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Dagmar fragte: „Warum bist du eigentlich weggegangen?“

Wir waren höher gestiegen und standen am Metallgeländer einer schmalen Plattform. Vor uns gähnte der Abgrund, dreißig Meter oder tiefer. Ich warf einen kleinen Stein hinab. Es schollerte nur schwach, als er aufkam.

„Warum?“, wiederholte sie.

„Ich weiß es selbst nicht genau“, erwiderte ich.

„Aber ich“, sagte sie. „Es war wegen Gudrun. Dir fiel alles wieder ein.“

„Vielleicht“, gab ich zu, dachte: In Psychologie ist sie gut. Besser als ich.

Dagmar stieß sich vom Geländer ab. „Wollen wir weiter?“

Es war sehr dunkel, nur die Laternen wurden von blassen Lichtsäulen umgeben. Reglos säumten die niedrigen Pappeln unseren Weg. Nach wenigen Metern begannen wir, wieder zu keuchen. „Der Hang hat‘s wirklich in sich“, stellte Dagmar fest.

„Stimmt“, bestätigte ich. „Wir haben‘s bereits am ersten Tag bemerkt, und für einen war es gleich zu viel. Er kehrte um und fuhr mit dem Zug in seinen Heimatort zurück.“

„Das kann ich verstehen“, meinte sie.

„Ich nicht“, sagte ich. „Allerdings war es kein großer Verlust. Wenn jemand so schnell passt, ist nicht viel los mit ihm. Hier ist doch alles überschaubar: eine steile Böschung, an der man seine Kraft misst. Jeder Schritt bringt einen aufwärts, und irgendwann steht man oben, keuchend zwar, aber zufrieden. Nein, das ist keine große Sache. Schlimmer sind die unsichtbaren Hänge. Sie lassen sich wesentlich schwerer bezwingen. Man legt sich ins Zeug, will es um jeden Preis schaffen, schindet sich und kommt trotzdem nicht recht weiter.“

„Hast du es damals so empfunden?“, fragte sie.

„Ja“, bestätigte ich, „so ähnlich.“

Es war gegen Mittag, als ich unsre Wohnküche betrat. Vater aß mit Appetit Gulasch, Mutter löffelte widerwillig von einer breiigen Masse, die ihr zur Gewichtsabnahme verhelfen sollte. Sie traktierte ihre Geschmacksnerven gelegentlich damit, ohne Erfolge zu erzielen. Beide wunderten sich nicht über mein Erscheinen. Sie vermuteten wohl, dass ich Urlaub hätte. Ich ließ sie bei ihrem Glauben.

„Es ist noch reichlich da“, sagte Vater. „Setz dich auf meinen Platz, ich muss gleich zur Schicht.“

Das Essen schmeckte. Aufs Kochen verstand sich Mutter.

Anschließend legte ich mich hin und schlief bis zum nächsten Morgen. Nach dem Frühstück ging ich in die Stadt, bummelte durch die vertrauten, sonnenwarmen Straßen und betrat schließlich ein Gasthaus am Untermarkt. Ein Grenzer, der allein am Tisch saß, sprang auf und eilte mir entgegen. Wegen der Uniform erkannte ich ihn nicht gleich. „Junge“, sagte er, „Ronny!“ Er lotste mich zu seinem Platz und schnalzte mit den Fingern. Als die Kellnerin kam, bestellte er: „Zwei Pils, zwei Wodka.“

Ich war überrascht, dachte: Fredi bei der Fahne. Das ist ‘n Ding! Dunkel erinnerte ich mich, dass ich bereits vor Monaten davon gehört hatte, es damals aber nicht glauben wollte. Nun sah ich ihn mit eigenen Augen: Stabsgefreiter Manfred Veyrich. Winnetou in der Kaserne. Wie konnte es das geben?

Soldat zu werden, war mir bisher nicht in den Sinn gekommen, obwohl man uns im Betrieb angesprochen hatte.

Die Erlebnisse meines Vaters als Rekrut und während des Krieges wirkten in mir nach. Er gehörte nicht zu denen, die sich nur des Angenehmen entsannen: Die Weiber in Paris. Sektgelage. Beuteschmuck für die Verlobte im Reich. Er erinnerte sich auch an das andre, und manchmal drängte es ihn, darüber zu reden. Einen Unteroffizier vom Ausbildungslehrgang erwähnte er oft, Riegel hieß er, doch sie nannten ihn Schurigel, weil er die Soldaten arg schikanierte.

Daran dachte ich, als ich zur Werbekommission gerufen wurde. Sie hatte sich für etliche Tage in einem Raum des Betriebsschutzes eingerichtet. Bleib hart, redete ich mir unterwegs ein. Geh ihnen nicht auf den Leim. Ein Mann braucht seine Freiheit.

Ich musste lange warten. Vor mir holten sie einen stämmigen Maurer, den ich flüchtig kannte, ins Zimmer. Als er herauskam, war sein Gesicht gerötet.

Zur Kommission gehörten drei Männer. Die zwei älteren – sie mochten Anfang dreißig sein – hatte ich noch nie gesehen, der andre war unser FDJ-Sekretär. Ein Schwarzhaariger mit Brille begann das Gespräch. Er schien schon müde zu sein, musterte mich aber aufmerksam, als er fragte: „Wie stehst du dazu, Jugendfreund?“

„Positiv“, erwiderte ich, „durchaus positiv. Mir ist bewusst, dass die Republik des Schutzes bedarf. Nur bin ich momentan außerstande, auf Ihr Angebot einzugehen.“

„Weshalb?“

Sag die Wahrheit, dachte ich, sag: Weil du dich nicht bevormunden lassen willst. Aber wozu Läuse in den Pelz setzen? Geh taktisch vor, das ist immer gut. „Zunächst“, antwortete ich, „arbeite ich in einem Schwerpunktbetrieb. Da kommt es auf die Leistung eines jeden an. Durch meinen Weggang entstünde eine Lücke, die sich nicht mühelos schließen ließe. Und dann möchte ich mich beruflich qualifizieren, an einem Lehrgang teilnehmen. Außerdem werde ich in Kürze heiraten.“

„Ist wohl bereits was unterwegs?“

„Ja“, log ich, „und so ein kleines Kind braucht seinen Vater.“

„Gewiss“, sagte der FDJ-Sekretär, „aber die Republik darf deshalb nicht schutzlos bleiben. Familie haben wir alle irgendwie, nicht wahr. Trotzdem muss man bereit sein, auch mal Opfer zu bringen, und da, scheint mir, hapert‘s bei dir, Jugendfreund. Freilich, aufs Reden verstehst du dich, deine Formulierungen fließen dir nur so über die Lippen, doch Worte sind Schall und Rauch.“

Eben, dachte ich. Warum gehst du eigentlich nicht? Bist du auf deinem Posten unabkömmlich? Deine Funktion könnte auch ein andrer übernehmen. Das sind mir die Richtigen, die mit Engelszungen werben, sich selbst aber drücken. Plustre dich bloß nicht so auf, sonst lass ich die Katze aus dem Sack: Wie hältst du‘s mit dem Vorbild, Jugendfreund Sekretär? Du schummelst dich durch die Etappe, obgleich es eine Front gibt, und Funktionäre gehören nun mal in die vorderste Linie.

„Jawohl“, fuhr er fort, „Worte sind Schall und Rauch. Ihnen müssen Taten folgen. Und glaub mir, Jugendfreund Bylak, es bedeutet höchste Erfüllung, wenn man sich selbst überwindet und gesellschaftliche Erfordernisse sowie private Belange in die Balance bringt.“

„Klingt gut“, sagte ich. „Doch soweit reicht‘s bei mir noch nicht. Vielleicht, weil‘s andre, die immer etliche Schritte voraus sein müssten, zu wenig vorgelebt haben. Was du forderst, ist das Höchste, und das sollten zuerst die Bewusstesten vollbringen.“

Ich sah, wie er sich verfärbte und meinem Blick auswich.

„Zwingen können wir natürlich keinen“, sagte der zweite Werber. „Aber wir sprechen erneut mit dir, Jugendfreund. Grundsätzlich bist du ja wohl nicht dagegen?“

„Nein“, sagte ich.

Ich freute mich, dass ich ihnen ohne große Mühe entschlüpft war. Was wollen sie grade von mir?, dachte ich. Die sollen mich mal in Ruhe lassen. Ich hab meine Arbeit, hab Gudrun, sie vor allem, und wenn das mit dem Kind auch geflunkert war, kleines Kavaliersdelikt, so wäre es immerhin möglich. Und wer weiß: Was nicht ist, kann noch werden.

Es war anders gekommen. Und nun saß mir Fredi gegenüber wie in alten Zeiten, bloß die Uniform erschien mir ungewohnt. Wieder dachte ich: Fredi bei der Fahne. Winnetou in der Kaserne. Das ist ‘n Ding!

Fredi hob sein Schnapsglas. „Auf unser Wiedersehen!“

Wir stießen an und tranken aus. „Es gibt also noch Zufälle“, sagte ich.

„Hast du daran gezweifelt?“, fragte er. „Selbst für die Philosophen sind sie existent. Sie drücken‘s nur ein bisschen geschwollen aus: Schnittpunkt zweier oder mehrerer Notwendigkeiten … Aber das weißt du ja besser als ich. Schließlich warst du schon in der Schule ein As. Damals hab ich dich oft bewundert. Ehrlich! Ich dachte: Der bringt‘s zu was. Inzwischen bist du sicher schon auf dem besten Weg zum Akademiker. Wo studierst du eigentlich?“

„Nirgends.“

Er sah mich überrascht an. „Geext?“

„Nein“, erwiderte ich, „bis zur Uni bin ich gar nicht erst gekommen. Der Weg dorthin ist beschwerlich, und manche bleiben auf der Strecke.“

„Aber nicht so einer wie du“, behauptete er. „An deinen Leistungen kann‘s unmöglich gelegen haben.“

„Das war es auch nicht. Doch was ändert das schon?“

Er nahm sein Bierglas, pustete den Schaum beiseite und trank ein paar Schlucke. „Es will mir nur schwer in den Kopf“, meinte er. „Erzähl mal.“

„Wozu?“, fragte ich. „Mittlerweile ist es verjährt. Außerdem sind die Probleme von Gescheiterten nicht sehr erfreulich. Interessanter finde ich die Erlebnisse der Erfolgreichen. Deshalb sollten wir lieber über dich reden.“

„Ach herrjeh“, sagte Fredi, „was gibt‘s da schon Besonderes?“

„Vielleicht deine Uniform“, entgegnete ich. „Du trägst sie, obgleich du Urlaub hast und in Zivil gehen könntest. Folglich trägst du sie gern. Daraus lässt sich schließen, dass du mit Leib und Seele bei der Fahne bist.“

„Du hättest Psychologe werden sollen. Deine Schlüsse sind wirklich brillant.“

„Spotte ruhig. Ich lasse trotzdem nicht locker. Wenn mich was interessiert, will ich‘s ganz genau wissen.“

„Aber nicht hier“, erwiderte er. „Wie wäre es, wenn wir ein Stück gehen?“

„Eine gute Idee.“

Wir wanderten auf die Landeskrone. Zunächst benutzten wir einen Gürtelweg, der zwischen hohen Buchen allmählich aufwärts führte. Durch ihre dichten Kronen fiel nur wenig Licht.

Nach und nach blieben die Bäume zurück, Büsche und dorniges Gestrüpp wuchsen seitlich der schroffen Basaltfelsen, an denen wir nun klettern mussten. Wie früher, dachte ich. Auch damals mieden wir den Hauptweg, auf dem man den Gipfel leichter erreicht. Immer kraxelten wir die steilsten und gefährlichsten Pfade empor. Dabei gab es anfangs einen besonderen Nervenkitzel. An manchen Stellen stand mit weißer Farbe aufs Gestein geschrieben: Minen! Lebensgefahr! Darüber grinsten aufgemalte Totenschädel mit zwei schräg gekreuzten Knochen. In den letzten Kriegstagen war um den Berg erbittert gekämpft worden. SS-Leute hatten sich unweit der Bismarcksäule verschanzt und das Gelände unterhalb ihrer Stellung vermint. Später wurden die Sprengsätze von Räumtrupps entfernt. An den Felsen aber blieben die Warnungen zurück. Sie reichten aus, um uns Schauer über die Rücken zu treiben. Trotzdem wählten wir stets diesen Aufstieg. Keiner wollte feige sein.

Fredi keuchte neben mir. Wir suchten mit Händen und Füßen in Vertiefungen sowie auf Vorsprüngen Halt, klommen Stück um Stück höher. Zuweilen löste sich ein Steinchen und kullerte abwärts. Auf einer Felsnase hielt Fredi inne und fragte: „Wie wär‘s mit ‘ner Fünfzehn?“

„Ich bin dafür. Man soll‘s nicht übertreiben.“

Fredi nahm die Schirmmütze ab. Er wischte sich mit seinem Taschentuch über die Stirn und das glänzende dunkle Haar, dann setzte er sich. Wir konnten die Stadt sehen. Sie streckte sich vom Fuß der Landeskrone bis weit in die Ebene. Die Neiße teilte sie. Der Grenzfluss schlängelte sich durch Parks und Wiesen, ehe er sich als blassblaue Linie am Horizont verlor.

„Ich bin eine kleine Ewigkeit nicht hier gewesen“, sagte Fredi. „Über fünf Monate. Nach so langer Zeit habe ich immer Sehnsucht. Seit der Lehre bin ich selten in Görlitz. Trotzdem ist eine enge Bindung da. Ich denke oft an die Schule und an dich. Du hast mir damals sehr geholfen.“ Er drückte seine Mütze tiefer in die Stirn, weil die Sonne ihn blendete. „Kannst du dich eigentlich noch an den Pionierleiter erinnern und unseren Historikerzirkel? Wir gingen, glaube ich, in die sechste Klasse. Weißt du‘s noch?“

„Ja“, bestätigte ich. „Wir haben Material zusammengetragen: über die Verrätergasse, den Aufenthalt Napoleons, das Wirken Jakob Böhmes, den illegalen Widerstandskampf.“

„Das alles hat mir die Stadt vertraut gemacht“, sagte Fredi.

„Also wirst du zurückkehren?“

„Möglich“, erwiderte er. „Aber das entscheide ich nicht allein.“

„Freundin?“

„Ja, sie wohnt im Standortbereich.“ Er langte seine Brieftasche hervor und suchte ein Bild heraus. „Das ist sie.“

Das Foto zeigte ein blondes Mädchen. Ich betrachtete es lange. „Gefällt mir“, sagte ich schließlich.

Da lächelte Fredi, und als ich ihm das Bild zurückgab, schob er es behutsam in die Brieftasche. Dabei rutschte ein anderes Foto hervor. Er hielt es Momente unschlüssig in der Hand, bevor er es mir reichte. „Kennst du die?“, fragte er.

Gesehen habe ich sie schon, dachte ich. Das lange, schwarze Haar, die großen, dunklen Augen, die vollen, stark geschwungenen Lippen … „Viola“, sagte ich, „ist das nicht Viola?“

„Alle Achtung“, lobte er. „Immerhin hat sie sich ziemlich verändert. Doch vielleicht merkt man‘s auf dem Bild nicht.“

Sie ist wirklich sehr gealtert, dachte ich. Die Falten an den Mundwinkeln sind so tief wie bei einer Vierzigjährigen. Was muss einem widerfahren, wenn so deutliche Spuren bleiben?

„Ist sie wieder hier?“, fragte ich.

„Nein“, entgegnete Fredi. „Ich war in München. Kurz bevor ich an die Grenze ging. Damals entstand das Bild. Im Hintergrund erkennst du das Haus, in dem sie wohnt.“

„Sieht ganz manierlich aus“, sagte ich.

„Aber nur von außen“, behauptete er. „Innen steckt der Schwamm in allen Wänden. Besonders im Souterrain. Und dort haust Viola mit dem Kind. In einem muffigen Gewölbe, wo man sich die Schwindsucht holt. Ich hab versucht, sie zur Rückkehr zu bewegen, doch vergeblich.“

„Was hält sie dort?“

„Ihr Eigensinn“, erwiderte er. „Noch mehr ihr Kerl. Er hat sie mit dem Kind sitzenlassen, aber sie hofft, dass er irgendwann wiederkommt. Sie hockt in dem elenden Loch und wartet. Das macht sie fertig. Als sie rüberging, war sie das blühende Leben. Jetzt ist sie ein Wrack. Sie sieht aus wie fünfunddreißig. Das Seelische, scheint mir, richtet den Menschen mehr zugrunde als das Körperliche.“

Ich reichte ihm das Bild zurück. Er schob es in die Brieftasche. „Es ist schlimm, wenn man nichts tun kann“, fuhr er fort. „Du weißt, dass sie immer tiefer reinschlittert, aber du bist ohnmächtig. Und was sich sonst dort alles tut: die Filme, die ich gesehen habe, schrecklich. Einmal bin ich sogar in ein Landsmannschaftstreffen geraten. Ich könnte dir da Dinge erzählen …“

„Und seitdem hast du keine Nachricht von ihr?“

„Nein, nichts“, sagte er. „In den ersten Wochen wartete ich darauf. Auch dann noch, als ich mich bereits in der Grundausbildung befand. Ich dachte: Sie wird wenigstens schreiben! Aber es war ein Trugschluss.“ Fredi hob ein Steinchen auf und warf es in die Tiefe. „Sicher hab ich‘s falsch angefasst“, fügte er hinzu. „Vielleicht hätte ich weniger reden und ihr lieber ein paar langen sollen. Möglicherweise wäre sie dann zur Besinnung gekommen.“

„Das glaub ich nicht“, antwortete ich. „Damit hättest du‘s eher schlimmer gemacht.“

„Aber die Quatscherei war auch für die Katz. Wir reden sowieso zu viel, finde ich. Versteh mich richtig: Nichts gegen Gespräche und Diskussionen an sich, gar nichts. Es muss sie geben, und man kann damit ‘ne Menge erreichen, aber längst nicht alles. Nimm nur die Nachwuchsfrage bei der Armee. Hast du ‘nen Schimmer, wieviel Werbekommissionen innerhalb der Republik von Betrieb zu Betrieb ziehen? Ich weiß es auch nicht, aber es ist eine stattliche Anzahl. Gewiss, die Genossen machen ihre Sache. Sie überzeugen einen Teil der Jugendlichen, einen anderen überreden sie, dennoch bleibt ein erheblicher Rest, und der besteht größtenteils aus gewieften, dickfelligen Burschen. Die hören bei den Gesprächen mit bereitwilliger Miene zu – sie haben ja Zeit, nichts treibt sie, schließlich zahlt der Betrieb für den Arbeitsausfall Durchschnittslohn -, sie sitzen also scheinbar treuherzig da, insgeheim aber lachen sie sich ins Fäustchen, und während sie dann und wann sogar zustimmend nicken, denken sie: Redet euch getrost die Münder fusselig, in die Kaserne kriegt ihr uns doch nicht. Und nachher protzen sie mit ihrer Taktik. Sie sehen nur sich. Es schert sie einen Dreck, dass andere indessen an der Grenze stehen und notfalls für sie die Kastanien aus dem Feuer holen müssen. Und die Knilche vom BGS vergällen einem zusätzlich das Leben. Aber all das kümmert die gewieften, dickfelligen Burschen nicht.“

„Und wie würdest du‘s ändern?“, fragte ich.

„Ganz einfach“, erklärte er. „Ich würde die Wehrpflicht einführen. Jeder, der tauglich ist, müsste eine bestimmte Zeit dienen. Das wäre die gerechteste Lösung, und ich bin davon überzeugt, dass es sie über kurz oder lang geben wird. Ein Land, dem die alten Marschierer lieber heute als morgen auf die Pelle rücken möchten, kann mit Freiwilligen allein nicht auskommen.“ Fredi nahm wieder seine Schirmmütze ab und wischte mit dem Taschentuch über die feuchte Stirn. „Nun aber Schluss mit dem Disput!“, entschied er. „Ich hab einen Bärenhunger. Wollen wir noch hoch ins Restaurant?“

„Aber nur, wenn es auf meine Rechnung geht.“

Fredi lächelte ein bisschen, während er sagte: „Wenn‘s sein muss …“

„Es muss“, meinte ich. „Im Übrigen bin ich nicht ganz uneigennützig.“

„Nein?“

„Ich hoffe, du wirst mir noch was erzählen.“

„Worüber denn?“

„Über deinen Dienst.“

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