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6. Januar

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Warum sind bei den Jahreswechselfreiluftevents diesmal so viele Feuerwehrleute und Sanitäter angegriffen worden? En passant weist Vera Lengsfeld in ihrer Bilanz der diesjährigen Silvestergewalt, die von unseren sozialistischen Medienschaffenden in bewährter Konsequenz und im noch bewährteren Chor kleingeredet wurde, auf eine mögliche Ursache hin: Es waren diesmal weniger Frauen auf den Straßen unterwegs, worüber viele erwartungsfrohe Neumitbürger mit Recht sauer gewesen sein dürften – sieht denn so Willkommenskultur aus? –, so dass sie ihre überschüssigen Energien anderswo abarbeiten mussten. Und müssen.


Irgendwann in den späten Achtzigern produzierte die DDR-Industrie, und zwar der VEB Halbleiterwerk Frankfurt/Oder in Kooperation mit Carl Zeiss Jena, einen Ein-Megabit-Chip. Toshiba stellte die Dinger damals schon massenhaft her, und Chips mit weit höherer Speicherkapazität befanden sich in Arbeit, doch die Propaganda tönte tagelang vom DDR-Elektronikwunder. Damals kursierte der Witz: »Wir bauen die größten Mikrochips der Welt!« Daran fühlte ich mich erinnert, als ich las, dass Bundesinnenminister Thomas de Maizière mahnt, Deutschland müsse sich mehr auf die Entwicklung von Chiptechnologie, vor allem von Sicherheitstechnologien kaprizieren, denn deutsche IT-Sicherheitsprodukte seien weltweit hoch anerkannt. Ungefähr so wie der Ein-Megabit-Chip aus der DDR?

Deutschland verfüge doch kaum über IT-Sicherheitstechnologien, notiert der bloggende Informatiker Hadmut Danisch. »Außerdem gehören Mikroprozessoren und deren Speicherverwaltung nicht zu den ›IT-Sicherheitsprodukten‹, obwohl sie damit viel zu tun haben. Man kann aber nicht einfach mal unter ›Sicherheitsprodukte‹ einen Prozessor neu bauen. Und ob wir hier in Deutschland genug Know-How haben, um solche Fehler zu vermeiden, möchte ich bezweifeln – ich glaube nicht mal, dass wir hier rein leistungsmäßig konkurrenzfähige Prozessoren hinbekommen. Lasst es mich so sagen: Sie können ja nicht mal einen Flughafen bauen, und das ist prinzipiell einfacher. Und die Sicherheitsforschung ist in Deutschland ein Witz. Wir haben kaum befähigte Professoren, und die Professuren werden noch mit Quotenfrauen vermurkst, die bei Kryptographie und ähnlichem sofort kapitulieren.« Den künftig drohenden Cyberattacken von Terroristen, Kriminellen und unfreundlichen Staaten haben de Maizière und seine Truppe jedenfalls nicht allzu viel entgegenzusetzen.

Zugleich hat die Bundespolizei, weil sie kaum noch Rekruten findet, die Anforderungen an die potenziellen Bewerber auf einen Ausbildungsplatz grotesk minimiert: Wer für den mittleren Polizeivollzugsdienst kandidiert, darf beim Einstellungstest-Diktat auf zweihundert Wörter 24 Rechtschreibfehler machen; die Unter- oder besser Obergrenze beim Body-Mass-Index (BMI) wurde auf 35 angehoben (ich dürfte als Polizeibewerber 116 Kilogramm wiegen, aber Mike Tyson hatte immerhin einen BMI um die 31), und die bislang geforderte Mindestkörpergröße wurde ebenfalls abgeschafft. Du darfst als Polizeianwärter dumm, fett und ein Gnom sein und wirst verbeamtet, aber trotzdem finden sie keine. Wer hat schließlich schon Lust, sich in den molekularen Bürgerkriegen der Zukunft verheizen lassen, zumindest solange kein Gustav Noske im Amt ist?

Inzwischen fordern sogar führende Sozis, die Polizei solle personell aufgestockt werden – nur mit Merkellego, so die dahinter lauernde Erkenntnis, wird der Schutz der Bürger vor Schutzsuchenden bei konstant offenen Grenzen und weiterhin ungeregelter Einwanderung im unteren fünfstelligen Bereich pro Monat nicht funktionieren. Die Grenzen kontrollieren geht bekanntlich nicht, denn das fordert die AfD, und dann würden wir uns abschotten und schnurstracks »in Inzucht degenerieren« (W. Schäuble). Zugleich sind die roten Strolche, wenn ich richtig informiert bin, für den Familiennachzug. Das heißt, die Polizeiplanstellen müssten dann von Neuem aufgestockt werden. Da jetzt schon Rekrutenmangel herrscht, werden sie wahrscheinlich früher oder später auch um Gehbehinderte, Blinde, Sekundäranalphabeten, Drogensüchtige, durchgefallene DSDSKandidaten und Gender-Forscherinnen werben.


Dass er das Wirtstier und damit am Ende sich selbst umbringt, ist das Dilemma des Parasiten – und die letzte Genugtuung des Wirts.

Goldstück-Variationen

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