Читать книгу Missing you, Baby! - Nicole Stranzl - Страница 9

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Kapitel 2

Scheinbar gelangweilt saß die Frau in Rot auf der Parkbank und blätterte durch die Zeitung ohne ein einziges Wort darin zu lesen. Die modernen Sonnenbrillen mit ihren riesigen Gläsern halfen zu verbergen, worauf ihr Fokus in Wahrheit lag. Verloren lief Toms Frau vor der Stationstür auf und ab und wirkte dabei wie ein streunendes Kätzchen, das verzweifelt darauf hofft, in die warme Stube gelassen zu werden. Niemand schenkte ihr Beachtung. Natürlich nicht. Mit ihrem zerzausten Haar, den weiten Klamotten und ihrem verwirrten Blick war sie eine weitere gescheiterte Existenz, die Menschen gerne übersahen. Wer nicht funktioniert, existiert nicht. Es gab viele Geister da draußen. Für einen Augenblick verspürte die Frau in Rot Mitleid. Sofort verdrängte sie es. Kein Platz dafür. Kein Platz für irgendwelche Emotionen. Sie hatte eine Mission zu erledigen. Alles andere war unwichtig.

War es zu früh, sich Laura zu nähern? Wann war der richtige Zeitpunkt? Es gab ihn praktisch nie. Meistens verpasste man ihn.

Blut. So viel Blut vor ihren Augen.

Warum hast du das getan?

Die Frau in Rot blinzelte die unliebsamen Bilder weg. Die Zeit ließ sich nicht zurückdrehen. Rettung war ausgeschlossen. Für sie gab es nur noch Rache. Er würde bezahlen. Für alles. Ihre rot lackierten Fingernägel bohrten sich in ihren Handrücken. Der Schmerz half, bei Verstand zu bleiben. Sie lächelte und legte die Zeitung weg. Ihr Blick traf den eines dunkelhaarigen Mannes. Seit sie sich auf die Bank gesetzt hatte, beobachtete er sie schon und schenkte seiner Begleitung kaum Aufmerksamkeit. Dem Alten mit dem Hut schien es jedoch nichts auszumachen. Unverhohlen glotzte der Fremde ihr auf die Brüste.

Mit einer immensen Wut im Bauch stand sie auf. Sie war ihr ständiger Begleiter, den sie hasste und liebte. Die Wut zerfraß sie innerlich wie ein Krebsgeschwür und war zugleich ihr Antrieb. Die Frau in Rot passierte den widerlichen Kerl und den alten Mann. Bestimmt wanderte der Blick von Ersterem zu ihrem Hintern, sobald sie an ihnen vorbei gegangen war. Ein Schnauben entkam ihren Lippen. Sie waren wirklich überall. Diese Kotzbrocken, die Leben zerstörten, weil sie ihre Gier nicht im Griff hatten. Die Stöckelschuhe klackerten geräuschvoll über den Asphalt. Der Wind blies dunkle Haarsträhnen in ihr Gesicht. Sie wischte sie zur Seite. Es war Zeit, mit Laura zu sprechen.

Missing you, Baby!

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