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Kapitel 4
ОглавлениеDas Polizeipräsidium in Frankfurt am Main in der Adickesallee ist ein modernes, mehrstöckiges Gebäude mit einer von außen sichtbaren Glasfassade zur Straßenseite, hinter deren Mauern schon so mancher Verbrecher ein Geständnis abgelegt hat, sofern die Beweislast wasserdicht schien. Auch Inspektor Kunert arbeitet hier in der Sonderabteilung für Raub- und Morddelikte. Er selbst leitet diese Abteilung, seitdem sein Vorgänger Oberinspektor Haller in den einstweiligen Ruhestand verabschiedet worden ist.
Anhand der oft akribischen Kleinarbeit zu der Spurensicherung am Tatort, den Tathergang und dem Rechtsmedizinischen Gutachten setzten sich so einzelne Puzzle Teilchen zusammen, die für die Beweisführung unabdingbar an Bedeutung erlangen. Die Kommunikation zwischen den einzelnen Institutionen und den Abteilungen im Präsidium verläuft oft reibungslos und kommunikativ, denn schließlich ist man ja aufeinander angewiesen. Mitunter gab es aber auch sogenannte spezifische Fälle, wo entweder die Beweisbarkeit hauchdünn ist oder der Hergang zum Straftatbestand völlig in den Sanden verlief. Ein solch schwieriger Fall erfordert vielmals Fingerspitzengefühl, eine zielgerichtete Ermessensentscheidung und weitreichende Sachkenntnis, denn zuweilen sah man sich an der Grenze der Machbarkeit. Die Verhandlungen in solchen Musterprozessen kamen daher oft nur schleppend voran, wobei man sich hierbei zu einem Teil auf Indizien stützte. Auch wenn dies nur von Zeit zu Zeit vorkam, so war man sich über den Stellenwert jener juristischen Hürden durchaus bewusst. Inspektor Kunert mutmaßte ganz und gar im Hinblick auf die ungelösten Fälle, präzisere Aufklärungskampagnen mit Hilfe von großangelegten und weitreichender Öffentlichkeitsfahndung stetig zu forcieren. Denn niemand in seiner Abteilung hatte schon so lange Erfahrung und ein geschultes Auge, was die Verbrechensbekämpfung anbelangt. Auf der Dienststelle erhielt Kommissar Kunert gerade deswegen zahlreiche Auszeichnungen, denen er aber keine weitere Bedeutung beimaß.
Besondere Aufmerksamkeit erregte oftmals die Öffentlichkeitsarbeit, die dann von der Presse zur Schau gestellt wurde. Dabei ging es vor allem um Leitartikel zu Hinweisen aus der Bevölkerung, aber vornehmlich auch um die gute Arbeit der Polizei, die an der Verbrechensaufklärung maßgeblich beteiligt ist. Gerade diese Pressekampagne war es, die dem Polizeipräsidium in der Bevölkerung einen guten Ruf verschaffte. Jeder sollte sich sicher fühlen, vor Verbrechen jeglicher Art. Man legte also viel Wert darauf, dass die Öffentlichkeitsarbeit zu einem Meilenstein an Erfolg führte.
Disziplin, Motivation und eine Portion an Menschenkenntnissen, verbunden mit kriminalistischem Feingefühl entsprachen den Tugenden, den Inspektor Kunert von seinen Mitarbeitern stets erwartete. Mit den ständig wechselnden Arbeitszeiten und oft zahlreichen Überstunden kamen jedoch die wenigsten seiner Kollegen zurecht. Häufig hörte man im Nachhinein das Klagelied der Polizeigewerkschaft, die stets darum bemüht war, Überstunden möglichst zu vermeiden. Jedoch hatte der Interessenausgleich immer oberste Priorität, weil man wusste was auf dem Spiel stand.
Inspektor Kunert kam jeden Morgen wie gewohnt viertel vor acht Uhr in sein Büro, welches sich zur Straßenseite im dritten Obergeschoß des Gebäudes befand. Nach einer kurzen Begrüßung erkundigte er sich bei den Kollegen über den aktuellen Stand der vergangenen Stunden. Denn oft war es so, dass er kurzfristige Entscheidungen treffen musste, die dann auf einem sogenannten Verteiler in den spezifischen Abteilungen erfasst wurden. So war es auch an diesem Montag morgen des Monats Mai, wo sich gleich zwei tragische Verbrechen ereigneten. Eine rivalisierende Gangsterbande im Drogenmilieu hatte im Streit ums Geschäft versucht einen Kontrahenten aus dem Weg zu räumen. Dieser wurde anscheinend so schwer verletzt in das örtliche Krankenhaus eingeliefert, dass dieser nicht vernehmungsfähig war. Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren, denn schließlich kannte man jene Pappenheimer, die sich dem Gesetz auf breiter Linie verweigerten. Es war nun an der Zeit die Ermittlungen zu fokussieren, Zeugen zu befragen und den Tathergang zu rekonstruieren. Ein Ermittlerteam aus vier Kollegen von der Spurensicherung machten sich unterdessen ein Bild von der Lage am Tatort, um später Spuren einer DNA im zentral erfassten Computer abzugleichen. Denn meistens handelte es sich um Wiederholungstäter, die zumindest schon einmal zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden sind. In dem anderen Fall ging es um eine Wasserleiche, die am Ufer des Mains gefunden wurde. Inspektor Kunert wollte sich in diesem mysteriösen Fall ein Bild vor Ort machen. Wie bei allen unklaren Verbrechen dieser Art, informierte man die Kollegen von der Rechtsmedizin über den Fund am Tatort. Kommissar Spiegler der gleichfalls im Dezernat für Morddelikte arbeitete, war der Erste der sich am Tatort einen Überblick verschaffte. Eine halbe Stunde später traf auch Inspektor Kunert am Tatort ein, der die letzten Schritte abseits der Zufahrtstraße im Müßiggang absolvierte.
>>Guten Tag Herr Spiegler ! Haben Sie schon irgendetwas zur Sachlage hier vor Ort in Erfahrung gebracht?<<.
>>Vermutlich wurde die Leiche durch die starke Strömung ans seichte Ufer angespült. Dabei handelt es sich mit aller Wahrscheinlichkeit um eine männliche Person im Alter von zirka vierzig Jahren<<.
>>Haben Sie schon eine annähernde Vorstellung, wie die Person ins Wasser gelangt ist?<<.
>>Nach ersten Erkenntnissen müssen wir davon ausgehen, dass die Person bereits tot war, bevor sie ins Wasser gelangt ist<<.
>>Haben Sie dafür eine Erklärung?<<.
>>Die unbekannte Person wurde an Händen und Füßen gefesselt und erlitt zuvor erhebliche Stichverletzungen im Thorax Bereich, nachdem sie im Anschluss daran erschossen wurde<<.
>>Was lässt sich über die Anzahl der Stichverletzungen aussagen?<<.
>>Vorerst gehen wir von fünf bis zehn Stichverletzungen aus. Aber die genauen Todesumstände lassen sich erst in der Rechtsmedizin eindeutig klären<<.
>>Hatte der Tote denn irgendwelche Papiere bei sich?<<.
>>Bis jetzt haben wir nichts gefunden, was auf die Identität der Person schließen lässt<<.
>>Danke Herr Spiegler. Dann müssen wir eben die Vermisstenfälle nochmals durchkämmen. Vielleicht werden wir ja dann fündig… <<.
>>Ach Herr Kunert wissen sie schon, ob Sie nächste Woche Samstag mit den Kollegen zum Kegeln mitkommen?<<.
>>Ab Dienstag bin ich zu einem Seminar in Berlin eingeladen. Es ist eher unwahrscheinlich, dass ich Zeit für Privates dafür habe<<.
>>Oberinspektor Haller hatte mich gefragt, weil sie doch einer der Besten ihrer Jahrgänge waren. Er fand überaus lobende Worte für ihren Eifer<<.
>>Das mag schon sein, aber an Eitelkeit liegt es mir nicht<<.
>>Sie können es sich ja nochmals überlegen…. .<<.
Inspektor Kunert machte mit der Hand eine nette Geste, bevor er zu seinem Einsatzwagen zurückkehrte, als ihm gerade die Mitteilung über Funk erreichte, dass die Person aus dem letzten Fall an den Folgen der Gewalteinwirkung im Krankenhaus verstorben ist.