

Am Rand des Schwarzen Lochs schwebte ein Raumfahrzeug in Form eines Spitzkegels. Diese Bauart kam Rhodan vage bekannt vor. Er rief sich die Daten auf, die SENECA automatisch berechnete. Das Schiff war genau 200,02 Meter lang und durchmaß an seiner kreisförmigen Basis 53,3 Meter.

»Wir sind in Reichweite«, meldete Montoya.

»Traktorstrahl!«, befahl Thora knapp. Sie musterte das Holo fasziniert.

»Jawohl, Ma'am«, bestätigte Waffenchefin Siobhan O'Sullivan. »Schnappen wir uns das Schiff, ehe das Schwarze Loch es tut.«

Behände übernahm sie die Steuerung des Traktorstrahls, was einfacher klang, als es war. Sie wollte den Konusraumer schließlich weder zerstören noch versehentlich in die falsche Richtung »schubsen«, was angesichts der Nähe zum Schwarzen Loch verheerend sein konnte. Doch die Offizierin verstand ihr Handwerk, sodass der Havarist schon bald nahe der CREST II in relativer Sicherheit im All schwebte.

»Gut gemacht, Miss O'Sullivan!« Thora geizte nicht mit Lob, wenn es angebracht war.

»Das war ziemlich knapp. Wir hätten nicht viel später eintreffen dürfen.« O'Sullivan lehnte sich zurück und ließ ihren Nacken knacken – eine Angewohnheit, die Rhodan Gänsehaut verursachte. »Um es flapsig auszudrücken: Das Schiff ist schon am Schwarzen Loch entlanggeschrammt.«

»Antwortet jemand auf Ihre Rufe, Miss Maas?«, fragte Rhodan angespannt.

»Nein, Sir, bisher nicht.«

»Versuchen Sie es weiter.« Mit gerunzelter Stirn wandte sich Thora an Rhodan. »Ich kenne diese Art von Schiff.«

»Ich auch«, meldete sich Gucky zu Wort und sprang auf. Neugierig betrachtete er das Holo.

Thoras Stirn glättete sich. »Richtig! Du warst damals dabei!«

Rhodan sah von seiner Frau zum Mausbiber. »Denkt ihr an dasselbe wie ich?«

»An unseren alten Bekannten Ernst Ellert.« Gucky biss krachend in seine Karotte. Er schien kurz auf etwas zu lauschen, als ob er esperte, starrte dabei jedoch auf eine Stelle neben sich. Dann kaute er weiter. »Er war mit so einem Schiff unterwegs und hat Thora und mich vor einigen Jahren damit gerettet.«

»Das war 2037, nach unserer Bruchlandung mit der TOSOMA auf Gedt-Kemar – Snowman.« Thora fuhr sich durch die Haare. »Ich kann mich nur verschwommen erinnern ...«

»Kein Wunder, dich hatte schließlich ein Bleichsauger gebissen.« Gucky tippte sich an den Nagezahn.

»Stimmt.« Erst kürzlich hatte Rhodan an diese Episode denken müssen, nachdem Omar Hawk von seiner Zeitbrunnenodyssee berichtet hatte. »Wir waren auf der Flucht, zusammen mit Julian Tifflor und Mildred Orsons. Der Mehandor Orlgans hat uns zu einem Kegelraumschiff geführt, dessen Kommandant der ›Zitterer‹ genannt wurde ...«

»... und sich als Ernst Ellert entpuppte«, ergänzte Gucky. »Er hat Thora, Julian, Mildred und mich mitgenommen.«

»Ellert nannte das Schiff STERNENWIND und sagte, dass es einer uralten und ausgestorbenen Zivilisation entstammte«, sinnierte Thora. »Er bezeichnete sie als ... Loower, glaube ich. Aber er verriet nicht, wie er in den Besitz des Raumers gekommen war.«

»Ich verwette alle Karotten an Bord der CREST II, dass es sich bei dem Ding dort drüben ebenfalls um ein Loowerschiff handelt.« Gucky ließ sich auf seinen Sessel zurücksinken. »Ob Ellert wieder an Bord ist?«

»Ich glaube nicht, dass er einen Funkruf gesendet hätte«, meldete sich John Marshall. »Als Teletemporarier hätte er sich anders retten können.«

»Das denke ich auch.« Rhodan vergrößerte das Bild des Kegelschiffs noch einmal. Es gab keine Zeichen oder Symbole darauf. »Miss Maas, was macht der Funkverkehr?«

»Noch immer keine Antwort.« Maas klang frustriert. »Ich messe nur minimale Energieemissionen an. Das Kegelschiff scheint auf Sparflamme zu laufen.«

»Lebenszeichen?«

»Diese Frage kann ich nicht eindeutig beantworten. Es gibt wie gesagt schwache Energiequellen, aber ob Lebewesen dahinterstecken, würde ich nicht beschwören.«

Der Entschluss fiel Rhodan nicht schwer. »Wir sollten uns das vor Ort ansehen. Vielleicht benötigt dort drüben jemand Hilfe, der nicht in der Lage ist, sich zu äußern – Bewusstlose oder Schwerverletzte.«

»Wenn du ›wir‹ sagst, meinst du dich.« Thora Rhodan da Zoltrals Mundwinkel zuckten.

»Nicht ausschließlich«, beteuerte Rhodan. »Sondern ich zusammen mit einem kompetenten Team. Ich habe an Josue Moncadas und Sud gedacht.«

»Und natürlich an den Retter des Universums.« Gucky reckte kampflustig die Schnauze. »Du willst doch nicht auf mich verzichten?«

Rhodan machte eine besorgte Miene. »Bist du denn kräftig genug für einen solchen Einsatz?«

»Das fragst du mich nicht ernsthaft, oder? Ich bin quasi immer einsatzbereit. Das vorhin war nur ein kleiner Schwächeanfall.«

Rhodan lächelte, obwohl er Drogan Steflovs ernste Worte deutlich im Ohr hatte: »Das war ganz schön knapp – ein paar Minuten länger und ich weiß nicht, ob wir ihn noch hätten zurückholen können. Ein weiteres Mal wird Gucky diese Tortur nicht durchstehen können ...«

»Was ist mit mir?«, fragte Marshall.

»Du bleibst am besten hier in der Zentrale – als unser Verbindungsmann, falls der Funk ausfällt.«

Marshall nahm Rhodans Vorschlag mit einem Nicken an.

»Außerdem möchte ich Omar Hawk mitnehmen«, fuhr Rhodan fort. »Mit seiner großen Kraft wäre er bei dieser Expedition sicher eine Hilfe. Weiß jemand, wo ich ihn finden kann? Ich würde ihn gern persönlich darum bitten, uns zu begleiten.«

»Er hält sich meist bei dem Okrill auf – warte, ich überprüfe das. Ja, er ist in der Grünanlagensektion«, sagte Gabrielle Montoya. »Ich weiß nicht, ob er versucht, das Monster zu dressieren oder es zu einem Schmusetier zu machen.«

Der Okrill war in einem mit Prallschirmen abgesicherten Gehege in einem der hydroponischen Gärten untergebracht, weil Thora und Rhodan es für zu gefährlich hielten, das gewaltige, froschartige Wesen frei an Bord herumlaufen zu lassen. Hawk hatte ihnen nicht widersprochen, und Rhodan wusste nicht, ob ihn das beruhigen oder nervös machen sollte.

»Dann suche ich ihn gleich auf.« Perry Rhodan wandte sich zum Ausgang. »Ich sage auch Sud Bescheid. Lasst uns so bald wie möglich aufbrechen – vielleicht kämpft auf dem Kegelschiff jemand um sein Leben.«

Perry Rhodan Neo 236: Das Ei der Loower

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