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IV. Entscheidung

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Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war mir klar, was ich zu tun hatte. Die Sonne schien zwischen den Vorhängen herein und brachte meinen verkaterten Schädel in Aufruhr. Der Geschmack in meinem Mund erinnerte an etwas Totes. Ich fühlte mich zerschlagen und müde, aber in meinen Gedanken war eine Schärfe, die ich lange vermisst hatte. Ein konkretes Ziel, ein deutlicher Weg. Kein Warten und Abhängen, ohne dass sich irgendetwas änderte. Der Abend bei Muttis war dagegen nur ein zäher, von zu viel Bier und Schnaps und Kotze zermatschter Brei. Ein paar unzusammenhängende Bruchstücke trieben darin herum – Oskar, ein paar Trucker, ein Mädchen. Aber ich konnte nicht sagen, ob die von gestern oder irgendeinem anderen Tag waren. Der Alkohol hatte die Wut soweit durchweicht, dass die Ideen in meinem Hirn lospolterten. Sie kreisten um Rache, was denn sonst? Bodo dafür zu bestrafen, dass er seine dicken Finger in Kamillas Haut gebohrt hatte. Dass er ihre Brüste gequetscht und seinen Schwanz in ihr Innerstes gerammt hatte. Ja, es war Eifersucht. Rein und heiß. Aber noch etwas anderes, tiefer sitzendes. Das Gefühl eines unausweichlichen Schicksals. Vorherbestimmung. Das alles mischte sich, kroch unter der Oberfläche dahin, wollte raus. Doch ich ließ es nicht. Nicht so. Ich brauchte einen Plan. Und ich wollt wirklich keinen Fehler zweimal begehen.

Langsam angehen lassen, sich zurücklehnen. Das Mosaik zusammenfügen, bis aus den Ideen ein perfektes Bild geworden war. Erpressung. Simpel und direkt. Keine Gewalttätigkeiten. Keine überstürzten Dummheiten. Eine durchstrukturierte kleine Erpressung. Er würde leiden, langsam und beständig bluten. Und ich würde mehr als bloße Genugtuung davon haben. Das war mir nach der ersten Raserei gestern klar geworden. Alles andere brachte mich nur wieder in Schwierigkeiten. Das hier jedoch war sauber. Der Kniff war, nicht gierig zu werden. Das brach einem früher oder später das Genick. Es war die Erniedrigung, das Ausgeliefertsein, nicht der finanzielle Verlust. Josiger hatte mehr als genug, ein paar Tausend würde er aus der Portokasse bezahlen. Aber wenn sich Cornelia von ihm scheiden ließe … So wie ich das kleine Kätzchen einschätzte, würde sie ihm dabei große Brocken aus dem Leib reißen. Das konnte sie von mir aus später nachholen, jetzt erst einmal wollte ich ihr nichts von der letzten Nacht erzählen. Sie konnte warten. Ich musste sie vorerst hinhalten. Hauptsache, Cornelia kam nicht zu schnell auf die Idee einen anderen Schnüffler auszugraben.

Die Uhr auf meinem Nachttisch zeigte kurz nach elf. Ich verschränkte die Arme hinter dem Kopf und starrte an die Decke. Die Krönung war, dass Josiger von Anfang an wissen sollte, wer ihm das Leben zur Hölle machte …

Das einzige, mit dem ich haderte, war, dass ich gegen einen meiner Grundsätze verstieß. Ich hatte mir geschworen, nie wieder ein krummes Ding abzuziehen. Mich nie wieder in die Probleme zu stürzen, die im Windschatten solcher Sachen lauerten. Doch da war die Wut, die mir den Weg wies und der kristallklar vor mir lag. Außerdem hatte ich mit der Kamera schon gegen einen Grundsatz gehandelt. Und eigentlich hing beides zusammen und war das gleiche. Es brachte was ein, war sicher und konnte nicht schief gehen. Mit der ganzen Scheiße, die an Bodo klebte, konnte er von den Bullen keine Hilfe erwarten. Und einen Skandal musste er ebenfalls vermeiden, war schlecht für die Geschäfte und das soziale Leben in Prezella.

Ein Schlüssel wurde im Schloss gedreht und im nächsten Moment kam Dolores herein, eine schwarze Reisetasche in der Hand. Sie trug ein helles Kostüm, Lackschuhe und ein winziges Hütchen samt Schleier auf dem brünetten Haar. Wie frisch von der Pferderennbahn, nur dass es hier weit und breit nichts desgleichen gab. Ihr Gesicht war makellos geschminkt, man sah ihr das Alter nicht an. Dem Rest ihres Körpers schon gar nicht. Sie konnte Dreißig sein, nicht Ende Vierzig. „Hallo, Schatz, noch nicht aufgestanden?“ Sie stieß die Tür zu und ließ die Tasche auf den Boden fallen, dann kickte sie ihre Schuhe in eine Ecke, nahm den Hut ab und schüttelte ihr Haar. Es war halblang und gerade heller als meines. Dolores lächelte, sah die Briefe durch, die für sie auf dem Schreibtisch lagen, und wandte sich wieder mir zu.

„Gute Reise gehabt?“

„Mittelmäßig. Die Nummer vor der Bank werde ich wohl ein wenig ruhen lassen.“ Dolores gähnte, sie sah müde aus, Ringe unter den Augen, schwere Lider. „Aber es reicht vorerst. Jetzt muss ich erst einmal aus diesen Klamotten raus.“ Damit öffnete sie den Durchgang zu ihrem Zimmer und zerrte die Reisetasche mit hinein.

Ich blieb noch eine Weile liegen und hörte zu, wie sie Sachen in ihren Schrank räumte. Damit war sie sehr genau, sämtliches Arbeitszeug landete in ihrem Wandschrank, zu dem nur sie einen Schlüssel besaß. Schließlich stand ich auf, streifte mir Shorts über und betrat ihren Raum. Er war beinahe eine exakte Kopie von meinem: Ein Hotelzimmer mit nur wenig persönlicher Note. Auf dem Schreibtisch ein gerahmtes Foto von uns beiden, auf dem Sofa mein abgegriffener Teddybär. Und ihre Schminkkommode. Dolores saß davor, nur in lachsfarbener Spitzenunterwäsche, das Haar achtlos hochgesteckt, in der Hand ein Abschminkschwämmchen. Die Jalousien waren halb heruntergelassen. Der Wandschrank stand offen – er war ein großes Modell, das sie extra hatte einbauen lassen. Kleider und Mäntel hingen an einer Stange, darunter stapelten sich Schuhkartons, in Fächern lagen Wäsche und Pullover und auf einer Ablage waren ihre Perücken aufgereiht. Das sorgsam gepflegte Sortiment einer Betrügerin. Dolores Marr. Früher waren wir zusammen auf Tour gewesen, hatten Rentnerinnen und Witwen an der Ostseeküste ausgenommen. Später arbeitete sie gelegentlich mit anderen Partnern, aber bevorzugt allein. In den letzten Monaten hatte sie die Republik als Arztfrau bereist und senile Bankkunden abgezogen. Sie war dabei verdammt gut. Gab vor, Geld für eine Praxisanschaffung zu benötigen, aber nicht an ihr Konto zu kommen. Da es wichtig war, sprach sie bevorzugt alte Opfer an, überzeugte sie, ihr das Geld zu leihen, um es später zurückzuzahlen. Ging sogar mit zum Schalter und forcierte die Auszahlung. Ein paar tausend Euro, wenn es gut lief. Mit Perücke, biederem Kostüm und veränderter Tonlage war sie die perfekte Arztfrau – gebildet, ein wenig hilflos, in diesem Moment verzweifelt. Zwar war die Polizei hinter ihr her, aber sie schöpfte die Masche dennoch weiter aus. Kleinstädte bevorzugt.

Sie betrachtete mich einen Moment im Spiegel, dann deutete sie auf ihren Rücken: „Hak mich auf, Gideon.“

Ich trat hinter sie, nahm ihr Parfüm wahr. Ein neues, ziemlich süßes. Auch das wechselte sie mit jedem Auftritt. Die Haut unter dem Büstenhalter war weich und warm. Dolores lächelte und zog die lila Seide ab. Ihre Brüste waren fest und rund, keine Spur von Alter. Ihre schlanken Finger tippten auf die Kommode: „Hier ist dein Anteil. Dreihundert. Den Rest erst, wenn ich abgerechnet habe. Aber erwarte nicht zu viel, die Ausgaben werden immer höher.“

Ich griff danach, aber sie fasste mein Handgelenk, besah sich die Kratzer auf meinem Unterarm. „Was hast du gemacht?“

„Bin in ein Dornengestrüpp gefallen.“

„Als du betrunken warst?“ Sie schaute mich mit hartem Blick aus dem Spiegel heraus an.

„Und wenn schon … Lass mich los.“

Sie ließ, bedachte mich aber mit einem skeptischen Blick. „Ich mag es nicht, wenn du alleine trinkst. Es bringt nur Ärger ein.“

Ohne Dolores anzusehen, zählte ich das Geld und rollte es zusammen. „War nur eine Nacht, kommt so schnell nicht wieder vor.“

Sie seufzte, dann fragte sie: „Wie wäre es mit einem Danke?“

„Danke.“

„Und einem Kuss für Mutter?“

Ihre Wange war ebenso warm und weich, als ich sie mit den Lippen berührte.

„So ist besser. Und jetzt lass mir ein bisschen Ruhe, Schatz.“ Sie drückte einen Moment meinen Arm, dann fuhr sie fort sich abzuschminken.

Zurück in meinem Zimmer beeilte ich mich ins Bad zu kommen und ausgiebig zu duschen. Den Schweiß und Schmutz der letzten Nacht fortzuwaschen. Mein Plan nahm dabei deutlichere Züge an und meine Laune stieg. Als ich in Jeans und ein kurzärmeliges Hemd schlüpfte, pfiff ich leise vor mich hin.

„Essen wir heute zusammen, Gideon?“ Sie stand im Türrahmen, in einen blauen Bademantel gehüllt. „Unten im Restaurant, um sieben Uhr? Reserviere doch bitte einen Tisch.“

Ich zuckte die Schultern. Es waren immer Tische frei, aber das Reservieren gab ihr ein Gefühl von Stil. Zwar hatte ich keine Lust und für den späteren Abend ohnehin anderes vor, aber Dolores legte Wert auf ein bisschen Familie. Zudem brauchte ich sie aus dem Zimmer, um die Kamera unter dem Bett hervorzuholen. „In Ordnung.“

„Schön.“ Sie lächelte. „Dann lege ich mich jetzt ein wenig hin. Du gehst weg?“

„Nur in die Stadt, ein paar Besorgungen erledigen. Ich bin pünktlich zurück.“ Ich winkte ihr zu, als sie die Zwischentür schloss. Dann holte ich die Spiegelreflex aus ihrem Versteck und entnahm die Speicherkarte. Mit einem Blick in Richtung Dolores Zimmer entschied ich mich, die Kamera zukünftig im Wagen zu deponieren. Nicht, dass sie hier bewusst herumschnüffelte, aber ihr entging dennoch wenig. Sie wäre nicht begeistert gewesen, wenn sie mein kleines Spielzeug gefunden hätte.

Unten am Empfang hatte Charlotte Dienst. Sie war eine hübsche Braunhaarige, die für mich ein wenig die Unschuld vom Lande darstellte. Wir flirteten miteinander, aber es war nichts Ernstes. Immerhin war sie zwölf Jahre jünger und erst in ein paar Monaten volljährig. Ich kannte sie schon, seit sie mit Zahnspange durch den Speisesaal geflitzt war. „Fleißig wie immer, kleines Mädchen?“ Wir waren allein in der Eingangshalle.

Charlotte sah vom Computer auf und ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, gefolgt von einem Anflug von Röte. „Gideon, guten Morgen. Ich mache nur die Dinge, die ich immer mache. Nichts Besonderes.“

Ich lehnte auf dem Tresen und beugte mich näher zu ihr: „Du und ich wissen, dass dieser Laden ohne dich auseinanderfallen würde. Der Alte“, ich deutete vage nach oben, der Direktor hatte sein Büro in der obersten Etage, „ist ein geiler Sack, der Rest von der Mischpoke unfähig. Du bist der einzige Lichtblick hier.“

„Du solltest so was nicht sagen“, wisperte sie und sah sich verstohlen um.

„Wenn es die Wahrheit ist …“ Sie war richtig rot geworden. „Sei so lieb und reserviere unseren Tisch für sieben heute Abend. Und wenn Philipp seinen Wagenschlüssel abholt, gib ihm das.“ Ich reichte ihr einen Zwanziger und die Schlüssel zum Golf.

„Aber natürlich. Kann ich sonst noch etwas für dich tun?“

Immer dieselbe Frage. Ich schüttelte amüsiert den Kopf und klopfte zum Abschied auf den Tresen. „Bleib einfach so wie du bist, kleines Mädchen. Ich gehe dann mal. Wenn du nur mit alten Knackern wie mir plauderst, verschreckt das deine jungen Verehrer.“

„Gideon … Es gibt keine. Und überhaupt, ich stehe nicht auf Jungs. Nur auf Männer.“

„Gib ihnen Zeit, dann werden sie das schon.“ Aber ich hatte nie mitbekommen, dass sie einen Freund gehabt hätte. „Bis später, Charlotte.“


Das Problem mit einer Kleinstadt war, dass man ein quasi öffentliches Leben führte. Irgendwer bekam immer mit, was man tat. Also entwickelte jeder ein paar Verhaltensmuster, um Dinge im Verborgenen ablaufen zu lassen. Das war einer der Gründe, warum wir im Hotel lebten. Keine Nachbarn, unser Kommen und Gehen fiel nicht auf – es war anonym. Um die Fotos auszudrucken, fuhr ich vorsichtshalber in eine Nachbarstadt, benutzte einen Automaten im Drogeriemarkt. Stopfte die Abzüge in eine Hülle und besah sie erst im Wagen in aller Ruhe. Sie waren bescheiden. Die Hälfte der Aufnahmen war unscharf und unzureichend belichtet. Aber eine Handvoll war darunter, die ausreichten. Bodo Josiger war deutlich zu erkennen, blickte einmal sogar direkt in die Kamera. Und Kamilla … wenn man wusste, wer sie war, genügte Rücken und Frisur. Meine Finger berührten sie auf den Fotos und ich spürte das vertraute Prickeln. Diese Mischung aus Wut und Eifersucht. Aber jetzt waren sie ausgerichtet, flossen in meinen Plan ein. Alles war gut.

Ich wählte vier Abzüge aus und steckte sie in einen Umschlag, auf den ich Bodos Namen und Geschäftsadresse kritzelte. Dann fuhr ich rüber zur Speditionsfirma, parkte in der Nähe des Eingangs und ging zum Pförtnerhäuschen. Ein tschechischer LKW checkte gerade ein und ich musste warten, bis der hinkende Wachmann Zeit für mich hatte. Wie die meisten von Josigers Angestellten war er von außerhalb. So drangen weniger Firmeninterna nach draußen, aber Bodo machte sich mit dieser Beschäftigungspolitik nicht gerade Freunde bei den Stadtvätern. Er kompensierte das mit allerlei Spenden und Wohltätigkeitsveranstaltungen.

Ich hielt den Umschlag zwischen uns und sah den Wachmann an: „Für den Chef, persönlich.“

Er griff beinahe automatisch danach, aber ich ließ nicht los. „Ein Eilbrief, nichts für seine Sekretärin.“ Mit der anderen steckte ich ihm einen Zehner in die Brusttasche seiner graublauen Uniform.

Der Krüppel schaute mich missmutig an und grummelte eine Zustimmung, nahm den Umschlag und steckte ihn zu dem Geldschein. Dann schloss er das Tor und humpelte in Richtung Lagerhalle davon. Ich lümmelte ein paar Minuten herum, aber hier passierte nichts mehr. Also fuhr ich in die Stadt zurück, um zu Mittag zu essen.


Am frühen Nachmittag rief ich Josiger an. Ich hatte der Sekretärin einen fiktiven Firmennamen zugeflötet und musste eine Viertelstunde warten, bis ich durchgestellt wurde. Es war kurz nach zwei, die Banken hatten noch offen.

„Josiger Im- und Export, Bodo Josiger am Apparat.“ Seine Stimme klang genervt. Ich konnte nicht einordnen, wann ich sein tiefes Organ das letzte Mal gehört hatte. Vielleicht auf dem Stadtfest vor ein paar Monaten.

„Hallo, Bodo.“

„Wer ist da?“ Er musste die Abzüge mittlerweile erhalten haben. Lagen sie vor ihm auf dem Tisch? Hatte er sie verbrannt?

„Gideon.“

Bodo sog die Luft ein: „Marr?“

„Genau der. Dürfte dich doch nicht überraschen, oder? Dein Wachmann hat bestimmt eine gute Beschreibung von mir wiedergegeben.“

„Was willst du?“, fuhr er mich an.

Ich musste schmunzeln: „Was alle wollen: Geld.“ Und Genugtuung, du Drecksack.

„Du bist verrückt.“

„Keineswegs. Hast du die Fotos vor dir liegen?“

„Ich weiß nicht, wovon …“

„Hör auf mit dem Scheiß, Josiger.“

Schweigen, dann: „Also gut … was ist damit?“

Jetzt musste ich lachen: „Sie zeigen dich mehr als deutlich. Und nicht beim Angeln. Stell dir vor, die bekäme deine Frau in die Hände. Das würde die Scheidung sicherlich beschleunigen.“

„Meine Frau?“

„Cornelia, du weißt schon: Die du betrügst.“

Seine Worte kamen gepresst hervor: „Du willst mich erpressen, Marr.“

„Ja.“ Simpel und klar, die Antwort.

„Du bist ein Schwein!“

Der hatte Nerven … „Ich doch nicht. Ich bin nicht mal verheiratet.“

„Das habt ihr euch sauber ausgedacht. Aber von mir seht ihr keinen Cent.“

„Wir? Jetzt halt mal die Luft an! Wenn du denkst, dass sie da mit drinsteckt, bist du ein größerer Drecksack, als ich angenommen habe. Das ist ganz allein mein Projekt.“

„Ist das so?“ Er klang erleichtert. Einen Moment kamen mir Zweifel. Bodo war ziemlich offensiv für ein Erpressungsopfer, fast schnippisch. Was, wenn er keine Angst vor den Aufnahmen hatte? Aber warum hatte Cornelia mich ansonsten losgeschickt? Verdammt … Ich wischte mir die Handflächen an der Hose ab. „Du bist das größere Schwein von uns beiden, Marr. Auf so eine Geschichte muss man erst mal kommen! Ich hätte nicht gedacht, dass die Gülle dermaßen in dir schwappt.“

„Hey, was wird das? Ich bin derjenige mit den Fotos, also hör mir genau zu: Ich will Zweitausend, noch heute Abend. Kleine Scheine. Du übergibst mir die Kohle um genau 22:00 Uhr. Am alten Sportplatz. Und versuch keine krummen Touren, ansonsten gehen Abzüge an deine Frau und die Presse.“ Das war ein Bluff. Aber zu so einer Geschichte gehörte er dazu – Josiger konnte das ohnehin nicht nachprüfen.

„Ich hatte immer was auf dich gehalten, Junge. Warum bringst du dich jetzt dermaßen in Schwierigkeiten?“

Himmel, der war nicht aus der Ruhe zu bringen. „Fuck, erspar mir das Gequassel. Ich will das Geld, dann sehen wir weiter. Du hast gehört, wann und wo. Irgendetwas davon nicht kapiert?“

„Ich habe verstanden, Marr. Noch hast du die Chance, alles abzublasen. Gib mir die Negative und wir vergessen die Sache.“

„Verfluchter Scheiß, sei einfach um zehn am Treffpunkt.“ Dann legte ich wütend auf. In der Telefonzelle war es stickig und ich trat nach draußen. Ich konnte es nicht fassen, was für ein dreister Bluffer er war. Aber dafür würde er zahlen. Stetig und schmerzhaft. Und wenn ich genug von ihm hatte, würde ich ihn seiner Frau und deren Rechtsanwalt vorwerfen. Vielleicht wurde er zum ersten Mal erpresst, aber – verdammt – das war doch kein Grund für so eine Kacke. Ich meine, ich war am Drücker. Ich stellte die Forderungen. Er musste tun, was ich sagte. Das würde ich ihm heute Abend schon eintrichtern. Die Zweitausend waren Bullshit, der Tanz hatte erst begonnen.

Stadt der Sünder

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