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2.6.6 Es ist nicht logisch, es ist psycho-logisch

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Das symbolische Verhalten des Menschen ist die Grundlage menschlicher Logik. Symbolische Handlungen sind jedoch nicht einfach nur logisch. Sie sind psychologisch.

Um diese Idee besser zu verstehen, nehmen Sie einmal an, dass Sie zunächst glauben, A bewirkt B. Später kommen Sie zu dem sicheren Schluss, dass A doch nicht B bewirkt. Aus logischer Sicht ist der Gedanke hier zu Ende. A bewirkt nicht B. Aus der psychologischen Sicht ist dies nicht ganz so einfach, auch wenn Sie jetzt tatsächlich glauben, dass A nicht B bewirkt. Teilweise beruht dies darauf, dass die Beziehung zwischen A und B ein erlerntes Verhalten ist, und Erlerntes fortbesteht. Beispielsweise glaubt ein Kind, sein Vater sei aus dem Grund gestorben, weil es kurz vor seinem Tod gedacht hat: »Ich wünsche mir, dass er stirbt«. Sogar wenn man dem Kind erklärt, dass diese Schlussfolgerung nicht den Tatsachen entspricht, kann es an dem Gedanken festhalten, es sei schuldig. Es gibt keine Löschfunktion – das Verhalten (der Gedanke »Ich war es«) wird stets mit einer gewissen Stärke in seinem Repertoire vorhanden sein. Es fühlt sich möglicherweise weiterhin schuldig. Es vermeidet Erinnerungen an den Vater. Viele Dinge erscheinen im weiteren Umgang mit diesem beunruhigenden Gedanken erst einmal folgerichtig oder schlüssig: sich damit auseinandersetzen, sich davon ablenken; Rückversicherung von anderen suchen; Auslöser vermeiden, die zu diesem Gedanken führen. Sie erhöhen aber mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit den Einfluss und die Häufigkeit des Gedankens sogar noch. Um Kohärenz wiederherzustellen, ohne den Gedanken zu löschen, muss die Geschichte des Kindes in die Analyse der Situation mit einbezogen werden: Es hatte einst den Gedanken, es sei für den Tod des Vaters verantwortlich. Da Gedanken nicht gelöscht werden können, ergibt es Sinn, dass es auch heute noch denkt, es sei verantwortlich.

Es gibt einen weiteren Grund, warum Therapeuten vorsichtig im Umgang mit Kohärenz sein müssen: Kohärenz per se ist kein Garant für Wohlbefinden. Man kann logische Antworten auf existentielle Fragen finden, und trotzdem unglücklich sein. Stellen Sie sich eine Mutter vor, deren Kind bei einem Autounfall mit ihr am Steuer verletzt wurde. Wenn sie über dieses Ereignis nachdenkt, sagt sie sich: »Ich bin verantwortlich für seine Verletzungen«. Unabhängig von den genauen Umständen des Unfalls wird es immer möglich sein, eine kohärente Begründung für diesen Gedanken zu finden. Wenn sie zu schnell gefahren ist, klingt es logisch zu schussfolgern, dass sie tatsächlich verantwortlich ist. Aber sogar dann, wenn sie vorsichtig gefahren ist, ist dies möglich. Sie hätte an dem Tag eine andere Strecke fahren können, oder sie hätte dem anderen Fahrzeug ausweichen können, wenn sie aufmerksamer gewesen wäre, usw. Kohärenz ist leicht zu finden, sie kann aber nutzlos oder schädlich sein, wenn sie nicht zu effektivem Verhalten führt. Psychologische Interventionen können sich daher nicht an einer beliebigen Form von Kohärenz orientieren. Sie brauchen Sinnhaftigkeit und Wirksamkeit in Bezug auf ein damit in Verbindung stehendes Ziel, d. h. eine Form von funktionaler Kohärenz.

Das symbolische Verhalten des Menschen ist ein zweischneidiges Schwert – es beeinflusst menschliches Handeln im Guten wie im Schlechten. Es kann die Sensitivität für den Zusammenhang zwischen Verhalten und seinen Konsequenzen erhöhen oder verringern. Es kann Veränderung fördern oder Menschen in ineffektiven Strategien verharren lassen. Es kann bei Problemlösungen helfen oder das Leben als etwas erscheinen lassen, das erst dann beginnt, wenn alle Probleme gelöst sind. Es kann Menschen dabei unterstützen, sich ihrer Werte bewusst zu sein und sie mit Hingabe zu verfolgen. Es kann Menschen aber auch dazu bringen, nutzlos über die unglückliche Vergangenheit zu grübeln oder sich angstvoll um die Zukunft zu sorgen.

Sprache als psychotherapeutische Intervention

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