Читать книгу bernsteinhell - Roma Hansen - Страница 7
4
ОглавлениеEine Stunde vor dem ersten Morgenlicht dieses Tages pocht vor die Hintertür der Swinemünder Hafenschänke mit beiden Fäusten Krischan. Es dröhnt in der Leere dahinter. Widerwärtiger noch, wähnt er den Dunst vom Abtritt im Hof hinter ihm zu wabern, doch der schiebt das Türöffnen auch nicht an. Oben fliegt ein Fenster auf. Der Knecht reckt sein Gesicht.
„Was willste? Hämmere nicht das ganze Viertel zusammen!“
Ruckartig gibt unter Krischans Fäusten die Tür nach. Einen Schürhaken schwingt die Magd heraus, und dahinter eine Laterne.
„Du also? Meinetwegen warte auf den Wirt. Komm herein.“
Wie ein lichtscheues Wesen flieht Krischan vorbei am Kamin zum hintersten Winkel, an die hölzerne Stiege zum Lager. Daran lehnt er, und riecht etwas feucht abgestandenes herabsickern.
Allzu vertrauter Brandweingeruch. Noch derselbe im Mix mit schalem Bier, dem Gammel gestockter Salzheringsfässer, und dem sauren Schweiß vom Wirt. Dessen schiere Gier roch er oft, bevor der Wirt ihn nur ansah, erfasst Krischan. Heute will er kein Dünnbier, koste nur ein Vermögen an Zeit. Blanke Münzen sollen tüchtig klimpern, am besten die von Eggebrecht!
Scharf sticht ihn der Dunst in seine Nase, in den Wulst am Ende. Krischan tastet hinauf. Noch kühl, keinerlei Regung. Lässt ihn sein Kompass im Stich? Den braucht er doch für die Swinemünder Vetternwirtschaft.
Wie zur Antwort - fast eigenständig, würden Krischans Knie nicht doch bange beben - klicken die drei Groschen in seiner Hosentasche leise aneinander. Umgehend endet das Klimpern, sie kriechen vor das Loch in der Naht, entgehen jedoch nicht Krischans rauen Krallen, die sie umkrampfen. Denn draußen vor den winzigen Fenstern beginnt es zu tagen. Wirt und Knecht kommen in die Schänke. Längst scheuert die Magd Holztische ab. Darüber streicht ein Stoßseufzer aus der Jacke des Wirts, und aus der Gegenwart heran, der Krischan sich zu stellen hierher kam.
„Wieder du?“, höhnt der Wirt, als wäre er ein Morgenmuffel nach einer langen Nacht vor nur dem Besäufnis anderer. Aber dann winkt er, recht aufgeweckt und herrisch wie stets, zuerst den Knecht zur Feuerung. „Fülle auf!“ Ohne jedes weitere Wort eilt er selber zur Stiege zum Lager, steigt hinan und voraus Krischan.
Der Knecht hechtet hinaus. Zurückgekehrt poltert er laut herum mit dem Holz, und spitzt die Ohren woandershin. Listig zur Stiege, heiß vor Neugier. Später, an der Straßenseite der Logierstuben, wo er oben wohnt, passt er Krischan ab.
„Ha! Das Schlitzohr treibt dich aufs Glatteis! Rede du mit Eggebrecht. Gegen zehn Uhr flaniert der am Hafen, wegen seinem Widersacher, dem Frachtmeister. Die Helena ist doch bloß eines von Eggebrechts Treiberkähnen.“ Er hält eine Hand offen vor Krischans Jacke. Krischan sieht auf die am Wasser steigenden Nebel. Also setzt der Knecht nach: „Was Eggebrecht entgeht, lagert die Schmiede am Stadtpark. Ich baue bald mit an der Marienkirche in Usedom, werbe fürs neue Dampfsägewerk schon Kameraden an, die sichere Münzen nicht vertrödeln.“ Mit schiefem Mund taxiert er die Groschen, die er einsteckt. Seine Tonlage verliert an Redefreude. „Wirst grade eben Bernsteine stemmen, warst inne Schule nur zum Kreideholen da. Schaff dem Schmied an, ich komm vorbei.“
Die Daumen hängt er in die Hosentaschen ein, schlenzt ab. Weder dem noch dem dreisten Tonfall des Knechts schenkt Krischan Beachtung. Er eilt um die Ecke, vorbei am Kurpark gen Schmiede. Bis zehn Uhr ist es noch lange hin, auch wenn noch Nebel vor dem Hafen lagern.