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Bis ins »zarde Alder« von 25 Jahren oder so habe ich ausschließlich fränkisch gesprochen, Treuchtlinger Dialekt. 1978/79, während eines einjährigen Stipendiums im Rahmen des Förderprogramms »Auswärtige Künstler zu Gast in Hamburg«, habe ich notgedrungen Hochdeutsch gelernt, um in der Fremde des Nordens als vollwertiges Mitglied der Schriftsprecher zu bestehen, aber das fränkische Idiom ist mir Zeit meines Lebens mehr oder weniger unterschwellig geblieben – und inzwischen liebe ich es fast, Fränkisch zu hören, das der Sprache großer Kinder gleicht.
Es hat fast das ganze Leben gedauert, bis es so weit war, daß ich damit anfing, Mundartgedichte zu schreiben, und jetzt, nachdem ich es getan habe, würde ich es trotzdem nicht Alterstorheit nennen. Eines weiß ich jetzt: auch im Dialekt kann Großes vielleicht nicht unbedingt gesagt, aber immerhin geschrieben werden – wenn auch unter erschwerten Umständen. Natürlich habe ich versucht, mich beim Schreiben über den Volksmund zu erheben, was heißt, einfach zu bleiben in einsamen Höhen und stets dem Tiefgang verbunden. Ich könnte auch nicht sagen, warum ich vor einigen Jahren die ersten Schreibversuche in fränkischer Mundart machte; ich schrieb einfach ein paar Gedichte, und dann hörte ich wieder auf, weil ich dachte, niemand muß vierzig Jahre in Wien leben, um fränkische Gedichte zu schreiben.
Ich weiß nicht, ob das Fränkische ein derber Dialekt ist, ich halte ihn eher für einen kargen Dialekt, sogar das Grobe klingt kindlich, kindisch, selbst das Gemeine harmlos, verniedlichend. Gewöhnungsbedürftig ist sicher kein fränkisches Wort. Ich bin weder Germanist noch Linguist und behaupte, daß Fränkisch das Pidgin der Bayern ist, phonetisch geschreddert.
Im Café Florianihof im 8. Bezirk von Wien bedient ein Kellner aus Franken, der gerne den fränkischen Dialekt eines seiner Professoren nachahmt, wenn man ihn darauf anspricht. Das ist natürlich noch lange kein Grund, Wien zu besuchen. In Wien hat jeder Bezirk seinen eigenen Dialekt: Babel an der Donau.
Alles kommt zurück und vergeht, ließe sich sagen. Ich lausche in die Vergangenheit, versuche die Stimme zu hören, mit der ich damals sprach. Wo ich lebte, wurde ich verstanden, besonders wenn ich nichts sagte. Ich sitze, bildlich gesprochen, in der Puppenküche meiner Erinnerung am Küchentisch und schreibe Gedichte, schreibe übers Träumen und vom Gehen durch die Träume auf der Suche nach Zuhause – wertvolle Sekunden, auf die ich zurückblicke, auf der Hut vor der Wehmutsfalle, die mit nichts als Verklärung lockt.
Hoffentlich wirkt das eine oder andere Gedicht in diesem Buch, als sei es in Franken geschrieben worden: das wäre schon mein ganzer Stolz.
Ludwig Fels, Wien, November 2020