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2.6.5 Das Gehirn hat keine Reset Taste

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»Verlernen« ist kein bekannter psychologischer Prozess. Es gibt viele Lernprozesse, die Verhalten abschwächen (z. B. Vergessen oder Extinktion). Symbolische Netzwerke sind ein Ergebnis der individuellen Lerngeschichte. Sie entwickelt sich durch Hinzufügen, nicht durch Wegnehmen. Menschen können vergessene Dinge schneller wieder erlernen als vollkommen neue Dinge. Extinktion funktioniert durch Inhibition von Lernen, neuem Lernen oder Flexibilität von Verhalten, nicht jedoch durch Verlernen. Dieses Prinzip ist besonders wichtig, wenn es um Gedanken geht (d. h. symbolische Beziehungen), weil Ableitungsprozesse die Inhibition von Denken schwieriger machen als die Inhibition anderen Verhaltens. Es ist möglich, das Gehen oder Essen für Stunden zu inhibieren, aber es ist unmöglich, dasselbe mit dem Denken zu tun. Das bedeutet nicht, dass Menschen ihr Denken nicht steuern können. Es ist beispielsweise möglich, absichtlich an etwas Bestimmtes zu denken. Aber es ist unmöglich, sich auf diesen einen Gedanken über einen langen Zeitraum hinweg zu konzentrieren, denn das würde erfordern, dauerhaft andere Gedanken zu unterdrücken.

Deshalb kann es in der Psychotherapie nicht darum gehen, eine symbolische Beziehung zu löschen, wenn sie für ein psychologisches Problem verantwortlich ist. Vielmehr geht es darum, die relative Wahrscheinlichkeit zu verringern, dass die Patientin sie anwendet. Therapie strebt an, den Einfluss der symbolischen Beziehung auf das Verhalten zu beschränken, beispielsweise indem sie andere, hilfreichere symbolische Beziehungen stärkt. Psychotherapeutische Methoden arbeiten darauf hin, im Bereich der symbolischen Beziehungen den Kontext des Denkens zu verändern. Sie nutzen Hinweisreize, um neue Beziehungen herzustellen oder die Funktionen bestehender Beziehungen zu transformieren. Es ist daher während der psychotherapeutischen Arbeit wichtig, beide Prozesse zu beachten. Das verhindert, dass Therapeutinnen oder Patientinnen die Funktionen beim Versuch der Veränderung symbolischer Netzwerke versehentlich auf eine ungünstige Art verändern. Das Ziel von Interventionen ist nicht das Vorhandensein oder die absolute Abwesenheit eines bestimmten Gedankens, sondern die Fähigkeit, das eigene Denken so zu lenken, dass durch einen kumulativen und integrativen Prozess nützliche symbolische Beziehungen entstehen. Für das Verständnis von Psychopathologie ist es wichtig zu bedenken, dass Patienten aus nachvollziehbaren Gründen nach der Reset Taste suchen, um sie anzuwenden. So versuchen viele, ein Trauma zu vergessen oder einen bewertenden Gedanken zu unterdrücken. Dies führt zur letzten allgemeinen Schlussfolgerung dieses Kapitels.

Sprache als psychotherapeutische Intervention

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